Stan Lee

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Stan Lee auf der Comic-Con (2007)

Stan Lee (* 28. Dezember 1922 in New York; geboren als Stanley Martin Lieber) ist ein US-amerikanischer Comicautor und -redakteur. Zusammen mit Zeichnern wie Jack Kirby und Steve Ditko schuf er für Marvel Comics eine Reihe von klassischen Superhelden. Lee und seine Mitarbeiter waren die Ersten, die komplexe Charaktere und ein durchdachtes gemeinsames Universum in die Welt der Superheldencomics brachten. Er machte aus dem kleinen Verlag Marvel Comics ein großes Medienunternehmen.

Frühe Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Teenager begann Lee für Verleger Martin Goodman als Kopierassistent bei Timely Publications zu arbeiten. Aus Timely wurde später Marvel Comics. Bald begann Lee auch Comics zu schreiben und wurde im Alter von 17 Jahren der jüngste Redakteur im Comicbereich. 1941 erschien seine erste veröffentlichte Arbeit, eine Textseite in einem Captain America Comic[1], das er mit dem Pseudonym Stan Lee unterschrieb.

Während des Zweiten Weltkriegs diente Lee in der Armee der Vereinigten Staaten, wo er Anleitungen, Trainingsfilme, Slogans und manchmal Cartoons verfasste. Seine militärische Klassifikation war „Playwright“ (dt.: „Dramaturg, Bühnenautor“), nur neun Männer in der Armee waren für diese Tätigkeit vorgesehen[2]. Nach dem Zweiten Weltkrieg kehrte er zu Timely zurück.

Anfang der 1950er-Jahre wurde verstärkt behauptet, dass Comics einen schlechten Einfluss auf Jugendliche hätten, davon waren insbesondere die populären Horrorcomics betroffen. Um weiter publizieren zu können, führten Comicverlage eine Selbstzensur durch und schufen infolgedessen den strengen Comics Code. Zur selben Zeit begann auch der Rückgang der Superheldencomics. 1952 waren die DC Comics Superman, Batman und Wonder Woman die einzigen regelmäßig erscheinenden Titel. Aufgrund dieser Umstände schrieb Lee in dieser Zeit Comics für verschiedene Genres. Am Ende des Jahrzehnts erwog er, das Comicschreiben aufzugeben.

Die Marvel-Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den späten 1950er-Jahren belebte DC Comics das Superheldengenre wieder. Die neugestarteten Serien The Flash und Justice League of America waren sehr erfolgreich, und Martin Goodman gab Lee den Auftrag, ein neues Superheldenteam zu schaffen. Lee schuf daraufhin mit Jack Kirby 1961 die Superheldenfamilie Fantastic Four, die im deutschsprachigen Raum als die Fantastischen Vier bekannt wurden.

Stan Lee (1975)

Nach erfolgreichem Start der Serie schufen Lee und Kirby kurz darauf Hulk, Iron Man, Thor und die X-Men. Mit Bill Everett kreierte Lee Daredevil und mit Steve Ditko Doctor Strange und Spider-Man. Diese Charaktere halfen das Superheldengenre neu zu erfinden. Lee gab seinen Charakteren Fehler und Probleme. Seine Helden hatten Wutausbrüche, waren melancholisch, eitel oder gierig. Sie kämpften miteinander, hatten Probleme die Miete zu bezahlen und manche hatten gesundheitliche Probleme. Lee schrieb Charaktere, mit denen sich der Leser identifizieren konnte, statt der unfehlbaren Idole, die Superhelden vorher gewesen waren.

In den 1960er-Jahren war Lee Autor und Redakteur der meisten Marvelserien, antwortete auf Fanbriefe und schrieb die monatliche Kolumne „Stan’s Soapbox“. Um den Redaktionsschluss einhalten zu können, erfand Lee seine eigene Art des Comictextens (bekannt als „Marvel-style of comic scripting“). Er erstellte statt eines vollständigen Skripts eine Zusammenfassung der Geschichte. Ein erfahrener Zeichner baute die Zusammenfassung auf die geforderte Seitenzahl aus, und Lee fügte Texte und Dialoge in die fertigen Zeichnungen ein. Die Zeichner wurden so zu Co-Autoren der Comics. Durch dieses System ist allerdings umstritten, wie viele Comics, die Lees Namen tragen, tatsächlich aus seiner Feder stammen. Dies betrifft insbesondere Comics, die mit Kirby und Ditko verfasst wurden. Behauptungen, dass Lee die Lorbeeren selbst ernten wollte und die Zeichner ausnutzte, wies Lee stets zurück.

1971 reformierte Lee den Comics Code, indem er in einer Geschichte (Amazing Spider-Man #96) für das US-Gesundsheitsministerium einen Freund Spider-Mans tablettenabhängig werden ließ. Die Comics Code Authority (CCA) verweigerte aufgrund der Drogenthematisierung die Zustimmung; der negative Kontext, in dem die Drogen dargestellt wurden, wurde als irrelevant bewertet. Als Reaktion veröffentlichte Marvel die Geschichte ohne CCA-Siegel. Das Heft erzielte gute Verkaufszahlen und Marvel wurde für sein soziales Engagement gelobt. Daraufhin lockerte die CCA den Comics Code und erlaubte die Darstellung von Drogen in negativem Kontext.

Spätere Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In späteren Jahren wurde Lee eine Galionsfigur für Marvel Comics. Er trat auf Comic-Conventions im ganzen Land auf, hielt Lesungen und nahm an Podiumsdiskussionen teil. 1981 zog er nach Kalifornien, um Marvels TV- und Filmprojekte zu fördern. Er war ausführender Produzent vieler Filme, die auf Marvel-Charakteren basierten, und hatte in vielen Filmen kurze Cameo- und Gastauftritte (siehe unten).

Stan Lee (2007)

Während des Dotcom-Booms gab Lee seinen Namen für StanLee.Net frei, ein Online-Multimedia-Unternehmen, an dessen Führung er allerdings nicht beteiligt war. Das Unternehmen versuchte Internetanimation mit traditionellen Comicstrips zu verschmelzen, scheiterte aber an Missmanagement.

2001 arbeitete Lee erstmals für DC Comics. Er schuf die Serie „Just Imagine Stan Lee creating…“, eine Neuinterpretationen verschiedener DC-Charaktere, so wie sie Lee geschaffen hätte.

Für Spike TV schuf Lee die animierte Superheldenserie Stripperella. 2004 wurden Pläne für eine Kollaboration mit Hugh Hefner angekündigt, die einen Superheldencartoon mit Playboy-Playmates betrafen. Im August 2004 kündigte Lee die Gründung von „Stan Lee’s Sunday Comics“ an, einer Website auf der Abonnenten sonntäglich neue Comics von Lee lesen können. Gemeinsam mit Ringo Starr arbeitete Lee 2005 an der Entwicklung der Zeichentrickserie „Super-Ringo“ für das Fernsehen.

Lee verklagte den Comicverlag Marvel Enterprises (Marvel Comics) auf 10 % des Profits, den die Verfilmungen seiner Comicfiguren einspielten. In erster Instanz gewann Lee, vor dem Berufungsverfahren einigten sich Lee und Marvel Enterprises im April 2005 außergerichtlich auf eine Entschädigung in Millionenhöhe.

2008 erhielt Lee die National Medal of Arts.

Seit 2010 wirkt er als Moderator an der Fernsehserie Stan Lee’s Superhumans mit, die in Deutschland unter dem Titel Superhuman auf RTL II ausgestrahlt wird.[3][4]

Im Januar 2011 wurde Lee auf dem Hollywood Walk of Fame mit einem Stern in der Kategorie Film geehrt.[5]

Im Auftrag von Arnold Schwarzenegger entwarf er „The Governator“, dies wurde im Vorfeld der Internationalen Filmfestspiele von Cannes vorgestellt[6].

2012 erarbeitete Lee mit den Gründern von 1821 Comics Paris Kasidokostas Latsis und Terry Dougas, die Grafik-Novelle „Romeo and Juliet: The War“. Er verlegte das Werk mit Gill Champion für POW! Entertainment[7].

Im Jahr 2016 startete die Serie Stan Lee’s Lucky Man mit James Nesbitt in der Hauptrolle. In der Krimi-Serie geht es um einen Polizisten, der mittels eines Armbandes sein Glück kontrollieren kann.

Cameo-Auftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lee hatte als ausführender Produzent viele Cameo-Auftritte in Marvels Filmprojekten, darüber hinaus hatte er auch Gastauftritte in anderen Produktionen.

Marvel-Produktionen (geordnet nach Erscheinungsjahr):

Gastauftritte in Nicht-Marvel-Produktionen:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stan Lee, George Mair: Excelsior! The Amazing Life of Stan Lee. Fireside, New York NY 2002, ISBN 0-684-87305-2.
  • Jordan Raphael, Tom Spurgeon: Stan Lee and the Rise and Fall of the American Comic Book. Chicago Review Press, Chicago IL 2003, ISBN 1-55652-506-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Captain America Comics #3 (Mai 1941)
  2. Stan Lee Biography
  3. Magnetmann – Iceman – Lightning Guy – Folge 1
  4. Stan Lees Superhumans
  5. Stern für Vater von Spider-Man
  6. Die Presse, Print-Ausgabe vom 5. April 2011
  7. Stan Lee’s Romeo and Juliet: The War Graphic Novel Now Available

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Stan Lee – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien