Twint

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TWINT AG

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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 2014 (Vorgängerunternehmen)
2016 (Fusion)
Sitz Zürich, Schweiz
Leitung Markus Kilb (Geschäftsführer)
Søren Mose (VR-P)
Branche Mobile Payment
Website www.twint.ch

Twint (Eigenschreibweise: TWINT) ist ein schweizerisches Zahlungssystem für bargeldloses Zahlen und Einkassieren des in Zürich ansässigen Unternehmens TWINT AG. Die Finanztechnologie mit der gleichnamigen App wurde 2017 schweizweit eingeführt und läuft auf iPhones sowie Android-Smartphones. Das Unternehmen entstand 2016 aus einer Fusion der vormaligen Paymit und Twint. Bei einer Umfrage im Januar 2021 wurde Twint als führender Mobile-Payment-Anbieter in der Schweiz eingestuft.[1][2]

Unternehmen

Geschichte

Die Twint AG wurde im Juli 2014 als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Postfinance gegründet. Geschäftsführer (CEO) wurde das Postfinance-Geschäftsleitungsmitglied Thierry Kneissler, Präsident des Verwaltungsrates wurde Hansruedi Köng, Geschäftsleiter der Postfinance. Konkurrent war Paymit, eine App der UBS, der Zürcher Kantonalbank und der SIX, dem sich in der Folge weitere Banken angeschlossen haben.[3][4] Der Name TWINT wurde ursprünglich entwickelt als Wortverschmelzung aus «twin» als verlässlicher Begleiter im Alltag, «twist» für Dynamik und «win» für Erfolg (durch einfache Anwendung).[5][6]

Im Mai 2016 gaben Paymit und Twint ihre Fusion bekannt.[7] Dieser Entscheid wurde im September 2016 von der Wettbewerbskommission (Weko) gutgeheissen.[8] Das neue gemeinsame Angebot ging unter dem Namen Twint AG ab November 2016 in eine Testphase.[9] Im April 2017 erfolgte die Migration der Nutzer von Twint und Paymit.[10]

Mit dem Zusammenschluss von Paymit und Twint hat sich die Unternehmensstruktur, nicht aber der Name verändert. Der Verwaltungsrat setzte sich aus je einem Vertreter der sieben Twint-Aktionäre zusammen. Verwaltungsratspräsident wurde Jürg Weber, der Leiter der SIX Payment Services. Thierry Kneissler blieb Geschäftsführer. Der Firmensitz wurde von Bern nach Zürich verlegt.[11]

Ende 2017 löste Søren Mose, Mitglied des Verwaltungsrates der SIX Group, Jürg Weber als Verwaltungsratspräsident ab.[12] Markus Kilb übernahm per Anfang November 2018 die Rolle als Geschäftsführer von Thierry Kneissler.[13]

2019 hat Twint zusammen mit anderen Marktteilnehmern die European Mobile Payment Systems Association (EMPSA) mit Sitz in Zürich gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehören Bluecode (Österreich, Deutschland), Twint (Schweiz), Swish (Schweden), Vipps (Norwegen), MobilePay (Finnland, Dänemark), Bancontact Payconiq (Belgien) und Sibs/MB Way (Portugal).[14] Mit Stand Juli 2021 waren 14 Zahlungsanbieter aus 15 Ländern Mitglied bei der EMPSA.[15]

Twint ist das am schnellsten wachsende Zahlungssystem in der Schweiz.[16]

Anteilseigner

Die Banken BCV (Banque Cantonale Vaudoise), Credit Suisse, Raiffeisen, UBS sowie die Zürcher Kantonalbank sind ebenso als Aktionäre beteiligt wie SIX und Postfinance.[9] Durch eine strategische Partnerschaft bei SIX hat sich 2018 auch Worldline aus Frankreich mit 20 % an Twint beteiligt. Bis dahin gehörten die Aktien zu je einem Drittel der Postfinance, SIX sowie den restlichen beteiligten Banken.[17] Die Anteile der bisherigen Aktionäre wurden dabei erhalten.[18] Prozentual gab es dabei Veränderungen: So ist etwa Die Schweizerische Post neu mit 26,6 % an Twint beteiligt.[19][20]

Funktionsweise

Privatkunden

Die kostenlose Mobile-Payment-Applikation ermöglicht bargeldloses Bezahlen an Parkuhren (Handy-Parken), Kassen, Automaten, in Online- und App-Shops und zwischen Nutzern. Ausserdem lassen sich Mitgliederausweise und Kundenkarten digitalisieren sowie digitale Stempelkarten und Rabatt-Coupons von Händlern in der Applikation nutzen. Neben der Prepaid-App, welche via Lastschriftverfahren (LSV), Einzahlungsschein oder Guthabencode aufgeladen werden kann, bieten verschiedene Schweizer Banken ihre eigenen Twint-Apps an. Die Twint-Apps der Banken werden direkt mit dem Bankkonto oder einer hauseigenen Kreditkarte verbunden. Einzig die Twint-App der UBS lässt alle schweizerischen Kreditkarten zu und steht auch Nichtkunden zur Verfügung. Ab 2022 will Twint die LSV-Anbindung an die Bankkonten nicht mehr anbieten.[15][21]

NFC ist hierbei nicht notwendig, da der Kontakt zwischen Kasse und Kunde via «Twint Beacon» mit Bluetooth Low Energy oder via QR-Code erfolgt. Aus regulatorischen Gründen darf Twint nur in der Schweiz und in Liechtenstein eingesetzt werden.[22] 2017 wurde eine Kompatibilität mit Alipay anvisiert.[23] 2019 war Twint allerdings bei einer neu gegründeten Bezahl-Allianz zwischen sieben Anbietern nicht mit von der Partie. Eine spätere Mitwirkung schliesst Twint jedoch nicht aus.[24]

Im Jahr 2021 wurde Twint an das Sonect-Netzwerk angeschlossen, womit ein Bargeldbezug an diversen Verkaufsstellen ermöglicht wurde.[25]

Geschäftskunden

Das Händler-Netz von Twint besteht aus Shops, Restaurants, Bars sowie Snack- und Billettautomaten in der Schweiz und in Liechtenstein. Zudem ist Twint in diverse Online- und App-Shops integriert.[26]

Mit Twint kann stationär via Kasse (am POS-Terminal oder Beacon) oder PC (Desktop, Laptop) einkassiert werden. Auch ortsunabhängiges Einkassieren ist möglich über ein mobiles Kartenterminal. Je nach Kassieroption hält der Kunde beim Zahlen sein Smartphone an den Twint-Beacon oder scannt von einem Display des Händlers einen QR-Code. Auch an Automaten kann mit Twint bezahlt werden.

Für Hofläden, Marktstände, Imbisswagen und ähnliche kleine Händler bietet Twint QR-Code-Sticker an. Somit kann der Händler mit Twint sowohl an unbedienten wie auch an bedienten Verkaufsstellen einkassieren. Je nach Verkaufsangebot kann eine andere Option des QR-Code-Stickers gewählt werden, solche mit frei wählbaren Beträgen oder solche für fixe Beträge.[27]

Die Integration von Twint in Online- oder App-Shops erfolgt per Payment-Service-Provider, Plug-in oder durch Eigenentwicklung.[28]

Geschäftskunden können mit Twint Mobile-Marketing-Kampagnen anbieten, indem sie für ihre (potenziellen) Kunden digitale Stempelkarten und Rabatt-Coupons definieren. Diese werden in der Applikation angezeigt und sind direkt im Zahlungsprozess integriert.

Die Transaktionspreise für Geschäftskunden sind abhängig vom Acquirer (Twint Acquiring AG, SIX Payment Services oder Concardis).[29] Bei der Twint Acquiring AG sind es derzeit grundsätzlich 1,3 Prozent.[30]

Kritik

Der Onlinehändler Digitec Galaxus kritisierte eine Gebührenerhöhung von Twint und akzeptierte deren Änderungsvertrag nicht. Infolgedessen konnte Twint zwischen 1. März 2020[31][32] und 20. November 2020 nicht mehr bei Digitec Galaxus zur Zahlung genutzt werden. Die beiden Unternehmen haben sich Mitte November 2020 geeinigt.[33] Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) resultieren in der Regel jedoch höhere Gebühren, auch im Vergleich mit Debitkarten.[34] Coop und Migros profitieren hingegen von Sonderkonditionen und zahlen nur die Hälfte.[35]

Trivia

Der Vorgang, Geld von einem Smartphone auf ein anderes zu überweisen, wird seit Ende 2018 in der Schweiz umgangssprachlich als twinten bezeichnet.[36]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Moneyland.ch Studie 2020. Abgerufen am 6. April 2021.
  2. Bezahlen mit dem Smartphone ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Abgerufen am 17. April 2021 (Schweizer Hochdeutsch).
  3. Bezahl-Apps: So funktionieren Twint und Paymit. In: Bilanz. 31. März 2016, abgerufen am 19. März 2019.
  4. Mischa Stünzi: Postfinance setzt auf das Handy. In: Der Bund. 20. November 2014, abgerufen am 29. März 2019.
  5. Tipps rund um ZugerKB TWINT. Zuger Kantonalbank, abgerufen am 15. Februar 2021 (unter «TWINT allgemein»).
  6. Twint – Namensentwicklung und sprachliche Betreuung für PostFinance auf der Website des Namensentwicklers Endmark GmbH, abgerufen am 15. Februar 2021.
  7. Die Bezahl-App Paymit wird begraben. In: Handelszeitung. 27. Mai 2016, abgerufen am 19. März 2019.
  8. Twint erhält Weko-Bewilligung. In: Finanz und Wirtschaft. 9. September 2016, abgerufen am 19. März 2019.
  9. a b Schweizerische Mobile-Payment-Lösung TWINT erhält grünes Licht von WEKO und kann damit planmässig entwickelt werden. Postfinance, 9. September 2016, abgerufen am 29. März 2019 (Medienmitteilung).
  10. Thomas Benkö: Nach Twint/Paymit-Update. UBS-Kunden können teils nicht mit Handy zahlen. 21. April 2017, abgerufen am 19. März 2019.
  11. TWINT AG. In: Schweizerisches Handelsamtsblatt. 30. September 2016, Nr. 190, Jahrgang 134.
  12. Simon Mathis: Twint-Präsident Jürg Weber verlässt die Six Group. In: Netzwoche. 20. November 2017, abgerufen am 19. März 2019.
  13. Twint-CEO Thierry Kneissler tritt ab. In: Finanz und Wirtschaft. 11. Juli 2018, abgerufen am 22. Oktober 2018.
  14. Gründung der europäischen Mobile-Payment-Vereinigung EMPSA / Mobiles Bezahlen nach europäischen Regeln: Bluecode startet wegweisende Kooperation mit führenden Mobile-Payment-Anbietern. In: finanzen.net. 3. September 2019, abgerufen am 3. September 2019.
  15. a b Michael Heim: Nächste Station: Twint im Ausland. In: Handelszeitung. 14. Juli 2021, abgerufen am 15. Juli 2021.
  16. Moneyland Studie. Abgerufen am 6. April 2021.
  17. Twint auf der Rollbahn. In: MoneyToday.ch. 12. September 2016, abgerufen am 7. November 2017.
  18. Worldline beteiligt sich mit 20 Prozent an Twint. In: Neue Zürcher Zeitung. 16. Mai 2018, abgerufen am 16. Mai 2018.
  19. Assoziierte Gesellschaften und Joint Ventures. Website der Schweizerischen Post, 31. Dezember 2018, abgerufen am 12. Februar 2019.
  20. Beteiligungen. Website der Postfinance.
  21. Michael Heim: Keine halben Lösungen mehr: Twint bindet Banken enger an sich. Handelszeitung, 14. Mai 2021, abgerufen am 14. Mai 2021.
  22. FAQ. In: TWINT. Abgerufen am 1. Mai 2017.
  23. Michael Heim: Payment-App Twint soll für Chinesen attraktiv werden. In: Handelszeitung. 23. August 2017, abgerufen am 7. November 2017.
  24. Michael Heim: Neue Payment-Allianz ohne Twint. In: Handelszeitung. 12. Juni 2019, abgerufen am 13. Juni 2019.
  25. Twint integriert Sonect. In: netzwoche.ch. 11. Mai 2021, abgerufen am 14. Mai 2021.
  26. Barbara Melzl: Auf SBB Mobile und SBB.ch neu mit TWINT bezahlen. In: SBB News. 26. Oktober 2018, abgerufen am 28. Oktober 2018.
  27. Einfach einkassieren – auch ohne Infrastruktur. Ihre Kunden bezahlen selbständig via QR-Code-Sticker. Twint AG, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  28. Akzeptanz von TWINT. Six Payment Services, abgerufen am 8. Januar 2019.
  29. Eine Lösung für alle. Twint AG, abgerufen am 1. Mai 2017.
  30. Payment-Vertrag für die Akzeptanz von TWINT. (PDF, 16 kB) TWINT AG, abgerufen am 14. Dezember 2018.
  31. Claudia Gnehm, Thomas Benkö: Bei Digitec Galaxus ist Schluss mit Twint-Bezahlung. In: blick.ch. 1. März 2020, abgerufen am 1. März 2020.
  32. Lukas Hässig: Banken-Zahl-App Twint am Kippen. In: insideparadeplatz.ch. 2. März 2020, abgerufen am 2. März 2020.
  33. Bei Digitec Galaxus kann wieder getwintet werden. Medienmitteilung Twint, 20. November 2020, abgerufen am 20. November 2020.
  34. Nicola Imfeld: Gebührenhammer: Die Bezahl-App Twint sorgt bei Gewerblern für rote Köpfe. In: blick.ch. 25. Mai 2021, abgerufen am 25. Mai 2021.
  35. Nicola Imfeld: Gebührenhammer für KMU: Migros und Coop zahlen für Twint nur die Hälfte! In: blick.ch. 27. Mai 2021, abgerufen am 7. Juni 2021.
  36. Beat Schmid: Warum die Bezahl-App Twint bei Schweizer Teenagern gerade so richtig durchstartet In: Watson. 12. Januar 2019.