Unteilbar (Demonstration)

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Unteilbar (#unteilbar) – Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung war das Motto einer Demonstration am 13. Oktober 2018 in Berlin.

Organisation und Ablauf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kundgebung sollte sich gegen Rassismus und politische Tendenzen zur Ausgrenzung gesellschaftlicher Gruppen in Deutschland richten. Der Zug führte vom Alexanderplatz Richtung Potsdamer Platz, weiter zum Brandenburger Tor und von dort zur Siegessäule, wo auch die Abschlusskundgebung stattfand.[1]

Organisiert wurde die Veranstaltung von der Initiative „Unteilbar“.[2] Der Aufruf zur Demonstration war von mehr als 4.500 Organisationen und Einzelpersonen unterzeichnet worden, unter anderem von dem Schauspieler Benno Fürmann, dem Satiriker Jan Böhmermann, der Schriftstellerin Eva Menasse, der Sozialwissenschaftlerin Naika Foroutan, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband, Amnesty International, Pro Asyl und Bands wie Die Ärzte und Die Sterne.[3] Auch politische Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen, die SPD Berlin und Die Linke Berlin nahmen an der Demonstration teil, ferner die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, die nach Angaben eines Sprechers erst später erfuhr, dass die Veranstalter sich von ihnen distanziert hätten.[4] Die CDU Berlin unterstützte die Demonstration ausdrücklich nicht und begründete das damit, dass ihr Anmelder ein Anwalt der Roten Hilfe sei, die „linksextremistische Verbrecher“ unterstütze.[5]

Die Angaben über die Teilnehmeranzahl bewegen sich zwischen mehr als 100.000 Menschen (Polizei) und 240.000 (Veranstalter).[6] Zunächst hatten die Organisatoren nur mit 40.000 Teilnehmern gerechnet.[7] Die Polizei berichtete von keinen größeren Zwischenfällen, die Veranstaltung habe einen „Happening-Charakter“ gehabt.[3]

Auf der Abschlusskundgebung an der Siegessäule sprachen unter anderem die Geschäftsführerin der Aktion Sühnezeichen, Jutta Weduwen, die Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein sowie der Deutschland-Chef von Amnesty International, Markus Beeko. Das anschließende Kulturprogramm wurde von Herbert Grönemeyer, Konstantin Wecker, Dirk von Lowtzow von der Band Tocotronic, Romano sowie Sängerin Joy Denalane und weiteren Künstlern gestaltet.[8]

Während der Demonstration kam es zu antiisraelischen Kundgebungen und Aufrufen, die antisemitische Boykott-Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions zu unterstützen, von denen sich die Veranstalter zwei Tage später auf Twitter distanzierten. Teilnehmer einer Aktion „Flagge zeigen gegen Rechtsextremismus“, die entgegen einer Aufforderung der Veranstalter Deutschlandflaggen mitführten und einen eigenen Demonstrationsblock formen wollten, wurden von Antifa-Aktivisten bepöbelt und bedroht, bis die Polizei eingriff. Palästinensische und türkische Fahnen wurden dagegen akzeptiert. Auch eine Gruppe Junger Liberaler unter den Teilnehmern wurde bedrängt und beschimpft.[4]

Gemäß einer Auswertung des Mikrobloggingdienstes Twitter waren #EsReicht und #Unteilbar die viert- und fünftmeistgenutzten Debattenhashtags des Jahres 2018.[9]

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Demonstration fand auf dem Hintergrund fremdenfeindlicher Demonstrationen statt. Insbesondere die in Chemnitz[10] und Köthen[11] waren Anlass für verschiedene Initiatoren, zu dieser Demonstration aufzurufen.[12]

In den Aufrufen zur Berliner Demonstration wurde als Ziel genannt

„Gemeinsam mit dem #unteilbar-Bündnis wollen wir ein Zeichen setzen gegen Rassismus und Menschenverachtung. Wir stellen uns dagegen, dass von rechtsradikalen Gruppen und Parteien, von Pegida, rechten Hooligans und der AfD Humanität, Menschenrechte, Religionsfreiheit und der Rechtsstaat offen angegriffen werden“

SPD Berlin

[13][14][15]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarah Wagenknecht (Die Linke) äußerte im Vorfeld der Demonstration Vorbehalte wegen des Teilnehmerspektrums.[16] Die Forderung nach offenen Grenzen nannte sie „völlig weltfremd“.[16] Man habe diejenigen ausgegrenzt, die gegen Rassismus, aber nicht für „offene Grenzen für alle“ seien.[4]

Inge Bell, Vorstandsmitglied der Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes, erklärte bereits im Vorfeld, die Demonstration sei eine „Mogelpackung“, die sie nicht unterstütze: „Gallionsfiguren, Erstunterzeichner und treibenden Kräfte sind salafistische und den Muslimbrüdern nahestehenden Organisationen, es sind antisemitische und nationalistische Initiativen darunter - und Einzelpersonen, die bis heute ein sehr schwieriges Verhältnis zu Demokratie und gegen Faschismus haben.“[4][17]

Martin Niewendick schrieb bei Welt Online, der Anspruch, unteilbar zu sein, werde bereits dadurch ad absurdum geführt, dass sich die Demonstration in mehrere Blöcke aufteile: „Und dass der Zentralrat der Muslime unteilbar mit der Giordano-Bruno-Stiftung verbunden ist, die alle zwei Jahre einen Blasphemie-Kunstpreis vergibt, darf auch bezweifelt werden.“ Trotzdem hätten beide den Demonstrationsaufruf unterzeichnet.[18]

Veröffentlichung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bündnis #unteilbar (Hrsg.): #unteilbarFür eine offene und solidarische Gesellschaft, Berlin 2018, ISBN 978-3-5502-0036-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wie SPD, Linke und Grüne für #unteilbar werben. Der Tagesspiegel, 12. Oktober 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018.
  2. Für eine offene und freie Gesellschaft – Solidarität statt Ausgrenzung! Initiative Unteilbar, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  3. a b #Unteilbar-Veranstalter sprechen von 240.000 Teilnehmern. Rundfunk Berlin-Brandenburg, 13. Oktober 2018, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  4. a b c d Martin Niewendick: Wut auf der Wohlfühl-Demo, Welt Online, 17. Oktober 2018.
  5. Imre Balzer: Die Sammelbewegung ist da. Die Zeit, 13. Oktober 2018, abgerufen am 16. Oktober 2018.
  6. Mass German rally against far right. BBC News, 13. Oktober 2018, abgerufen am 15. Oktober 2018 (englisch).
  7. Unteilbar-Demonstration in Berlin: Zehntausende gehen mit bunten Plakaten gegen Rassismus auf die Straße. Stuttgarter Zeitung, 13. Oktober 2018, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  8. Programm. Initiative Unteilbar, abgerufen am 15. Oktober 2018.
  9. #WirSindMehr war der populärste Debatten-Hashtag. In: Spiegel Online. 5. Dezember 2018.
  10. Rechte Demonstration und Gegendemonstration in Chemnitz. Mitteldeutscher Rundfunk, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  11. Wieder Rechte Demo und Proteste in Köthen. Die Zeit, 16. September 2018, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  12. Christina Clemm: Zeigen, dass viele die Gesellschaft nicht spalten wollen. Deutschlandfunk Kultur, 31. August 2018, abgerufen am 18. Oktober 2018.
  13. Komm zur #unteilbar-Demo in Berlin! Bündnis 90/Die Grünen, abgerufen am 25. März 2019: „Die Rechtsextremen marschieren wieder auf. Seite an Seite mit AfD, Hooligans und Pegida
  14. SPD Berlin unterstützt #Unteilbar. SPD, abgerufen am 25. März 2019: „Gemeinsam mit dem #unteilbar-Bündnis wollen wir ein Zeichen setzen gegen Rassismus und Menschenverachtung. Wir stellen uns dagegen, dass von rechtsradikalen Gruppen und Parteien, von Pegida, rechten Hooligans und der AfD Humanität, Menschenrechte, Religionsfreiheit und der Rechtsstaat offen angegriffen werden“
  15. Komm zur #unteilbar-Demo in Berlin! Bündnis 90/Die Grünen, abgerufen am 25. März 2019: „Die Rechtsextremen marschieren wieder auf. Seite an Seite mit AfD, Hooligans und Pegida“
  16. a b Matthias Meisner: Wagenknecht hat Vorbehalte gegen die #unteilbar-Demo. Hrsg.: Der Tagesspiegel. 11. Oktober 2018 (tagesspiegel.de [abgerufen am 17. Oktober 2018]): „Zwar .. absolut richtig, wenn viele Leute gegen Rassismus und Rechtsentwicklung auf die Straße gehen. Doch .. im Aufruf zur Demonstration eine Tendenz, wo eine bestimmte Position, nämlich ,offene Grenzen für alle', schon wieder als die bestimmende Position dargestellt wird“
  17. Inge Bell: "Unteilbar" - ohne mich., 13. Oktober 2017.
  18. Martin Niewendick: #unteilbar, #wegbassen, #wirsindmehr - diese Label sind Fiktion, Welt Online, 9. Oktober 2018.