Antifa

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Dieser Artikel behandelt den allgemeinen Begriff Antifa, für die gleichnamige Zeitschrift der VVN-BdA siehe antifa (Zeitschrift)
Das Logo der Antifaschistischen Aktion mit roter und schwarzer Fahne greift auf antifaschistische Symbolik kommunistischer und sozialistischer Gruppen der zwanziger und dreißiger Jahre zurück.[1]

Der Begriff Antifa ist ein etwa seit Anfang der 1980er Jahre wieder verbreitetes Akronym der Begriffe Antifaschismus und Antifaschistische Aktion. Er bezeichnet vor allem linke, linksradikale und autonome Gruppen und Organisationen, die sich in ihrem Verständnis von Antifaschismus das Ziel gesetzt haben, Neonazismus, Antisemitismus, Rassismus, völkische Ideologie und Nationalismus zu bekämpfen. Entsprechend richtet sich die Antifa unter anderem gegen Personen, Gruppen und Parteien, die den Nationalsozialismus rechtfertigen oder seine Verbrechen mit geschichtsrevisionistischen Thesen zu relativieren versuchen.

Verschiedene Antifa-Gruppen, insbesondere aus dem Umfeld der Autonomen-Szene, stehen in Deutschland unter Beobachtung der Verfassungsschutzbehörden. Insbesondere im bürgerlichen Umfeld wird die Antifa sowohl für ihr Verständnis von Faschismus und Rassismus, als auch für die teilweise Akzeptanz und eigene Anwendung von Gewalt kritisiert bzw. abgelehnt.

Geschichte

Historisches Plakat der 1932 gegründeten Antifaschistischen Aktion

Antifa als Kurzbezeichnung für Antifaschismus bezieht sich auf die Selbstbezeichnung der von Mussolini begründeten italienischen völkisch-nationalistischen paramilitärischen „Bünde“ Fasci d'Azione (1915) und Fasci di Combattimento (1919) und deren Ideologie und Politik als fascismo, deutsch „Bundismus“.

„Faschismus“ war innerhalb des europäischen linken und linksliberalen Lagers die übliche Bezeichnung für die verschiedenen militant nationalistischen Bewegungen und mit der Machtübernahme durch die Fasci di Combattimento in Italien (1922) für die nun aufkommenden nationalistisch-autoritären Regime. 1923 veröffentlichte der Leiter des Parteiarchivs der SPD, Paul Kampffmeyer, eine Schrift „Der Faschismus in Deutschland“.[2] Nach Emil Julius Gumbel, bekannter Anhänger der Friedensbewegung und Mitglied der Deutschen Liga für Menschenrechte, zeigte in den rechtsradikalen „Fememorden“ der 1920er Jahre „der Faschismus sein wahres Gesicht“.[3] Kurt Tucholsky publizierte 1926 in der Weltbühne einen Beitrag, der den „Fascismus in Frankreich“ mit dem in Deutschland verglich.[4] Für Thomas Mann war der „Faschismus“ eine „ethnische Religion“.[5] Da der „Nationalsozialismus“ als rechte politische Formation „Antikapitalismus“ als Demagogie verbreitete und nur „vermeintlich sozialistisch“ (Heinrich A. Winkler) war,[6] bevorzugte man innerhalb der Linken zur Kennzeichnung des Gegners den neutraleren Begriff „Faschismus“.

Dieser Begrifflichkeit entsprach komplementär „Antifaschismus“. Im europäischen Raum wurde Antifaschismus innerhalb des linken und republikanischen Politikdiskurses spätestens seit Anfang der 1920er Jahre zum Schlüsselbegriff der Bekämpfung des militanten völkischen Nationalismus und „Antifaschist“ innerhalb eines pluralen politischen Spektrums die übliche Selbstbezeichnung seiner Gegner.

Nach Ernst Nolte tritt der „neue Begriff ‚Antifaschismus‘“ erstmals zu Beginn der 1920er Jahre in Italien auf.[7] 1925 formulierte der bürgerlich-liberale Philosoph Benedetto Croce ein Manifesto degli intellettuali antifascisti.[8], und der italienische Priester und Politiker des katholischen Partito Popolare Italiano Luigi Sturzo publizierte die Schrift Pensiero antifascista.[9] 1923 wurden von der Komintern und der Roten Gewerkschafts-Internationale eine „Antifaschistische Weltliga“ und ein gleichnamiger Verlag gegründet, die allerdings schon 1924 ihre Tätigkeit wieder einstellten.[10]

Konferenz der Antifaschistischen Aktion am 10. Juli 1932

Bereits mit ihren Namen zum Antifaschismus als ihrem Hauptthema bekannten sich drei Gründungen der Weimarer KPD: die nach dem Verbot des Roten Frontkämpferbunds (RFB) 1929 entstandene Antifaschistische Junge Garde,[11] eine Jugendorganisation, und die im Mai 1932 entstandene Antifaschistische Aktion, die fließende Übergänge zum Kampfbund gegen den Faschismus hatte.[12] Die KPD, eine Hauptkraft gegen die Versuche von Rechtsaußen, eine Diktatur zu errichten, wie sie 1920 im gemeinsamen Handeln gegen die Kapp-Putschisten von SPD und KPD noch hatte verhindert werden können, ging davon aus, der Faschismus habe seine Wurzeln im Kapitalismus. Diesen engen Zusammenhang zwischen Faschismus und Kapitalismus vertraten auch Nichtkommunisten wie die Wissenschaftler Emil Lederer (1929, 1934),[13] Franz Borkenau, Arthur Rosenberg oder mit etwa dem Diktum „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, soll vom Faschismus schweigen“ (Max Horkheimer, 1939) die Theoretiker der Frankfurter Schule. Dennoch sah etwa die Antifaschistische Aktion trotz aller Kritik an den Strukturen der Weimarer Republik ihre Aufgabe in erster Linie darin, die bisher erkämpften emanzipatorischen Errungenschaften dieser Republik vor einem „Rückfall in die Barbarei“ durch den militanten völkischen Nationalismus zu schützen.[14]

Das Logo der Antifaschistischen Aktion mit zwei hintereinander wehenden roten Fahnen war ein bildliches Plädoyer für die antifaschistische Aktionseinheit („Einheitsfront“) der Sozialdemokraten, Sozialisten und Kommunisten als den tragenden Kräften der Arbeiterbewegung. Es geht auf den Entwurf eines Signets der beiden Grafiker Max Keilson und Max Gebhard aus dem Jahr 1932 zurück, die zu dem Zeitpunkt beide Mitglied im Bund revolutionärer bildender Künstler Deutschlands (BRBKD) waren. Es entstand im Kontext der sich zuspitzenden innenpolitischen und wirtschaftlichen Lage, der Radikalisierung des BRBKD und war unterschrieben mit der Parole „Her zu uns“.[15][16] Die beiden roten Fahnen standen für die SPD und die KPD. Der Ring stellte einen „Rettungsring vor dem Faschismus“ dar.[17]

Neugründungen

Berlin: Eine Demonstration am 3. November 1990 gegen Nationalismus und Rassismus unter dem Motto „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ bildete den Auftakt einer Aktionswoche zur mahnenden Erinnerung an die Novemberpogrome 1938. Von der Straße Unter den Linden bewegte sich der Antifa-Zug direkt zum Alexanderplatz, wo eine Abschlusskundgebung stattfand.

Mit dem Zusammenbruch des NS-Regimes bildeten sich an zahlreichen Orten in Deutschland lokal und regional antifaschistische Initiativen als provisorische Verwaltungsorgane und Träger einer Neuordnung in Deutschland, nach westlicher Forschung mindestens 137, nach DDR-Forschung mindestens 500. Ihre politischen Aktivitäten waren von der Vorstellung bestimmt, die bis 1933 in der Arbeiterbewegung existierende Aufspaltung in einen sozialdemokratisches und einen kommunistischen Flügel „zugunsten einer neuen Einheit“ zu überwinden. „Die Antifas waren der politisch bescheidene Versuch, Antifaschismus praktisch zu symbolisieren.“ Unter dem geopolitischen Vorzeichen einer West- bzw. Ostblockbildung aus je unterschiedlichen ökonomischen und politischen Systemen verdrängte in Westdeutschland der Antikommunismus als bestimmendes Politikkonzept den kurze Zeit existierenden „antifaschistischen Konsens“. Es kam zu einer „raschen Auflösung … der Antifa in den westlichen Besatzungszonen“ von oben.[18][19] Als zu weit links stehend wurden die Antifagruppen bereits im Sommer 1945 erst in der US-Zone, dann in der britischen Zone von den Militärregierungen verboten.[20] Erst deutlich später auf Grund des hohen Anteils sozialistischer und kommunistischer Offiziere aus der Résistance schloss sich die französische Besatzungsverwaltung dem an.[21] Die sowjetischen Behörden forderten zwar die Auflösung der Antifa, jedoch wurden „repressive Schritte“ zur Umsetzung „selten angewendet.“ Sie vollzog sich in der Absicht, Sympathien gewinnen zu können, unspektakulär über Integrationsangebote (Mitarbeit in der Kommunalverwaltung, „unerwartet frühe Zulassung politischer Parteien“, Stadt- und Gemeindeausschüsse und „Blockausschüsse“ der „antifaschistisch-demokratischen Parteien“).[22]

In den 1980er Jahren gründeten sich im Gebiet der Bundesrepublik Deutschland aus der Hausbesetzer- und Autonomen-Bewegung heraus sogenannte Antifa-Gruppen. Diese sollten zunächst vor allem eigene Projekte und potenzielle Opfer von Neonazi-Attacken vor rechtsextremer Gewalt schützen. Es wurde auch versucht, geplante Aktivitäten von Parteien und Organisationen, die von der Antifa dem rechtsextremen Lager zugeordnet werden, zu verhindern und zu stören – wie zum Beispiel Parteitage der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands (NPD) und Aufmärsche diverser dem Nationalsozialismus nahestehender Gruppen. Die Antifa arbeitet dabei, beispielsweise bei Informationsbeschaffung und Informationsaustausch, teilweise mit traditionellen antifaschistischen Organisationen wie etwa der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) zusammen.

Der Antifaschismus war nicht der Aktionsschwerpunkt der Autonomen-Bewegung. Die einzelnen antifaschistischen Gruppen sahen sich aber in der Tradition der Antifaschistischen Aktion der 1920er Jahre und des antifaschistischen Widerstands zur Zeit des Nationalsozialismus.

Auf Grund eines von Seiten der Antifa befürchteten Wiedererstarkens des Nationalismus und der rechtsextremen Gewalt nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurden diese Ansätze durch Teile der linken Szene intensiviert. Insbesondere innerhalb der Autonomen-Bewegung entwickelte sich der Antifaschismus zum Hauptaktionsfeld. Im Verlauf der 1990er Jahre entstandenen daher sowohl in den alten als auch den neuen Bundesländern Antifa-Gruppen. Angestoßen wurde diese Entwicklung durch die Gründung der Autonomen Antifa (M) 1990 in Göttingen. Die neu gegründeten Gruppen sahen ihren Aktionsschwerpunkt im Antifaschismus. Im Jahr 1992 organisierte sich ein Teil dieser Gruppen in der Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO). Zu dieser gehörten neben der Autonomen Antifa [M] in Göttingen unter anderem auch die Antifaschistische Aktion Berlin. Obwohl die AA/BO sich im April 2001 auflöste, hinterließ sie sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern feste Strukturen von antifaschistischen Organisationen.

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts zeigten sich Spaltungstendenzen innerhalb der Antifa-Bewegung. Der Riss verläuft zwischen den sogenannten Antideutschen und den sogenannten „Anti-Imps“ (Kurzform von Antiimperialisten). Es geht bei diesem Konflikt primär um die Positionierung zum Nahostkonflikt. Dabei bezichtigen sich die unterschiedlichen Strömungen gegenseitig des Antisemitismus bzw. der Islamophobie. Beispiele hierfür sind die Spaltungen der Göttinger Autonomen Antifa [M] Mitte 2004 und der Antifaschistischen Aktion Berlin.

Seit etwa Ende 2005 ist jedoch wieder ein Rückgang der Spaltung zu beobachten: Sowohl radikale Antideutsche als auch Antiimps haben innerhalb der Antifabewegung massiv an Bedeutung verloren. Die meisten Antifa-Gruppen definieren sich inzwischen als weder eindeutig antideutsch noch antiimperialistisch, sondern meist als undogmatisch.

Aktivitäten

Frontreihe einer Antifademonstration im August 2006 in Bern
Antideutsche in Frankfurt 2006 unter dem Motto „Nieder mit Deutschland“.

Bei den durchgeführten Aktionen handelt es sich teilweise um Recherchen, Aufklärung, Dokumentation und Verbreitung von Informationen über rechtsextreme und rechtskonservative Strömungen (siehe Neue Rechte) als auch Verbindungen zwischen ihnen im nationalen und internationalen Zusammenhang. Des Weiteren spielt die teilweise gewalttätige Durchführung von Demonstrationen eine wichtige Rolle (zum Beispiel gegen spezielle Geschäfte, Jugendclubs oder Kneipen der rechten Szene oder in Form von Gegenveranstaltungen zu Aufmärschen von rechten Parteien oder Organisationen, wie etwa der NPD). Antifa-Gruppen arbeiten dabei manchmal in Bündnissen auch mit Organisationen und Personen aus anderen politischen Bereichen, die vom Umfeld der Linken über Jusos oder Grüne Jugend und Gewerkschaften bis hin zu christlich orientierten Basisgruppen oder lokalen Bürgerbündnissen reichen, zusammen.

In der Zusammenarbeit mit spezifisch antirassistischen Gruppen und Flüchtlingsinitiativen besteht ein weiterer Schwerpunkt der heutigen Antifa-Arbeit in der Aufklärung über gesellschaftliche Strukturen, die eine Diskriminierung von sozialen Minderheiten in den modernen Industriegesellschaften begünstigen sollen. Dabei setzt sich die Antifa aktiv für eine Ausweitung der Rechte von Asylbewerbern und allgemein von ausländischen Flüchtlingen, Behinderten und weiteren oft marginalisierten, von rassistischen oder anderen Vorurteilen betroffenen Randgruppen ein. Beispielsweise sind Antifa-Gruppen beteiligt an der Kampagne kein mensch ist illegal, bei der sie in Einzelfällen auch von Abschiebung bedrohten Flüchtlingen helfen, sich den deutschen Behörden zu entziehen.

Häufig wird zu Blockaden gegen Demonstrationen, Kundgebungen, Tagungen oder Parteitage von aus ihrer Sicht rechtsextremen, nationalistischen und tendenziell rassistischen und antisemitischen Parteien und Organisationen aufgerufen, deren Durchführung die Verhinderung oder zumindest Störung derartiger Veranstaltungen zum Ziel haben. Betroffen von solchen Aktionen sind vor allem Versammlungen der NPD, der DVU, der Republikaner oder diverser sogenannter Freier Kameradschaften. Des Weiteren können auch Veranstaltungen der Neuen Rechten, der Landsmannschaften der Vertriebenenverbände und bisweilen auch derjenigen neokonservativen Kreise, denen von der Antifa eine Scharnierfunktion zwischen Konservativismus und Rechtsextremismus vorgeworfen wird, Ziele von Antifa-Aktivitäten sein. Insbesondere autonome Antifa-Gruppen befürworten, je nach Eskalationsphase, auch militant-gewaltsame Aktionsformen gegen Neonazis. Sie schließen somit gegebenenfalls auch illegale, in ihrem Verständnis legitime Mittel im Kampf gegen aus ihrer Sicht faschistische und faschistoide Tendenzen nicht aus. Gelegentlich kommt es dabei zu Straßenschlachten zwischen Mitgliedern der autonomen Antifa und der Polizei oder Anhängern der entsprechenden Gruppen und Organisationen. Vereinzelt verüben Mitglieder der autonomen Antifa-Bewegung auch Sabotage-Anschläge gegen Einrichtungen der entsprechend bekämpften Szene.

Eine Hauptaufgabe der Antifa ist ihrem Selbstverständnis nach die Recherche und Aufklärung über neonazistische Organisationen, Strukturen und Personen. Diese Arbeit der Antifa-Recherchegruppen, beispielsweise über das Fotografieren rechtsextremer Demonstrationen, führt regelmäßig dazu, dass Verbrechen dokumentiert und aufgeklärt werden. Standardmäßig werden recherchierte Informationen über Organisationen und Personen im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, was auch als „Outing“ bezeichnet wird. Laut bayerischem Verfassungsschutz werden durch diese nicht nur Straftaten aufgeklärt, die Outings könnten auch der Prävention dienen und beispielsweise die Teilnahme an Aussteigerprogrammen befördern. So habe die Weiße Wölfe Terrorcrew ihre Aktivitäten weitgehend eingestellt, nachdem eine Antifa-Gruppe Namen und Fotos von Mitgliedern im Internet veröffentlicht hatte.[23] In diesem Zusammenhang kommt es auch zu gezielten Hackangriffen auf rechtsextreme Webseiten, Online-Shops und Foren, die manchmal bis zu deren Außerbetriebsetzung führen. Beispielsweise wurde Ende August 2008 das rechtsextremistische Netzwerk Blood and Honour gehackt und alle so bezogenen Daten veröffentlicht.[24]

Antifaschistische Medien (Auswahl)

Deutschland International Neue Medien

Rezeption der heutigen Antifa

Schwedische Antifas greifen eine Veranstaltung der Sverigedemokraterna an.

Insbesondere im bürgerlichen Umfeld ruft die Nichtanerkennung des Gewaltmonopols des Staates durch Teile der Antifa Kritik und Ablehnung hervor. Innerhalb der Antifa wird die Anwendung von Gewalt breit und detailliert diskutiert.[25] Im Mittelpunkt stehen hierbei Fragen zu generellem Gewaltverzicht, die Beteiligung an Aktionen zivilen Ungehorsams wie Sitzblockaden, die Anwendung von Gewalt gegen Sachen und die sehr kontrovers diskutierte Anwendung von körperlicher Gewalt gegen Personen.

Vom Bundesamt für Verfassungsschutz werden viele Antifa-Gruppen zur gewaltbereiten linksextremen Szene gezählt und stehen daher unter Beobachtung. Das Vorgehen ist durch die lose Organisationsstruktur vielfältig und unterschiedlich ausgeprägt.[26] Uwe Backes ordnet die Antifa als „harten Kern“ des militanten linken Spektrums ein und sieht in der Auseinandersetzung von Antifa und der rechten Anti-Antifa einen der Hauptgründe zunehmender Gewalt.[27]

International

Gruppen, die sich selbst auch als „Antifaschistische Aktion“ bezeichnen, (meist unter dem Akronym AFA), und auch dasselbe Logo verwenden, gibt es u. a. in Irland, Großbritannien, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, der Tschechischen Republik, der Slowakei, Serbien, Italien, den Vereinigten Staaten und Spanien. Es gibt zum Teil erhebliche Unterschiede in Organisationsgrad und -form sowie politischer Ausrichtung. Gruppen in mittel- und osteuropäischen Ländern beziehen sich in der Regel ausdrücklich auf anarchistische Ideen, begreifen ihren Kampf zugleich als antistaatlich und antibolschewistisch. Andererseits beziehen sich Gruppen in Spanien und Italien auch auf kommunistische Traditionen.

Siehe auch

Literatur

Literatur der Antifa-Szene

Wissenschaftliche Veröffentlichungen

  • Christin Jänicke, Benjamin Paul-Siewert (Hrsg.): 30 Jahre Antifa in Ostdeutschland. Perspektiven auf eine eigenständige Bewegung, Münster 2017, ISBN 978-3-89691-102-5.

Literatur der Extremismus-Forschung und des Verfassungsschutzes

  • Matthias Mletzko: Gewaltdiskurse und Gewalthandeln militanter Szenen – Unterschiede am Beispiel „Antifa“ und „Anti-Antifa“. In: Kriminalistik, Nr. 8/9 2001, S. 543–548, und in Kriminalistik, Nr. 10 2001, S. 639–644.

Weblinks

 Commons: Antifaschistischer Widerstand – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Michaela Glaser: "Linke" Militanz im Jugendalter – ein umstrittenes Phänomen, in: René Schultens/Michaela Glaser (Hrsg.): Linke Militanz im Jugendalter. Halle (Saale) 2014, S. 14.
  2. Paul Kampffmeyer: Der Faschismus in Deutschland. Berlin 1923.
  3. Wolfgang Benz: Der Kampf gegen den Nationalsozialismus vor 1933, in: Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.): Informationen zur politischen Bildung, H. 243 (2003), online.
  4. Barbara Berzel: Die französische Literatur im Zeichen von Kollaboration und Faschismus. Tübingen 2012, S. 380.
  5. Eung-Jun Kim: Literatur als Historie. Zeitgeschichte in Thomas Manns „Doktor Faustus“ und in Günter Grass' „Blechtrommel“. Würzburg 2004, S. 123.
  6. Siehe z. B.: Heinrich A. Winkler: Liberalismus und Antiliberalismus. Studien zur politischen Sozialgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 38). Göttingen 1979, S. 187.
  7. Ernst Nolte, Die faschistischen Bewegungen. Die Krise des liberalen Systems und die Entwicklung der Faschismen, München 1966, S. 61.
  8. Mauro Forno: La stampa del ventennio: strutture e trasformazioni nello stato totalitario. Soveria Mannelli 2005, S. 44.
  9. Luigi Sturzo: Pensiero antifascista. Turin 1925.
  10. Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, Bd. 30 (1982), H. 7-12, S. 832.
  11. Carsten Voigt: Kampfbünde der Arbeiterbewegung: das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und der Rote Frontkämpferbund in Sachsen 1924–1933, 2009, S. 184f.
  12. Friedbert Mühldorfer: Kampfbund gegen den Faschismus, 1930-1933, in: Historisches Lexikon Bayerns.
  13. Emil Lederer: Kapitalismus, Klassenstruktur und Probleme der Demokratie in Deutschland 1910-1940. Ausgewählte Aufsätze (= Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft. Band 39). Göttingen 1979.
  14. Carsten Voigt: Die Antifaschistische Aktion 1932 in Sachsen an der Basis der Arbeiterparteien. Gemeinsamkeiten und Brüche. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung, Heft III/2007.
  15. Assoziation Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands. Deutsches Historisches Museum.
  16. Ausstellungsreihe „Politik und Propaganda“. Deutsches Historisches Museum.
  17. Was ist „klassische Antifa“? In: Neues Deutschland, 22. Dezember 2011: (Frage an Moritz Krawinkel): Sie haben das alte Antifa-Symbol erwähnt, das noch heute verwendet wird. Wo kommt es her? Krawinkel: Entwickelt wurde es für die historische Antifaschistische Aktion von 1932. Das Logo besteht aus zwei roten Fahnen in einem Kreis, der einen Rettungsring symbolisieren soll. Die Fahnen stehen für SPD und KPD. Dieses Logo ist dann Ende der 1980er Jahre adaptiert worden. Es ist ein bisschen moderner gestaltet worden. Eine Fahne wurde schwarz, um ein anarchistisches Spektrum zu repräsentieren. Und die Fahnen wehen in dem neuen Logo nach links, und nicht mehr, wie in dem ursprünglichen, nach rechts.
  18. Jeannette Michelmann: Aktivisten der ersten Stunde. Die Antifa in der Sowjetischen Besatzungszone, Köln/Weimar/Wien 2002, S. 369f.
  19. Hans Woller: Gesellschaft und Politik in der amerikanischen Besatzungszone. Die Region Asbach und Fürth, München 1986, S. 89.
  20. Christoph Kleßmann, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955 (Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung, Bd. 193), Bonn 1984, S. 122; Andreas Diehl (Bundesarchiv), Antifaschistische Ausschüsse und Komitees, Berlin 2006, siehe: [1]; Hans Woller: Gesellschaft und Politik in der amerikanischen Besatzungszone. Die Region Asbach und Fürth, München 1986, S. 89.
  21. Klaus-Dietmar Henke: Politische Säuberung unter französischer Besatzung: Die Entnazifizierung in Württemberg-Hohenzollern. Stuttgart 1981, S.37 f.
  22. Jeannette Michelmann, Die Aktivisten der ersten Stunde. Die Antifa 1945 in der sowjetischen Besatzungszone zwischen Besatzungsmacht und Exil-KPD, Jena 2001, Diss., S. 380ff., siehe: [2].
  23. Raphael Thelen: Die Nazi-Jäger, UniSPIEGEL 3/2017
  24. Hackerattacke: Verfassungsschutz interessiert sich für Neonazi-Daten. Spiegel Online, 30. August 2008; abgerufen am 11. September 2012.
  25. Nils Schuhmacher: Sich wehren, etwas machen – Antifa-Gruppen und -Szenen als Einstiegs- und Lernfeld im Prozess der Politisierung. 2013, S. 67. In: René Schultens, Michaela Glaser (Hrsg.): „Linke“ Militanz im Jugendalter – Befunde zu einem umstrittenen Phänomen. 2013, S. 47–70, dji.de (PDF; 2 MB)
  26. Bundesverfassungsschutzbericht 2004.
  27. Uwe Backes: Zur Interaktionsdynamik links- und rechtsextremistischer Gewalt. In: Linksextremistische Gewalt – Gefährdungen, Ursachen und Prävention. Tagungsband zum 9. Symposium des Thüringer Landesamtes für Verfassungsschutz am 4. November 2010. März 2011, S. 49 ([3] [PDF]).