Vin Santo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Glas mit Vin Santo und Biscotti.
Ein Weinfass wird für die Lagerung versiegelt
Traditionelles Fass mit Kreuz zum Ausbau des Vin Santo.

Vin Santo oder Vino Santo oder Vinsanto ist ein klassischer Süß- oder Dessertwein aus den italienischen Regionen Toskana, Marken, Umbrien, Emilia Romagna, Veneto und dem Trentino.[1] Die Weinspezialität entsteht nach traditioneller Methode aus luftgetrockneten, teilrosinierten Trauben der weißen Rebsorten Trebbiano und Malvasia.[2] Unter Verwendung von mindestens 50 % der roten Rebsorte Sangiovese entsteht die roséfarbene Variante Occhio di Pernice (deutsch: Auge des Rebhuhns). Der Begriff „Vin santo“ klingt, als würde er heiliger Wein oder Messwein bedeuten. Der Name leitet sich jedoch von der griechischen Insel Santorin ab, die schon in der Antike der bekannteste Ursprung für Süßweine war.[3]

Zu Vin Santo werden gerne Biscotti di Prato/Cantuccini gereicht und in den Wein eingetunkt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Trauben werden bis Weihnachten oder länger auf dem Dachboden getrocknet. Sie sollen dadurch rosinieren und süßer werden. Gekeltert wird der Wein zwischen Ende November und der Osterzeit. Der Zeitpunkt hängt von der Süßgradation ab, die durch den konzentrierenden Trocknungsvorgang erreicht werden soll. Trotz der Konzentration der Süße im Traubenmaterial kann der Wein in den Geschmacksrichtungen trocken bis sehr süß ausgebaut werden. Die trockene Variante ähnelt dabei eher ein wenig einem Fino Sherry als einem Dessertwein. Nach dem Keltern reift der Wein noch mindestens drei Jahre in kleinen versiegelten Fässern („caratelli“) aus Eiche (früher waren auch Fässer aus Kastanie im Einsatz, die Eiche hat sich seit den 1980er Jahren durchgesetzt). Da die Besitztümer in der Toskana recht klein sind, kann die Größe der Fässer auch stark variieren. Das Volumen reicht von 50 bis 300 l. Die Fässer werden in einem Raum unter dem Dach aufbewahrt, der vinsantaia genannt wird.[2] Dadurch ist der Wein abwechselnd Hitze und Kälte ausgesetzt, was ihn sehr robust und „ölig“ macht.[3]

DOC-Weine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gibt in Italien vier DOC-Appellationen, die sich ausschließlich mit Vin Santo befassen:

  • Vin Santo di Carmignano[4]
  • Vin Santo del Chianti[5]
  • Vin Santo del Chianti Classico[6]
  • Vin Santo di Montepulciano[7].

Darüber hinaus gibt es viele Weinbaugebiete, in denen ebenfalls Vin Santo in DOC-Qualität produziert wird. Die Vorschriften und Beschreibungen zu deren Herstellung sind in den DOCs des betreffenden Gebiets eingearbeitet:

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. VERORDNUNG (EG) Nr. 607/2009 DER KOMMISSION vom 14. Juli 2009 mit Durchführungsbestimmungen zur Verordnung (EG) Nr. 479/2008 des Rates hinsichtlich der geschützten Ursprungsbezeichnungen und geografischen Angaben, der traditionellen Begriffe sowie der Kennzeichnung und Aufmachung bestimmter Weinbauerzeugnisse (PDF), auf eur-lex.europa.eu, abgerufen am 4. Juni 2014
  2. a b Jancis Robinson: Das Oxford Weinlexikon. Hallwag Verlag, München 2003, S. 807.
  3. a b Steffen Maus: Italiens Weinwelten – Wein, Vino, Wine. Gebrüder Kornmayer, 2013, ISBN 978-3-942051-18-7.
  4. DOC Vin Santo di Carmignano
  5. DOC Vin Santo del Chianti
  6. DOC Vin Santo del Chianti Classico
  7. DOC Vin Santo di Montepulciano

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hugh Johnson, Stephen Brook (Bearb.): Der große Johnson – Die Enzyklopädie der Weine, Weinbaugebiete und Weinerzeuger der Welt. 19., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2009, ISBN 978-3-8338-1621-5.
  • Valeria Camaschella (Hrsg.): Lexikon der italienischen Weine – Sämtliche DOCG- & DOC-Weine. Hallwag, Gräfe und Unzer, München 2002, ISBN 3-7742-0756-9, S. 189.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Vin Santo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Vin Santo, auf lebensmittellexikon.de, abgerufen am 2. November 2015