Wedel (Adelsgeschlecht)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Stammwappen derer von Wedel

Wedel, teilweise Wedell, ist der Name eines alten niederdeutschen Adelsgeschlechts.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siegel des Hinricus de Wedele um 1322
Schloss Kremzow, Hinterpommern

Nord- und Ostelbien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die aus Wedel im nordelbischen Stormarn stammende und dort im Jahre 1212 erstmals erwähnte Familie führt ihre Abstammung auf einen 1149 genannten Heinrich zurück, Vogt des Klosters Neumünster. Ein Hasso Wedele und seine Söhne traten seit etwa 1240 östlich von Stargard in Pommern auf, wo sie, zunächst Burgmannen von Stargard und möglicherweise Lehnsnehmer des Bischofs von Cammin, in der seit 1248 an Herzog Barnim I. von Pommern verliehenen Region zwischen Kremzow und Petznick ansässig wurden. Zentrum der Besitzbildung war die von ihnen errichtete Burg im pommerschen Kremzow, hinzu kamen Burgen in den neumärkischen Orten Reetz und Kürtow.

Nachdem der pommersche Herzog Barnim 1271 verurteilt worden war, dem Johanniterorden Pfandbesitz an der Stadt Stargard und den Burgen Reetz und Kürtow einzuräumen, trat die Familie Wedel in den Dienst der Markgrafen von Brandenburg. In der brandenburgischen Neumark, der marchia transoderana, kam sie durch Militärdienstleistung zugunsten der Askanier, Belehnung und Kauf zu umfangreichem Grundbesitz. Ausgehend von der Region zwischen Arnswalde und der Drage betraf dies insbesondere die in der östlichen Neumark gelegenen Besitzkomplexe ("haws, stat und land") Schivelbein, Falkenburg, Böthin (mit dem Zentrum Märkisch-Friedland) und Tütz. Die neumärkischen Städtchen Falkenburg, Märkisch-Friedland und Neuwedell wurden in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts durch Angehörige der Familie gegründet.

Hinzu kamen seit Mitte des Jahrhunderts und für lange Zeit die Stadt Reetz und Stadt und Burg Nörenberg. Zumindest zeitweise befanden sich im 14. Jahrhundert in Familienbesitz außerdem die terrae Kallies und Bernstein, die jeweils ebenfalls mit einem festen Haus versehenen neumärkischen Orte Fürstenfelde, Deutsch Krone, Küstrin, (Halb-)Oderberg (mit der Festung Oderberg), Schildberg, Schloppe und Usch, verpfändete Steuereinnahmen weiterer Städte, die Schlösser Hochzeit, Berneuchen und Zantoch, etwa 100 Dörfer und größere Waldflächen rechts der Netze.

In Pommern trat neben die Begüterung um die Burg Kremzow im späteren Landkreis Pyritz seit den 1320er Jahren, nördlich anschließend, in den nachmaligen Landkreisen Saatzig und Regenwalde Grundbesitz um die Burgen Uchtenhagen, Mellen und die von den Wedel – möglicherweise unter vorbereitender Mitwirkung der von Uchtenhagen – gegründete Stadt Freienwalde. Vorübergehend hatten sich bereits im 13. Jahrhundert die pommerschen Städte Treptow und Plathe in der Hand von Familienangehörigen befunden, hinzu kamen im 14. Jahrhundert zeitweise Bahn, Bublitz, Dramburg, Pollnow, Polzin und Schlawe.

Die Wedel verfügten im 14. Jahrhundert über Vasallen und eine eigene Streitmacht, die etwa 1332 in der Schlacht am Kremmer Damm als „turba Wedelorum“ in Erscheinung trat. Noch 1388 waren sie in der Lage, sich unabhängig von landesherrlicher Zustimmung gegenüber dem Deutschen Orden zu verpflichten, 15 Jahre lang auf Anforderung 100 Ritter, 100 Schützen und 400 Pferde zuzüglich Begleitpersonal bereitzuhalten. Heinrich schreibt: „Die Wedel mit ihrer Klientel regierten fast unumschränkt die gefährdete Neumark“, und deutet den Sachverhalt als Variante ständischer Selbstregierung[1]. Rymar spricht vom „Staat im Staat“[2]. Für Gahlbeck lag eine der hauptsächlichen Leistungen der Wedel darin, die Neumark während des siebenjährigen inneren Krieges der Wittelsbacher gegen die Anhänger des Falschen Woldemar zwischen 1348 und 1355 zu einer „Insel des Friedens“ gemacht zu haben.

Bereits 1378 aber berichtet der Chronist Janko von Czarnikau, das Gebiet der Wedel, das er neben der Mark Brandenburg und dem Herzogtum Stettin als eigenen Bereich nennt, befände sich wegen fortwährender Kriege in einem Zustand unerhörter Verwüstung[3]. Nicht nur die Kriege, auch der im 14. Jahrhundert relativ fortgeschrittene Verwaltungsausbau der Markgrafen war der Stabilisierung einer eigenen Territorialherrschaft nicht förderlich. Hinzu kam seit Mitte der 1360er Jahre ein Konflikt mit den Markgrafen, der sich an der Ernennung von Landfremden zu Vögten der Neumark entzündet hatte und dazu führte, dass den Wedel der Zugang zu Hofämtern und Verwaltungsposten in Brandenburg für längere Zeit versperrt blieb.

1374 war, dem Landbuch Karls IV. zufolge, ihr neumärkischer Landbesitz im Wesentlichen noch vorhanden. Bis in die Neuzeit in der Hand der Familie blieben Teile der Güterkomplexe um Falkenburg (bis um 1500), Märkisch-Friedland (bis um 1600), Tütz (bis 1717), Nörenberg (bis um 1750) und Reetz (bis 1810). Die Familienzweige in den seit 1366 zum Königreich Polen gehörenden "terrae" Märkisch-Friedland und Tütz hatten sich im Laufe der Zeit polonisiert und führten die Namen Wedelski bzw. Tuczyński de Wedel. In Neuwedell und Freienwalde betrieben die Wedel bis ins 19. Jahrhundert Burggerichte, die in zweiter Instanz entschieden.

Seit der Mitte des 17. Jahrhunderts hatten die Wedel Grundbesitz auch außerhalb der Neumark und (Hinter-)Pommerns erworben oder geerbt, zunächst in der Uckermark, in Schwedisch-Finnland, Dänemark, Dänisch-Norwegen und Ostfriesland (Evenburg bei Leer), im 18. Jahrhundert in Mitteldeutschland und Ostpreußen und später in Vorpommern, Schlesien, dem Baltikum und der Lausitz. Genannt seien Althof, Eszerischken und Katzborn in Ostpreußen, Wiesenau im heutigen Estland, Malchow und Göritz in der Uckermark und Piesdorf[4] im früheren Saalkreis.

In den preußischen Kriegen der Jahre 1740 und 1763 verlor die Familie 72 Angehörige[5]. Im und nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie 47 Kriegstote und Ermordete zu beklagen, darunter 27 Gefallene[6]. 1889 wurde das Pommersche Dragoner-Regiment Nr. 11 nach ihr benannt. Der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) traten 78 Familienmitglieder bei, davon 35 vor der Machtergreifung.[7]

Bis zur Flucht und Vertreibung 1945 befanden sich, wenn auch in gemindertem Umfang, von der aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammenden Begüterung noch in Familienbesitz die Güter Neuwedell (Großgut) und Gerzlow in der Neumark und in Pommern Kremzow und Fürstensee sowie – in Gestalt der Güter Braunsforth, Kannenberg, Schwerin, Silligsdorf und Vehlingsdorf – Teile der alten Begüterung um Freienwalde, Uchtenhagen und Mellen. Im Besitz von Familienangehörigen waren bis 1945 außerdem die Güter Blankensee, Emmasthal, Lassehne, Pumptow und Zülzefitz in Pommern und Pinnow, Rehfeld und Zettitz in der Neumark.

Skandinavien und Ostfriesland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus Nantikow bei Reetz stammende schwedische Hauptmann und spätere Major Johann Arnd von Wedel war seit 1649 in Mantere in Finnland ansässig[8]. Sein Sohn, der schwedische Major Christian Friedrich wurde 1672 in die Schwedische Ritterschaft aufgenommen.[9]

Die Söhne des gleichfalls neumärkischen und in schwedischen Diensten stehenden Jürgen Ernst von Wedel traten nach dem Tode ihres Vaters in dänische Dienste und begründeten bis heute bestehende Familienzweige: der General Friedrich Wilhelm (1640–1706), 1672 zum dänischen Lehnsgraf Wedell af Wedellborg erhoben (in Primogenitur mit Baronstitel für die übrigen Nachkommen[10]), den Zweig Wedell-Wedellsborg, und der Feldmarschall Gustav Wilhelm (1641–1717), seit 1684 unter dem Namen Wedel-Jarlsberg dänischer Graf[11], den norwegisch-ostfriesischen Zweig Wedel-Jarlsberg.

Im Besitz des Familienzweiges Wedell-Wedellsborg befindet sich seit 1672 Wedellsborg auf Fünen und seit 1950 der umfangreiche Güterkomplex Frijsenborg in Jütland, außerdem seit 1893, als Wedell-Neergard, das Gut Svenstrup in Borup Sogn auf Seeland. Der Familienzweig Wedel-Jarlsberg besitzt seit 1683 das Gut Jarlsberg in Norwegen und seit 1746, infolge der Heirat von Erhard Friedrich von Wedel-Jarlsberg mit Freiin Maria von Frydag, das ostfriesische Gödens. Die bereits 1690 geerbte, ebenfalls ostfriesische Herrlichkeit Loga mit den Häusern Evenburg und Philippsburg blieb bis ins 20. Jahrhundert in Familienbesitz.

Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Familie war 1854, als einer von zunächst zehn Geschlechtern, durch König Friedrich Wilhelm IV. ein Präsentationsrecht zum Preußischen Herrenhaus verliehen worden. Einen erblichen Sitz im Herrenhaus besaß seit 1867, im Anschluss an die Annexion des Königreichs Hannover, auch der Inhaber des Majorats Gödens.

Auf Präsentation des Verbandes des Pommerschen Schlossgesessenen Geschlechts von Wedel saßen im Herrenhaus:

Stammwappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: Schild: „In Gold ein schwarzes achtspeichiges Richtrad mit 16 bogigen Klingen.“ Helmzier: „Auf dem gold-schwarz bewulsteten (Topf-)Helm mit schwarz-goldenen Decken ein blonder Mannesrumpf in von Schwarz und Rot gespaltenem Wams und ebensolchem breitrandigen Hut mit gold-schwarzer Hutschnur und ebensolchem Gürtel, in beiden eine zentrale Schlaufe.“

Familienmitglieder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sarkophag mit den Gebeinen der Familie von Wedel aus der Dorfkirche von Kremzow. Ausstellungsstück in der Stettiner Jakobikirche

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines
Mittelalterbezogenes
  • Helga Cramer: Die Herren von Wedel im Lande über der Oder. Besitz- und Herrschaftsbildung bis 1402. In: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands., Band 18, Berlin 1969, S. 63–129.
  • Christian Gahlbeck: Zur Herkunft und Zusammensetzung des neumärkischen Adels bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts. In: Klaus Neitmann (Hrsg.), Landesherr, Adel und Städte in der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Neumark., Berlin 2015, S. 115–181.
  • Heinrich von Wedel: Geschichte des Schloßgesessenen Geschlechtes der Grafen und Herren von Wedel. 1212–1402. Nebst einem Register über die urkundlich nachweisbare Begüterung. Leipzig 1894 (online).
  • Heinrich von Wedel: Über die Herkunft, die politische Bedeutung und die Standesstellung des Geschlechtes von Wedel von der Mitte des 12. bis zum Ausgang des 14. Jahrhunderts. Berlin 1915.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Wedel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Gerd Heinrich: Die ‚Freien Herren‘ und das Land, S. 137–150, 145 in: Hartmut Boockmann (Hrsg.), Die Anfänge der ständischen Vertretungen in Preußen und seinen Nachbarländern. München 1992.
  2. Edward Rymar: Historia polityczna i społeczna Nowej Marchii w średniowieczu (do roku 1535)., Gorzów Wlkp., 2015, S. 413.
  3. Janko von Czarnikau: Chronicon Polonorum. Lw’ow 1872, S. 88.
  4. Das Gutsarchiv Piesdorf in der Deutschen Digitalen Bibliothek
  5. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 978-3-421-05392-3, S. 193.
  6. Gerd Heinrich: Geschichte Preußens. Staat und Dynastie. Ullstein, Berlin 1984, ISBN 3-548-34216-7, S. 525.
  7. Stephan Malinowski: Vom König zum Führer. Sozialer Niedergang und politische Radikalisierung im deutschen Adel zwischen Kaiserreich und NS-Staat. Akademie Verlag. Berlin 2003. ISBN 3-05-004070-X. S. 573.
  8. [1].
  9. Genealog. Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XV, S. 510, C.A. Starke-Verlag, Limburg, 2004.
  10. Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon. Band XV, S. 511.
  11. Genealogisches Handbuch des Adels. Band G A IV, S. 521, C.A. Starke-Verlag, Limburg 1962.
  12. a b E. David (Hrsg.): Handbuch für das Preußische Herrenhaus. Berlin 1911, S. 229 (Online).
  13. E. David (Hrsg.): Handbuch für das Preußische Herrenhaus. Berlin 1911, S. 371 (Online).
  14. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1070 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  15. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1072 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  16. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1072 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  17. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1073 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  18. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1073 f. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. [2].
  20. Verschiedene ältere Einigungen zwischen Brandenburg, Polen und Preußen. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates. Band 4, Berlin Posen Bromberg 1831, S. 154–164..
  21. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1074 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  22. Rolf Straubel: Biographisches Handbuch der preußischen Verwaltungs- und Justizbeamten 1740–1806/15. In: Historische Kommission zu Berlin (Hrsg.): Einzelveröffentlichungen. 85. K. G. Saur Verlag, München 2009, ISBN 978-3-598-23229-9, S. 1075 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).