Worms-Pfeddersheim

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Pfeddersheim
Stadt Worms
Ehemaliges Gemeindewappen von Pfeddersheim
Koordinaten: 49° 38′ 26″ N, 8° 16′ 44″ O
Höhe: 115 m ü. NHN
Einwohner: 6913 (31. Dez. 2012)[1]
Eingemeindung: 7. Juni 1969
Postleitzahl: 67551
Vorwahl: 06247
Karte
Lage von Pfeddersheim in Worms

Die einst freie Reichsstadt Pfeddersheim [Aussprache ˈpfɛdɐs.haɪm, im Dialekt ˈpedɛʒm] ist nach zweitausendjähriger eigenständiger Geschichte seit 1969 ein Stadtteil der Stadt Worms mit 6.842 Einwohnern.

Im rheinhessischen Pfrimmtal gelegen, ist Pfeddersheim in Weinberge eingebettet, auf denen überwiegend die Rieslingrebe angebaut wird. Die gut erhaltenen Wehrtürme der mittelalterlichen Stadtmauer sind ebenso sehenswert wie die ehemalige Synagoge und die evangelisch-katholische Simultankirche. Außerdem befindet sich hier das Professor Dr. Bertlein-Schulmuseum.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Plan des Ortskerns mit Stadtmauer
Pfeddersheim mit Simultankirche
Wehrturm „Sprenger“ Pfeddersheim

Vorgeschichte und Frühmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Archäologische Funde belegen eine Besiedlung seit der Römerzeit. Auch der Name wird vom lateinischen Namen Paternus hergeleitet. Ab dem 5. Jahrhundert war Pfeddersheim im Besitz fränkischer Könige. Sie bauten den Ort aus. Die älteste erhaltene Erwähnung von Pfeddersheim stammt aus einer Urkunde von 754 n. Chr. Bischof Chrodegang von Metz verlieh mit ihr der Abtei Gorze Güter, darunter

„…illam basilicam que est in Paterno villa constructa…“
…die Kirche, die in Pfeddersheim erbaut ist…
„…et illam decimam de vino…“
…und auch den Zehnten des Weins…[2]

Seit dem 10. Jahrhundert bestand nördlich des Ortes das Benediktinerkloster St. Georgenberg, als Filiale der Abtei Gorze.

Hochmittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1300 bekam Pfeddersheim von König Albrecht I. Stadtrechte verliehen. Die Stadt wurde schließlich so wohlhabend und bedeutend, dass sie neben Städten wie Frankfurt, Mainz, Straßburg und Worms dem Rheinischen Städtebund von 1381 angehörte[3]. Im Rahmen des Städtebundes fand 1388 die Schlacht von Pfeddersheim statt.[4]

Im Juli 1460 kam es im Rahmen der Mainzer Stiftsfehde zu einer weiteren Schlacht von Pfeddersheim. 1465 gab der König in dem Ausgleich, der die Mainzer Stiftsfehde beendete, seine Stadtherrschaft an die Kurpfalz ab.

Frühe Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erneut 1525 wurde die Stadt im Zuge des deutschen Bauernkrieges von kriegerischen Ereignissen heimgesucht. Am 23./24. Juni 1525 war die Stadt Schauplatz der Schlacht bei Pfeddersheim. Bauern hatten die Stadt besetzt, die Stadtbürger sich mit den Bauern solidarisiert. Die Stadt wurde von gegenerischem Militär eingekreist. Ein Ausfall misslang und tausende Bauern und Stadtbürger fanden in der Schlacht den Tod. Gemeinsam mit Worms unterwarf die Stadt sich dem Kurfürsten Ludwig V. von der Pfalz. Weite Gebiete des heutigen Rheinland-Pfalz wurden protestantisch. Nach den Zerstörungen während des Dreißigjährigen Kriegs und vor allem des Pfälzischen Erbfolgekrieges 1689 blieb Pfeddersheim eine relativ kleine Gemeinde.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte Pfeddersheim zum kurpfälzischen Oberamt Alzey. Nach 1792 wurde die Region im Ersten Revolutionskrieg von französischen Truppen besetzt und nach dem Frieden von Campo Formio (1797) annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte Pfeddersheim zum französischen Departement Donnersberg und war Verwaltungssitz (chef-lieu) des Kantons Pfeddersheim, der 24 Gemeinden umfasste.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Vereinbarungen des Wiener Kongresses (1815) und einem mit Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrags kam die Stadt als Teil von Rheinhessen 1816 zum Großherzogtum Hessen. 1874 wurden die Stadtrechte wegen der zu geringen Einwohnerzahl aberkannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Pfeddersheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz und gehörte zum Landkreis Worms im Regierungsbezirk Rheinhessen.

Zur 1200-Jahr-Feier 1954 wurde Pfeddersheim wieder Stadt, ging aber mit der Eingemeindung am 7. Juni 1969 in Worms auf.[5] Eine Klage vor dem Koblenzer Verwaltungsgericht dagegen war nicht erfolgreich.

1993 waren Familienstreitigkeiten in Pfeddersheim der Ausgangspunkt der „Wormser Prozesse“.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rathaus
Datum Einwohner
1925 3.423[6]
1933 3.621[6]
1939 3.664[6]
1968 6.065[5]
2012 6.913[1]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeddersheimer Markt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim jährlich stattfinden Pfeddersheimer Markt wird am Tag der Eröffnung (freitags) der „Pfeddersheimer Winzerborsch“ und seine Begleitdame, die Pfeddersheimer Marktfraa, gekrönt. Als "Krone" erhält die Marktfraa einen Blumenkranz, der an den Kranz – welcher beim schwedischen Luciafest die heilige Lucia trägt – erinnert. Den Winzerborsch erkennt man an seinem typisch traditionellem Winzerhemd sowie seiner traditionellen Winzerschürze.

Sport und Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Fußballverein TSG Pfeddersheim ist in der Region bekannt, seit er von 1992 bis 2000 in der Fußball-Oberliga Südwest spielte und 1996 nur knapp den Aufstieg in die Regionalliga West/Südwest verpasste.

In Worms-Pfeddersheim befindet sich außerdem ein öffentliches Freibad.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Bahnhof Worms-Pfeddersheim halten stündlich, in den Hauptverkehrszeiten halbstündlich, Regionalbahnen auf der Rheinhessenbahn (Worms – Alzey – Bingen). Der Stadtteil ist außerdem über die Buslinie 405 in den Öffentlichen Nahverkehr der Stadt angebunden.

Worms-Pfeddersheim liegt an der B 47 sowie in unmittelbarer Nähe der Anschlussstelle Worms der A 61, die östlich von Pfeddersheim mit der Talbrücke Pfeddersheim das Tal der Pfrimm überspannt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pfeddersheim unterhält seit 1966 eine eigene Städtepartnerschaft mit Nolay im Département Côte-d’Or.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ernst Christian Finger (1857–1945), Landtagsabgeordneter und ab 1906 Bürgermeister von Pfeddersheim
  • Albert Cappel (1921–2018), Diplom-Meteorologe und Heute-Wettermoderator

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Daniel Bonin (Hrsg.): Urkundenbuch der früheren freien Reichsstadt Pfeddersheim. Keller, Frankfurt am Main 1911 (Digitalisat)
  • Felix Zillien: Pfeddersheim und der Weinbau. Orden der Freunde des Pfeddersheimer Weins, 1999.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Worms-Pfeddersheim – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Einwohner der Stadt Worms nach Wohnart (Memento des Originals vom 2. April 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.worms.de (PDF; 14 kB), Einwohner mit Hauptwohnsitz in Worms (oder Vororten) zum jeweiligen Erhebungsdatum
  2. 25. Mai 754 - Urkundliche Ersterwähnung von Pfeddersheim (Memento des Originals vom 21. Mai 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/worms.de
  3. Karl Anton Schaab: Geschichte des großen rheinischen Städtebundes, 2. Bd. Mainz 1845, S. 268.
  4. Otto Böcher: Die Kirchen St. Peter und Maria Himmelskron zu Worms-Hochheim = Rheinische Kunststätten 207. Neuss 1987. ISBN 3-88094-230-7, S. 15.
  5. a b Amtliches Gemeindeverzeichnis 2006 (Memento vom 22. Dezember 2017 im Internet Archive) (= Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz [Hrsg.]: Statistische Bände. Band 393). Bad Ems März 2006, S. 201 (PDF; 2,6 MB). i Info: Es liegt ein aktuelles Verzeichnis (2016) vor, das aber im Abschnitt „Gebietsänderungen – Territoriale Verwaltungsreform“ keine Einwohnerzahlen angibt.
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Landkreis Worms. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).