San Gimignano

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San Gimignano
Wappen
San Gimignano (Italien)
San Gimignano
Staat: Italien
Region: Toskana
Provinz: Siena (SI)
Koordinaten: 43° 28′ N, 11° 3′ O43.46666666666711.05324Koordinaten: 43° 28′ 0″ N, 11° 3′ 0″ O
Höhe: 324 m s.l.m.
Fläche: 138 km²
Einwohner: 7.670 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 56 Einw./km²
Postleitzahl: 53037
Vorwahl: 0577
ISTAT-Nummer: 052028
Volksbezeichnung: Sangimignanesi
Schutzpatron: San Gimignano und Santa Fina (31. Januar)
Website: San Gimignano
Panorama von San Gimignano
Panorama von San Gimignano

San Gimignano ist eine italienische Kleinstadt in der Toskana mit einem mittelalterlichen Stadtkern. San Gimignano wird auch „Mittelalterliches Manhattan“ oder die „Stadt der Türme“ genannt. Die Stadt liegt in der Provinz Siena und hat 7670 Einwohner (Stand 31. Dezember 2012). Sie gehört neben Florenz, Siena und Pisa zu den von Touristen meistbesuchten Zielen in der Toskana.

Allgemeines[Bearbeiten]

Der historische Stadtkern ist seit dem Jahr 1990 Teil des Weltkulturerbes der UNESCO. San Gimignano besitzt noch einige der mittelalterlichen Geschlechtertürme, die in anderen Städten nur als Stümpfe erhalten blieben. Die reichen Familien im Mittelalter versuchten, sich in der Höhe ihrer Türme gegenseitig zu übertrumpfen und damit ihre Macht zu demonstrieren. Das schien ihnen wichtiger zu sein als ein luxuriöses Leben, das in solchen Türmen nicht möglich war. Von den einst 72 Geschlechtertürmen existieren in San Gimignano heute noch 15. Die beiden höchsten, der Torre Grossa aus dem Jahr 1311 und der Torre della Rognosa, weisen eine Höhe von 54 bzw. 51 Metern auf.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ort erstreckt sich über 138 km². Der Ort liegt an der Via Francigena und im Elsatal. Er liegt in der klimatischen Einordnung italienischer Gemeinden in der Zone D, 2085 GR/G[2]

Zu den Ortsteilen gehören Badia a Elmi, Castel San Gimignano, Pancole, Santa Lucia und Ulignano. Größter Ortsteil ist Ulignano mit ca. 690 Einwohnern[3].

Die Nachbargemeinden sind Barberino Val d’Elsa (FI), Certaldo (FI), Colle di Val d'Elsa, Gambassi Terme (FI), Poggibonsi und Volterra (PI).

Geschichte[Bearbeiten]

San Gimignano soll bereits um 300 bis 200 v. Chr. von den Etruskern besiedelt worden sein. Das Bestehen als Stadt begann im 10. Jahrhundert. Den Namen erhielt die Stadt von dem heiligen Bischof von Modena, San Gimignano. Es heißt, er habe das Dorf vor den barbarischen Horden des Totila geschützt.

Diese Stadt verdankt ihre Existenz der Via Francigena (Frankenstraße). Auf diesem Hauptverkehrsweg des mittelalterlichen Italiens zogen Händler und Pilger vom Norden nach Rom. Der Ort bildete sich als Marktstätte zwischen dem frühmittelalterlichen Castello und der Pieve, dem Vorgängerbau der Collegiata. Ein erster Mauerkreis wurde Ende des 10. oder Anfang des 11. Jahrhunderts angelegt. Dessen Verlauf markieren drei noch erhaltene Stadttore, im Norden der Arco della Cancelleria, im Osten die Porta Santo Stefano und im Süden der Arco dei Becci.

Vom 11. Jahrhundert an dehnte sich das Stadtgebiet entlang der Frankenstraße in nördlicher und südlicher Richtung aus. An die Existenz des früheren Castello erinnern die Via di Castello, eine der ältesten Straßen, und die Kirche von San Lorenzo, die bei der Zugbrücke lag. Seit mindestens dem Jahr 929 gehörte das Kastell den Bischöfen von Volterra. Diese Bischöfe waren es auch, die die Herrschaft über die sich ausdehnende Stadt ausübten. Erst 1199 gelang es den von den Bürgern gewählten Konsuln, Verträge ohne die Zustimmung des Bischofs zu unterzeichnen. San Gimignano war nie Bischofssitz und gehörte nur zum kirchlichen Verwaltungsbezirk (Diözese) Volterra und erlangte somit auch keine Stadtrechte. Trotzdem verlief die politische Entwicklung der Landkommune in ähnlichen Schritten wie die der großen Städte. Die Regierung der Konsuln wurde durch den Podestà (ein gewählter Administrator) abgelöst. Diesem standen ein kleiner und ein großer Rat zur Seite. Dem großen Rat gehörte eine bemerkenswert hohe Zahl von 1200 Mitgliedern an, obwohl San Gimignano nur 6000 Einwohner hatte.

Die freie Kommune stritt bis ins 14. Jahrhundert mit den Bischöfen von Volterra in langjährigen Kriegen um Besitzrechte. Sie musste gegen die Nachbarorte Castelfiorentino, gegen Colle und Poggibonsi zu Felde ziehen und nahm auf der Seite des guelfischen Florenz an den großen Machtkämpfen des 13. Jahrhunderts teil. Auch innerhalb der Stadtmauern setzten sich die Kämpfe zwischen Guelfen (Welfen) und Ghibellinen (Waiblinger) fort. Es kam zu blutigen Familienfehden zwischen den Familien der Salvucci (Ghibellinen) und der Ardinghelli (Guelfen).

Im Mai 1300 hielt sich Dante Alighieri in diplomatischer Mission in San Gimignano auf. Vom 15. Juni bis 15. August 1300 amtierte er als eines von sechs Mitgliedern des Priorats, dem höchsten Gremium der Stadt. Im Jahre 1319 versuchte er in seiner Funktion als führender Florentiner Politiker vergeblich, die verfeindeten Parteien zu versöhnen. Eine Kommune wie San Gimignano konnte sich im 14. Jahrhundert nicht mehr neben den Großmächten behaupten. Im Jahre 1348 wurde die Stadt neben den Kriegsverlusten und Familienfehden durch die Pest stark geschwächt. Vier Jahre später im Jahre 1352 begab sich die Stadt unter den Schutz von Florenz.

Die Blütezeit der Stadt dauerte 160 Jahre an, ihr Wohlstand beruhte auf Handel und dem Anbau von Safran, mit dem man Seidenstoffe färbte. Die Frankenstraße verlor im Spätmittelalter allmählich an Bedeutung, weil der Handel die bequemeren Wege durch die weitgehend trockengelegten Sümpfe der Ebenen vorzog. Die Stadt, die einst Gesetze gegen übertriebenen Luxus erlassen hatte, verarmte.

Hochrenaissance (ca. 1500 bis 1530) und Barock (1575 bis 1770) hinterließen in San Gimignano so gut wie keine Spuren. Die Stadt war niemals ein eigenständiges Kunstzentrum. Künstler aus Siena und Florenz malten die Fresken und Altartafeln. Die Paläste und Kirchen zeigen pisanische, sienesische, lucchesische und florentinische Stilmerkmale. In San Gimignano ist die Zeit im Jahr 1563 stehen geblieben. Der erste der toskanischen Großherzöge, Cosimo I. de’ Medici, entschied, es dürfen „auch keine geringen Summen“ mehr in diese Stadt investiert werden. Das musste akzeptiert werden, und so ist San Gimignano geblieben, wie es damals war.

Heute lebt die Stadt großenteils von ihrer pittoresken Sehenswürdigkeit, die ihr zehntausende von Touristen pro Jahr verschafft.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Die Piazza della Cisterna verdankt ihren Namen einem mittelalterlichen Brunnen (ital. cisterna) in ihrem Zentrum.
  • Porta San Giovanni aus dem 13. Jahrhundert.
  • Collegiata Santa Maria Assunta mit schönen Fresken
  • Palazzo del Popolo mit Torre Grossa
  • Palazzo del Podestá
  • Rocca (Burgruine) mit Garten und einer schönen Aussicht.
  • Das Museo della Tortura zeigt, mit welchen Mitteln im Mittelalter gefoltert wurde.
  • Im Museo d’Arte Sacra ist religiöse Kunst zu sehen. Die Ausstellungsstücke stammen aus dem Mittelalter bis hin zum 16. Jahrhundert.
  • Museo Civico ist das städtische Museum. Zum Museum gehört der „Torre Grossa“ aus dem 13. Jahrhundert. Der Geschlechterturm ist der einzige in San Gimignano, der besichtigt und bestiegen werden kann.
  • Wanderung ins Tal zur mittelalterlichen Wascheinrichtung mit Blick auf die Türme in schöner Landschaft.
  • SanGimignano1300: Die Nachbildung der Stadt ist ein idealer Ausgangspunkt, um die Entwicklung und den Glanz des weltberühmten mittelalterlichen Ortes kennen und schätzen zu lernen.

Bilder[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Künstler

Söhne und Töchter

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Wein[Bearbeiten]

Film[Bearbeiten]

Der Film Tee mit Mussolini (1999) wurde von Franco Zeffirelli u. a. in San Gimignano gedreht und handelt von der Internierung britischer Staatsbürger unter dem faschistischen Regime im Zweiten Weltkrieg.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Piero Torriti: Ein Tag in San Gimignano. Die Stadt der Geschlechtertürme. Bonechi Edizioni, Florenz 2003, ISBN 88-7204-362-X.
  • Anthony Brierley et al.: Florenz und Toskana. Dorling Kindersley Verlag, Starnberg 2002, ISBN 3-928044-17-6.
  • ZIMMERMANN, K. (2009): Toscana, Das Hügelland und die historischen Stadtzentren. DuMont Reiseverlag Ostfildern, 7. Auflage
  • SCHULTE-KELLINGHAUS, M., E. SPIEGELHALTER (1998): Reise durch die Toskana. Stütz Verlag Würzburg
  • BREMER, T., E. C. VOLLMER (2002): Reisen in Europe – Toskana. Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co. KG München

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: San Gimignano – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Webseite der Agenzia nazionale per le nuove tecnologie, l’energia e lo sviluppo economico sostenibile (ENEA), abgerufen am 11. Oktober 2012 (ital.) (PDF; 330 kB)
  3. Offizielle Webseite des ISTAT (Istituto Nazionale di Statistica) zu den Einwohnerzahlen 2001 in der Provinz Siena, abgerufen am 11. Oktober 2012 (ital.)
  4. http://newsgeorgia.ru/politics/20111003/214212464.html
  5. Drehorte für Tee mit Mussolini
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