1&1 Internet AG

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1&1 Internet AG
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Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1988
Sitz Montabaur, Deutschland

Leitung

Branche Internetdienstanbieter
Website www.1und1.de

Die 1&1 Internet AG mit Sitz in Montabaur (kurz 1&1 genannt) ist ein deutscher Internetdienstanbieter, der vor allem durch seine Webhosting- und DSL-Produkte bekannt wurde. Das Unternehmen gehört zum United-Internet-Konzern und wurde 1988 von Ralph Dommermuth gegründet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte von 1&1 begann mit Gründung der 1&1 EDV-Marketing GmbH durch Ralph Dommermuth und Wendelin Abresch im Jahr 1988. Das Unternehmen positionierte sich zunächst als Dienstleister für Marketing und Werbung in elektronischen Medien. Auch Datex-J-Zugänge wurden angeboten.

Im Jahr 1992 schloss 1&1 eine Kooperation mit der Deutschen Telekom, damals noch unter der Marke BTX. Aus dieser ging der erste Online-Dienst von 1&1 hervor, über den sich Nutzer in das Internet einwählen können. 1&1 nutzte dabei die komplette Infrastruktur von T-Online, erst im Jahre 1996 startete 1&1 ein vollständig auf eigener Technik basierendes Angebot.[1]

Nachdem 1998 eine Beteiligung an der Schlund+Partner AG erworben und diese schrittweise auf 100 Prozent erhöht wurde, nahm 1&1 im Jahr 1999 das erste eigene Rechenzentrum in Karlsruhe in Betrieb. Damit geht der Markteintritt im Webhosting einher.

Im Jahr 2000 wurde die United Internet AG gegründet, die als neue Muttergesellschaft der 1&1 Internet AG fungiert. Unterhalb des Teilkonzerns 1&1 wird das gesamte Zugangs- und Webhosting-Geschäft der Marken 1&1 sowie Schlund+Partner gebündelt.[1]

Seit dem Jahr 2001 bietet 1&1 neben Shared Hosting auch dedizierte Server an. Im Rahmen der CeBit 2002 wurde außerdem eine Kooperation mit Microsoft geschlossen, aus der ein Hosting-Angebot auf Basis der .NET-Technologie hervorging.

United Internet übernahm 2005 das Internetportal Web.de, das gemeinsam mit GMX mittlerweile innerhalb des 1&1-Konzerns durch die 1&1 Mail & Media GmbH betrieben wird.[2]

Seit 2007 tritt 1&1 in Deutschland als Komplettanbieter von Telefon- und Internet-Anschlüssen auf. Dabei setzt das Unternehmen weiterhin auf das Netz der Deutschen Telekom, verwendet gleichzeitig aber auch die Infrastruktur der Telefónica Germany sowie QSC AG für die sogenannte letzte Meile.

Im Jahr 2010 schloss 1&1 eine Kooperation mit Vodafone und tritt seitdem auch als Mobilfunkanbieter auf.

Standorte[Bearbeiten]

1&1 begann bereits um die Jahrtausendwende mit der internationalen Expansion. Dabei spielt vor allem die Beteiligung der Muttergesellschaft United Internet an Afilias eine Rolle, die eine herausgehobene Position bei der Einführung der Top-Level-Domain .info bietet. 1&1 ist für rund ein Viertel aller Vorregistrierungen unterhalb der gTLD verantwortlich.[1]

Seit dem Jahr 2000 ist 1&1 mit Niederlassungen in Großbritannien und Frankreich vertreten, seit 2003 auch in den Vereinigten Staaten. Gemessen am Umsatz stellt die 1&1 Internet Inc. die wichtigste Auslandsgesellschaft von 1&1 dar. Außerdem existieren Standorte in Italien, Österreich, Spanien, Kanada, Mexiko, Polen und auf den Philippinen.[3]

Produkte[Bearbeiten]

Die Produktpalette von 1&1 gliedert sich in zwei Bereiche: Im Webhosting-Segment werden neben Shared-Hosting-Tarifen auch dedizierte und virtuelle Server sowie diverse E-Mail-Lösungen angeboten. Außerdem tritt 1&1 als Registrar von Domains auf, wobei die eigentliche Vergabe durch die Schwestergesellschaft InterNetX beziehungsweise deren US-Tochter PSI-USA Inc. erfolgt. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Anbieter Jimdo wurde ein Baukasten für Websites unter der Bezeichnung Do-It-Yourself-Homepage entwickelt. Ende 2009 beendeten Jimdo und der 1&1-Mutterkonzern United Internet die Zusammenarbeit.[4] Seitdem entwickelt 1&1 das Produkt international unter dem Namen "MyWebsite" eigenständig weiter.

Unter der Firmierung 1&1 De-Mail GmbH bietet 1&1 De-Mail-Produkte als Businesslösung an.[5]

Im Segment Access offeriert 1&1 eigene DSL-Anschlüsse mit Flatrate-Tarifen. Außerdem werden Sprach- und reine Daten-Tarife im Mobilfunknetz von Vodafone und E-Plus angeboten.[6] Diese sind jedoch nur in Deutschland erhältlich, im Ausland tritt 1&1 ausschließlich als Webhosting-Provider auf.

Bedeutung[Bearbeiten]

Die 1&1 Internet AG ist mit 3,22 Millionen DSL-Endkunden (Stand: 2. Quartal 2012) hinter der Deutschen Telekom sowie Vodafone die Nummer Drei bei der Vermarktung von Breitbandzugängen in Deutschland.[7] Die bis Juni 2007 vermarkteten DSL-Anschlüsse, die einen Telekom-Festnetzanschluss voraussetzen, werden entweder von der Telekom bereitgestellt oder durch Telefónica Germany mittels Line-Sharing (ausschließlich über ADSL2+) realisiert und unter dem Namen 1&1 DSL vertrieben. Mit der Integration von Voice over IP (2004), Video-on-Demand (1&1 in Kooperation mit maxdome) und 1&1-Mobilfunk-Tarif (2007) in das DSL-basierte Bündelangebot ist 1&1 mittlerweile Quadruple-Play-Anbieter. Die Zusammenarbeit mit Maxdome wurde zum 1. Januar 2012 eingestellt und die bestehenden Verträge in entsprechende DSL- und Telefonie-Bundle umgewandelt.

Kritik[Bearbeiten]

1&1 geriet 2002 in das Visier von Verbraucherschützern, da teilweise überraschende Klauseln in den AGB von Verträgen eingebaut waren, die in hohem Maße asymmetrische Kündigungsfristen beinhalteten. Dies brachte 1&1 wiederholte Abmahnungen[8] der Verbraucherzentralen und schließlich ein Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz im Jahr 2003 ein, das dieses Gebaren als nicht zulässig ansah.[9]

Anfang 2007 wurden die Verbindungspreise für 0180-Sonderrufnummern in den 1&1-IP-Telefonie-Tarifen sowie die Gebühren für SMS-Benachrichtigungen auch für Bestandskunden erhöht, ohne dass den Kunden – wie bei anderen Anbietern üblich – ein außerordentliches Kündigungsrecht zugebilligt wurde.

1&1 schnitt in Umfragen von Computer Bild zur Leistung von DSL-Anbietern mehrfach nur mit „ausreichend“ ab. In der Auswertung für Juli 2008 bis Juni 2009 wurde 1&1 als 15. von 20 getesteten Anbietern,[10] in einer Auswertung für 2009 als 14. von 18 getesteten Anbietern[11] und in einer Auswertung für 2010 als 11. von 15 getesteten Anbietern.[12] Der schlechteste Einzelpunkt der Auswertung war hierbei zumeist der Kundendienst. Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Service-Qualität vom September 2009 erreichte 1&1 im Bereich Service nur einen Platz im unteren Mittelfeld.[13]

Im Jahr 2010 konnte sich 1&1 aber insgesamt im guten Mittelfeld platzieren[14] und im September 2012 ermittelte das Deutsches Institut für Service-Qualität 1&1 als zweitbesten Internetanbieter nach Kabel Deutschland.[15]

Ebenfalls im Jahr 2012 berichtet Der Spiegel in einem Interview mit einem Mitarbeiter, dass das komplizierte Kündigungsverfahren dazu da sei, „Leute davon abzuhalten, zu kündigen“.[16]

Kritik erfährt 1&1 auch durch unzulässigen Umgang mit dem zweiwöchigen Kündigungsrecht bei neuen Vertragsabschlüssen. Bei dem Abschluss eines neuen DSL-Anschlusses ist standardmäßig die Option schnellstmögliche Bereitstellung aktiviert, durch die nach Interpretation von 1&1 das Widerrufsrecht verwirkt wird.[17] Des Weiteren wurde in der Vergangenheit mehrfach versucht, Flatrate-Kunden mit überdurchschnittlichem Datenaufkommen mittels eines sogenannten Goldenen Handschlags zur vorzeitigen Kündigung zu bewegen.[18]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeschichte der 1&1 Internet AG. Abgerufen am 14. August 2012.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatKartellamt genehmigt Internet-Deal. In: Handelsblatt. 19. Mai 2005, abgerufen am 1. November 2007.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStandorte der 1&1 Internet AG. Abgerufen am 14. August 2012.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWir waren jung und brauchten das Geld. Jimdo, abgerufen am 24. August 2014.
  5. Einfach wie E-Mail, sicher wie ein Brief. 1&1, abgerufen am 5. Januar 2014.
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatHandy- und Smartphone-Tarife. 1&1, abgerufen am 22. Septemer 2014.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDSL Marktübersicht für das 3. Quartal 2011. Abgerufen am 14. August 2012.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVerbraucherzentrale mahnt 1&1 wegen asymmetrischer Kündigungsfrist erneut ab. In: heise online. 31. Januar 2002, abgerufen am 1. November 2007.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGericht stärkt Schutz bei Vertragsänderung am Telefon. Verbraucherzentrale Bundesverband, abgerufen am 5. April 2013.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInternet-Umfrage 2008-2009. In: ComputerBild. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInternet-Umfrage 2009. In: ComputerBild. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatInternet-Umfrage 2010. In: ComputerBild. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTobias Dorfer: Spott mit dem Spot. In: Süddeutsche Zeitung. 9. April 2010, abgerufen am 3. Januar 2011.
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStudie DSL/Internetanbieter (Oktober 2010). Deutsches Institut für Service-Qualität, abgerufen am 14. August 2012.
  15. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatStudie Internetanbieter (29.10.2012). Deutsches Institut für Service-Qualität, abgerufen am 09.06.2013.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTom König: Kündigungsfrust bei 1&1: Ich hab das Faxen dicke. In: Der Spiegel. 15. Juli 2012, abgerufen am 5. Januar 2014.
  17. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format1&1 Abzocke. Heise Zeitschriften Verlag, 27. Oktober 2007, abgerufen am 8. November 2010.
  18. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMichael Wilde: Goldener Handschlag für Power-Sauger. In: Heise online. 8. Juni 2005, abgerufen am 1. November 2007.

50.4356177.812341Koordinaten: 50° 26′ 8″ N, 7° 48′ 44″ O