Drägerwerk

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Drägerwerk AG & Co. KGaA
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Rechtsform Kommanditgesellschaft auf Aktien
ISIN DE0005550636
Gründung 1889
Sitz Lübeck, Deutschland

Leitung

Mitarbeiter 13.334 (Dezember 2013)[1]
Umsatz 2,374 Mrd. (2013)[1]
Branche Medizintechnik
Website www.draeger.com
Stand: 31. Dezember 2013 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2013
Der Hauptsitz in Lübeck

Die Drägerwerk AG & Co. KGaA in Lübeck entwickelt, produziert und vertreibt Geräte und Systeme in den Bereichen Medizin-, Sicherheits- und Tauchtechnik.

Noch heute werden Mitarbeiter des Rettungswesens im Bergbau und bei der Feuerwehr in den USA auf Grund der Atemschutzgeräte der Drägerwerke als „Drägermen“ bezeichnet.

Unternehmensbereiche[Bearbeiten]

Der Konzern Dräger ist in zwei Sparten mit weltweit über 100 Tochtergesellschaften aufgeteilt.[2][3]

  • Dräger Medical GmbH ist einer der weltweit führenden Hersteller medizintechnischer Geräte und der umsatzstärkste Teilkonzern der Drägerwerk AG. Seit 2003 gab es ein Joint Venture zwischen der Drägerwerk AG (75 Prozent) und der Siemens AG (25 Prozent). 2009 kaufte die Drägerwerk AG & Co. KGaA den Minderheitsanteil von 25 % der Siemens AG zurück.[4] Der Teilkonzern bietet Produkte, Dienstleistungen und integrierte Lösungen entlang der Patientenprozesskette von der Notfallmedizin, über den perioperativen Bereich, die Intensiv- und Perinatalmedizin bis hin zur häuslichen Pflege. Dräger Medical hat seinen Hauptsitz in Lübeck und beschäftigt weltweit rund 6.000 Mitarbeiter. Dräger Medical erwirtschaftete im Jahr 2009 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 76,7 Mio. Euro. Im September 2010 wurde die ehemalige Dräger Medical AG & Co. KG in eine GmbH umgewandelt.
  • Soldat der Recon Marines mit LAR V-Kreislauftauchgerät, 2009
    Dräger Safety AG & Co. KGaA ist einer der weltweit führenden Hersteller von Personenschutzausrüstungen und Gasmesstechnik sowie Systemanbieter kompletter Sicherheitsdienstleistungen in der Industrie, im Brandschutz, im Bergbau und in anderen Branchen. Dräger Safety erwirtschaftete im Jahr 2009 ein Ergebnis vor Steuern und Zinsen von 30,2 Mio. €. Das Unternehmen ist mit seinen rund 4.000 Mitarbeitern in über 100 Ländern und mit rund 40 eigenen Tochtergesellschaften weltweit vertreten. Dräger Safety besitzt Produktionsstandorte in Deutschland, Großbritannien, Tschechien, USA, Schweden, Südafrika und China. Das Fertigungsprogramm umfasst Atemschutzgeräte für Feuerwehr, Bergbau und Industrie, komplette Luftfilter- und Luftversorgungsanlagen, tragbare und stationäre Gasmess- und Warnsysteme, Geräte für die Schadstoffanalyse vor Ort und im Labor, Geräte für das Berufs- und Sporttauchen sowie Alkohol- und Drogentestgeräte.

Geschichte[Bearbeiten]

Lubeca-Ventil 1890

Im Jahre 1889 wurde das Unternehmen von Johann Heinrich Dräger und Carl Adolf Gerling als Firma Dräger & Gerling Stammsitz Lübeck gegründet. Im selben Jahr wurde das Lubeca-Ventil, ein Druckminderer, patentiert. 1899 brachte Dräger ein als Finimeter noch heute bezeichnetes Manometer für Atemgasflaschen auf den Markt.[5] Mit dem nach Otto Roth benannten Roth-Dräger-Narkoseapparat gelang 1902 die Entwicklung eines Narkosegerätes, das bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges in Deutschland verwendet wurde.[6]

In diesem Jahr stieg Heinrich Drägers Sohn Bernhard in die Geschäftsführung ein; ab diesem Zeitpunkt firmierte das Unternehmen als Drägerwerk Heinr. und Bernh. Dräger.

1907 wurden ein Tauchretter für U-Bootbesatzungen und das Notfallbeatmungsgerät Pulmotor entwickelt; 1912 ein schlauchloses Helmtauchgerät, das die Sicherheit für Taucher erhöhte, da es die Gefahr des Reißens oder Verklemmens des Luftschlauchs beseitigte. Tieftauchversuche in einem Tauchsimulator führten 1914 zur Entwicklung einer frühen Dekompressionstabelle. 1926 entwickelte Dräger einen Bade-Tauchretter, ein Sauerstoffkreislaufgerät zur Rettung verunglückter Schwimmer. Von 1928 bis 1986 wurde das Unternehmen von Heinrich Dräger geleitet.

Während der Zeit des „Dritten Reiches“ waren im Drägerwerk Zwangsarbeiter beschäftigt. 1941 waren es etwa 1.200 von 7.000 Mitarbeitern.[5] Mit einem Transport aus dem KZ Ravensbrück wurden im Juni 1944 knapp 500 Frauen zur Zwangsarbeit in die Hamburger Drägerwerke nach Hamburg-Wandsbek verbracht. Bis April 1945 lebten sie in dem Außenlager Hamburg-Wandsbek des KZ Neuengamme in Baracken auf dem Werksgelände. Sie wurden in der Produktion von Gasmasken und zu Aufräumarbeiten nach Bombenangriffen auf Hamburg eingesetzt. Mit einigen der Häftlinge wurden Menschenversuche über das Überleben in gasdichten Luftschutzräumen angestellt. Zu den Leitern des Lagers gehörte der SS-Hauptscharführer Max Kirstein. Die Befreiung der bis dahin etwa 550 Frauen gelang im Mai 1945 durch britische Soldaten und das schwedische Rote Kreuz.[7][8]

1953 wurden ein Alkohol-Teströhrchen und das militärische Sauerstoff-Kreislaufgerät Leutnant Lund II entwickelt. 1969 baute Dräger ein Unterwasserlabor vor Helgoland.

Seit 1970 ist das Drägerwerk eine Aktiengesellschaft. Nachfolger von Heinrich Dräger als Vorstandsvorsitzender wurde sein Sohn Christian Dräger, der bereits seit 1961 im Drägerwerk tätig war. 2003 wurde der Bereich Luft- und Raumfahrttechnik an den britischen Luftfahrttechnik-Konzern Cobham plc verkauft und 2004 Air-Shields übernommen.

Der Umsatz betrug 2009 1,9 Milliarden Euro, von denen ca. 1,5 Mrd. im Ausland erwirtschaftet wurden.[9] Vorstandsvorsitzender ist seit dem 1. Juli 2005 Stefan Dräger.

Im August 2006 wurde der Grundstein für den Neubau der Zentrale des Teilkonzerns Dräger Medical gelegt, die inzwischen bezogen ist.[10] Im Jahr 2010 wurde in Wandsbek eine KZ-Gedenkstätte eröffnet und ein Mahnmal für die Zwangsarbeiter errichtet.[11]

Organe[Bearbeiten]

Vorstand[Bearbeiten]

Der Vorstand besteht aus folgenden Mitgliedern:

  • Stefan Dräger (Vorsitzender)
  • Gert-Hartwig Lescow
  • Herbert Fehrecke
  • Anton Schrofner

Aufsichtsrat[Bearbeiten]

Der Aufsichtsrat besteht aus folgenden Mitgliedern:

Kapitalstruktur und Anteilseigner[Bearbeiten]

Drägerwerk ist eine Kommanditgesellschaft auf Aktien. Das gezeichnete Kapital ist in 10.160.000 Stammaktien und 6.350.000 stimmrechtslose Vorzugsaktien eingeteilt. Die Vorzugsaktien befinden sich zu 100 % im freien Handel und sind Bestandteil des TecDAX. Die Stammaktien befinden sich zu 71,46 % in der Hand der Familie Dräger, vorwiegend über die Dr. Heinrich Dräger GmbH.[12]

Einziger Komplementär (persönlich haftender Gesellschafter) der KGaA ist die Drägerwerk Verwaltungs AG, die sich zu 100 % im Besitz der Stefan Dräger GmbH befindet.[13]

Sponsoring[Bearbeiten]

Dräger sponsort die Deutsche Feuerwehr-Sportföderation und somit das Deutsches Feuerwehr-Fitness-Abzeichen[14].

Literatur[Bearbeiten]

  •  Johann Heinrich Dräger: Welt im Wandel. Lebenserinnerungen. Leibniz Verlag, St. Goar 2003 (Erstdruck 1913), ISBN 978-3-931155-01-8.
  •  Damals. Dräger Mitarbeiter erinnern sich. Drägerwerk AG, Lübeck 1989.
  •  Stefan Romey: Ein KZ in Wandsbek. Zwangsarbeit im Hamburger Drägerwerk. VSA-Verlag, Hamburg 1994, ISBN 978-3-87975-613-1.
  • Martin Thoemmes: "Heinrich Dräger." In: Alken Bruns (Hrsg.)"Neue Lübecker Lebensläufe", Wachholtz Verlag, Neumünster 2009, S.175-182 ISBN 978-3-529-01338-6
  • Welf Böttcher / Martin Thoemmes: "Heinrich Dräger. Eine Biographie", Wachholtz Verlag, Neumünster 2011 ISBN 978-3-529-06123-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Drägerwerk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Drägerwerk AG & Co. KGaA: Geschäftsbericht 2013. Abgerufen am 15. Mai 2014 (PDF).
  2.  Bernd Müller-Dauppert: Logistik-Outsourcing: Ausschreibung, Vergabe, Controlling, S. 109. Verlag Heinrich Vogel, München 2005, ISBN 9783574260902. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  3.  Nadine Savanovic, Dirk Glebe: Börse verstehen: DAX& CO. Die deutschen Leitindizies: Daten, Zahlen, Fakten zu allen 160 Aktien in DAX, M-DAX, TEC-DAX, S-DAX , S. 284. BoD, 2008, ISBN 9783837074260. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  4. Pressemitteilung Dräger vom 29. Dezember 2009. Abgerufen am 20. Juli 2011 (PDF; 22 kB).
  5. a b Drägerwerk: die Geschichte des Unternehmens. Abgerufen am 20. Juli 2011 (PDF; 1,5 MB).
  6.  Ulrich Koppitz, Alfons Labisch, Norbert Paul: Historizität: Erfahrung und Handeln, Geschichte und Medizin, S. 234. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-515-08507-6. Online: eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  7. KZ-Gedenkstätte Neuengamme: Hamburg-Wandsbek. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  8. Landeszentrale für Politische Bildung Hamburg: Interaktive Karte zur Zwangsarbeit in Hamburg. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  9. Florian Langenscheidt, Bernd Venohr (Hrsg.): Lexikon der deutschen Weltmarktführer. Die Königsklasse deutscher Unternehmen in Wort und Bild. Deutsche Standards Editionen, Köln 2010, ISBN 978-3-86936-221-2.
  10. HL-Live am 24. August 2006: Grundstein für neue Dräger Medical-Zentrale. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  11. Stadt Hamburg, Pressearchiv am 29. Oktober 2010: Mahnmal am ehemaligen KZ-Außenlager Wandsbek-Drägerwerk wird eingeweiht. Abgerufen am 20. Juli 2011.
  12. Überblick über Aktionärsstruktur auf der Webseite des Unternehmens
  13. Jahresbericht 2011, Seite 44 (PDF; 4,4 MB)
  14. DFFA Deutsches-Feuerwehr-Fitness-Abzeichen, abgerufen am 7. Dezember 2014

53.8610.67Koordinaten: 53° 51′ 36″ N, 10° 40′ 12″ O