Abd al-Fattah as-Sisi

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Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi

Abd al-Fattah Said Husain Chalil as-Sisi (arabisch ‏عبد الفتاح سعيد حسين خليل السيسي‎, DMG ʿAbd al-Fattāḥ Saʿīd Ḥusain Ḫalīl as-Sīsī; * 19. November 1954 in Kairo) ist seit dem 8. Juni 2014 Präsident Ägyptens. Ende März 2014 gab er seine Kandidatur um das ägyptische Präsidentenamt bekannt. Um gemäß der Verfassung als Zivilist zu kandidieren, trat Sisi von seinen bisherigen Ämtern zurück. Er war seit dem 12. August 2012 Minister für Verteidigung und Militärproduktion unter dem Ministerpräsidenten Hescham Kandil. Er war auch als Feldmarschall Oberkommandierender der ägyptischen Streitkräfte, war das jüngste Mitglied des Militärrats[1] und stellvertretender Ministerpräsident des Landes.[2]

Der praktizierende sunnitische Muslim gilt als fromm, gläubig, zugleich aber als überzeugter Verehrer des arabisch-nationalistischen und säkularen Ex-Präsidenten Gamal Abdel Nasser.[3] Seine Verbindungen zu den Vereinigten Staaten gelten als ausgezeichnet, sowohl zur Führung der US-Armee als auch zum amerikanischen Verteidigungsministerium, das Ägyptens Streitkräfte jährlich mit 1,3 Milliarden Dollar Militärhilfe unterstützt.[4]

Militärkarriere[Bearbeiten]

Sisi machte 1977 seinen Abschluss an der Ägyptischen Militärakademie. Anschließend wurde er Offizier der mechanisierten Infanterie im Bereich Panzerbekämpfung und Kampf mit Mörsern.[5] Später nahm er an folgenden Lehrgängen teil:

  • General Command and Staff Course, Egyptian Command and Staff College (1987)
  • General Command and Staff Course, Joint Command and Staff College (Großbritannien 1992)
  • War Course, Fellowship of the Higher War College, Nasser’s Military Sciences Academy (Ägypten 2003)
  • War Course, United States Army War College in Carlisle (USA 2006).

Sisi wurde 2008 Kommandeur des Armeebereichs Nord, anschließend Direktor der militärischen Aufklärung. Nachdem eine Einheit im Zuge der Revolution in Ägypten 2011 etwa 20 Demonstrantinnen vom Tahrir-Platz verschleppt hatte und sie zu einer demütigenden Jungfräulichkeitsuntersuchung gezwungen hatte,[6][7] verteidigte as-Sisi das Handeln des Schlägertrupps gegenüber Medien.[8] Zu dieser Zeit war Sisi in seiner Funktion als Militär-Geheimdienstchef Mitglied des Obersten Rates der Streitkräfte.[9]

Präsident Mohammed Mursi ersetzte am 12. August 2012 Mohamed Hussein Tantawi (* 1935), den Oberbefehlshaber der Ägyptischen Streitkräfte, durch General Sisi. Wegen der anhaltenden Massenproteste gegen Mursi setzte Sisi am Nachmittag des 1. Juli 2013 allen politischen Kräften ein Ultimatum von 48 Stunden. Am Abend des 3. Juli wurde die Regierung der Muslimbruderschaft abgesetzt, Neuwahlen wurden angekündigt. Sisi ernannte Adli Mansur (seit 1. Juli 2013 der Vorsitzende des Obersten Verfassungsgerichts) am 4. Juli zum Übergangspräsidenten des Landes.[10] Er kündigte auch eine neue Präsidentschaftswahl und die Überarbeitung der im Vorjahr beschlossenen, von den Islamisten geprägten und bei einer Abstimmung mit 64 % der Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 33 % angenommenen Verfassung an. Zahlreiche gesellschaftliche Kräfte begrüßten die Wende.[11][12] Jedoch führte der Putsch zu Massenprotesten und zur Eskalation der Situation im Land. Am Morgen des 8. Juli wurden laut der Gewerkschaft ägyptischer Ärzte 84 Demonstranten während des Morgengebetes vor den Kasernen der Nationalgarde vom Militär erschossen, 1000 andere wurden verletzt.[13]

Am 27. Januar 2014 wurde er von Mansur zum Feldmarschall, dem höchsten Rang im ägyptischen Militär, ernannt.[14] Am 12. Februar 2014 berichtete der Deutschlandfunk über ein vermutetes Mordkomplott gegen ihn.[15]

Kandidatur um das Präsidentenamt[Bearbeiten]

Am 26. März 2014 bewarb sich Sisi öffentlich in einer Fernsehansprache um das ägyptische Präsidentenamt. Bei der Präsidentschaftswahl 2014 galt er als Favorit auf den Posten, für den bislang mit dem linksgerichteten Politiker Hamdin Sabbahi und der koptischen Christin Hala Schukrallah bereits zwei Gegenkandidaten existieren. Um der Verfassung entsprechend als Zivilist zu kandidieren, trat Sisi von seinen Ämtern als Armeechef sowie Verteidigungsminister und Vize-Ministerpräsident zurück.[16] Er wurde mit großer Mehrheit zum ägyptischen Präsidenten gewählt[17], jedoch gibt es mehrere Berichte über Unstimmigkeiten und Vorwürfe der Wahlfälschungen. [18] [19] Am 8. Juni 2014 wurde Sisi als ägyptischer Präsident vereidigt. [20]

Literatur[Bearbeiten]

  • Abd al-Fattah al-Sisi, in: Internationales Biographisches Archiv 37/2013 vom 10. September 2013, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Abd al-Fattah as-Sisi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Machtkampf in Ägypten. Präsident Mursi feuert Militärchef Tantawi. In: Focus Online. Abgerufen am 12. August 2012.
  2. http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/die-armee-ruft-zu-einer-massenkundgebung-auf-1.18122174
  3. Raniah Salloum: Mursi-Sturz in Ägypten. Putsch des listigen Generals. In: Spiegel Online, 4. Juli 2013.
  4. Martin Gehlen: Der Armeechef ist ein Mann der klaren Worte. In: Stuttgarter Zeitung.de. Abgerufen am 5. Juli 2013.
  5. Egypt's new defense minister seen as U.S.-friendly. Daily Star, 10. September 2012, abgerufen am 18. Juni 2013.
  6. Demonstrantinnen zu "Jungfräulichkeits-Tests" gezwungen. Amnesty International, amnesty.de 23. März 2011.
  7. Samiha Shafy: Die Jungfrauen vom Tahrir. In: Spiegel Online, 6. Juni 2011
  8. Ägyptens neuer Armeechef verteidigte umstrittene Jungfräulichkeitstests. In: Der Standard.at, 13. August 2012
  9. Al-Sisi kommt aus der Welt des Geheimdienstes. In: Welt.de, 13. August 2012
  10. Richard Hall: Profile of Adly Mansour: Who is Egypt's interim President? The Independent, 3. Juli 2013, abgerufen am 3. Juli 2013.
  11. Putsch in Kairo: Ägyptens Militär stürzt Mursi Spiegel Online, 3. Juli 2013, abgerufen am 3. Juli 2013.
  12. Ben Wedeman, Reza Sayah, Matt Smith: Coup topples Egypt's Morsy; deposed president under 'house arrest'. In: CNN.com, 4. Juli 2013
  13. الأطباء" 84 شهيدا حتى الآن وأكثر من 1000 مصاب حصيلة أحداث الحرس الجمهورى" („Bis jetzt 84 Gefallene und mehr als 1000 Verwundete in den Gefechten vor den Kasernen der National Garde“), al-Masreyoon, 9. Juli 2013, abgerufen am 10. Juli 2013.
  14. Ägypten: Armeechef Sisi lässt sich zum Feldmarschall befördern Spiegel Online, 27. Januar 2014, abgerufen am 27. Januar 2014.
  15. http://www.deutschlandfunk.de/verschwoerungstheorie-aegyptische-zeitung-deutschland-in.1773.de.html?dram:article_id=277264
  16. Al-Sisi: Vom Putschisten zum ägyptischen Präsidenten? bei dw.de, 27. März 2014 (abgerufen am 28. März 2014).
  17. Neuer Präsident in Ägypten bei spiegel.de, 29. Mai 2014 (abgerufen am 29. Mai 2014).
  18. Sissis Wahlsieg gegen das Volk bei zeit.de, 29. Mai 2014 (abgerufen am 29. Mai 2014).
  19. Ex-Armeechef vor Wahlsieg in Ägypten bei handelsblatt.de, 29. Mai 2014 (abgerufen am 29. Mai 2014).
  20. Al-Sisi als ägyptischer Präsident vereidigt bei sueddeutsche.de, 8. Juni 2014 (abgerufen am 8. Juni 2014).
Vorgänger Amt Nachfolger
Mohammed Hussein Tantawi Ägyptischer Verteidigungsminister
2012 bis 2014
Sedki Sobhi