Alfred Delp

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Alfred Delp um 1940
Briefmarke der Deutschen Bundespost (1964) zum 20. Jahrestag des 20. Juli 1944

Alfred Friedrich Delp SJ (* 15. September 1907 in Mannheim; † 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee) war ein deutscher Jesuit und Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus.

Leben[Bearbeiten]

Gedenktafel an Delps Geburtshaus in Mannheim, 2006

Er wurde im „Wöchnerinnenasyl Luisenheim“ in C 7 in Mannheim geboren und zwei Tage später dort von Kaplan Mutz der Jesuitenkirche, in deren Sprengel das Wöchnerinnenasyl lag, getauft. Bei der späteren katholischen Hochzeit der Eltern musste sein evangelischer Vater schriftlich zusagen, dass die aus dieser Ehe hervorgehenden Kinder katholisch getauft und erzogen werden. Dieses Versprechen konnte der Vater nicht einhalten, denn die junge Familie musste aus wirtschaftlichen Gründen bei den evangelischen Eltern des Vaters in Hüttenfeld leben, wo die Großmutter, stolz auf ihre evangelische Familientradition, die evangelische Erziehung des Jungen durchsetzte, was zum Dauerkonflikt in der Familie führte. Dort wohnte er bis 1914 in der Mannheimer Straße 3.[1] 1921 wurde er als Gymnasiast zunächst konfirmiert, nach einem Streit mit dem evangelischen Pfarrer jedoch in der katholischen Kirche zur Erstkommunion zugelassen und gefirmt.

Das desolate Verhältnis zwischen den christlichen Konfessionen begleitete ihn bis ans Lebensende, schreibt er doch aus dem Gefängnis heraus: „Wenn die Kirchen der Menschheit noch einmal das Bild einer zankenden Christenheit zumuten, sind sie abgeschrieben.

Die Jugend von Alfred Delp wurde dann vor allem durch die katholische Jugendbewegung „Bund Neudeutschland“ geprägt. Unmittelbar nach seinem Abitur an der Goetheschule in Dieburg trat er 1926 in den Jesuitenorden ein. Als Erzieher und Lehrer wirkte Delp am Kolleg St. Blasien im Schwarzwald. 1937 wurde er zum Priester geweiht. Seit 1939 wirkte er als Seelsorger in der Pfarrei Heilig Blut im Münchner Stadtteil Bogenhausen.[2] Er wurde Mitarbeiter der Zeitschrift Stimmen der Zeit in München. Sie erschien bis 1941, bevor ihr im Juni 1941 die Druckerlaubnis entzogen wurde.

Von 1942 an arbeitete Delp im Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke mit, um ein Modell für eine neue Gesellschaftsordnung nach dem Ende der Zeit des Nationalsozialismus zu entwickeln.[3] Hier engagierte er sich insbesondere für die Positionen der katholischen Kirche bei einem Neuaufbau Deutschlands im Hinblick auf die katholische Soziallehre.

Inhaftierung und Ermordung[Bearbeiten]

Denkmal bei St. Georg in München-Bogenhausen, 2007

Nach dem Scheitern des Umsturzversuches vom 20. Juli 1944 wurde Delp am 28. Juli 1944 nach der Frühmesse in St. Georg im Münchner Stadtteil Bogenhausen, Filialkirche von Heilig Blut, verhaftet,[2] obwohl er an den Vorbereitungen des Attentats nicht beteiligt war. Im Prozess vor dem Volksgerichtshof unter Vorsitz von Roland Freisler wurde Alfred Delp wegen Hoch- und Landesverrats zum Tod durch den Strang verurteilt. Das Gericht hatte zwar den Vorwurf der Mitwisserschaft am Attentat fallen lassen, doch sein Engagement im Kreisauer Kreis, sein Wirken als Jesuitenpater und seine christlich-soziale Weltanschauung genügten, um ihn zum Opfer der NS-Justiz zu machen.

Während der Haftzeit machte ihm die Gestapo das Angebot der „Freilassung gegen Ordensaustritt“, was aber von Delp ausgeschlagen wurde. Delp legte am 8. Dezember 1944 in der Haftanstalt Berlin-Tegel seine letzten, feierlichen Gelübde ab, die Profess, mit der Delp und sein Orden ihre gegenseitige Bindung bekundeten. Das Urteil wurde am 2. Februar 1945 in Plötzensee vollstreckt, seine Asche wurde auf den Berliner Rieselfeldern verstreut. Auf dem Weg unter den Galgen sagte er zum Gefängnispfarrer: „In wenigen Augenblicken weiß ich mehr als Sie.“

Ehrungen[Bearbeiten]

In seinem Heimatort Hüttenfeld trägt das Katholische Gemeindezentrum seinen Namen, inzwischen auch die Straße, in der sein Elternhaus stand. An seiner Wirkungsstätte am Kolleg St. Blasien wurde die Sporthalle nach ihm benannt. In der Haftanstalt Berlin-Tegel gibt es eine (nicht öffentlich zugängliche) Gedenktafel für ihn und seine Mitkämpfer. In der Nähe der Hinrichtungsstätte Plötzensee erinnert die Delpzeile[4] an ihn.

In Deutschland sind zahlreiche Schulen nach Alfred Delp benannt, unter anderem in Mannheim, Ludwigshafen, Mainz, Bremerhaven, Froschhausen, Hargesheim, Mondorf, Troisdorf, Ubstadt-Weiher und Lampertheim. In Frankfurt am Main[5], Mannheim, Bayreuth und Göttingen sind katholische Studentenwohnheime nach ihm benannt. Auch das Gästehaus auf dem Gelände des Canisius-Kollegs in Berlin trägt seinen Namen. In Dieburg wurde die Gymnasiale Oberstufe, die Alfred-Delp-Schule, das katholische Gemeindezentrum, das Pater-Delp-Haus und eine Straße nach ihm benannt. Weiterhin wurden Straßen in Harsum, Durmersheim, Leverkusen und Bietigheim nach ihm benannt. Die Katholische Jugend unterhält in Bottrop ein Alfred-Delp-Heim. Die Bundeswehr benannte die Kaserne in Donauwörth in Alfred-Delp-Kaserne. In Neuss hat sich eine Ortsgruppe der Georgs-Pfadfinder nach ihm benannt, der DPSG-Stamm Alfred Delp. In Brilon im Hochsauerlandkreis ist das örtliche Kinder- und Jugendzentrum (Alfred-Delp-Haus, kurz ADH) und in Oberursel/Taunus ist ein Wohn- und Tageszentrum für Menschen mit geistiger Behinderung nach ihm benannt, des Weiteren befindet sich in Troisdorf das Alfred-Delp Altenzentrum. Seit Delps 60. Todestag im Jahr 2005 existiert in seiner Geburtsstadt Mannheim eine Alfred-Delp-Gesellschaft. Sie gibt seit 2007 das Alfred-Delp-Jahrbuch heraus, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut der Universität Mannheim eine Gedenkvorlesung in zeitlicher Nähe zum Geburtstag (15. September) und stiftete für die Jesuitenkirche eine von Karlheinz Oswald gestaltete Büste, die von ihrem Ehrenmitglied Karl Kardinal Lehmann 2007 eingeweiht wurde.

Werke[Bearbeiten]

  • Tragische Existenz. Zur Philosophie Martin Heideggers. Herder, Freiburg 1935.
  •  Alfred Delp, Roman Bleistein (Hrsg.): Gesammelte Schriften. Josef Knecht, Frankfurt am Main, ISBN 978-3-7820-0699-6 (ca. 2215 Seiten, in 5 Bänden).
  1.  Geistliche Schriften. 1982, ISBN 3-7820-0478-7 (Mit einleitenden Texten von Karl Rahner).
  2.  Philosophische Schriften. 1983, ISBN 3-7820-0485-X (Mit einleitenden Texten von Karl Heinz Neufeld).
  3.  Predigten und Ansprachen. 1983, ISBN 3-7820-0487-6 (Mit einleitenden Texten von Ludwig Bertsch).
  4.  Aus dem Gefängnis. 1984, ISBN 3-7820-0499-X (Mit einleitenden Texten von Roman Bleistein).
  5.  Briefe – Texte – Rezensionen. 1988, ISBN 3-7820-0580-5.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Roman Bleistein: Alfred Delp - Geschichte eines Zeugen. Alber Verlag, Frankfurt am Main 1989, ISBN 3-7820-0598-8.
  •  Elke Endraß: Gemeinsam gegen Hitler. Pater Alfred Delp und Helmuth James Graf von Moltke. Kreuz, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-7831-2881-9.
  •  Christian Feldmann: Alfred Delp. Leben gegen den Strom. Herder, Freiburg im Breisgau 2005, ISBN 3-451-28569-X.
  •  Gotthard Fuchs (Hrsg.): Glaube als Widerstandskraft. Edith Stein, Alfred Delp, Dietrich Bonhoeffer. 1. Auflage. Josef Knecht, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-7820-0523-6.
  •  Rita Haub: Alfred Delp – Beten und Glauben. In: Topos-plus-Taschenbücher. 604, Lahn Verlag, Kevelaer 2007, ISBN 978-3-7867-8604-7 (eine Topos-plus-Biografie).
  •  Rita Haub, Friedrich Schreiber: Alfred Delp – Held gegen Hitler. Echter Verlag, Würzburg 2005, ISBN 3-429-02665-2.
  •  Helmut Moll: Die katholischen deutschen Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Ein Verzeichnis. 4., durchges. Auflage. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2005, ISBN 3-506-75777-6 (Im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz).
  •  Helmut Moll: Zeugen für Christus. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts. Ferdinand Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-75778-4 (2 Bände).
  •  Karl H. Neufeld: Geschichte und Mensch. A. Delps Idee der Geschichte – Ihr Werden und ihre Grundzüge. Ed. Pontifica Univ. Gregoriana, Rom 1983, ISBN 88-7652-425-8.
  •  Günther Saltin: Durchkreuztes Leben. Alfred Delp: Weg – Kampf – Opfer. Schüssler, Mannheim 2003, ISBN 3-00-012687-2.
  •  Günther Saltin: Gesang im Feuerofen. Die ökumenische Bibellektüre von Helmuth James von Moltke, Alfred Delp, Eugen Gerstenmaier und Joseph Ernst Fugger von Glött in der Haftanstalt Tegel. Echter, Würzburg 2014, ISBN 978-3429036720.
  • Oskar Simmel SJ: Delp, Alfred. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, ISBN 3-428-00184-2, S. 589 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Alfred Delp – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Else Hanf, geb. Delp: Un noch e bißlche meh vun de „Hütt“!, 1998
  2. a b katholisch.de: Vor 60 Jahren wurde Alfred Delp hingerichtet
  3. Michael Pope: Alfred Delp S. J. im Kreisauer Kreis. Die rechts- und sozialphilosophischen Grundlagen in seinen Konzeptionen für eine Neuordnung Deutschlands In: Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe B: Forschungen, Bd. 63
  4. Delpzeile. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  5. adh-studentenhaus.de