Kolleg St. Blasien

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Kolleg St. Blasien
Schulform Gymnasium mit Internat
Gründung 1596
Ort St. Blasien
Land Baden-Württemberg
Staat Deutschland
Koordinaten 47° 45′ 36,5″ N, 8° 7′ 48,1″ O47.760138.13003Koordinaten: 47° 45′ 36,5″ N, 8° 7′ 48,1″ O
Träger Jesuitenorden
Schüler etwa 800
Lehrkräfte etwa 90
Leitung Klaus Mertes, Hubert Müller, Philipp Görtz
Website kolleg-st-blasien.de
Altbaupforte des Kollegs

Das Kolleg St. Blasien ist ein staatlich anerkanntes und von den Jesuiten geführtes Gymnasium mit Internat im Südschwarzwald. Im Schuljahr 2013/14 werden am Kolleg St. Blasien etwa 800 Schüler unterrichtet, darunter 250 interne Schüler.

Als Gründungsdatum der Schule wird das Jahr 1596 betrachtet, als in Freiburg in der Schweiz eine Schule gegründet wurde, die 1856 nach Feldkirch (Vorarlberg) und 1934 schließlich nach St. Blasien in die Gebäude des ehemaligen Benediktinerklosters St. Blasien umzog. Die Schule wurde von den Nationalsozialisten 1939 geschlossen und nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1946 wiedereröffnet.

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung durch Petrus Canisius 1596 in Freiburg im Üechtland[Bearbeiten]

Die Geschichte der Schule beginnt in Freiburg im Üechtland. Dort gründete der erste deutsche Jesuit, Petrus Canisius, ein Kolleg, dessen wechselvolle Geschichte in Sankt Blasien ihren vorläufigen Schlusspunkt gefunden hat. Obwohl der anfangs kleine Jesuitenorden, der 1540 von Ignatius von Loyola gegründet worden war, ursprünglich kein Interesse am Aufbau von Schulen hatte, da diese zu viele Ordensmitglieder als Lehrer erfordert hätte, entdeckten die Jesuiten recht bald, dass ihr Leitspruch „Omnia ad maiorem Dei gloriam“ („Alles zu größerer Ehre Gottes“) durch die Ausbildung von Jugendlichen insofern umgesetzt werden konnte, als hier noch recht früh im Leben der jungen Gläubigen die Glaubensgrundsätze vermittelt werden konnten. Der Jesuitenorden galt – aufgrund des unbedingten Gehorsams dem Papst gegenüber – zunächst als die universell einsetzbare „Armee“ des Papstes. Der Orden war auch sehr aktiv in der Gegenreformation und betrachtete dabei die Schulen als wichtiges Feld der Stärkung des katholischen Weltbildes gegen protestantische „Häretiker“.

Ende des 16. Jahrhunderts schließlich gründete Petrus Canisius, erster Provinzial der oberdeutschen Provinz des Ordens, nach Kollegien in Ingolstadt, Augsburg, München und Innsbruck das Kolleg Sankt Michael im schweizerischen Freiburg. 1596 wurde dieses Kolleg ein Vollgymnasium, 1597 verstarb Petrus Canisius in Freiburg.

1773 wurde der Jesuitenorden von Papst Clemens XIV. aufgehoben; damit endete auch die Lehrtätigkeit in Freiburg.

Nach der Wiederzulassung des Ordens 1814 durch Papst Pius VII. wurde 1827 der Lehrbetrieb im Kolleg St. Michael wieder aufgenommen. Nur 20 Jahre später, 1847, wurde das nun deutsch-französische Kolleg nach konfessionellen Spannungen infolge des Sonderbundskrieges aus der Schweiz vertrieben; es wurde den Jesuiten in der Schweizer Verfassung von 1848 sogar verboten, irgendeine Tätigkeit in der Schweiz auszuüben. Erst 1973 wurde diese Vorschrift aufgehoben.

Stella Matutina Feldkirch 1856[Bearbeiten]

Stella Matutina in Feldkirch

Im Jahr 1649 erhielt die Stadt Feldkirch im österreichischen Vorarlberg auf Wunsch des damaligen Fürstbischofs von Chur eine Missionsstation mit zwei Jesuitenpatres, die bereits im folgenden Jahren zu einer Jesuitenschule mit 150 Schülern erweitert wurde und als „Collegium Societatis Jesu Veldkirchy, Patronus S.Nicolaus“ bis zum 10. November 1773, der Aufhebung des Ordens, erfolgreich bestand.[1]

1856 öffnete P. Clemens Faller SJ, ein ehemaliger Freiburger Kollegszögling, wieder in Feldkirch in einer neu gebauten, aber ungenutzten Kaserne das alte Kolleg unter dem Namen Stella Matutina (Morgenstern). Dieser Standort erwies sich als günstig: Eine kulturell breit gefächerte, anfangs etwa 250 Jungen umfassende Schülerschaft aus Deutschland, den Gebieten der habsburgischen Monarchie aber auch aus Frankreich, Großbritannien und Amerika wurde dort von 27 Jesuiten und weiteren Laien unterrichtet. Eine Ansiedlung in Frankreich oder in Deutschland wäre ab 1872 nicht mehr möglich gewesen, da dem Orden durch das bis 1917 gültige Jesuitengesetz jede Betätigung verboten war. Die Schule war bis 1868 eine staatliche Schule unter Leitung der Jesuiten, bis nach dem Entzug der staatlichen Genehmigung durch Unterstützung der deutschen Eltern der Schulbetrieb auf privater Basis weitergeführt werden konnte. 1898 wurde die Schule als österreichisches Gymnasium anerkannt. Der Erste Weltkrieg beschränkte die Übernationalität der Schule auf Österreich, Deutschland und die Schweiz. 1930 wurde die Stella als deutsche Auslandsschule anerkannt. Im Jahr 1931 wurden in Feldkirch fast 500 Schüler unterrichtet.

Die deutschen Schüler der Stella Matutina wurden durch die Tausend-Mark-Sperre, ein NS Gesetz vom 27. Mai 1933 in allergrößte Schwierigkeiten gebracht. Danach mussten alle deutschen Reichsangehörigen vor einer Fahrt nach Österreich 1000 Reichsmark zahlen. Dieses Gesetz des nationalsozialistischen Staates hat das Verbleiben der deutschen Zöglinge in der österreichischen Stella stark gefährdet, da die deutschen Eltern nur noch schwer die Pension bezahlen konnten. Zudem wurde es immer fraglicher, ob die Eltern auch in Zukunft Erlaubnis bekämen, ihre schulpflichtigen Kinder im Ausland studieren zu lassen. Schließlich führte der finanzielle und politische Druck zum Umzug der deutschen Schüler in den Südschwarzwald. Am 20. März 1934 nahmen die 240 deutsche Buben und viele ihrer Lehrer und Erzieher, darunter Professor P. Alois Grimm, Präfekt P. Alfred Delp und Schuldirektor P. Otto Faller Abschied von Feldkirch.[2]

Neueröffnung in St. Blasien 1934[Bearbeiten]

Das Kloster, das im 9. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt und wahrscheinlich etwa im 11. Jahrhundert unabhängig wurde, galt als eines der wichtigsten schwäbischen Reformklöster und beeinflusste bis ins 12. Jahrhundert viele andere Klöster. Danach widmeten sich die Mönche dem Ausbau ihrer Grundherrschaft, die im 14. und 15. Jahrhundert ihre größte Ausdehnung erreichte. Das nunmehr vorderösterreichische Kloster, das von der Reformation nicht beeinflusst wurde, erlitt 1768 schwere Brandschäden. Der französische Architekt Pierre Michel d’Ixnard errichtete zwischen 1768 und 1781 einen Kuppeldom.

Die Mönche von St. Blasien betreuten zu Beginn des 19. Jahrhunderts 20 000 Seelen, unterhielten zahlreiche Volksschulen, Apotheken, ein Bankwesen für Kleinbauern, und betrieben drei Gymnasien in St. Blasien, Konstanz und Klinggau. Manche arbeiteten als namhafte Wissenschaftler mit Verbindungen zu Universitäten im In- und Ausland. All dies war durch die drohende Säkularisation in Frage gestellt.[3]

Die Säkularisation des Klosters St. Blasien war daher umstritten. Schleich berichtet von Versuchen im Frühling 1806, die Klöster St. Blasien und St. Peter „in einer den Zeitverhältnissen angemessenen Art“ zusammen bestehen zu lassen.[4] Nach deren Scheitern erfolgte die Säkularisierung im Herbst 1806. Danach diente das bisherige Klostergebäude als Maschinenfabrik, und als Spinnerei, die 1932 in Liquidation ging, bis 1934 der Jesuitenorden den 1806 in St. Blasien abgebrochenen Schulbetrieb wiederaufnahm.[5]

An Ostern 1934 begann – nach einigen Diskussionen mit den bisherigen Einwohnern, den Angestellten einer im Gebäude untergebrachten Fabrik – der Unterricht der deutschen Schüler in den Gebäuden der ehemaligen Benediktinerabtei Kloster St. Blasien. Da die deutsche Abteilung in Feldkirch bereits 1924 die „Anerkennung als Deutsche Auslandsschule“ erlangt hatte[6], entsprach das St.Blasier Schulmodell im Wesentlichen dem in Feldkirch praktizierten. Jedoch wurde der Kollegsleitung das Leben zunehmend schwer gemacht: Sorge und Unsicherheit lagen über dem Kolleg. Man konnte sich nicht auf alle Zöglinge immer unbedingt verlassen. Es konnte vorkommen, dass einzelne durch die Gänge marschierten, anti-jesuitische Nazilieder singend. Manche Eltern wurden unsicher. Man konnte ihnen nicht schreiben, denn der Briefverkehr war weitgehend kontrolliert.[7] Immer stärkere Restriktionen für die Abiturienten, die das Abitur nicht nur an einer anderen Schule (das Kolleg war nur genehmigt, nicht staatlich anerkannt), sondern auch in ihrem jeweiligen Heimatgebiet ablegen müssen, gefährdeten schon Mitte der 1930er-Jahre die Existenz des Kollegs, zumal etwa Beamtenkindern ab 1938 der Zugang zum Kolleg von staatlicher Seite verboten wurde.

Marianische Spiritualität und Marianische Kongregation[Bearbeiten]

In diesen schweren Jahren nahm man im Kolleg gerne Zuflucht bei der Marienverehrung. So predigte P. Dold 1935:

„Wirst sie noch brauchen können, diese Wunderbare Mutter, paß auf, das Leben, das vor Euch liegt, ist trotz aufbrechender Macht und Größe unseres Vaterlandes vermutlich nicht ganz einfach. Die Wunderbare Mutter soll Dir den Einstieg ins Leben zeigen, […] soll Deinen Ausstieg aus dem Leben sichern, komme er früh oder spät.“

– Dold 1954, Seite 7.

Seit Ignatius von Loyola war die geistige Ausrichtung der Jesuitenkollegien immer auch stark marianisch geprägt. Marienfeste wurden besonders gerne gefeiert und im Monat Mai fanden fast täglich Maiandachten zur Gottesmutter statt. Den Buben wurde das als Möglichkeit vorgestellt, wo sie ihre Sorgen, Hoffnungen, Probleme, Ängste und ihr Heimweh hintragen können. Sie sollten eine Heimat haben, wenn sie sich im Kolleg mal heimatlos fühlten. Das Kolleg St. Blasien hatte deshalb seit 1935 ein eigenes Gnadenbild der Wunderbaren Mutter Mater Ter Admirabilis in der Hauskapelle, wo die tägliche Messe stattfand. Ein Bild, das während der NS Verfolgungen und später in den schrecklichen Kriegsjahren vielen Halt und Hoffnung gegeben hat, was zahlreiche Briefe 1946–1950 an das Kolleg eindrucksvoll belegen.

Da die jesuitische Erziehungstradition mit der vom nationalsozialistischen Staat propagierten Modell nicht in Einklang zu bringen war, wurde die Schule nach nur fünf Jahren in St. Blasien am 9. März 1939 trotz starker Proteste von Erzbischof Dr. Conrad Gröber als eine der ersten im Erzbistum Freiburg von den Nationalsozialisten zwangsweise aufgelöst, obwohl sie in der Zeit davor nicht ganz frei von Anpassungen war: So wurde auf staatliche Anordnung zu Beginn des Schuljahres 1934 die nationale Flagge gehisst und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Auch die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend wurde auf Druck der Partei zugelassen, allerdings nur auf schriftlichen Antrag der Eltern und unter der Führung der von Jesuiten geleiteten Marianischen Kongregation, die stets die führende geistige Ausstrahlung im jesuitischen Kollegsleben hatte.

Nach der Aufhebung der Schule mussten die meisten Schüler in anderen Schulen unterkommen. Die älteren wurden meist zum Wehrdienst einberufen. Die Kolleg St. Blasien Totentafel an der Wand der Hauskapelle mit etwa 120 Namen erinnerte bis vor ein paar Jahren an die vielen Gefallenen und Vermissten aus der Kollegsfamilie. Das Kollegsgebäude wurde zunächst an die AOK Stuttgart vermietet und so die Errichtung einer Adolf-Hitler-Schule verhindert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude dann als Reservelazarett und Waffenfabrik genutzt. Die spätere Übergabe an das Heer hatten die Jesuiten selbst betrieben, um so Versuche der SS, die Schulgebäude für ihr Schulungssystem in die Hände zu bekommen, zu blockieren.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus durch St. Blasier Jesuiten[Bearbeiten]

Ab 1934, von Anfang an stemmten sich die Jesuiten von St. Blasien aus ihrem christlichen Glauben heraus gegen nationalsozialistische Wahnideen. So predigte nur wenige Wochen nach der Eröffnung des Kollegs der damalige Schuldirektor P. Otto Faller SJ im Dom zu St. Blasien am Festtag Peter und Paul:[8]

„Du bist Petrus und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen […] Was sagt unsere Zeit dazu? In tausendfacher Weise gellt ein Gegenchor durch unsere Welt: Wir wollen nichts mehr wissen von der Kirche. Wir brauchen keine Kirche. Wir werden ohne Kirche fertig. Hört ihr […] die Stimmen so vieler Verblendeter auch in unserer eigenen Heimat? Was werden wir ihnen sagen? Verblendete, so rufen wir ihnen zu! Sehr ihr denn nicht, dass ihr die Kirche dringender als je nötig habt? Weil in ihr Christus lebt, Christus der Lehrer, Christus der Hirt, Christus der Priester der ganzen Menschheit.“

Eine wichtige Rolle auch im heutigen Selbstverständnis des Kollegs spielt der aktive damalige Widerstand durch Jesuiten, insbesondere durch P. Alois Grimm und P. Alfred Delp, die deshalb von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden. Das Andenken an die beiden Patres wird im Kolleg wachgehalten.

P. Alois Grimm gehörte 1934 zu den Pionieren, die mit der deutschen Abteilung aus Feldkirch nach St. Blasien umzogen und der bis zur Schließung des Kollegs 1939 als Latein-, Griechisch- und Deutschlehrer wirkte. Das Kolleg war der NSDAP ein Dorn im Auge von Anfang an. Auch P. Grimm SJ war ihnen verdächtig. Er hielt mutige Predigten und geißelte vor allem den Anspruch der Partei auf den ganzen Menschen mit dem Hinweis, dass Christus der einzige Gesetzgeber sei, dem der Mensch verpflichtet ist. Man stellte ihm eine Falle, schickte einen jungen Soldaten, einen Spitzel der Gestapo, zu ihm, der vorgab, konvertieren zu wollen, um ihn so zu Äußerungen gegen das Regime zu provozieren, was auch gelang. Im Oktober 1943 wurde P. Grimm SJ verhaftet und nach Innsbruck überstellt. Von dort wurde er nach Berlin gebracht und wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Auf Umwegen gelangte seine Urne nach St. Blasien, wo sie hinter der Gedenktafel vor der Hauskapelle beigesetzt wurde. Nach P. Alois Grimm wurde inzwischen das Wohnhaus der Jesuiten-Kommunität, ein wertvolles historisches Gebäude neben dem Kolleg, benannt. P. Alfred Delp, der auch beim Kreisauer Kreis mitwirkte, wird heute unter anderem durch die Benennung der Mehrzweckhalle des Kollegs geehrt.

Jedoch haben auch weitere Jesuiten, die am Kolleg unterrichtet hatten, Widerstand geleistet, so etwa der Generalpräfekt P. Johannes Dold, Rektor P. Gustav Fernekess, P. Johannes B. Wiedemann, P. Lothar König und P. Provinzial Augustin Rösch. Trotz heftigen Protestes von Erzbischof Gröber gegen die erneute Ausweisung von Jesuiten aus Deutschland, mussten 1939 wiederum Jesuiten aus St. Blasien ihr Heimatland verlassen, so P. Otto Faller, P. Josef Schader und P. Josef Weinberger. Der erste Rektor des Kollegs, P. Hugger war schon vor der Schließung des Kollegs von den NS-Machthabern wegen angeblicher Verstöße gegen NS Gesetze zum Rücktritt gezwungen worden. Auch wenn der Reichstagsabgeordnete Albert Hackelsberger von der Zentrumspartei, der mitverantwortlich für den Einzug der ins Reich beorderten Jesuiten ins Kloster St. Blasien war, kein Pater war, so gehört er doch in die Reihe derjenigen eng mit dem Kolleg verbundenen Personen, die während des Nationalsozialismus im Widerstand ihr Leben verloren.

Bis zur Wiedereröffnung wurde die Einrichtung von den Nationalsozialisten als Marinekurlazarett umgewidmet, welches dem Sanitätschef der Kriegsmarine unterstellt war und von dem in St. Blasien bekannten und renommierten Chefarzt der Lungenfachklinik Adolf Bacmeister in Personalunion geleitet wurde.

Wiedereröffnung 1946[Bearbeiten]

„Kind, vergiß die Wunderbare Mutter nicht“ und „Wir kommen wieder“, waren die Abschiedsworte von P. Dold im überfüllten Dom von St. Blasien am 19. März 1939.[9] P. Dold und andere Jesuiten haben nach dem 19. März 1939 jeden Tag dafür gebetet. Eine Wiedereröffnung des Kollegs nach dem Krieg im Jahre 1946 war aber vom Orden zuerst nicht geplant.

„Dieser Überzeugung waren unsere Patres in Deutschland noch lange nicht. Man dachte allen Ernstes daran, St. Blasien abzustoßen und dafür ein großes Externat in oder bei Stuttgart oder in München zu eröffnen. Aber L'uomo propone, Iddio dispone. Es wurden all diese Pläne zerschlagen. Wir mussten einfach nach St. Blasien zurück. Es war so Gottes Wille und gütige Vorsehung. Und dieser Gedanke gab uns dann einen ungeheuren Mut zum Neuanfang.“

– Otto Faller 1959, Seite 25.

schrieb rückblickend P. Otto Faller, der erste Rektor nach der Wiedereröffnung 1946. Aber das Kolleg brauchte dringend Hilfe, vor allem die tagtäglichen Nahrungsmittel. In der Lateinstunde der neunten Klasse wurden die Confessiones des heiligen Augustinus gelesen, „leider steht in der an sich schönen Lektüre nichts Näheres, wie man täglich 500 Leute in 800 Meter Höhe satt bringen kann“, berichtete der erste Kollegsbrief vom 31. Juli 1946.[10] Da half Papst Pius XII. „Leeren Sie unsere Magazine, schicken Sie alles nach St. Blasien“ war der päpstliche Auftrag an die damalige Leiterin der päpstlichen Magazine, Pascalina Lehnert. Vor allem durch die materielle und ideelle Unterstützung von diesem Papst Pius XII., der angesichts der schwierigen Lage im zerstörten Nachkriegsdeutschland viele wichtige Lebensmittel nach St. Blasien bringen ließ, konnte bereits am 1. Mai 1946 das Kolleg durch Erzbischof Conrad Gröber feierlich wiedereröffnet und offen gehalten werden. Bereits wenig später wurde die staatliche Anerkennung als Privatschule erlangt, sodass die Schule zügig wieder ihre alte Größe erlangte. Führende Persönlichkeiten prägten damals das geistige Bild des Kollegs: Josef Adamek, Johannes B. Fiala, Anton Stricker und Friedrich Weber SJ.

Die 60er-Jahre[Bearbeiten]

Die 1960er-Jahre brachten drei wichtige Umschwünge: Erstmals wurden auch in größerem Maß externe Schüler an der bisher als reines Internat geführten Schule zugelassen, außerdem wurde im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils, das die Erziehungstradition der Jesuiten zunächst grundsätzlich in Frage stellte, auch die Trägerschaft der Schule verändert: Trug bisher der Orden im Wesentlichen die Schule, so besteht seither ein Trägerverein, dem Vertreter der wichtigsten Finanziers, der Angestellten und einige wenige persönliche Mitglieder angehören. Diese Neustrukturierung des Kollegs in pädagogischer wie organisatorischer Hinsicht war ein wesentlicher Grund, dass das Kolleg in St. Blasien erhalten werden konnte, da zuvor bereits über einen abermaligen Umzug in eine Großstadt nachgedacht worden war. Die dritte wesentliche Neuerung war, dass im Schuljahr 1965/66 erstmals ein (externes) Mädchen das Kolleg besuchen durfte.

Im Schuljahr 1968/69 erkämpften sich die Schüler des Kollegs mit einem „Streik“ das Recht, in demokratische Parteien eintreten zu dürfen. Der erste reelle Streik fand im Frühjahr 1968 statt, als die damaligen Oberprimen durch ein länger andauerndes „sit-in“ auf Matratzen erreichten, dass ein Mitschüler nicht von der Abitur-Abschlussfeier ausgeschlossen wurde – wegen eines Verstoßes gegen die Schulordnung.

Evangelische Schüler[Bearbeiten]

Keine Neuerung war jedoch die Anwesenheit evangelischer Schüler am Kolleg. Schon 1934 waren von 297 Schülern immerhin fünf (Externe) evangelisch. Diese Zahl stieg bis 1965 auf 13. Danach jedoch – im Rahmen der zunehmenden Befriedung des Streits um die Konfessionsschulen in Baden-Württemberg – stieg die Zahl der evangelischen Schüler rasant: 1975 waren unter 718 Schülern 104 Protestanten. Dies führte im selben Jahr zur Einrichtung eines evangelischen Religionsunterrichtes; zuvor hatten die evangelischen Schüler den katholischen Unterricht besucht. Seit 1981 wird von der badischen Landeskirche dauerhaft ein Pfarrer an das Kolleg abgestellt, seit 1989 gibt es offiziell einen evangelischen Schulseelsorger, seit 1993 erhalten interne evangelische Schüler Konfirmandenunterricht. In den vergangenen Jahren waren etwa ein Drittel der Schüler evangelisch.

Der Brand 1977[Bearbeiten]

Am 27. Mai 1977 beschädigte ein schwerer Brand große Teile des Kollegs, Todesopfer waren jedoch nicht zu beklagen. Die seit 1968 bestehende neue Organisationsstruktur trug auch wesentlich dazu bei, diese die Existenz des Kollegs gefährdende Situation zu bewältigen.[11]

Missbrauchsfälle[Bearbeiten]

Im Missbrauchsskandal um den früheren Pater Wolfgang S., der von 1982 bis 1984 in St. Blasien tätig war, hatte die Staatsanwaltschaft Waldshut-Tiengen am 31. Januar 2010 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Das Verfahren wurde am 4. Januar 2011 eingestellt[12][13][14]. Ein ehemaliger Schüler, der Strafverteidiger und Schriftsteller Ferdinand von Schirach, schrieb in diesem Zusammenhang im Spiegel über seine Erinnerungen an die Internatszeit[15]. Untersuchungsberichte zu Missbrauchsfällen in Einrichtungen des Jesuitenordens gibt es auf der Internetpräsenz des Kollegs und der deutschen Jesuitenprovinz. Am 12. Mai 2011 setzte der Kollegsrat den Leitfaden „Würde schützen – Gewalt nicht dulden. Verbindlicher Leitfaden als Hilfe zur Prävention und Intervention am Kolleg St. Blasien“ in Kraft. Auf der Sitzung des Kollegsrates am 25. Oktober 2011 wurde das Thema aufgegriffen und beschlossen, diesen Leitfaden weiter zu entwickeln und entsprechende Strukturen zu schaffen. Dazu zählen insbesondere: Regelmäßige Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Thematisierung von Gewaltprävention in einem umfassenden Konzept von Erziehung und sozialem Lernen in Schule und Internat.

Jesuitische Erziehung[Bearbeiten]

Das Kolleg St. Blasien versteht sich nach wie vor als Jesuitenschule und richtet sich nach den Erziehungsgrundsätzen der Gesellschaft Jesu, für welche seit 1599 die „Ratio Studiorum Societatis Jesu“ gilt („Studienordnung der Gesellschaft Jesu“). Jesuitische Erziehung strebt „welt- und lebensbejahende“ Einstellung an und ruft zum Lernen und Erforschen aller Lebensbereiche auf, aber stets aus christlicher, also religiöser Sicht.

Finanzierung[Bearbeiten]

Das Kolleg wird finanziell vor allem durch den Jesuitenorden und das Erzbistum Freiburg getragen, außerdem erhält das Kolleg Zuschüsse des Landes Baden-Württemberg und des Landkreises Waldshut.

Hinzu kommen die Erziehungsbeiträge für interne (22.800 Euro pro Jahr) und externe (1.620 Euro pro Jahr) Schüler sowie Aufnahmegebühren (220 Euro). Eltern, welche den Pensionspreis nicht oder nicht ganz aufzubringen vermögen, können Hilfe aus dem von anderen Eltern getragenen Solidarfonds erhalten. Hierzu bezahlen die Eltern interner Schüler weitere 660 Euro und die Eltern externer Schüler 60 Euro pro Jahr ein, sofern sie selbst dazu finanziell in der Lage sind. Daneben müssen die Kosten für Schulbücher, Fahrkarten und Ausflüge ebenfalls von den Eltern getragen werden.

Seit 2001 existiert die Stiftung Kolleg St. Blasien (zunächst „Petrus-Canisius-Stiftung“), die eine zukünftige Verringerung des Angebotes aufgrund sinkender staatlicher Zuschüsse vermeiden will. Sie unterstützt insbesondere außerordentliche längerfristige Projekte wie die Zusammenarbeit mit China, Litauen und Ungarn, Förderunterricht und die Verbesserung der IT-Ausstattung. Auch einige Stipendien werden aus dem Stiftungstopf finanziert.

Weitere finanzielle und ideelle Unterstützung erhält das Kolleg durch den Verein der Freunde und Förderer des Kolleg St. Blasien. Der kurz nur als „Förderverein“ bezeichneten Gruppierung gehören vor allem Eltern und Altschüler an. Er sieht seine Hilfestellung für das Kolleg besonders in der finanziellen und materiellen Unterstützung von aus dem Kolleg erwachsenden Initiativen und Projekten.

Organisation des Kollegs[Bearbeiten]

Trägerverein und Kollegsvorstand[Bearbeiten]

Oberstes Gremium des Kollegs ist der 1968 eingerichtete Trägerverein Kolleg St. Blasien e. V. Ihm gehören neben dem Provinzial der deutschen Provinz der Jesuiten und dem Generalvikar der Erzdiözese Freiburg der Landrat des Landkreises Waldshut, der Bürgermeister der Stadt St. Blasien, gewählte Vertreter der Eltern, Lehrer und Erzieher, der Vorsitzende des Fördervereins und einige wenige persönliche Mitglieder an. Der Trägerverein trifft sich etwa zweimal im Jahr zum Beschluss über den Haushalt und die Rechnungslegung.

Dem Kollegsvorstand gehören Kollegsdirektor, Schulleiter, Internatsleiter, Geschäftsführer sowie gewählte Vertreter der Lehrer, Erzieher, der Jesuitengemeinschaft, der Eltern und des Trägervereins an.

Kollegs- und Schulleitung[Bearbeiten]

Die Kollegsleitung besteht aus Klaus Mertes (Kollegsdirektor), Hubert Müller (Schulleiter), Ralph Mertens (stellv. Schulleiter), Philipp Görtz (Internatsleiter), Marlies Woerz (stellv. Internatsleiterin und Leiterin des Mädcheninternats) sowie Werner Gassert (Geschäftsführer). In den wöchentlich stattfindenden Sitzungen dieser Gruppe wird über die wesentlichen Entscheidungen des Kollegs beraten. Im engeren Kreis, dem der Kollegsdirektor, Schulleiter und Internatsleiter sowie deren Stellvertreter angehören, wird über Personalangelegenheiten (Erzieher, Lehrer und Schüler) gesprochen.

Der Schulleitung gehören neben dem Schulleiter und seinem Stellvertreter die drei Abteilungsleiter Michael Becker, Georg Leber und Klaus-Peter Schönfeld an.

Kollegsrat[Bearbeiten]

Dem Kollegsrat gehören neben der engeren Kollegsleitung gewählte Mitglieder der Lehrer, Erzieher und Schüler an. In Kollegsratssitzungen wird insbesondere über die pädagogischen Richtungsentscheidungen gesprochen und über kleinere Projekte entschieden.

Weitere Gremien[Bearbeiten]

Die Mitarbeiter, neben den Erziehern und Lehrern auch die Verwaltungsangestellten und die Handwerker, wählen einen Personalrat (Mitarbeitervertretung).

Die Schülermitverwaltung, die aus dem Schülersprecher, dem Externensprecher sowie den beiden Internatssprechern in der Spitze und den Sprechern der einzelnen Schulklassen und Internatsgruppen besteht, vertritt die Interessen der Schüler gegenüber der Kollegsleitung. Hinzu kommen Vertrauenslehrer und Vertrauenspräfekten. Die Vertretung der Eltern bildet der Elternbeirat, dem für jede Klassenstufe je zwei Eltern externer und interner Schüler angehören.

Schließlich ist die aus etwa einem Dutzend Patres und Fratres (Brüder) bestehende Jesuitenkommunität mit dem Obersten (Superior), P. Wolfgang Bauer SJ.

Internat[Bearbeiten]

Ostflügel (Neubau) des Kollegs St. Blasien, Unterbringungsort eines Teils des Jungeninternats
Bagnatohaus, Wohnhaus der Jesuitenkommunität
Gebäude des Mädcheninternats am Kolleg St. Blasien

Die rund 250 Internatsschüler kommen aus etwa 27 Ländern, darunter neben den Nachbarländern wie der Schweiz etliche Schüler aus China. Die Internatsordnung regelt etwa, dass interne Schüler keine Kraftfahrzeuge am Kolleg haben dürfen und dass jeder interne Schüler zwischen den Ferien höchstens einmal nach Hause fahren darf. Leichte Vergehen gegen die Internatsordnung werden mit Strafarbeiten geahndet, schwere Verstöße mit dem „Consilium“, einem bis zu 2 Wochen andauernden Aufenthalt zu Hause. Drogenbesitz oder -konsum führt zum sofortigen Ausschluss aus dem Kolleg.

Das Internat legt großen Wert auf das gute Zusammenleben verschiedener Kulturen und sozialer Schichten: Betraf das unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg noch eher das gegenseitige Kennenlernen von adligen und nichtadligen Schülern, so geht es nach einer größeren Internationalisierung der Schule und des Internats heute hauptsächlich um das gute Miteinander von Schülern aus verschiedenen Kulturen.

Jungeninternat[Bearbeiten]

Das schon vor dem Umzug nach St. Blasien bestehende Jungeninternat beherbergt rund 150 Schüler, die in nach Klassen unterteilten sieben Internatsgruppen leben. Jede dieser Internatsgruppen, die räumlich voneinander getrennt sind, wird von zwei oder mehr Internatspädagogen (Präfekten) geleitet. Alle Gruppen sind im Hauptgebäude des Kollegs untergebracht.

Mädcheninternat[Bearbeiten]

Im seit 1989 bestehenden Mädcheninternat leben rund 150 Schülerinnen, die in vier Internatsgruppen aufgeteilt sind. Gruppe 11 wohnt im Hauptgebäude nach dem Umzug und Komplettumbau mit Mitteln von Wohltätern in den Franzosenbau, die Gruppen 12 bis 14 nur noch in der Mühle. Dies war eine Zeit lang anders, als der jeweilige Abitursjahrgang der Mädchen mit im damaligen Bagnatohaus der Patres und Fratres wohnten. Für das Mädcheninternat gelten allgemein die gleichen Regeln wie für das Jungeninternat.

Tagesablauf im Internat[Bearbeiten]

Nach dem Aufstehen und dem Frühstück in einem der Speisesäle gehen die Internatsschüler in ihre Klasse. Schüler, die noch kein Einzelzimmer haben (bis Klasse 10), dürfen während der Schulzeit ihre Zimmer nicht aufsuchen, Schülern der Oberstufe ist dies jedoch gestattet. Nach dem Mittagessen haben die Schüler Zeit zur freien Verfügung, bis werktags um 16:00 Uhr das „Studium“ beginnt. An Samstagen und Sonntagen beginnt dieses um 17:00 Uhr. Während der nun folgenden zweieinhalb Stunden sitzen die Schüler – jeweils nach Gruppen getrennt – in Studienräumen (in der Oberstufe in den Einzelzimmern) und erledigen Schularbeiten. Es herrscht Ruhe; andere Beschäftigungen als Schularbeiten sind nicht zulässig. Unmittelbar nach dem Ende des Studiums beginnt das Abendessen, danach gibt es wiederum Zeit zur freien Verfügung, sofern nicht die schulische Situation oder eine genehmigte Abwesenheit ein zusätzliches Studium in den Abendstunden erfordern. Spätestens um 22:00 Uhr müssen alle Schüler wieder im Kollegsgebäude sein. Dieser Tagesablauf gilt von Montag bis Freitag. Samstage gelten immer als gewöhnliche Schultage. Am Sonntag besteht für die Internatsschüler die Verpflichtung, die Messe im St. Blasier Dom, beziehungsweise der Hauskapelle oder aber – für die evangelischen Schüler – den Gottesdienst in der evangelischen Kirche in St. Blasien zu besuchen. Gelegentlich veranstaltet der evangelische Schulpfarrer auch einen Schülergottesdienst in einem Andachtsraum im Kolleg selbst.

Außerschulische Aktivitäten[Bearbeiten]

Das Kolleg bietet vielfältige Möglichkeiten, sich neben dem eigentlichen Unterricht in anderen Bereichen zu engagieren. Jeder Internatsschüler ist verpflichtet, mindestens zwei Aktivitäten aus den über 50 Angeboten[16] zu wählen und diese jeweils mindestens ein Schuljahr lang zu betreiben. Möglich sind unter anderem die Mitarbeit im Schulgarten oder bei der Wetterstation[17], bei der Theater-AG, in der Musik (Big Band, Kollegsorchester, Kollegschor), bei der Schülerzeitung, beim Kollegsfernsehen, bei den Ministranten, in der Vinzenzkonferenz (Viko), im Atelier oder im kollegseigenen Sportverein mit mehr als einem Dutzend Sportarten.

Partykeller[Bearbeiten]

Im Keller des Kollegsgebäudes gibt es einen Raum, der zweimal wöchentlich zur Unterhaltung, zum Feiern und auch für Themenpartys genutzt wird. Der Partykeller wird von der PK-AG unter der Leitung eines Mentors geführt. Hier können sich die Schüler ab der zehnten Klasse unter der Aufsicht der Erzieher auf ein Bier treffen und bei Tischfußball oder Billard den Tag ausklingen lassen. Neben den regulären Öffnungszeiten werden weiterhin verschiedene Feste, Bälle und Themenabende, wie zum Beispiel der Bayerische Abend, von der PK-AG organisiert, wozu der Partykeller entsprechend geschmückt wird und in Absprache mit der Küche die passenden Speisen angeboten werden.

Schule[Bearbeiten]

Im Gymnasium werden auch rund 500 externe Schüler unterrichtet, die größtenteils aus dem Landkreis Waldshut und dem Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald stammen. Seit dem Schuljahr 1999/2000 konnte das achtjährige Gymnasium gewählt werden, seit dem Schuljahr 2004/05 ist der sogenannte G8-Zug obligatorisch (wie in ganz Baden-Württemberg). Begann im G9-Zug die dritte Fremdsprache erst in Klasse 9, so erhalten die G8-Schüler bereits ab der achten Klasse Unterricht in einer weiteren Sprache. Auch den externen Schülern steht das Nachmittagsangebot des Kollegs nahezu vollständig zur Verfügung. Das Kolleg erweiterte ab dem Schuljahr 2013/14 das pädagogische Angebot durch ein Aufbaugymnasium für Schülerinnen und Schüler, die ausgehend vom mittleren Bildungsabschluss das allgemeinbildende Abitur erreichen wollen.

Schulablauf[Bearbeiten]

Der Unterricht beginnt montags bis samstags regulär um 7.35 Uhr. Zu Beginn der ersten Doppelstunde wird ein Morgengebet gelesen. Im Schuljahr 2012/2013 wurde das Doppelstundenmodell eingeführt. Dies bedeutet, dass in der Regel die Unterrichtsfächer in Doppelstunden unterrichtet werden. Schüler der Unterstufe beenden ihren Schultag in aller Regel um 11:50 Uhr nach der fünften Stunde, Schüler der Mittelstufe spätestens nach der sechsten Stunde um 12:35 Uhr. Bei Oberstufenschülern werden die Sport-, Kunst- und Musikstunden häufig in den Nachmittag gelegt. Der Unterricht unterliegt den Bestimmungen des Landes Baden-Württemberg und wird überwiegend von nicht-jesuitischen Lehrern gehalten. Zu besonderen Anlässen (Schuljahresbeginn und -ende, kirchliche Feiertage) besucht die gesamte Kollegsgemeinschaft den Gottesdienst im Dom.

Euroklasse[Bearbeiten]

Seit 1994 lernen Schülerinnen und schüler aus aller Welt in der internationalen Euroklasse ein Jahr lang in St. Blasien und prägen den internationalen Charakter des Kollegs mit über 25 Nationen. Die meisten Schülerinnen und Schüler sind in diesen Jahren aus Frankreich, aus dem großen hispanischen Raum (vor allem Spanien und Mexiko) und aus China ans Kolleg gekommen, um Deutsch zu lernen. Jedes Jahr nehmen auch Schüler aus Osteuropa an dem Programm teil – die Absolventen der Euroklasse sind inzwischen weltweit verteilt. Der einjährige Besuch der Euroklasse soll Schüler mit der deutschen Sprache so vertraut machen, dass sie am Ende des Gastschuljahres an der Prüfung „Zertifikat Deutsch“ (= B1) oder an der „Zentralen Mittelstufenprüfung“ (= B2) des Goethe-Instituts teilnehmen können. Die Kosten belaufen sich auf 28.500 Euro für ein Jahr; in diesem Betrag sind einige Ausflüge enthalten. Die Schüler erhalten Unterricht in Deutsch, Landeskunde (Erdkunde, Geschichte und Politik) sowie in Religion. Außerhalb der speziellen Stunden der Euroklasse werden die Schüler in eine ihrem Alter entsprechende normale Klasse eingeteilt, in der sie in den anderen Fächern unterrichtet werden. Den Abschluss des Jahres bildet eine Prüfung des Goethe-Instituts. Zahlreiche Schüler der Euroklasse bleiben nach dem Jahr Deutschkurs am Kolleg und legen ein reguläres deutsches Abitur ab.

Sprachenfolge[Bearbeiten]

Für Schüler, die mit der fünften Klasse ans Kolleg kamen, waren Latein und Englisch als erste Fremdsprachen obligatorisch. Die erste Fremdsprache beginnt mit der fünften Klasse, die zweite im zweiten Schulhalbjahr der fünften Klasse. Als dritte Fremdsprache kann Altgriechisch, Spanisch (seit 1997) und Französisch sowie der mathematisch-naturwissenschaftliche Zweig als Ersatz für eine dritte Sprache gewählt werden, seit 2005 auch Chinesisch als reguläre dritte Fremdsprache. Schüler des G8 Zuges lernen seit 2007 schon in der fünften Klasse zwei Sprachen. Dabei ist Englisch als erste Sprache Pflicht. Als zweite Sprache kann Latein oder Französisch gewählt werden. Chinesisch wird seit 2006 – von 1996 an Arbeitsgemeinschaft – als dritte reguläre Fremdsprache angeboten, verbunden mit einem dreimonatigen Sprachaufenthalt an den beiden Partnerschulen in Shanghai und Jiangyin. Im Jahr 1996 bestand – erstmals an einem deutschen Privatgymnasium – die Möglichkeit, Chinesisch in einer Arbeitsgemeinschaft und in der Oberstufe als Grundkurs zu belegen. Weitere Sprachen wie Italienisch werden als Arbeitsgemeinschaft ab der Mittelstufe angeboten.

Partnerschulen und Klassenfahrten[Bearbeiten]

Das Kolleg unterhält zahlreiche Partnerschaften mit (Jesuiten-) Schulen im Ausland und ermöglicht einen regelmäßigen Schüleraustausch (z.B. England, Irland, Litauen). Das Kolleg pflegt insbesondere die seit 1999 bestehende Partnerschaft mit einer Oberschule in Jiangyin, das zwischen Shanghai und Nanjing liegt, sowie die seit 2003 bestehende Kooperation mit der Tongji-Oberschule in Shanghai. Bestand bis 2005 nur der Schüleraustausch im Rahmen einer zweiwöchigen Studienreise, so haben die Schüler nun auch die Möglichkeit, einen mehrmonatigen Aufenthalt in China in ihren Lebenslauf einzubauen.

Seit 2006/07 bietet das Kolleg auch einen dreimonatigen Austausch mit dem Jungeninternat Clongowes College (Irland) an. Eine weitere Partnerschaft unterhält das Kolleg mit dem Stonyhurst College (Vereinigtes Königreich). Ausgewählte Schüler der zehnten Klassen nehmen an einem kurzen Austausch teil, der aus einer Woche Besuch der englischen Schüler und einer Woche Besuch der Kollegianer im jeweiligen Ausland besteht.

Weitere Partnerschaften bestehen mit Schulen in Frankreich (Paris/Reims), Litauen (Vilnius), Palästina (Beit Jala), Spanien (Badajoz/Zaragoza) und Ungarn (Miskolc). Darüber hinaus haben Klassenfahrten in der zehnten Klasse häufig europäische Metropolen zum Ziel.

Religionsunterricht[Bearbeiten]

Der Besuch des Religionsunterrichtes ist verpflichtend. Katholische und evangelische Schüler besuchen den ihrer Konfession entsprechenden Unterricht, während andere Schüler zwischen den beiden Ausprägungen wählen können. Die Abmeldung vom Religionsunterricht zieht das Ende des Schulvertrages und damit das Ende der Schulausbildung am Kolleg nach sich.

Besinnungstage, Abiturexerzitien und Sozialpraktikum[Bearbeiten]

Für die fünften Klassen finden eintägige Besinnungstage statt, für die achten Klassen sind jeweils drei Tage vorgesehen. Kollegianer der Kursstufe 11 leisten ein zweiwöchiges Sozialpraktikum in gemeinnützigen Einsatzstellen wie zum Beispiel Behindertenheimen, Hospizen, Sozialstationen, Krankenhäusern und weiteren caritativen Einrichtungen ab. Das Erfahrene und Erlebte wird direkt im Anschluss auf den dreitägigen Besinnungstagen reflektiert. Das Sozialpraktikum ist ein zentrales Projekt sozialen Lernens im Rahmen des umfangreichen Sozialcurriculums am Kolleg. Ziel ist die Entwicklung von sozialen Kompetenzen für den Einsatz im Kollegsleben und für das gesellschaftliche Gemeinwohl.

Einfluss der Kirche[Bearbeiten]

Während die Grundsätze der katholischen Kirche und des Ordens im Alltagsleben von Schule und Internat vielfältig praktiziert werden (Gottesdienste, Besinnungstage, Exerzitien, Morgengebet usw.), unterliegt die Schulausbildung vollständig dem Schulgesetz des Landes Baden-Württemberg. Daher unterliegt etwa der Biologie-Unterricht keinerlei religiöser Einschränkung.

Pfingsten[Bearbeiten]

Das Pfingstfest ist der wichtigste Termin und Höhepunkt im Kalender des Kollegs. Schülereltern und Altschüler kommen für die vier Tage, in denen regelmäßig ein großes künstlerisches und intellektuelles Programm auf dem Plan steht, zurück an die Schule. Den Auftakt macht am Freitagabend eine musikalische Einstimmung auf Pfingsten, während zeitgleich der erste Pfingst-Partykeller stattfindet. Am Samstag und Sonntag finden Vorführungen der verschiedenen Arbeitsgemeinschaften und Sprechzeiten für die Eltern interner Schüler statt, bis am Abend das Pfingsttheater, bei dem Schüler ein Theaterstück aufführen, wiederum mit dem Partykeller konkurriert. Am Sonntagmorgen findet zudem eine Versammlung der Kollegsgemeinschaft statt, in dem ein Referat zu einem aktuellen Ereignis gehalten und zu religiösen Themen in Bezug gesetzt wird. Am Montagmorgen schließlich können die Internatsschüler, die bis dahin im Kolleg übernachten mussten, mit ihren Eltern nach Hause fahren.

Altkollegianer[Bearbeiten]

Ehemalige Schüler[Bearbeiten]

Zu den ehemaligen Schülern, die sich Altkollegianer nennen, gehören der langjährige Chefökonom des Jesuitenordens in Rom, Eugen Hillengass, der ehemalige parlamentarische Staatssekretär Karl Theodor Freiherr von und zu Guttenberg, der ehemalige Provinzial der Oberdeutschen Provinz, Vitus Seibel, Andreas Graf von Eltz OSB, Kloster Ettal, der Bundesminister a.D. Heiner Geißler, der Oberbürgermeister von Ulm, Ivo Gönner, der Trigema-Chef Wolfgang Grupp, der ehemalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, der Unternehmer Karlheinz Kögel, der langjährige hessische Minister Jürgen Banzer, der RTL-Moderator Percy Hoven, der Anwalt und Autor Ferdinand von Schirach, der Autor und Bio-Landwirt Felix zu Löwenstein, der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes Bernhard Kempen sowie der ehemalige Leiter der Internatsschule Schloss Salem, Bernhard Bueb. Alle drei Jahre (zuletzt 2010) findet ein Altkollegianertreffen statt, bei dem neben den obligatorischen Wiedersehensfeiern im Partykeller auch – insbesondere für die älteren Jahrgänge – Informationen zum aktuellen Schulleben gegeben werden. Während die Stellaner-Vereinigung Altschüler aller deutschen Jesuitenkollegs, insbesondere eher älteren Jahrgangs, umfasst, richtet sich die inoffizielle Altkollegianer-Homepage eher an jüngere Altschüler.

Kollegbrief und Zwischenruf[Bearbeiten]

Seit 1946 erscheint jährlich in der Weihnachtszeit der „Kollegbrief“. Er enthält neben den Verabschiedungen bisheriger und Vorstellungen neuer Mitarbeiter vor allem Berichte aus dem Kollegsleben und religiös-pädagogische Artikel. Er wird ebenso wie der seit 2003 erscheinende „Zwischenruf“ an alle Eltern und auch an die Altschüler verschickt. Der Zwischenruf, der im Mai oder Oktober erscheint, enthält das Pfingstprogramm und weitere Informationen, deren Weitergabe schon vor der Veröffentlichung des Kollegbriefes geboten erscheint.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kolleg St. Blasien (Hrsg.): Kollegbrief 1996. St. Blasien 1996, Seiten 128–184, 241 (Überblick zur Geschichte des Kollegs).
  • P. Josef Adamek SJ: ST. Blasien, Kirche, Kloster, Kolleg. Ein Wegweiser. Verlag Revellio, Villingen-Schwenningen 1986. (der langjährige Schuldirektor P. Adamek war über 50 Jahre in St. Blasien. Gute Beschreibung; wertvolle Literaturhinweise).
  • P. Johannes B. Dold SJ: Wie die Wunderbare Mutter nach St.Blasien kam. In: Kolleg St. Blasien (Hrsg): Kollegbrief Weihnachten 1954. St. Blasien 1954, Seiten 2–8 (Rede von 1935, marianische Spiritualität im Dritten Reich).
  • P.Otto Faller SJ: 25 Jahre Kolleg St.Blasien. In: Kolleg St. Blasien (Hrsg): Kollegbrief 1959. St. Blasien 1959, Seiten 20–25 (die Geschichte des Kollegs 1934–1959 aus Sicht des ehemaligen Kollegsdirektors, Rektors und Provinzials der oberdeutschen Provinz).
  • P. Otto Faller SJ: Über die Kirche. Zöglingspredigt Peter und Paul. Manuskript. Kolleg St. Blasien 29. Juni 1934.
  • P.Otto Faller SJ: Pius XII. Und Wir. In: Kolleg St. Blasien (Hrsg): Kollegbrief 1958. St. Blasien 1958, Seiten 5–9 (Nachruf; die Hilfstätigkeit des Papstes).
  • Benedicta M. Kempner: Priester vor Hitlers Tribunalen. C. Bertelsmann, München 1996 (Zusammenfassungen über P. Alfred Delp SJ, P.Alois Grimm SJ, P. Augustin Rösch SJ; kurz erwähnt im weiteren Zusammenhang ehemalige Kollegspatres und Präfekten: Otto Faller SJ, Lothar König SJ, P.Tattenbach SJ, Mario v.Galli SJ und andere).
  • P. Josef Knünz SJ: 100 Jahre Stella Matutina 1856–1956. J. N. Teutsch, Bregenz 1956.
  • P. Gottlieb Schleich SJ: St.Blasien in Kärnten. In: Kolleg St. Blasien (Hrsg): Kollegbrief Weihnachten 1952. St. Blasien 1952, Seiten 17–24 (Der Umzug des Klosters nach St. Paul in Kärnten).
  • P. Gottlieb Schleich SJ: Säkularisation von St.BLASIEN 1803–1807. In: Kolleg St. Blasien (Hrsg): Kollegbrief Sommer 1953. St. Blasien 1953, Seiten 19–28 (Der Prozess der Säkularisation im Detail analysiert).
  • P. Gottlieb Schleich SJ: Die Fabrik im Kloster. In: Kolleg St. Blasien (Hrsg): Kollegbrief Weihnachten 1953. St. Blasien 1953, Seiten 4–9 (Die verschiedenen wirtschaftlichen Funktionen des Klosters 1806–1933).
  • Stella Matutina (Hrsg.): 75 Jahre Stella Matutina. Band 1–3. Selbstverlag Feldkirch, Austria 1931; Band I: Abhandlungen von Mitgliedern des Lehrkörpers. Band II: Abhandlungen von ehemaligen Zöglingen. Band III: Stellazeiten und Stellaleben. geschildert von Zöglingen mit 103 Bildtafeln.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kloster St. Blasien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Knünz 1956, Seite 9.
  2. siehe Knünz, Seite 133 ff.
  3. Gottlieb Schleich SJ: Säkularisation von St.Blasien 1803–1807. Seiten 19–28.
  4. Gottlieb Schleich SJ: Säkularisation von St.Blasien 1803–1807. Seiten 19 ff.
  5. Gottlieb Schleich SJ: Die Fabrik im Kloster. Seiten 4–9.
  6. Knünz 1956, Seite 141.
  7. Dold 1954, Seite 3.
  8. Otto Faller, 1934, Seite 1.
  9. Johannes B. Dold SJ: Wie die Wunderbare Mutter nach St.Blasien. Seite 2.
  10. Otto Faller, Kollegsbrief 1946, 2
  11. Bilder und Bericht
  12. FAZ am 1. Februar 2010: Vorwürfe gegen Jesuiten-Pater
  13. Badische Zeitung 7. Dezember 2010: St. Blasien: Die lautlosen Schreie hören
  14. Badische Zeitung 4. Januar 2011: Missbrauchsskandal: Ermittlungen gegen Priester aus St. Blasien eingestellt
  15. Von Schirach, Ferdinand von EINE JUGEND IM JESUITEN-INTERNAT ST. BLASIEN
  16. Homepage des Kolleg St. Blasien: Aktivitäten (Version vom 17. Februar 2007 im Internet Archive)
  17. Homepage der Wetter AG des Kolleg St. Blasien
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