Bad Alexandersbad

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Bad Alexandersbad
Bad Alexandersbad
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Bad Alexandersbad hervorgehoben
50.01694444444412.016111111111578Koordinaten: 50° 1′ N, 12° 1′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberfranken
Landkreis: Wunsiedel im Fichtelgebirge
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Tröstau
Höhe: 578 m ü. NHN
Fläche: 8,94 km²
Einwohner: 1042 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 117 Einwohner je km²
Postleitzahl: 95680
Vorwahl: 09232
Kfz-Kennzeichen: WUN, MAK, REH, SEL
Gemeindeschlüssel: 09 4 79 111
Gemeindegliederung: 5 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Markgrafenstraße 28
95680 Bad Alexandersbad
Webpräsenz: www.badalexandersbad.de
Bürgermeister: Peter Berek (CSU)
Lage der Gemeinde Bad Alexandersbad im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge
Martinlamitzer Forst-Süd Meierhöfer Seite Weißenstadter Forst-Süd Weißenstadter Forst-Nord Tröstauer Forst-West Tröstauer Forst-Ost Selb Neubauer Forst-Süd Kaiserhammer Forst-Ost Vordorfer Forst Selb Selb Hohenberg an der Eger Hohenberg an der Eger Marktleuthen Thierstein (Fichtelgebirge) Selb Selb Wunsiedel Weißenstadt Tröstau Thiersheim Schönwald (Bayern) Schirnding Röslau Marktredwitz Kirchenlamitz Hohenberg an der Eger Höchstädt im Fichtelgebirge Arzberg (Oberfranken) Bad Alexandersbad Nagel (Fichtelgebirge) Tschechien Landkreis Tirschenreuth Landkreis Bayreuth Landkreis Hof Kaiserhammer Forst-OstKarte
Über dieses Bild
Aufnahme von 1899
Ansichtskarte von 1900

Bad Alexandersbad ist eine Gemeinde im oberfränkischen Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Tröstau. Bad Alexandersbad ist ein Mineral- und Moorheilbad.

Geografie[Bearbeiten]

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Nachbargemeinden sind im Westen die Stadt Wunsiedel und im Osten die Stadt Marktredwitz. Im Süden grenzt die Gemeindeflur an gemeindefreies Gebiet.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Bad Alexandersbad besteht aus insgesamt fünf Ortsteilen:[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Bad Alexandersbad, das Moor- und Mineralheilbad im Fichtelgebirge, erhielt seinen Namen von dem letzten Markgrafen von Ansbach-Bayreuth, Markgraf Christian Carl Alexander. Ausschlaggebend war die Entdeckung einer Heilquelle im Tal der Heuleite im Jahr 1734 durch den Sichersreuther Bauern Wolfgang Brodmerkel. Der Überlieferung nach konnte der Bauer sein schweres Gichtleiden durch eine Trinkkur mit den Vorschriften aus Karlsbad innerhalb eines Jahres kurieren. Diese wundersame Heilung sprach sich in der Gegend herum und so kamen viele Leute an den Sichersreuther Brunnen, um ebenfalls Heilung zu finden.

1741 ließ der Wunsiedler Amtshauptmann Baron von Lindenfels die Quelle reinigen und mit einem „ausgehöhlten Stück Tannenbaum“ fassen. Sechs Jahre fand die Quelle keine Beachtung. Erst 1747 setzte sich Amtshauptmann von Schönfeld bei Markgraf Friedrich in Bayreuth für die Sichersreuther Quelle ein. Daraufhin beauftragte der Markgraf seinen Leibarzt Wagner mit einer Untersuchung der Quelle, der jedoch „wegen Krankheit und anderer Verrichtungen“ lange an der Ausführung des Befehls verhindert war. 1751 und 1752 wurde der Brunnen umzäunt, ein Brunnenmeister angestellt und das alte Brunnenhaus auf herrschaftliche Rechnung erbaut. In dieser Zeit wurde das Brunnenwasser in Krüge abgefüllt und versandt.

Richtig voran mit dem Sichersreuther Bronnen ging es erst unter Markgraf Alexander, der die Nachfolge des verstorbenen letzten Bayreuther Markgrafen antrat. Zwar wurde schon 1779 der Beschluss gefasst, ein großes Gebäude zur Unterbringung der Badegäste zu errichten und die Gegend durch Anpflanzung von Laubbäumen zu verschönern, doch erst 1781 wurde mit der Ausführung begonnen. Markgraf Alexander beorderte seinen Bauinspektor Johann Gottlieb Riedel und den Hofgärtner Johann Georg Rosengart nach Sichersreuth, um die Baumaßnahmen zu koordinieren und zu überwachen. An der Quelle wurde die Lattenumzäunung entfernt und eine steinerne Einfassung hergestellt. Die Bayreuther Hofgärtnerei legte Parks, Alleen und Spazierwege an, so wurde die Allee vom Brunnen zu dem neuen Badehaus abgesteckt und je 29 Bäume wurden in vier Reihen gepflanzt. In den Jahren 1782 und 1783 ließ Markgraf Alexander unter der Bauleitung von Johann Gottlieb Riedel ein neues Badehaus für die immer zahlreicheren Kurgäste errichten, das heutige Markgräfliche Schloss. Das Badehaus war für damalige Verhältnisse sehr komfortabel gebaut und ausgestattet. Um ein gutes Raumklima zu erhalten, wurden die Steinmauern innen komplett mit Ziegelsteinen ausgemauert. An das Hauptgebäude, Corps de Logis, wurde links und rechts je ein Seitenflügel angebaut. Im Hauptgebäude befand sich ein „überaus schöner Saal, wo in der Folge die Curgäste zusammen treten, da essen, trinken, spielen und lustig seyn sollen; er ist so groß, daß er gemächlich siebenzig und mehr Personen fassen kann“. In den Seitenflügeln waren etwa 20 Zimmer eingerichtet, dazu kamen noch Räume für Bedienstete.

Bei der Einweihung des Gebäudes wurde ein schwerwiegender Baumangel bemerkt, der die Gäste nach dem opulenten Mahl „nach ländlicher Sitte über den Hof führte“: Es fand sich im gesamten Gebäude kein „stilles Örtchen“. Kleinere Anbauten an den Seitenflügeln beseitigten später diesen Mangel. An der Ostseite des Gebäudes berichtet eine Marmortafel mit lateinischer Inschrift von der Entstehung des Badehauses, die übersetzt lautet:

Zur allgemeinen Gesundheit hat dieses Gebäude auf seine Kosten aufführen lassen ALEXANDER Markgraf von Brandenburg, Herzog in Preußen, Burggraf zu Nürnberg P. P. 1783. Du bewunderst freundlicher Leser dieses Haus, das dir in dieser Einsamkeit glänzet, hör' auf, dich zu verwundern, ein wohltätiger Fürst hat es erbaut, Der sich noch edlere Denkmale errichtete.

Dem neuen Ort gab Markgraf Alexander seinen Namen – so entstand Alexandersbad.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Alexandersbad zu einem Nachkurort für die nahen böhmischen Bäder, das Wasser des Sichersreuther Brunnens wurde bis zum königlichen Hof nach Berlin versandt, wo es „vorzüglich zum Verdünnen des Weines“ benutzt wurde. Hohen Besuch hatte der junge Kurort im Jahre 1805, als der preußische König Friedrich Wilhelm III. und Königin Luise für drei Wochen in Alexandersbad weilten. Während sich die Königin in Alexandersbad erholte, wurden die Geschicke Preußens aus dem kleinen Badeort in den Bayreuther Landen gelenkt, und viele hochrangige Persönlichkeiten waren während dieser Zeit anwesend.

1838 wurde in Alexandersbad die erste bayerische Kaltwasserheilanstalt gegründet und das Alte Kurhaus erbaut. In der Folgezeit wechselten die Besitzer der Kurbetriebe häufig, es gab Höhen und Tiefen im Kurbetrieb. Zum 1. August 1868 übernahm der Arzt Dr. Emil Cordes die Einrichtung als Besitzer, die er zunächst selbst und ab 1887 durch angestellte Ärzte leitete. Nach der Übernahme des Stahlbades und der Gründung einer Aktiengesellschaft 1881 ließ er 1884 ein neues Kurhaus erbauen.[3] Durch die Kriegswirren zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam der Kur- und Badebetrieb völlig zum Erliegen, die Kurhäuser und Gasthöfe des Ortes wurden als Kinderheime und Lazarett genutzt. Die politische Gemeinde Sichersreuth, zu der das Bad als Ortsteil gehörte, wurde 1937 in das bekanntere und inzwischen auch größere Alexandersbad umbenannt. Im Jahr 1939 wurde ein Teil der bis dahin selbständigen Gemeinde Oberredwitz eingegliedert.[4]

Nach Kriegsende fanden die Schwestern des Deutschen Ordens 1946 in Alexandersbad einen neuen Wirkungskreis. Sie betreuten ein Versehrtenkrankenhaus im Alten Kurhaus, später wurde daraus ein Altenheim, im Schloss entstand durch die Innere Mission ein Umschulungshaus für Kriegsversehrte. In den 1950er Jahren erwarb der Deutsche Orden die gesamten Einrichtungen des Kur- und Badebetriebes in Alexandersbad. Durch die Errichtung der Evangelisch-Lutherischen Heimvolkshochschule, heute Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum, die 1958 eröffnet wurde, bekamen die Bestrebungen, Alexandersbad aus dem Dornröschenschlaf zu wecken, weiteren Auftrieb. Die politische Gemeinde investierte große Summen in eine neue Infrastruktur und bereits 1968 wurde die Heilquelle wieder staatlich anerkannt und Alexandersbad die Bezeichnung Luftkurort verliehen. Weitere wichtige Stationen auf dem Weg zum Heilbad waren die Erweiterung der Bettenkapazität durch zwei große Hotelneubauten sowie der Bau eines modernen Kurmittelhauses im Jahre 1973. Die Anlagen um das markgräfliche Schloss wurden neu gestaltet. Das bayerische Innenministerium verlieh am 20. Dezember 1976 die Bezeichnung Heilbad. Die kommunale Selbständigkeit der Gemeinde konnte 1978 durch die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft mit den Orten Nagel und Tröstau erhalten werden und seit dem 1. Juli 1979 ist dem amtlichen Gemeindenamen der Titel Bad vorangestellt.[5] Weitere Großprojekte waren das Haus des Gastes sowie ein privates Kongress- und Tagungszentrum. Mit der Sanierung des Alten Kurhauses in den Jahren 1992 bis 1994 konnte ein Stück Geschichte Bad Alexandersbads vor dem Verfall gerettet werden.

Nach den Veränderungen im Gesundheits- und Kurwesen gilt es, das Kurangebot neu auszurichten. Seit 2007 werden im kleinsten Heilbad Bayerns mit den Instrumenten des Dorferneuerungsprogramms der historische Kurbereich im Ortskern und das Kurmittelhaus mit den ortsgebundenen Heilmitteln neu gestaltet. Um das neue Kurangebot auch wirtschaftlich auf feste Füße zu stellen, werden derzeit zahlreiche flankierende Maßnahmen umgesetzt. Bad Alexandersbad setzt als „Bioenergieheilbad“ seit 2008 auf regenerative Energien. Die seit Oktober 2011 im Betrieb befindliche Nahwärmeversorgung mit über zwei Kilometer Wärmeleitung und einer Wärmeerzeugung aus Biogas und Hackschnitzel mit 2,3 Megawatt Leistung ist die größte ihrer Art im Fichtelgebirge. Mit dem Titel „Bad Alexandersbad leuchtet“ war Bad Alexandersbad 2011 die erste Gemeinde Bayerns, die ihre komplette öffentliche Beleuchtung von herkömmlicher Technik auf LED umgestellt hat. Das 2008 gegründete Kinderhaus Königin Luise bietet ein in Bayern einzigartiges Betreuungsangebot für Kinder des Ortes, der Region und auch für Kur-, Urlaubs- und Seminargäste. Seit 2010 wird am Wiederaufbau des historischen Badehauses am Quellenplatz, das 1965 abgerissen wurde, gearbeitet. Das Haus soll 2015, 50 Jahre nach dem Abriss, wieder an seinem Platz stehen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Einwohnerentwicklung Bad Alexandersbad
Jahr Einwohner
1970 968
1987 1238
2000 1337
2003 1240
2005 1231
Jahr Einwohner
2006 1219
2007 1214
2012 1120

Politik[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl 2014 führte zu folgender Sitzverteilung im Gemeinderat (Vergleich zu 2008):

Bürgermeister und gleichzeitig Geschäftsführer der kommunalen Bäderhaus GmbH ist Peter Berek von der CSU.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Schloss Alexandersbad, das ehemalige Badehaus mit Resten der historischen Kuranlagen.
  • Luisenquelle (Eisensäuerling)
  • Historisches Altes Kurhaus
  • Naturwanderweg Königin Luise
  • Wenderner Stein bei Kleinwendern
  • Wisentbrunnen hinter dem alten Kurhaus

Siehe auch: Liste der Baudenkmäler in Bad Alexandersbad

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es Juni 2010 insgesamt 297, am Arbeitsort 578. Im verarbeitenden Gewerbe und im Bauhauptgewerbe gibt es eine Drechslerwerkstatt. Es bestehen 19 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 683 Hektar. Davon waren 475 Hektar Ackerfläche und 208 Hektar Dauergrünfläche.

Ansässige Unternehmen und Betriebe[Bearbeiten]

  • HelfRecht Unternehmerische Planungsmethoden AG,
  • Alexandersbad Bäderhaus GmbH,
  • BioenergieHeilbad Bad Alexandersbad GmbH,
  • Bioenergie Sichersreuth GmbH,
  • Freie Akademie Osteopathie,
  • Evangelisches Bildungs- und Tagungszentrum,
  • Seniorenheim St. Michael,
  • Kinderhaus Königin Luise,
  • Hotels und Pensionen

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und Königin Luise weilten im Jahre 1805 für drei Wochen in Alexandersbad; ein Gedenkstein am Weg zur Luisenburg erinnert an diesen Besuch. Am 30. Juni 1785 und am 25. April 1820 besuchte Johann Wolfgang von Goethe Alexandersbad.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. http://www.bayerische-landesbibliothek-online.de/orte/ortssuche_action.html?val=1298&attr=590&modus=automat&tempus=20101016/171046&hodie=20101016/171054
  3. Hubertus Averbeck: Von der Kaltwasserkur bis zur physikalischen Therapie: Betrachtungen zu Personen und zur Zeit der wichtigsten Entwicklungen im 19. Jahrhundert. Bremen: Europäischer Hochschulverlag 2012 ISBN 978-3-86741-782-2, S. 405f.
  4.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 598.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. Mai 1970 bis 31. Dezember 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 701.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bad Alexandersbad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Bad Alexandersbad – Reiseführer