Bahnstrecke Alzey–Mainz

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Alzey–Mainz
Strecke der Bahnstrecke Alzey–Mainz
Kursbuchstrecke (DB): 661
Streckennummer: 3523
Streckenlänge: 41,1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Strecke – geradeaus
Rheinhessenbahn von Worms
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Donnersbergbahn von Kirchheimbolanden
Bahnhof, Station
9,0 Alzey 192 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Strecke zum Industriegebiet Alzey
Haltepunkt, Haltestelle
11,4 Albig
   
Wiesbachtalbahn von Wendelsheim
Bahnhof, Station
16,7 Armsheim 141 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Rheinhessenbahn nach Bingen
Haltepunkt, Haltestelle
22,6 Wörrstadt (ab 14. Dez. 2014: Bahnhof)
Bahnhof, Station
27,1 Saulheim 155 m
Brücke über Wasserlauf (klein)
Selz
Bahnhof, Station
32,4 Nieder Olm 135 m
Haltepunkt, Haltestelle
36,4 Klein Winternheim-Ober Olm 169 m
Tunnel
Klein Winternheimer Tunnel (378 m)
Bahnhof, Station
39,9 Mainz-Marienborn 163 m
Bahnhof, Station
44,5 Mainz-Gonsenheim
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
46,5 Anst Mainz Kleiner Sand
Haltepunkt, Haltestelle
47,6 Mainz Waggonfabrik
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
linksrheinische Strecke von Koblenz
   
50,1 Mainz Hbf
Strecke – geradeaus
Strecke nach Ludwigshafen und Frankfurt (Main)

Die Bahnstrecke Alzey–Mainz wurde am 18. Dezember 1871 von der Hessischen Ludwigsbahn eröffnet und verbindet die beiden rheinland-pfälzischen Städte Alzey und Mainz miteinander.

Geschichte[Bearbeiten]

Am 21. Dezember 1871 berichtet der Mainzer Anzeiger über die neue Bahnlinie:

„Die Probefahrt auf der Bahn Alzey-Mainz, am Sonntag, machte auch eine Anzahl junger Leute aus Armsheim mit, die aber über den Verlauf sehr unzufrieden sind. Auf jener Station eingeladen, die noch freien Wagen zu benutzen und die Fahrt mitzumachen, ließen sie sich nicht zweimal bitten, zumal ihnen die Rückfahrt ebenfalls verheißen wird. Auf der Hinfahrt war selbst der Packwagen besetzt, auf der Rückfahrt hätten die Personenwagen vollständig Platz geboten, da Mainzer Herren zurückgelieben, allein ein Theil des Dienstpersonals war weniger freundlich, er zwang zur Platznahme im Gepäckwagen, und nicht allein dies, er nahm auch 24 kr. per Person in Anspruch und drohte bei Nichtzahlung mit Aussetzung an der nächsten Station.“

Mainzer Anzeiger: 21. Dezember 1871

Der in Nieder-Olm geborene Schriftsteller Wilhelm Holzamer (1870–1907) schrieb:

„Eines Tages gaben sich der Ingenieur Kamper und der Ingenieur, der von der Pfalz aus die Strecke ins Mainzerland hereinführte auf der Brücke des Viaduktes der Eulenmühle die Hände. Die beiden Wege waren vereinigt, der von der Pfalz ins Mainzerland, und der vom Mainzerland in die Pfalz. Unterm Viadukt war ein Fass Bier angestochen und die beiden Arbeitergruppen feierten das vollendete Werk.
Andern Tags kam der Oberingenieur aus Mainz und nahm die Strecke ab. Dann sauste eines weiteren Tags eine Lokomotive durchs Land - den einen zum Schrecken, den anderen zur Verwunderung - unaufhaltsam, so dass niemand sich das Ungetüm so recht angucken konnte.
Alle Bahngebäude waren bekränzt und beflaggt - viele Häuser der anliegenden Dörfer hatten Fahnenschmuck angelegt. Die Arbeit ruhte. Von den benachbarten Dörfern kamen die Leute nach den Stationen, sich das neue Schauspiel anzusehen. Der erste Bahnzug sollte heute das Land durchqueren - die einen sahen ihm mit freundlichen Gefühlen entgegen, die anderen wünschtem ihm alles Unglück - und andere prophezeiten alles Unheil, eine Umkehrung der Verhältnisse für das Land. Plötzlich gab's einen dumpfen rollenden Ton - fern und gedämpft, ohne dass etwas zu sehen gewesen wäre - dann ein Pfiff, der seltsam übers Tal hinrollte und hart in den Ohren gellte - der Zug wendete und bog über den hohen Damm. Alle schrien auf. Wie er die Biegung machte, schien's, er schwanke und müsse die steile, hohe Böschung hinunterstürzen. Aber er fuhr den Bogen schön aus - die Fenster klirrten und der Boden zitterte, die Maschine fauchte - weißer, fetter Rauch zog übers Land hin – und die Räder ratterten – dann sah man die letzten Wagen zwischen den ausgetragenen Böschungen verschwinden.“

Wilhelm Holzamer: Vor Jahr und Tag

Der Tunnelbau bei Klein-Winternheim wird von Wilhelm Holzamer ebenfalls geschildert:

„Die gewöhnlichen Erdarbeiten konnten ja auch die Einheimischen machen, aber für den Tunneldurchstich zwischen Marienborn und Klein-Winternheim hatte man die Fremden doch nötig. Und dann verstanden sie ausgezeichnet den Ausbau des Tunnels selbst, der Brücken und Viadukte mit den behauenen roten Flonheimer Steinen, die aus den eigenen Brüchen der Hessischen-Ludwigsbahn-Gesellschaft kamen.
Nun ja, und es war ein Schaustück. Es wurde nur von einer Seite aus gegraben, von der Marienborner, und sie waren schon über die Hälfte. wenn sie nur durch wären! Eines Tages war der ganze Verwaltungsrat aus Mainz da – der Durchstich sollte vollendet werden.
Nicht einmal mannshoch war das Loch erst, es war Vorsicht geboten, dass nicht ein Nachrutsch eintrat. Eine Szene hatte es gegeben. Der Direktor der Ludwigsbahn-Gesellschaft hatte als erster durchgehen wollen. Der Ingenieur hatte es nicht gestattet, er trat als erster aus der Öffnung heraus, und ihm nach kam der Arbeiter, der den letzten Bickelhieb getan hatte.“

Wilhelm Holzamer: Vor Jahr und Tag

Streckenverlauf[Bearbeiten]

Bahnhof Mainz-Marienborn im Winter
Bahnhof Saulheim, Regional-Express (Elsass-Express) aus Mainz kommend, nach Wissembourg (2011)

Die nicht elektrifizierte Strecke wird heute von der Regionalbahnlinie RB 31 und der Regional-Express-Linie RE 13 bedient.

In Alzey besteht Anschluss an die Donnersbergbahn (RB 47) nach Kirchheimbolanden. Der Streckenabschnitt zwischen Alzey und Armsheim wird gleichzeitig auch von der Rheinhessenbahn von Bingen nach Worms genutzt.

Ab Armsheim ist die weitere Strecke nach Mainz nur eingleisig ausgebaut. Dadurch kann die Strecke im maximal halbstündigen Takt bedient werden, da in den jeweiligen Bahnhöfen, in der Regel in Saulheim und Mainz-Marienborn (RB) bzw. Mainz-Gonsenheim (RE), auf den entgegenkommenden Zug gewartet werden muss. Um eine höhere Zugfrequenz zu erreichen, wird der Haltepunkt Wörrstadt bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 mit einem zweiten Bahnsteig versehen. Ab dann soll es im Rheinland-Pfalz-Takt möglich sein, werktäglich von Kirchheimbolanden aus über die Donnersbergbahn, die Bahnstrecke Alzey–Mainz und die Mainbahn bis nach Frankfurt am Main umstiegsfrei verkehren zu können.[1]

Über diesen Streckenabschnitt führen auch am Wochenende und Feiertagen der Elsass-Express von Mainz nach Wissembourg sowie der Donnersberg-Express von Mainz nach Kirchheimbolanden.

Anbieter[Bearbeiten]

Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember 2014 wird die Strecke von der DB Regio betrieben, danach übernimmt die Dieselnetz Südwest GmbH[2] von Mainz bis Kirchheimbolanden die Strecke. Das Unternehmen hatte die Ausschreibung des Personenverkehrs gewonnen.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

DB-Regio[Bearbeiten]

Regionalbahn im Mainzer Hauptbahnhof auf dem Weg nach Alzey (2009)

Die Strecke wird sowohl mit drei Doppelstockwagen und einer Diesellokomotive der Baureihe 218 als auch mit Dieseltriebwagen der Baureihe 628, zuweilen auch in Doppeltraktion, bedient. Eigens für diese Strecke wurde im Übrigen auch die Baureihe 629, eine Abwandlung der Baureihe 628, zum Einsatz auf dieser sehr steigungsreichen Strecke ins Leben gerufen.

DNSW / vlexx[Bearbeiten]

Die Dieselnetz Südwest GmbH (DNSW) wird unter dem Namen vlexx (Vier-Länder-Express) Fahrzeuge vom Typ Coradia LINT des Fahrzeugherstellers ALSTOM Transport Deutschland einsetzen. Zum einen ‚Coradia LINT 54‘ als zweiteilige Dieseltriebwagen mit 160 Sitzplätzen und dreiteilige Dieseltriebwagen vom Typ ‚Coradia LINT 81‘ mit 270 Sitzplätzen.[3]

Literaturhinweise[Bearbeiten]

  • Wilhelm Holzamer: Vor Jahr und Tag, Mainz 1997 (Erstauflage: Berlin 1908)
  • Peter Weisrock: Fenster klirrten und der Boden zitterte: 120 Jahre Eisenbahnstrecke Mainz – Alzey. – Ill. In: Lokalanzeiger für die Verbandsgemeinde Nieder-Olm. – 15 (1991), 50, S. 1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. 6,8 Millionen Euro für Kreuzungsbahnhof Wörrstadt auf isim.rlp.de vom 19. März 2014
  2. http://www.dieselnetzsuedwest.de/
  3. Der Coradia LINT auf den Seiten von dieselnetzsuedwest.de; online im Internet: 23. März 2014