Baldeneysee

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Baldeneysee
Baldeneysee von der Korte-Klippe aus gesehen
Baldeneysee von der Korte-Klippe aus gesehen
Lage: im Süden der Stadt Essen
Zuflüsse: Ruhr
Abflüsse: Ruhr
Größere Orte am Ufer: die Stadtteile Werden, Bredeney, Heisingen, Kupferdreh, Fischlaken
Baldeneysee (Nordrhein-Westfalen)
Baldeneysee
Koordinaten 51° 24′ 0″ N, 7° 3′ 0″ O51.47.05Koordinaten: 51° 24′ 0″ N, 7° 3′ 0″ O
Daten zum Bauwerk
Bauzeit: 1931–1933
Höhe über Talsohle: 9,70 m
Höhe über Gewässersohle: 12,09 m
Kraftwerksleistung: 10 MW
Daten zum Stausee
Höhenlage (bei Stauziel) 51,75 m
Wasseroberfläche 2,64 km²dep1
Stauseelänge 7,8 kmdep1
Stauseebreite 355 mdep1
Speicherraum ca. 7,6 Mio. m³

Der Baldeneysee ist der größte der sechs Ruhrstauseen. Er liegt im Süden der Stadt Essen zwischen den Stadtteilen Werden, Bredeney, Heisingen, Kupferdreh und Fischlaken. Betreiber der Stauanlage Baldeneysee ist der Ruhrverband.

Geschichte[Bearbeiten]

Villa Hügel an der Ruhr 1907, vorn links das "Bootshaus Hügel"
Fliegeraufnahme aus den 1920er Jahren mit Villa Hügel; der Baldeneysee existiert noch nicht.

Nach ersten Planungen im Jahre 1927 durch den ersten Ruhrverbands-Geschäftsführer Karl Imhoff, der weitere Ruhrstauseen plante, und der Stadt Essen entstand zwischen Juli 1931 und März 1933 in Werden ein Ruhr-Stauwehr. Der Baldeneysee war als Absetzbecken für Schwebstoffe errichtet worden, denn durch die Verbreiterung und die daraus verringerte Fließgeschwindigkeit konnte sich die Ruhr auf natürliche Weise durch Sedimentation und Abbau von Verunreinigungen durch Mikroorganismen selbst reinigen. Diese Aufgabe übernehmen heute in erster Linie zahlreiche Kläranlagen. Damals versuchte man, die Versorgung mit Trinkwasser trotz steigender Verbräuche und qualitativer Verschlechterung durch Industrie und Bevölkerungsanstieg zu gewährleisten. Die bereits erfolgreich gebauten Seen Harkort- und Hengsteysee bestätigten das Vorhaben.

Der Name Baldeneysee stammt daher, dass erste Planungen das Stauwehr in Höhe des Schlosses Baldeney im Ortsteil Baldeney vorsahen. Da sich dieses Vorhaben wegen zu geringen Gefälles und daher zu geringer Stromerzeugung als unwirtschaftlich herausstellte, entschied man sich, das Stauwehr weiter flussabwärts bei Werden zu errichten. Von dort erstreckt sich der Stausee heute bis zur Kampmannbrücke. Die ersten Arbeiten am See wurden in der Bevölkerung zunächst als ökologische Katastrophe gesehen, da sie ihr lieb gewonnenes Ruhrtal schwinden sah.[1] Zum Bau des Sees wurden Grundstücke von Krupp benötigt. Als Gustav Krupp von Bohlen und Halbach aber zugesichert bekam, dass man den See von seiner Villa Hügel aus werde sehen können, stimmte er dem Bau zu.

Ende 1929 begann die Weltwirtschaftskrise. Als die Baustelle im Dezember 1931 nach sieben Monaten Bauzeit bankrott war, setzte man ab Frühjahr 1932 bis zu 2000 Arbeiter im Rahmen des FAD (Freiwilliger Arbeitsdienst) ein. So profitierte der Ruhrverband durch die Einnahme von Darlehensgeldern aus der Erwerbslosenfürsorge für den Bau.[1] Die Arbeiter waren oft nur mit primitiven Werkzeugen ausgerüstet. Sie erhielten zwischen 1,00 und 1,80 Reichsmark und eine warme Mahlzeit am Tag.

Trotz der Verzögerungen Anfang 1932 wurde Ende Februar 1933 das Stauwehr fertiggestellt; die Ruhr wurde probeweise aufgestaut. Im Mai desselben Jahres stellte man das Wasserkraftwerk im Baldeneyer Stauwehr in Dienst. Aufgrund der Machtübernahme der NSDAP im Januar 1933 gab es keine offizielle Einweihungsfeier. Der Ingenieur Karl Imhoff wurde 1934 von der NSDAP seines Amtes enthoben.

Am 1. Mai 1933 nahm die Weiße Flotte Baldeney, damals Verkehrsgesellschaft Baldeney, den Betrieb auf. Es gab drei Fähren für die Überquerung des Sees sowie drei Schiffe für Rundfahrten. Im ersten Jahr wurden eine halbe Million Fahrgäste gezählt.[2] Eine neue Schleuse wurde im Stauwehr für Ausflugsschiffe und Freizeitkapitäne errichtet. Die alte Schleuse Neukirchen, die der Ruhrschifffahrt hauptsächlich zum Kohlentransport diente, fiel durch die Aufstauung des Baldeneysees trocken.

Im Zweiten Weltkrieg wurde 1941 das Seewasser abgelassen, um der Luftwaffe der Alliierten mit der nicht mehr vorhanden Wasseroberfläche die Orientierung zu nehmen. Durch die Flutwelle nach der Zerstörung der Möhnetalsperre im Mai 1943 gab es auch an den Ufern des Baldeneysees schwere Zerstörungen. 1944 brannte nach einem Bombenangriff unter anderem das "Bootshaus Hügel" am nördlichen Seeufer nieder, das der Industrielle Alfred Krupp nach dem Vorbild englischer Ruderclubs errichten ließ und eine Ruderriege gründete, die heute zum ETuF Essen gehört. 1951 wurde auf den Fundamenten des alten Bootshauses der heutige sachliche Bau fertiggestellt.

Ehemaliges Freibad Baldeney[Bearbeiten]

Am Nordufer eröffnete 1937 das Freibad Baldeney. Es diente bis 1984 als Freibad mit einem Schwimmerbecken, zwei Nichtschwimmerbecken und einem abgegrenzten, im Baldeneysee befindlichen Sprungbecken mit Sprungturm. Für Kinder gab es eine Wasserrutsche. Als nach dem Krieg Essen von britischen Streitkräften besetzt wurde, teilten diese das Freibad in eine deutsche und eine britische Seite, was am 30. November 1949 wieder aufgehoben wurde. Am 26. Juli 1952 wurde das Bad wegen allgemein starker Ausbreitung der Kinderlähmung geschlossen. Man baute eine neue Chloranlage und 1954 eine Entwässerungsanlage ein. 1959 verzeichnete das Freibad Baldeney mit 327.800 Badegästen seinen höchsten Zulauf. Weil die Sanierungskosten für das inzwischen marode Bad zu hoch erschienen, wurden 1984 alle Schwimmbecken geleert und das Freibad geschlossen. Ein weiterer Grund für die Schließung war, dass die Schwimmbecken zuvor mit Grundwasser gespeist wurden. Durch den kontinuierlich fallenden Grundwasserspiegel wurde dieses zunehmend schwierig und schließlich nahezu unmöglich. Ein Jahr später wurde das vormalige Bad als trockengelegtes Licht- und Luftbad wiedereröffnet. In diesem Jahr wurde das Sonnen oben ohne erlaubt. 1997 wurde der Sprungturm abgerissen; aus den sandgefüllten Schwimmbecken wurden Volleyballfelder. 2005 übernahm die Seaside Beach Club GmbH das Areal mit neuem Konzept. Das Bad kann gegen Gebühr genutzt werden.[3]

Die ehemaligen Schwimmbecken wurden für die Dreharbeiten des deutschen Fernsehfilms Die Sturmflut über die Sturmflutkatastrophe in Hamburg wieder vom Sand befreit und mit Wasser gefüllt.[4]

Das Schwimmen in der Unteren Ruhr, und damit auch im Baldeneysee selbst, wurde, begründet mit dem hohen Bakteriengehalt des Wassers, im September 1952 durch Erlass der Bezirksregierung Düsseldorf verboten. Einige Strandbäder waren allerdings davon ausgenommen, darunter auch das Bad Baldeney. Hier verbot man schließlich 1973 das Schwimmen im See, was bis heute gilt.[5]

Technik[Bearbeiten]

Das Stauwehr des Sees von Essen-Werden her

Die Stauhöhe der 42,45 Meter langen und sechs Meter breiten Schleuse beträgt 8,70 Meter. Diese ergeben sich aus etwa fünf Meter hoch aufgestautem See und rund 3,5 Metern Absenkung des Unterwassers durch Abbau zweier alter Wehre bei der trockengelegten Schleuse Neukirchen. Das Stauwehr hat drei 33,5 Meter breite, durch Hubwalzen verschließbare Öffnungen. Das Laufwasserkraftwerk produziert heute Elektrizität mit Hilfe zweier Kaplanturbinen von bis zu zehn Megawatt bei einem maximalen Wasserdurchfluss von zusammen 150 m³/s. So können jährlich durchschnittlich 28 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Als Notreserve zur Versorgung des Wasserwerkes gibt es eine Rückpumpturbine, die 8 m³/s vom Unterwasser in den See zurückbefördern kann. Diese Turbine kann im Generatorbetrieb jedoch auch weitere 1000 Kilowatt Strom erzeugen.

Der Stauraum des Sees, der eine mittlere Tiefe von 3,14 Metern hat, umfasste ursprünglich 8,3 Millionen Kubikmeter, veränderte sich aber durch Sedimentablagerung so, dass er nach 50 Jahren Betriebszeit, trotz Bergabsenkungen, auf 6,5 Millionen Kubikmeter zurückgegangen war. Daraufhin wurde der Baldeneysee zwischen April 1983 und Mai 1984 so weit ausgebaggert, dass heute ein Stauvolumen von etwa 7,6 Millionen Kubikmeter vorhanden ist.

Nach etwa 75 Jahren Betriebszeit wurden 2011 die Schleusentore samt Antrieben und sicherheitstechnischen Komponenten erneuert, ebenso die komplette Elektro- und Automatisierungstechnik.

Der See als Naherholungsgebiet[Bearbeiten]

MS Stadt Essen der Weißen Flotte auf dem Baldeneysee
Drei der vier Inseln des Kulturhauptstadtprojekts Ruhr-Atoll

Der Baldeneysee ist heute ein Wassersportparadies und Naherholungsgebiet. Die Schiffe der Weißen Flotte verkehren in den Sommermonaten nach Fahrplan zwischen dem Stauwehr in Werden und der ehemaligen Eisenbahnbrücke, heute Fußgängerbrücke, die Heisingen mit Kupferdreh verbindet. Ein Haltepunkt befindet sich unterhalb der Villa Hügel, ein anderer schräg gegenüber am Südufer von Haus Scheppen, einem ehemaligen adeligen Lehnsgut aus dem 13. Jahrhundert, an dem sich heute ein Motorradtreff, ein Campingplatz und ein Yachthafen befinden. Am Ufer des Baldeneysees in Heisingen liegt das Vogelschutzgebiet Heisinger Bogen, welches mit einem geschützten Sumpfgebiet als Brutrevier für Haubentaucher, Kormorane, Reiher und andere bedrohte Vögel dient.

Am Süd-Ost-Ufer verläuft die historische Hespertalbahn. Am Nordufer steht der denkmalgeschützte Förderturm der Zeche Carl Funke. An den Hängen liegen die Villa Hügel, die Ruine Neue Isenburg und der Aussichtspunkt Korte-Klippe.

Als Seaside Beach Club lädt das ehemalige Freibad am Nordufer mit Sandstrand, Palmen, Wiesen, Beach-Volleyballfeldern, einer Surfschule und Cocktailbar ein. Das Baden im Baldeneysee verbieten die heutigen europäischen Qualitätsnormen für Badegewässer.

Von Mai bis Oktober 2010 standen im Baldeneysee vier künstlich angelegte Inseln als Beitrag zur Kulturhauptstadt Europas RUHR.2010. Das sogenannte Ruhr-Atoll verband die Themenfelder Kunst-Wissenschaft und Energie-Ökologie und war für Besucher mit Hilfe von Tretbooten befahrbar.[6]

Der See als Sportstätte[Bearbeiten]

Rudertraining, hinten: Fördergerüst der ehemaligen Zeche Carl Funke I

Die durchgehend ausgebauten Fuß- und Radwege rund um den See haben eine Länge von etwa 14 Kilometern. Hier findet seit 1963 der Marathon Rund um den Baldeneysee statt.

Jährlich werden seit 1935 auf dem See Segelregatten mit teilweise überregionaler Bedeutung veranstaltet[7], darüber hinaus gibt es eine Regattastrecke für den Ruder- und Kanusport mit Zuschauertribüne. Hier werden Wettkämpfe bis hin zu Europameisterschaften ausgetragen. Der Baldeneysee verfügt über einen Regattaturm, der sich am Nordufer befindet und durch seine hohe Bauweise den Verantwortlichen einen guten Blick über den See ermöglicht. Das städtische Regattahaus mit Umkleide-, Wasch-, Aufenthalts- und Trainingsräumen beheimatet das Landesleistungszentrum für Kanurennsport, in dem zahlreiche Olympiasieger und Weltmeister trainieren.

Rund um den See liegen einige Angelvereine, da sie hier ein gutes Angelrevier vorfinden.

Am Baldeneysee gibt es rund 20 Segelvereine mit eigenen Wasser- und Landliegeplätzen, die regelmäßig Regatten veranstalten.[8] Unter lokalen Seglern bekannt ist die Mittwochsregatta der Segler-Kameradschaft Scheppen. Der jährliche Regattakalender wird von der Wettfahrgemeinschaft der Segler am Baldeneysee organisiert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Baldeneysee – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 18. September 2008: Lichtspiel über dem Baldeneysee. Artikel zur 75-Jahr-Feier
  2. Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Lokalteil Essen, vom 26. April 2008
  3. Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv:[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.essen.dePressemappe der Seaside Beach Club GmbH – Historie; PDF-Datei 350KB
  4. Jan Josef Liefers: RTL verfilmt Hamburger Sturmflut in Essen; zuletzt gesichtet am 20. Januar 2012
  5. DerWesten.de: Neuer Anlauf fürs Baden in Ruhr und Baldeneysee, 6. Juli 2010 (Version vom 4. Dezember 2010 im Internet Archive)
  6. Internetpräsenz des Projekts Ruhr-Atoll 2010; offline – Januar 2012
  7. Zur Geschichte der Essener Segelwoche
  8. Segelvereine auf www.baldeneysee.de