Beckedorf

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Beckedorf im Landkreis Schaumburg, weitere Bedeutungen unter Beckedorf (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Beckedorf
Beckedorf
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Beckedorf hervorgehoben
52.3441666666679.316666666666760Koordinaten: 52° 21′ N, 9° 19′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Samtgemeinde: Lindhorst
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 9,83 km²
Einwohner: 1461 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 31699,
31698 (Beckedorfer Schacht)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahl: 05725
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 007
Adresse der Verbandsverwaltung: Bahnhofstr. 55A
31698 Lindhorst
Webpräsenz: http://www.gemeinde-beckedorf.de
Bürgermeister: Dieter Wall (SPD)
Lage der Gemeinde Beckedorf im Landkreis Schaumburg
Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Ahnsen Apelern Auetal Auhagen Bad Eilsen Bad Nenndorf Beckedorf Bückeburg Buchholz (bei Stadthagen) Hagenburg Haste Heeßen Helpsen Hespe Heuerßen Hohnhorst Hülsede Lauenau Lauenhagen Lindhorst Lüdersfeld Luhden Meerbeck Messenkamp Niedernwöhren Nienstädt Nordsehl Obernkirchen Pohle Pollhagen Rinteln Rodenberg Sachsenhagen Seggebruch Stadthagen Suthfeld Wiedensahl WölpinghausenKarte
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Die Gemeinde Beckedorf liegt im Landkreis Schaumburg und gehört als Mitgliedsgemeinde zur Samtgemeinde Lindhorst.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Beckedorf liegt am Nordrand des Bückebergs, direkt an der Bundesstraße 65 zwischen Stadthagen und Bad Nenndorf im Landkreis Schaumburg in Niedersachsen. Im Norden wird die Gemarkung von der Bundesbahnstrecke Hannover-Ruhrgebiet tangiert.

Gliederung[Bearbeiten]

Zum Gemeindegebiet gehört noch der Schacht Beckedorf, der als Wohnplatz und Firmengelände genutzt wird. Drei Häuser des bei Kobbensen gelegenen Eichenbruchs gehören ebenfalls zu Beckedorf.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Es sind diese im Nordosten beginnend die Städte Bad Nenndorf und Rodenberg, die Gemeinde Apelern, die Stadt Stadthagen sowie die Gemeinden Heuerßen und Lindhorst.

Geologie[Bearbeiten]

Der Ort befindet sich direkt an der Grenze zwischen den zur naturräumlichen Großregion des niedersächsisch-hessischen Berglandes gehörenden Bückebergen und dem zur naturräumlichen Großregion der niedersächsischen Börden gehörenden Bückebergvorlandes auf dem Stadthagener Lösshang, der bereits zum norddeutschen Tiefland gehört. Die Böden in der Gemeinde Beckedorf sind als Lössböden durch eine außerordentliche Bodengüte gekennzeichnet, in der hohe Erträge erzielt werden.

Geschichte[Bearbeiten]

St.-Godehardi-Kirche

Spuren einer ersten Besiedlung des Gebietes finden sich im Dühlwald nördlich des Bückeberg vor mehreren Jahrtausenden. Der fruchtbare Boden und die Lage am alten Hellweg führten bereits im 6. Jahrhundert zur Gründung der Siedlung Beckedorf, dem „Dorf an der Beeke“.

Als Nachfolgebau einer alten Kapelle aus dem Jahr 1394 entstand 1740 die heutige Saalkirche mit einem mittelalterlichen Westturm. Auf dem Heisterberg im Bückeberg befand sich das Heisterschlösschen, eine Ringwallanlage mit 65 m Durchmesser aus dem 9.–12. Jahrhundert.

Beckedorf war ca. 1560–1604 von Hexenverfolgung betroffen: fünf Frauen gerieten in Hexenprozesse. Vier wurden wahrscheinlich verbrannt, eine beging Selbstmord in der Haft.[2]

In seiner Entstehungsgeschichte ist Beckedorf eng mit dem Nachbarort Lindhorst verbunden. Beckedorf gehörte nach der Teilung der Grafschaft Schaumburg 1647 bis 1949 zum hessischen Teil Schaumburgs. Am 1. März 1974 erfolgte der Zusammenschluss mit Heuerßen, Lindhorst und Lüdersfeld zur Samtgemeinde Lindhorst, so dass die über 330 Jahre andauernde Trennung zwischen Lindhorst und Beckedorf ein Ende fand. Gleichzeitig erfolgte die Umgemeindung in den Landkreis Schaumburg-Lippe. Seit dem 1. August 1977 gehört die Gemeinde zum neugebildeten Landkreis Schaumburg.

Von der ertragreichen Landwirtschaft geprägt entwickelte sich der Ort bis 1890 mit 120 Hausstellen zur drittgrößten Landgemeinde des damaligen Kreises Grafschaft Schaumburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zu einem Bevölkerungszuwachs durch Heimatvertriebene.

Tornado vom 15. Juni 1839[Bearbeiten]

Während eines schweren Gewitters suchte am 15. Juni 1839 ein Tornado die Ortslage Beckedorf heim. Dabei wurden im östliche Dorfteil zwei Bauernhöfe und ein Wohnhaus vollständig zerstört[3].

Bergbau[Bearbeiten]

Um einerseits der ortsansässigen Bevölkerung in Rodenberg und Sachsenhagen Arbeitsplätze anzubieten, andererseits aber auch den im Rahmen der Industrialisierung steigenden Bedarf an Steinkohle in der Region Genüge zu tun, wurden ab 1865 umfangreiche geologische Untersuchungen im Gebiet zwischen den Bückebergen im Süden und Bergkirchen nördlich des heutigen Mittellandkanals durchgeführt.

Diese Untersuchungen führten im Jahre 1874 zum Auffahren eines Stollens, der parallel der heutigen Beckedorfer Hauptstraße etwa vom Standort der heutigen Sparkasse aus nach Süden in ein Abbaufeld oberhalb Beckedorfs führte. Weitere Abbaustollen wurden in den Folgejahren nördlich der heutigen Bundesstraße 65 aufgefahren.

Im Jahre 1911 begann die Errichtung der Steinkohlenzeche Beckedorfer Schacht, die im Jahre 1924 im Tiefbau die Kohlenförderung aufnahm. Nach dem II. Weltkrieg erfolgte ein Durchschlag zum 8 Kilometer entfernten Georgschacht in Stadthagen (1946) sowie zur vier Kilometer nordwestlich von Beckedorf gelegenen Zeche in Lüdersfeld (1956), die im Gegensatz zur Zeche in Beckedorf über einen Gleisanschluss verfügten. Die im Beckedorfer Feld gewonnene Kohle wurde ab diesem Zeitpunkt durch eine unterirdische mit Dieselloks betriebene Zechenbahn zu den mehrere Kilometer entfernten Förderschächten transportiert und dort aufbereitet.

Das Abbaugebiet der Zeche Beckedorfer Schacht erstreckte sich von der Bundesstraße 65 im Süden bis zur Bahnstrecke Minden-Hannover im Norden, sowie zwischen der Straße Kobbensen-Lindhorst im Westen sowie dem heutigen Ortsrand von Beckedorf im Osten.

Obwohl die durch die Zeche Beckedorf ausgebeuteten Kohlenflöze mit 90 cm eine im Vergleich zu anderen deutschen Steinkohlenrevieren große Mächtigkeit besaßen, erschwerten hohe Vorkommen an Methangas - allein im Jahre 1955 wurden in der Zeche über 32 Mio Kubikmeter Methangas gewonnen - die Förderung massiv und führten immer wieder zu tagelangen Betriebseinstellungen. Am 2. Dezember 1959 kam es in der Zeche zu einer Schlagwetterexplosion, bei der 1 Bergmann ums Leben kam und 15 Kumpel verletzt wurden.

Im Jahre 1960 wurde der Betrieb in der Zeche Beckedorfer Schacht zusammen mit den anderen schaumburger Steinkohlenzechen in Auhagen, Lüdersfeld sowie im Georgschacht in Stadthagen eingestellt und die Schächte in Beckedorf bis zum Jahre 1962 verfüllt. Der Förderturm des Beckedorfer Schachts wurde im Jahre 1970 gesprengt, das Maschinenhaus des Schachts Beckedorf im Jahre 1983 abgebrochen. Die übrigen Gebäude, darunter die ehemalige Waschkaue, werden heute von einem anderen Unternehmen genutzt.

Die Stilllegung des Bergbaus und der Wegfall vieler Arbeitsplätze in der Landwirtschaft konnten durch die Ansiedlung zweier Industrieunternehmen nur mäßig kompensiert werden. Zahlreiche Kumpel fanden Arbeit in den Kalirevieren rund um Hannover sowie in der dortigen Industrie. Beckedorf ist heute zu einem verkehrsgünstig gelegenen Wohnort zwischen Stadthagen und Hannover für Berufs-Pendler geworden.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl am 11. September 2011 errangen die CDU und die SPD je fünf Sitze. Ein Sitz entfiel auf die Grünen/Bündnis 90.

Bürgermeister/Verwaltung[Bearbeiten]

Bis zu seinem Rücktritt am 31. Mai 2013 war Rolf Bahlmann (SPD) Bürgermeister und Gemeindedirektor. Am 13. Juni 2013 hat der Gemeinderat Dieter Wall (SPD) zum Nachfolger gewählt. Das Gemeindebüro befindet sich in der Riepener Straße 4.

Finanzen[Bearbeiten]

Im Haushaltsplan 2013 werden im Ergebnishaushalt an Erträgen 1.164.100 Euro und an Aufwendungen 1.246.800 Euro erwartet. Der Finanzhaushalt ist bei Aus- und Einzahlungen mit jeweils 1.301.800 Euro ausgeglichen. Zur Auszahlung an Investitionstätigkeiten sind 182.700 Euro eingeplant. Hierfür sind Kreditaufnahmen in Höhe von 34.900 Euro festgesetzt.[4]

Wappen[Bearbeiten]

Rechts in Silber ein schwarzer Förderturm. Links oben in grün ein silberner Pflug. Unten in rot das silberne Nesselblatt mit drei aufgelegten Nägeln. Die Flagge ist grün-rot belegt mit dem Gemeindewappen.[5]

Sport[Bearbeiten]

  • Der Beckedorfer Sportverein (BSV) von 1946 hat etwa 570 Mitglieder und betreibt die Sparten Fußball, Tennis, Gymnastik, Boule, Trampolin, Turnen, Tischtennis, Taekwondo und Laufen. Entsprechende Sportanlagen mit einem Vereinsheim sind vorhanden.
  • Schießsport ist im örtlichen Schützenverein möglich. Schießstände sind im Schützenhaus integriert.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Bundesstraße 65 verläuft direkt durch die Gemeinde. In wenigen Minuten wird an der Anschlussstelle Bad Nenndorf die BAB 2 erreicht. Der nächstgelegene Bahnhof befindet sich in Lindhorst. Dieser wird stündlich vom S-Bahnverkehr Hannover bedient. Der ÖPNV wird von der Schaumburger Verkehrs-Gesellschaft und der Firma Ruhe-Reisen in Stadthagen sichergestellt.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

  • Für die öffentliche Sicherheit und Ordnung ist das Polizeikommissariat Stadthagen zuständig.
  • Der Brandschutz wird durch die Freiwillige Ortsfeuerwehr Beckedorf gewährleistet.

Bildung[Bearbeiten]

Im vorschulischen Bereich sind ein Kindergarten und eine Kinderkrippe vorhanden. Die Grundschule Lindhorst unterhielt bis Juni 2014 in Beckedorf eine Außenstelle, die auf Beschluss vom 27. Februar 2014 durch die Samtgemeinde Lindhorst geschlossen wurde. Weiterführende Schulen befinden sich in Lindhorst, Stadthagen, Rodenberg und Bad Nenndorf.

Religionen[Bearbeiten]

  • Die evangelisch-lutherischen Christen gehören zur Godehardikirchengemeinde Beckedorf im Kirchenkreis Grafschaft Schaumburg der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers (während Lindhorst entsprechend der historischen Grenzziehung zur Landeskirche Schaumburg-Lippe gehört). Zum Kirchspiel gehören noch die Ortsteile Riepen (Bad Nenndorf) und Ottensen (Lindhorst).
  • Die katholischen Gläubigen gehören der St.-Joseph-Kirchengemeinde Stadthagen im Bistum Hildesheim an und nutzen die Filialkirche St. Barbara in Lindhorst.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Beckedorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Gerhard Schormann: Hexenverfolgung in Schaumburg, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, Band 45, Hildesheim 1973, S. 149–151.
  3. Steege, Wilhelm (1982): Chronik des Dorfes Beckedorf. Beckedorf.
  4. Amtsblatt des Landkreises Schaumburg Nr. 5/2013 vom 31. Mai 2013.
  5. Hauptsatzung der Gemeinde Beckedorf