Wölpinghausen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Wölpinghausen
Wölpinghausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Wölpinghausen hervorgehoben
52.4208333333339.238055555555695Koordinaten: 52° 25′ N, 9° 14′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Schaumburg
Samtgemeinde: Sachsenhagen
Höhe: 95 m ü. NHN
Fläche: 18,33 km²
Einwohner: 1607 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 88 Einwohner je km²
Postleitzahl: 31556
Vorwahl: 05037
Kfz-Kennzeichen: SHG, RI
Gemeindeschlüssel: 03 2 57 038
Gemeindegliederung: 4 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Markt 1
31553 Sachsenhagen
Webpräsenz: www.woelpinghausen.de
Bürgermeister: Joachim Schwidlinski (SPD)
Lage der Gemeinde Wölpinghausen im Landkreis Schaumburg
Nordrhein-Westfalen Landkreis Hameln-Pyrmont Landkreis Nienburg/Weser Region Hannover Ahnsen Apelern Auetal Auhagen Bad Eilsen Bad Nenndorf Beckedorf Bückeburg Buchholz (bei Stadthagen) Hagenburg Haste Heeßen Helpsen Hespe Heuerßen Hohnhorst Hülsede Lauenau Lauenhagen Lindhorst Lüdersfeld Luhden Meerbeck Messenkamp Niedernwöhren Nienstädt Nordsehl Obernkirchen Pohle Pollhagen Rinteln Rodenberg Sachsenhagen Seggebruch Stadthagen Suthfeld Wiedensahl WölpinghausenKarte
Über dieses Bild

Wölpinghausen ist eine Gemeinde im Norden des Landkreises Schaumburg in Niedersachsen und Teil der Samtgemeinde Sachsenhagen.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Wölpinghausen liegt an den Ausläufern der Rehburger Berge, nordwestlich von Sachsenhagen, westlich der Stadt Wunstorf, östlich von Rehburg-Loccum und südlich des Steinhuder Meeres.

Gliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde Wölpinghausen ist seit der Gemeindereform in Niedersachsen, die am 1. März 1974 in Kraft trat, Mitgliedsgemeinde der Samtgemeinde Sachsenhagen und besteht aus vier Ortsteilen:

  • Bergkirchen
  • Schmalenbruch mit Windhorn
  • Wiedenbrügge mit Buschmanns Landwehr
  • Wölpinghausen mit Teilen von Berghol und Spießingshol

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf Schmalenbruch

Das Gebiet auf und um den östlichen Ausläufer der Rehburger Berge im damaligen Dülwald wurde im 6. Jahrhundert mit kleinen Siedlungen durchsetzt. Der Höhenrücken der Rehburger Berge diente als Verbindungsweg zwischen den moorigen Niederungen des Waldes.

Bergkirchen[Bearbeiten]

Als älteste dörfliche Siedlung der Gemeinde Wölpinghausen wird Bergkirchen angesehen. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort als „Berkerken“ 1174 in einer Urkunde des Bischofs von Minden. Die Ursprünge dürften jedoch – als wohl älteste Ansiedlung auf den Rehburger Bergen – zwischen 800-1200 n. Chr. liegen. Die Entwicklung ist maßgeblich durch die Kirche geprägt. An der Stelle des heutigen Kirchengebäudes, an der zuerst eine Kapelle errichtet wurde, befand sich ursprünglich wohl eine germanische Kultstätte. Teile der heutigen Kirche stammen aus dem 12. Jahrhundert. Zwischen 1300 und 1500 entwickelte sich Bergkirchen unter der Schirmherrschaft der Sachsenhäger Vögte zu einer geschlossenen Dorfanlage beidseitig des Kammwegs als Angerdorf. Durch die Wirren des Dreißigjährigen Kriegs wurde die Entwicklung unterbrochen, mehrfach wurde der Ort geplündert und litt unter den hohen Abgaben an die Schweden. Mit dem Westfälischen Frieden 1648 normalisierte sich das Leben wieder. Die Grafschaft Schaumburg wurde geteilt und Bergkirchen dem Amt Hagenburg zugeschlagen. Ab 1750 wurde unter Graf Wilhelm die Zuwanderung von Ausländern gefördert, die Gartenland erhielten. Auch förderte er die Leinen-Verarbeitung, um der besitzlosen Schicht ein besseres Auskommen zu gewähren. So waren zahlreiche Einwohner Bergkirchens als Hausweber für die Steinhuder Webereien tätig. Um die Jahrhundertwende 1900 erfuhr Bergkirchen durch den Steinbruch und das Kohlebergwerk Zuzug von Arbeitern. Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Bergkirchen zunehmend zu einem Wohnstandort. Die Zahl der landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetriebe ist auf heute zwei zurückgegangen. 1970 waren es noch etwa zwölf Betriebe.

Wölpinghausen[Bearbeiten]

Wölpinghausen 1246 als „Welpinghusen“ erstmals urkundlich erwähnt wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts als Hagenhufendorf angelegt. Im 16. Jahrhundert entstand nach weiteren Rodungen die Siedlung Schmalenbruch. Die kleine Straßensiedlung Windhorn entwickelte sich aus einem Einzelhof im Osten von Schmalenbruch in der Niederung unterhalb von Bergkirchen.

Wiedenbrügge[Bearbeiten]

Seit 1238 existierte in Wiedenbrügge ein Solebrunnen, der ab 1730 für die Salzgewinnung genutzt wurde und im 19. Jahrhundert Sole ins benachbarte Bad Rehburg lieferte. Zwischen 1300 und 1500 waren die Herren von Münchhausen Vögte des Bistums Minden von Sachsenhagen und Wölpinghausen. Die Bauern in Wiedenbrügge und Schmalenbruch waren seit dem 16. Jahrhundert Hörige derer von Münchhausen zu Remeringhausen.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden die Orte größtenteils verwüstet. Nach der Teilung der Grafschaft Schaumburg 1647 kamen Wölpinghausen, Wiedenbrügge und Bergkirchen zum Amt Hagenburg in der Grafschaft Schaumburg-Lippe.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Nach 1800 wurden in Wölpinghausen weitere Siedlungen außerhalb des Ortes angelegt. Die Streusiedlungen „Berghol“, „Spießingshol“ und „Hinter dem Berge“ entstanden.[2] Im Krisenjahr 1847 veranlasste Fürstin Ida zu Schaumburg-Lippe die Errichtung des Wilhelmsturms an der Stelle, wo bis zu seinem Tod im Jahr 1777 das Jagdschlösschen Bergleben des Grafen Wilhelm gestanden hatte, als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die hungernde Bevölkerung.

In Wölpinghausen wurde 1907 ein neues größeres Schulgebäude errichtet. Der Lehrer Eberling legte einen weit bekannten Stein- und Staudengarten an.

Von 1898 bis 1964 verlief die Bahnstrecke der Steinhuder Meer-Bahn durch Schmalenbruch und Wiedenbrügge. Die Bahnhöfe in Schmalenbruch und Wiedenbrügge entstanden und brachten einen wirtschaftlichen Aufschwung und zunehmend auch Fremdenverkehr in die kleinen Orte. Neben der Molkerei in Schmalenbruch entstanden noch weitere Gewerbebetriebe. Die ehemalige Bahntrasse ist heute ein Rad- und Wanderweg.

Die Gründung der drei Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Wölpinghausen wurde in einer Reihe von ländlichen Feuerwehrgründungen im Freistaat Schaumburg-Lippe in den 1920er Jahren vollzogen, insbesondere von 1925 bis 1928. Damals wurden auf dem Lande zahlreiche Feuerwehren gegründet, wie in Großenheidorn, Nienstädt, Lindhorst, Wiedenbrügge, Wölpinghausen, Niedernwöhren, Meerbeck, Pollhagen, Steinbergen, Bergkirchen (1929).[3]

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts stagnierte die Entwicklung der Gemeinde. Zunehmend entdecken Touristen den Reiz der landwirtschaftlich geprägten Region im Süden des Naturpark Steinhuder Meer.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Bergkirchen, Schmalenbruch-Windhorn und Wiedenbrügge eingegliedert.[4]

Religion[Bearbeiten]

  • Die evangelischen Bürger der Gemeinde gehören zum Kirchspiel Bergkirchen mit der dortigen St.-Katharinen-Kirche.
  • Die Katholiken in der Gemeinde Wölpinghausen gehören zur Pfarrgemeinde Stadthagen. Die Gläubigen besuchen die 1963 errichtete Heilig-Herz-Jesu-Kirche in Sachsenhagen. Sie ist eine Filialkirche der Pfarrgemeinde St. Joseph in Stadthagen.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindewahl 2011[5][6]
Wbt.: 63,11 % (2006: 55,30 %)
 %
50
40
30
20
10
0
45,98 %
39,06 %
14,95 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
   2
   0
  -2
  -4
-1,64 %p
+1,61 %p
+0,03 %p

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Wölpinghausen setzt sich aus elf Ratsfrauen und Ratsherren zusammen.

SPD CDU GRÜNE Gesamt
2011 5 4 2 11 Sitze
2006 5 4 2 11 Sitze

Stand: Kommunalwahl am 11. September 2011

Bürgermeister/Verwaltung[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Jochen Schwidlinski (SPD). Zum Gemeindedirektor hat der Rat den Samtgemeindebürgermeister Jörn Wedemeier bestellt. Das Gemeindebüro befindet sich in der Meeresblickstraße 2.

Finanzen[Bearbeiten]

Im Haushaltsplan 2013 sind im Ergebnishaushalt an Erträgen und Aufwendungen jeweils 869.100 Euro ausgewiesen. Im Finanzhaushalt werden Einzahlungen von 833.900 Euro und Auszahlungen von 812.100 Euro erwartet. An Auszahlungen für Investitionstätigkeiten sind 500 Euro vorgesehen. Kreditaufnahmen werden nicht veranschlagt.[7]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen zeigt auf rotem Untergrund den silbernen Wilhelmsturm.[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

St.-Katharinen-Kirche in Bergkirchen
Alte Schule Wölpinghausen

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Die evangelische St.-Katharinen-Kirche in Bergkirchen wurde um 1150 erbaut.
  • Der Pfarrhof Bergkirchen ist heute eine Tagungsstätte.
  • Christus-Kreuz mit Aussichtsplatz
  • Die Holländermühle bei Bergkirchen war von etwa 1850 bis 1955 in Betrieb.
  • Festplatz am Futtersilo in Wiedenbrügge mit Denkmal „dicke Ortrud und kleener Roderick“
  • Die Alte Schule in Wölpinghausen wurde 1907 erbaut.
  • Das Matteschlösschen in Wölpinghausen stammt aus dem Jahr 1898.
  • Der Wilhelmsturm bei Wölpinghausen wurde 1847 errichtet.

Sport[Bearbeiten]

Sporttreibende Vereine sind der Sportverein (SV) Wölpinghausen und der Tischtennisclub. Der SV ist ein 400 Mitglieder zählender Breitensportverein mit 14 Sparten von Aerobic bis Wandern. Es werden auch Kurse wie Yoga, Zumba, Tanzen, Selbstverteidigung und progressive Muskelentspannung angeboten. Für den Sportbetrieb steht eine Sporthalle zur Verfügung.

Schießsport ist in den Schützenvereinen Wiedenbrügge-Schmalenbruch und Wölpinghausen sowie der Kyffhäuserkameradschaft möglich.

Vereine[Bearbeiten]

Eine Besonderheit unter den Vereinen ist das „Infantrieregiment Graf Wilhelm“ in der Weckbatterie des Schützenvereins. In alten Uniformen, Biwaks und Aufmärschen wird das Gedenken an den schaumburg lippischen Grafen Wilhelm wachgehalten, der viele Jahre seines Lebens in Wölpinghausen verbrachte.


Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Erntefeste in Bergkirchen und Wölpinghausen
  • Das „kleinste Schützenfest der Welt“ in Wiedenbrügge
  • Schützenfest in Wölpinghausen
  • Weihnachtsmarkt am 3. Advent in Wölpinghausen
  • Adventsbasar der ev. Kirchengemeinde am 1. Advent
  • Rock am Futtersilo in Wiedenbrügge
  • Karneval in der fünften Jahreszeit mit den „Golan Jecken“

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Öffentliche Sicherheit[Bearbeiten]

  • Für die öffentliche Sicherheit ist Polizeikommissariat Stadthagen zuständig. Im Tagesdienst ist eine Polizeistation in Hagenburg eingerichtet.
  • Der Brandschutz wird durch die Freiwilligen Ortsfeuerwehren Bergkirchen, Wiedenbrügge-Schmalenbruch und Wölpinghausen sichergestellt.

Bildung[Bearbeiten]

Im vorschulischen Bereich unterhält die Gemeinde einen Kindergarten. Grundschüler besuchen die Schule in Sachsenhagen. Weiterführende Schulen befinden sich in Lindhorst, Stadthagen und Steinhude.

Literatur[Bearbeiten]

  • Alexandra Blume und Reinhard Zoske: Geschichte und Geschichten aus dem Kirchspiel – 1. Ausgabe. Bergkirchen 2008
  • Alexandra Blume und Reinhard Zoske: Geschichte und Geschichten aus dem Kirchspiel – 2. Ausgabe. Bergkirchen 2010
  • Matthias Blazek: 75 Jahre Ortsfeuerwehr Bergkirchen 1929-2004 – Ein gutes Stück Heimatgeschichte. Adelheidsdorf 2004
  • Gerhard Lemke: Geschichte des Ortes Wölpinghausen (Dorfbuch Wölpinghausen), in drei Bänden. Stadthagen 1968 (unveröffentlicht), Rinteln 1996
  • Friedrich-Wilhelm Nölke: Festschrift aus Anlass der 750-Jahrfeier der Gemeinden Wiedenbruch-Schmalenbrügge 26. und 27. August 1972. Wiedenbrügge-Schmalenbruch 1972
  • NN: 65 Jahre Freiwillige Feuerwehr & 15 Jahre Jugendfeuerwehr Wölpinghausen. Wölpinghausen 1991

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Wölpinghausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Vgl. StA Bückeburg L1 V Lb Nr. 13 (Vieh- und Schatzregister, Amt Sachsenhagen, Anno 1606), L1 V La Nr. 5 (Verzeichnis der Hausarmen, Amt Sachsenhagen, Anno 1608), Dep. 6 GH T Nr. 65 (Schatzregister, Amt Sachsenhagen, Anno 1609), L1 V La Nr. 6 (Erb- und Besaatregister, Amt Sachsenhagen, Anno 1618-20), L1 V La Nr. 11 (Verzeichnis der vorhandenen Saatländereien, Amt Sachsenhagen, Anno 1638).
  3. Vgl. Blazek, Matthias, Chronik der Ortsfeuerwehren der Samtgemeinde Sachsenhagen, Sachsenhagen/Bergkirchen 1994, S. 32 ff.
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 201.
  5. http://www.sachsenhagen.de/assets/wahlen/2011/wph/00_tabelle.html
  6. http://www.sachsenhagen.de/assets/wahlen/2006/wph/00_tabelle.html
  7. Amtsblatt des Landkreises Schaumburg Nr. 12/2012, ausgegeben am 28. Dezember 2012
  8. Hauptsatzung der Gemeinde Wölpinghausen in der Fassung vom 1. März 2012