Berka/Werra

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Berka/Werra
Berka/Werra
Deutschlandkarte, Position der Stadt Berka/Werra hervorgehoben
50.93944444444410.07193Koordinaten: 50° 56′ N, 10° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Wartburgkreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Berka/Werra
Höhe: 193 m ü. NHN
Fläche: 56,93 km²
Einwohner: 4358 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 77 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99837
Vorwahl: 036922
Kfz-Kennzeichen: WAK, SLZ
Gemeindeschlüssel: 16 0 63 007
Stadtgliederung: 6 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Markt 1
99837 Berka/Werra
Webpräsenz: www.berkawerra.de
Bürgermeister: René Weisheit (Freie Wählergemeinschaft)
Lage der Stadt Berka/Werra im Wartburgkreis
Kaltennordheim Bad Liebenstein Bad Salzungen Barchfeld-Immelborn Berka/Werra Berka vor dem Hainich Bischofroda Brunnhartshausen Buttlar Creuzburg Dankmarshausen Dermbach Diedorf Dippach Krayenberggemeinde Ebenshausen Empfertshausen Ettenhausen an der Suhl Kaltennordheim Frankenroda Frauensee Geisa Gerstengrund Gerstungen Großensee Hallungen Hörselberg-Hainich Ifta Barchfeld-Immelborn Kaltennordheim Kaltennordheim Kaltennordheim Krauthausen Lauterbach Leimbach Marksuhl Vacha Krayenberggemeinde Mihla Moorgrund Nazza Neidhartshausen Oechsen Ruhla Schleid Bad Liebenstein Seebach Stadtlengsfeld Bad Liebenstein Tiefenort Treffurt Unterbreizbach Urnshausen Vacha Vacha Weilar Wiesenthal Vacha Wolfsburg-Unkeroda Wutha-Farnroda Zella ThüringenKarte
Über dieses Bild

Berka/Werra ist eine Landstadt im Wartburgkreis in Thüringen, unmittelbar an der Landesgrenze zu Hessen gelegen. Die nächstgrößeren Städte liegen jeweils in etwa 25 km Entfernung: Eisenach in östlicher Richtung, Bad Hersfeld in westlicher Richtung und die Kreisstadt Bad Salzungen in südöstlicher Richtung.
Berka ist Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Berka/Werra.

Geografie[Bearbeiten]

Naturräumlich liegt die Stadt im Berkaer Becken des Salzunger Werraberglandes, im mittleren Werratal, am Rande des Richelsdorfer Gebirges. Die Ortslage erstreckt sich auf dem rechten, östlichen Ufer der Werra. Höchster Punkt der Gemarkung Berka ist der Berg Hohe Rod (319,6 m ü. NN), die Ortslage selbst liegt zwischen 210 bis 240 m ü. NN. Der höchste Punkt der Gemeinde befindet sich am Lehnhaus an der Gemarkungsgrenze von Gospenroda (447,9 m ü. NN) im Frauenseer Forst. Die Horschlitter Mulde ist eine Geländesenke in Richtung Gospenroda. Unterhalb der Stadt mündet die Suhl in die Werra.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Stadtgliederung

Die Stadt besteht aus den Stadtteilen:

Die Kernstadt hat eine Fläche von 7,94 km², die Gesamtfläche mit den Stadtteilen beträgt 56,93 km².[2]

Nachbargemeinden und -städte[Bearbeiten]

Die Stadt Berka/Werra grenzt im Norden an die thüringische Gemeinde Gerstungen mit den Ortsteilen Untersuhl, Gerstungen, Sallmannshausen, Lauchröden, Unterellen und Oberellen; im Osten und Südosten die Gemeinde Marksuhl, im Süden die Gemeinde Frauensee, der Stadtteil Oberzella der Stadt Vacha und im Südwesten die hessische Stadt Heringen (Werra). Im Westen folgen die Gemeinden Dippach und Dankmarshausen sowie die hessische Gemeinde Wildeck, Ortsteil Obersuhl.[3]

Geologie und Bodenschätze[Bearbeiten]

Die Stadt Berka/Werra liegt im Zentrum des Berka-Gerstunger Beckens. Dieses weite Becken ist rings von Höhenzügen umgeben: im Südwesten der Seulingswald, im Süden die Ausläufer der Vorderröhn, im Osten die Ausläufer des Thüringer Waldes und im Norden das Richelsdorfer Gebirge. Geologisch betrachtet liegt der Ort in der geologischen Formation Trias, dem mittleren Buntsandstein. Untertage befinden sich beträchtliche Kalisalzlagerstätten (neben ehemaligen Schachtanlagen in der Gemarkung Dippach und Abteroda auch bei Heringen, Widdershausen, Dankmarshausen). Oberirdisch wurde beispielsweise am Hohe Rod und am Eichelberg Sandstein und Kies abgebaut.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Am östlichen Stadtrand befand sich das Weingassentor
Blick zur Kirche
Das historische Berkaer Rathaus

Die Stadt Berka/Werra beging im Jahr 1986 ihre 1200-Jahrfeier, die in diesem Zusammenhang erschienene Festschrift ist Quelle für die folgende Übersicht.[5]

Mittelalter[Bearbeiten]

Zu Beginn des 9. Jahrhunderts wird Berka im Güterverzeichnis Breviarium Sancti Lulli, der von Erzbischof Lullus († 786) von Mainz für das Klosters Hersfeld von Freien verliehenen Gütern erstmals urkundlich als Berchaho erwähnt. Das Kloster besaß hier elf Hufen und zwölf Höfe. Im Jahre 1016 kam es zur Schenkung der Jagd- und Forstrechte (Wildbann) von Kaiser Heinrich II. an die Hersfelder Abtei. Der Ort Berka lag im Bereich dieses Wildbannes. Die Abtei hatte in der Zwischenzeit im nahen Hausbreitenbach eine kleine Wasserburg - das feste Haus Breitenbach genannt - erbauen lassen und richtete darin den ersten Verwaltungssitz dieses Gebietes (Vogtei) ein, zu dem auch das Dorf Berka gehörte. Wegen der raschen wirtschaftlichen Entwicklung Berkas wurde die Vogtei und Verwaltung später nach Berka verlegt, das inzwischen durch eigene Befestigungsanlagen (noch erhalten ist das Untertor) und eine Kirchenburg geschützt wurde.

Seit 1239 sind hersfeldische Ministeriale von Berka nachweisbar. Ab 1283 wird landgräfliches Zollrecht und 1284 von landgräflicher Gerichtsstuhl in Berka belegt. Im 14. Jahrhundert hatten die Wettiner die Absicht, die Orte Berka und Dankmarshausen mit kaiserlicher Erlaubnis zur Stadt zu erheben. Die Frankensteiner verkauften 1330 ihren Besitz in Berka/Werra mit anderem Grundbesitz an die Grafen von Henneberg auf der Krayenburg. Mit dem Abt von Hersfeld schlossen die thüringischen Landgrafen 1354 einen Vertrag, dem zufolge das Haus und Amt zu Breitenbach mit dem Dorf Berka gemeinschaftlich verwaltet wurde. Der thüringische, später sächsische Amtmann hatte seinen Sitz in Hausbreitenbach, später Gerstungen, der hersfeldische wohnte in Berka/Werra.

Der markante Turm der heutigen Kirche wurde 1439 errichtet. Auf der südöstlich von Berka gelegenen Höhe, dem sogenannten Gehülfsberge, stand früher die Kapelle St. Mariä und Salvatoris, 1407 und 1515 urkundlich erwähnt.

Reformation und Frühe Neuzeit[Bearbeiten]

Bereits Mitte des 15. Jahrhunderts übertrug man Berka in hessischen Pfandbesitz. 1521 rastete Luther auf der Reise von Worms nach Wittenberg im Gasthaus ’’Zum Stern’’ und traf hier auf den Abt Krato von Hersfeld. Im Deutschen Bauernkrieg besetzte Landgraf Philipp I. von Hessen den Ort und zog dann weiter nach Eisenach, wo mit anderen Bauernführern ein gewisser Jakob Töpfer, Bauernführer aus Berka auf dem Marktplatz hingerichtet wurde. Für die Unterstützung der Aufrührer musste der Ort hohe Bußgelder zahlen. Philipp I. führte 1527 zwangsweise die Reformation durch, 1539 tagten in Berka hessische und kursächsische Räte in Grenzstreitigkeiten und Reformationsangelegenheiten. Im Jahr 1543 verordnet der Landgraf von Hessen eine Hausmusterung, damit soll der wirtschaftliche Zustand der neu erworbenen Landesteile untersucht werden. Während des Schmalkaldischen Krieges verweilte der gefürchtete Heerführer, Herzog von Alba 1547 kurz im Ort, bevor er seinen Heerzug nach Sachsen mit der Schlacht bei Mühlberg an der Elbe fortsetzte. Im Jahr 1553 verordnet der hessische Landgraf eine militärische Musterung der männlichen Bewohner.

17. Jahrhundert[Bearbeiten]

Der Ort ist durch seine Lage am Hochufer der Werra und durch drei Tore gesichert. In Richtung Frauensee verläuft ein ausgedehnter Grenzverhau – die Berkaer Landwehr. Im Dreißigjährigen Krieg hatte Pappenheim auf seinem Zuge nach Hessen das Lager in unmittelbarer Nähe der Stadt aufgeschlagen, während ihm selbst das Rathaus zum Quartier diente. Später wurde fast die ganze Stadt von kaiserlichen Truppen niedergebrannt. Erst 1667 wurde das Rathaus wieder aufgebaut. Die Einwohner flüchteten in die Dornhecke und in der Kroatenhecke. Durch Hunger, Kriegseinwirkungen und die Pest war Berka am Ende des Krieges fast entvölkert.

Die letzte Hexenverbrennung fand am Gerichtsplatz an der Flurgrenze zum Nachbardorf Herda im Jahre 1660 statt, ihr fiel Anna Küchenmeister aus Herda zum Opfer.[6] Seit 1700 nimmt der Reiseverkehr auf den Straßen um Berka enorm zu, die erste Poststation (Betreiber: Thurn und Taxis) wird eröffnet. Wirtschaftliche Grundlage des Ortes war der Handel, an der Werra befanden sich zwei Mühlen und ein Gerberviertel.

18. Jahrhundert[Bearbeiten]

Die Region des mittleren Werratales war bis zum 18. Jahrhundert in zahlreiche kleine Territorien unter Oberhoheit der hessischen und thüringischen Landesherren zersplittert. Nach zahlreichen Grenzbegehungen wurde im Jahr 1742 ein umfangreicher Gebietsaustausch durchgeführt, hierbei fielen Berka und einige Nachbardörfer endgültig an das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Auch im Siebenjährigen Krieg hatte Berka auf Grund seiner Lage an wichtigen Durchgangsstraßen schwer zu leiden, vor allem musste die Bevölkerung immer wieder Geldforderungen bezahlen.

19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Zwischen 1806 und 1813 rastete der französische Kaiser Napoleon mehrfach in Berka, 1813 soll er während der Flucht im Gasthaus „Zur Post" zu Mittag gegessen haben. Nach einer Landesbeschreibung wurde Berka 1816 als ein „mit allen städtischen Rechten ausgestatteter Marktflecken" bezeichnet. Nach 1830 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage der Bevölkerung spürbar, oft genannter Grund soll die Chaussierung und Verlegung der Frankfurter Straße über Marksuhl gewesen sein. In der Folge versuchten zahlreiche Einwohner ihr Glück als Auswanderer in die USA zu gelangen. Erst 1847 erhielt Berka das lange erhoffte Stadtrecht und ein Stadtwappen, zugleich wurde eine Stadtordnung erstellt. Die Bewohner gründen 1848 eine Bürgerwehr, welche jedoch nach der Revolution bald wieder aufgelöst wurde. Der Grundstein für die erste Schule wurde 1851 gelegt.

Die Stadt ist Geburtsort des Philologen Georg Bippart (geb. 1816). 1850 wurde Bippart außerordentlicher Professor der Philologie in Jena, trat dann zur römisch-katholischen Kirche über und wurde 1858 Professor an der Universität zu Prag. 1855 wird der Männerchor in Berka gegründet. Die Notwendigkeit der Schulbildung wurde in der Bevölkerung erkannt und deshalb wurde 1863 ein zweites und drittes Schulgebäude errichtet.

Von der Gründerzeit bis zur Weimarer Republik[Bearbeiten]

Mit der Errichtung der Berkaer Brauerei wurde der erste Industriebetrieb geschaffen. Der Kalischacht Alexandershall wurde 1903 in Betrieb genommen, zugleich begann der Bau der Bahnlinie Vacha - Gerstungen, die 1907 fertiggestellt war. Die Inflation und die Nachkriegsjahre brachten auch für Berkas Bevölkerung Not, Elend und Arbeitslosigkeit. Es gab in der Stadt, die damals 1300 Einwohner zählte, zeitweise 123 Arbeitslose. Die sozialen und politischen Spannungen hatten auch in Berka Folgen. Mit der Gründung von Vereinen versuchte man das kulturelle Leben im Ort zu fördern. 1922 wurde der erste Berkaer Frauenchor gegründet, es entstanden Wander- und Sportvereine.

In der Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Nach Antritt der Naziherrschaft bildete sich in Gospenroda eine Widerstandsgruppe um den Kommunisten Jakob Gerlach, die Aufklärungsschriften über den Faschismus druckten und weitergaben. Bei der Aktion Gitter im August 1944 widersetzte sich der Kommunist Willi Vock seiner drohenden Verhaftung, wurde dabei angeschossen und verstarb 1945 an den Folgen seiner Verletzungen. Eine Gedenktafel in der Nähe des Rathauses erinnert an ihn. Während des Zweiten Weltkrieges mussten 77 Frauen und Männer in der Landwirtschaft von Berka und seinen Ortsteilen Zwangsarbeit verrichten. 238 Zwangsarbeiter, die meisten waren "Ostarbeiter", mussten in der Heeresmunitionsanstalt arbeiten, die in stillgelegten Schachtanlagen betrieben wurde. In Abteroda an der Straße nach Dippach wurde 1944 das Außenkommando "Anton" des KZ Buchenwald eingerichtet. In ihm mussten 250 männliche und in einem gesonderten Lager 250 weibliche jüdische KZ-Häftlinge für die Bayerischen Motorenwerke (BMW) Flugzeugmotoren herstellen.[7]

Das Kriegsende in Berka[Bearbeiten]

Über die Zeit des Nationalsozialismus berichtet die Stadtchronik so gut wie nichts. Am Markt befand sich eine Gedenktafel für den 1945 ermordeten Vorsitzenden der KPD–Ortsgruppe Willi Vock. An die zahlreichen Toten des Krieges und die Opfer des Faschismus erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof mit den Worten: Die Toten mahnen!.

In den letzten Kriegstagen wurde die Werrabrücke gesprengt und somit die direkte Verbindung zum Bahnhof Berka/Werra und den Nachbargemeinden Obersuhl und Gerstungen unterbrochen. Im Oktober 1945 wurde auf Befehl der sowjetischen Militäradministration die Schule wiedereröffnet. Der Unterricht wurde, behindert durch Lehrermangel, im Rahmen der Möglichkeiten wiederaufgenommen. Schon 1946 erfolgte die Wiedereröffnung des Kindergartens sowie die Gründung der Stadtkapelle. Am 8. September 1948 wurde die erste Gemeinderatswahl der Nachkriegszeit durchgeführt.

Berkas Entwicklung in der DDR[Bearbeiten]

Die 1950er Jahre[Bearbeiten]

Die alte Berkaer Schule
Das Gasthaus Zur Post

Unter den politischen Verhältnissen der DDR erlebte auch die Berkaer Bevölkerung eine radikale Veränderung ihrer Lebensbedingungen: 1950 erfolgte die Gründung der Nationalen Front und die erste (staatliche) Handelseinrichtung HO wurde eröffnet. Die Gründung der Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft (AWG) erfolgte 1957, sie schuf etwa 100 Wohnungen. Es gab aber auch privaten Wohnungsbau: 1956 begann der Eigenheimbau am Heinrich Zille-Weg.

Mit dem Anwachsen der Beschäftigungsmöglichkeiten wurde 1959 die Errichtung des ersten Schulhortes erforderlich. Die Reform der Schulbildung in der DDR setzte auf die polytechnische Ausbildung in der Schule. Die Schule wurde in eine Polytechnische Oberschule überführt. Am 1. April 1959 fand die erste Jugendweihe statt sowie die erste sozialistische Namensgebung, im gleichen Jahr erfolgte die Gründung des Dorfklubs und der Dorfakademie in Berka. Im Gasthaus „Alter Stern" wurde 1953 eine Zweigstelle der Musikschule Eisenach eingerichtet. Die Lebensmittelkarten wurden 1958 abgeschafft. Im gleichen Jahr erfolgte die Gründung des Volkskunstensembles Berka/Werra, die Erschließung eines neuen Sportplatzgeländes und die Erweiterung des Kindergartens durch Anbau, eine Zentralbibliothek wird eröffnet. Die Berkaer Molkerei wurde 1968 um eine Abteilung Käseproduktion erweitert.

Die 1960er und 1970er Jahre[Bearbeiten]

Der Beginn der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaft war 1960 mit der Gründung der ersten LPG verbunden - die Zwangskollektivierung der mehrheitlich bäuerlichen Bevölkerung in den Nachbarorten führte zu einer Absetz- und Fluchtbewegung über die nahe Staatsgrenze. Diese endete 1961 mit dem Mauerbau. Ab 1962 wurde Gerstungen und Berka mit einem erweiterten Omnibusliniennetz versehen, um die in der Region verteilten Arbeitsstätten und Schachtanlagen termingerecht bedienen zu können. Die Errichtung eines neuen Produktionsstandortes der Zigarrenfabrik Treffurt für 60 Frauen und eine Produktionsstätte des VEB Kombinat Fahrzeugelektrik Ruhla erfolgte ab 1970. Das von der Bevölkerung langersehnte Freibad konnte 1968 fertiggestellt und übergeben werden. Es stellt mit seinem Plastikschwimmbecken im Kreisgebiet eine Besonderheit dar.

Für die wachsende Zahl der Senioren und Rentner wurde ein Treffpunkt und zentrale Mittagsversorgung in der Gaststätte Zur Post geschaffen. Das Mehrzweckgebäude am Sportplatz wurde 1977 erweitert und erhielt eine Kegelsportanlage. 1977 entstand der Zweigbetrieb des VEB Elektrotechnik Eisenach, und 1978 wurde die Produktionsanlage der Berkaer Molkerei erweitert.

Die Bildung des Gemeindeverbandes Berka/Werra erfolgte 1978, er bestand aus 11 Gemeinden und hatte 12250 Einwohner. Die Gesamtfläche betrug 106,7 km², davon wurden 52,03 km² als landwirtschaftliche Nutzfläche ausgewiesen. Für die Lehrlingsausbildung wurden Räume in der ehemaligen Schachtanlage Alexandershall bereitgestellt, jährlich wurden bis zu 560 Schüler aus den 5 Schulen des Gemeindeverbandes hier betreut. Die Baumaßnahmen am Saaldes Berkaer Felsenkeller wurden abgeschlossen.

Die 1980er Jahre[Bearbeiten]

An der POS Berka/Werra wurde 1981 ein Jugendblasorchester gegründet, in dem der Nachwuchs für die Stadtkapelle gebildet und erzogen wurde. Zur Förderung des Sports wurde am 1. September 1983 die neue Schulsporthalle übergeben. Erstmals seit vielen Jahren nisteten in Berka/Werra wieder Störche, die 1985 sogar 2 Junge aufzogen. Im Neubaugebiet Heinrich Zille-Weg wurde 1985 mit dem Bau der ersten Reihenhäuser begonnen. Bei einer 1985 erfolgten Sanierung wurden im denkmalgeschützten Untertor alte Dokumente im Turmknopf festgestellt, ergänzt und sorgfältig wieder eingebaut.

Gegenwart[Bearbeiten]

Berka/Werra im Herbst 2008

Berka/Werra verfügt über sehr günstige Verkehrsanbindungen und wurde deshalb als Dienstleistungs- und Logistikzentrum in der Regionalplanung des Wartburgkreises vorgesehen. Am Stadtrand entstand ein modernes Einkaufs- und Versorgungszentrum sowie ein Industriegebiet.

Eingemeindungen[8][9][10][Bearbeiten]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Abteroda 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Vitzeroda
Auenheim-Rienau 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Horschlitt
Fernbreitenbach 18. März 1994
Gasteroda 1. Juli 1950 Eingemeindung nach Vitzeroda
Gospenroda 18. März 1994
Herda 18. März 1994
Horschlitt 18. März 1994
Vitzeroda 18. März 1994
Wünschensuhl 28. Juli 1995

Wappen[Bearbeiten]

Ein Siegel aus dem 17. Jh. zeigt drei Türme dicht nebeneinander stehend mit merklich überhöhtem mittlerem Turm; seit Anfang des 19. Jh. sind die Türme gleich hoch. Sie werden als die drei ehemaligen Stadttore gedeutet. Die Kreuze auf den Türmen könnten auf die Zugehörigkeit zum Kloster Hersfeld hinweisen. Das Wappen wurde der Stadt mit der Vergabe des Stadtrechtes 1847 verliehen; später in der Tinktur verändert. 1972 wurde das Stadtwappen "aktualisiert": Die Kreuze wurden von den Türmen entfernt, und das nun geteilte Wappen wurde im unteren Teil nochmals gespalten und mit dem Zeichen des Bergmannes sowie dem Symbol der Werra versehen [11]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirche[Bearbeiten]

Die Kirche

Die Kirche in Berka/Werra befindet sich am südlichen Stadtrand auf dem Hochufer der Werra. Die Kirche besteht aus dem 1439 erbauten Juliusturm mit einer achteckigen Haube mit vier Ecktürmchen und dem 1616 neu erbauten Kirchenschiff. Der im Erdgeschoss befindliche Chor hat ein Kreuzgewölbe aus dem 15. Jahrhundert. Das Langhaus wurde im Stil der Renaissance gehalten. Reich verziert ist die barocke Kanzel und die bemalte hölzerne Tonnendecke. In Berka/Werra lebte die in der Region tätige Kirchenmaler-Familie Wahnes, die auch die Ausmalung der Untersuhler Kirche übernahm. Die Kirche war mit weiteren Türmen und Mauern versehen und galt als Kirchenburg. Die Befestigungen wurden mit der Anlage der Dippacher Straße im 19. Jahrhundert abgetragen.

Der alte Stern[Bearbeiten]

Das spätgotische Haus im Stadtzentrum war der älteste Gasthof Berkas. Sein bedeutendster Besucher war Martin Luther, doch rasteten hier auch Könige und Landesfürsten. Das Gebäude verfügt über einen steinernen Sockelbau und einen Fachwerkaufsatz mit Steildach. Im 18. Jahrhundert war darin das hessische Amtshaus untergebracht, das Gasthaus wurde in den Neubau Zum goldenen Stern verlegt, welcher 1764 eröffnet wurde.[12]

Storchenbäckerei[Bearbeiten]

Auch das als Storchenbäckerei bekannte reich geschmückte Fachwerkhaus in der Nähe des Rathauses war ein Amtshaus und diente ursprünglich der Verwaltung und dem Handel. Zeitweise befand sich darin die Apotheke. Die jetzt im Thüringer Museum in Eisenach ausgestellte Berkaer Stadtapotheke - ist die im Original erhaltene Ausstattung des 19. Jahrhunderts. Von 1354 bis 1742 war dort der hersfeldische und ab 1648 der hessische Vogt, der das Amt gemeinschaftlich mit dem sächsischen Amtmann von Hausbreitenbach verwaltete.

Untertor[Bearbeiten]

Von den drei überlieferten Toren blieb nur das Untertor im Norden der Altstadt erhalten. Es ist das Wahrzeichen der Stadt Berka/Werra.

Die Storchenbäckerei
Das Untertor

Vereine[Bearbeiten]

Fünf Funkamateure aus dem Stadtteil Horschlitt bilden den Kern der Deutschen Nationalmannschaft und betreiben als Verein Morse-Funkstationen. Seit 1996 wurden bereits 9 Weltmeistertitel in der International Amateur Radio Union (IARU) erkämpft und gegen 30 Nationalmannschaften und tausende Funkamateure verteidigt. Die Horschlitter Amateure haben sich auf Telegrafie im 160-Meter-Band (Mittelwelle) spezialisiert.[13]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat in Berka/Werra setzt sich aus 16 Ratsmitgliedern zusammen.

  • CDU: 4 Sitze
  • FVB : 2 Sitze
  • Freie Wählergemeinschaft (FWG) : 10 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)[14]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bei der Bürgermeisterwahl am 22. April 2012 traten acht Kandidaten an. René Weißheit (Freie Wählergemeinschaft Berka) erzielte bei mäßiger Wahlbeteiligung 1150 Stimmen und damit 92,7 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen.[15]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Berka/Werra verfügt über sehr günstige Verkehrsanbindungen und wurde deshalb als Dienstleistungs- und Logistikzentrum in der Regionalplanung des Wartburgkreises vorgesehen. Es entstanden die Gewerbegebiete Auf der Dornenhecke in Berka/Werra und An der Straße in Herda. In den Stadtteilen befinden sich Argrargenossenschaften, traditioneller Schwerpunkt ist die Weidewirtschaft zur Milcherzeugung. Der inzwischen hochtechnisierte Kali-Bergbau ist noch in der Nachbarstadt Heringen präsent.

Ortsansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Das Wasserkraftwerk an der Werra
Kanuvermietung an der Mühle
  • H. Leiter Leergutlogistik Center Berka GmbH - hier startete 2008 die modernste Getränke-Flaschen-sortieranlage in Deutschland.
  • Schlecker-Logistikzentrum, Herda
  • P-Well GmbH - Kartonagenfabrik, Berka/Werra
  • Hasselmann GmbH,-Kabeltiefbau- Tiefbau Berka/Werra
  • Wina. G Windkraftanlagen GmbH Windkraftanlage Berka/Werra
  • Wasserkraftanlage Berka/Werra
Datenquelle: http://www.bundesfirmenregister.de/

Tourismus[Bearbeiten]

Durch die gute touristische Infrastruktur sind die Mitgliedsgemeinden Ausgangspunkt für erholsame Wanderungen, z.B. auf dem Sallmannshäuser Rennsteig, und Kanufahrten auf der Werra (Jeder Ort hat einen Bootsanleger, Umtragestellen an den Wehren wurden errichtet). Die Stadt Berka/Werra hat Anbindung an den Werratal-Radweg und den Themenwanderweges Grünes Band entlang der Landesgrenze.

Verkehr[Bearbeiten]

Die nächstgelegene Anschlussstelle 36 (Gerstungen) der A 4 befindet sich im zwei Kilometer entfernten Gerstungen. Ein Abschnitt der Thüringer Bahn Eisenach – Bebra wartet mit den nahen Haltepunkten in Gerstungen und Obersuhl auf. Diese Bahnstrecke wurde vor dem Zweiten Weltkrieg im Abschnitt Bebra- Gerstungen um zahlreiche Gleisanschlüsse für die im Werratal befindlichen Kaliförderschächte erweitert, der ehemalige Bahnhof von Berka/Werra befand sich in Grenznähe und wurde nach dem Krieg stillgelegt.

Nach Berka/Werra verkehren folgende Buslinien der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH [16]

Linie Fahrstrecke
L-52 EisenachMarksuhl - Berka/Werra - Dippach - DankmarshausenGroßensee
L-61 Bad SalzungenDorndorf - Berka/Werra - Dippach - Dankmarshausen
L-64 Gerstungen – Berka/Werra - Horschlitt - Vitzeroda
L-65 Gerstungen – Berka/Werra - Dippach - DankmarshausenGroßensee

Literatur[Bearbeiten]

  •  Reiner Guth: 786 bis 2011. 1225 Jahre Berka an der Werra. Von den Anfängen bis zur Gegenwart (Chronik). Druckerei Erb, Geisa 2010, S. 344.
  • Stadtverwaltung (Herausgeber) Festschrift 1200 Jahre Berka/Werra. 1986

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Statistisches Jahrbuch
  3. Thüringer Landesvermessungsamt Wartburgkreis und Kreisfreie Stadt Eisenach, Erfurt 2002, ISBN 3-86140-250-5
  4.  Geyer, Jahne, Storch: Geologische Sehenswürdigkeiten des Wartburgkreises und der kreisfreien Stadt Eisenach. In: Landratsamt Wartburgkreis, Untere Naturschutzbehörde (Hrsg.): Naturschutz im Wartburgkreis. Heft 8, Druck- und Verlagshaus Frisch, Eisenach und Bad Salzungen 1999, ISBN 3-9806811-1-4, S. 105–108.
  5. Festschrift 1200 Jahre Berka/Werra. 1986
  6. Ortschronik der Gemeinde Herda
  7. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 318, ISBN 3-88864-343-0
  8. Thüringer Verordnung über die Auflösung der Gemeinden Fernbreitenbach, Gospenroda, Herda, Horschlitt und Vitzeroda und ihre Eingliederung in die Stadt Berka/Werra vom 16. Februar 1994 (GVBl S. 288)
  9. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  10. Destatis.de: Gebietsänderungen vom 01.01. - 31.12.1995 (Jahr) (XLS-Datei; 142 KiB)
  11. Hartmut Ulle Thüringer Wappenbuch - Arbeitsgemeinschaft Genealogie e.V.(Herausgeber).
  12. Oberkonserv. Schleiff: Das Fachwerk des Eisenacher Landes In: Heimatblätter des Eisenacher Landes EP-Report 2, S. 39, ISBN 3-924269-94-7
  13. Linda Eder:WM-Helden aus Hoschlitt. In: Eisenacher Allgemeine, Lokalseite Eisenach, vom 15. Juli 2008
  14. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 7. Juni 2009. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 28. Juni 2009 (PDF; 1,9 MB).
  15. Wahlergebnis der Bürgermeisterwahl 2012 in Berka/Werra, Stadt. Büro des Landeswahlleiters, 22. April 2010, abgerufen am 23. April 2012: „Wahlberechtigte: 3702; Wähler: 1398; Wahlbeteiligung: 37,8 %; Ungültige Stimmen 153; Gültige Stimmen 1245.“
  16. Fahrplan der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Berka/Werra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien