Brice Hortefeux

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Brice Hortefeux, 2014

Brice Hortefeux (* 11. Mai 1958 in Neuilly-sur-Seine) ist ein französischer Politiker (UMP) und Mitglied des Europäischen Parlaments. Zuvor war er unter anderem vom 23. Juni 2009 bis 27. Februar 2011 Innenminister in der Regierung unter der Führung von Premierminister François Fillon.

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Hortefeux wurde als Sohn eines Bankiers und einer Geschichtslehrerin in dem Pariser Vorort Neuilly-sur-Seine geboren. 1982 schloss er sein Studium des Privatrechts ab, 1984 im Öffentlichen Recht. Das Institut d’études politiques de Paris (IEP) in Paris verließ er 1986 ohne Diplom, als er die Zugangsprüfung für die staatliche Verwaltungslaufbahn eines Administrateur territorial erfolgreich passiert hatte und in das Straßburger Institut national des études territoriales eintrat.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

Von 1986 bis 1993 war er als Staatsbeamter tätig, von 1993 bis 1995 wurde er Bürochef beim damaligen Haushaltsminister Nicolas Sarkozy. Später wurde er Präfekt und von 1998 bis 1999 Leitender Beamter im Büro des Senatspräsidenten.

1992 wurde er in den Regionalrat der Auvergne gewählt, wo er von 1998 bis 2004 als Vorsitzender der Budgetkommission amtierte. Bereits seit 1991 ist er Sekretär der konservativen Partei RPR im Départment Puy-de-Dôme, seit 1998 in Vorstandsfunktionen dieser Partei. In der Nachfolgepartei UMP übernahm er den Vorsitz im Département, und 2004 wurde er stellvertretender Generalsekretär der Gesamtpartei. 2007 gehörte er zur Interims-Parteiführung, als Sarkozy nach seiner Wahl zum Staatspräsidenten den Parteivorsitz niederlegte. Seit Oktober 2008 ist Hortefeux Sekretär der UMP für die Vorbereitung der Wahlen.

Im September 1999 zog er als Nachrücker für Nicolas Sarkozy in das Europäische Parlament ein, der sein bei der Europawahl im Juni 1999 gewonnenes Mandat schon nach wenigen Monaten wieder abgab. Auch bei der Europawahl 2004 wurde Hortefeux ins Europäische Parlament gewählt. Nachdem er im Juni 2005 als stellvertretender Minister für die Territorialverwaltung ins Innenministerium eintrat, legte er sein Mandat als Europaparlamentarier nieder.

In der Regierung von Premierminister François Fillon wurde er im Mai 2007 Minister für Einwanderung, Integration, nationale Identität und Entwicklungshilfe. Vom 15. Januar 2009 war Hortefeux Minister für Arbeit, Soziale Beziehungen, Familie, Solidarität und für Stadtpolitik in der Regierung von François Fillon und wechselte am 23. Juni 2009 bei einer Kabinettsumbildung in das Innenministerium.[1] Aus diesem Amt schied er bei einer erneuten Kabinettsumbildung am 27. Februar 2011 aus.[2]

Bei der Europawahl in Frankreich 2009 gewann Hortefeux erneut einen Sitz im Europäischen Parlament, trat das Mandat jedoch zunächst nicht an, um weiter in der französischen Regierung zu bleiben. An seiner Stelle übernahm Catherine Soullie den Sitz. Nach Hortefeux' Ausscheiden aus dem französischen Kabinett erklärte jedoch Soullie ihren Verzicht auf das Mandat, sodass Hortefeux am 24. März 2011 wiederum als Nachrücker in das Parlament einzog. Dort ist er Mitglied im Ausschuss für regionale Entwicklung.[3]

Kontroversen[Bearbeiten]

Während des Sommercamps 2009 der UMP in Seignosse erklärte Hortefeux gegenüber einem jungen Parteimitglied maghrebinischer Herkunft, dieser entspreche nicht dem „Prototyp“. Er fügte hinzu, dass die Anwesenheit eines solchen Menschen nicht schlimm sei, es jedoch zu Problemen komme, wenn es viele seien („Quand il y en a un, ça va. C'est quand il y en a beaucoup qu'il y a des problèmes“). Vom Innenminister unbemerkt, wurde diese Aussage durch ein Filmteam festgehalten und das Video auf der Internetseite der Tageszeitung Le Monde veröffentlicht.[4] Hortefeux versuchte mehrmals den aufkommenden Rassismus-Vorwürfen entgegenzuwirken, indem er letztendlich behauptete, er habe sich nicht auf die ethnische Herkunft der Person bezogen und die Bemerkung richtete sich scherzhaft gegen die Bewohner der Auvergne. Dennoch verurteilte ihn ein französisches Gericht am 4. Juni 2010 wegen rassistischer Beleidigung (injure raciale) zu einer Geldstrafe von 750 Euro. Nie zuvor wurde ein Minister der Fünften Republik wegen dieses Tatbestands verurteilt.[5]

Privates[Bearbeiten]

Seit 1976 gehört Brice Hortefeux zu den engsten Vertrauten Nicolas Sarkozys. So trat er unter anderem als Trauzeuge bei Sarkozys erster Heirat und als Taufpate einer seiner Söhne auf. In der französischen Presse wurde ihm das Attribut „le porte-flingue“ (etwa: Kofferträger) von Nicolas Sarkozy verliehen.

Werke[Bearbeiten]

  • Mit André Levôtre: Jardin à la française - Plaidoyer pour une république de proximité. Paris 2003.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brice Hortefeux, homme du président, à l'Intérieur, Libération.fr vom 23. Juni 2009
  2. Regierungsumbildung in Frankreich im Februar 2011. Abgerufen am 28. Februar 2011.
  3. Website des Europäischen Parlaments
  4. Le dérapage de Brice Hortefeux à l'université d'été de l'UMP, LeMonde.fr vom 10. September 2009
  5. Brice Hortefeux condamné à une amende pour injure raciale, Nouvelobs.com vom 4. Juni 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Philippe Reinhard: Brice Hortefeux le mécano de Sarko. Paris 2007.

Weblinks[Bearbeiten]