Hervé Morin

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Hervé Morin im Januar 2008

Hervé Morin (* 17. August 1961 in Pont-Audemer, Département Eure) ist ein französischer Politiker (NC, ehemals UDF). Er war vom 18. Mai 2007 bis 14. November 2010 Verteidigungsminister in der Regierung von François Fillon.

Biografie[Bearbeiten]

Familie und Ausbildung[Bearbeiten]

Hervé Morin ist tief in der ländlichen Normandie verwurzelt. André Cardine, sein Großvater mütterlicherseits war Landwirt und mehr als 30 Jahre lang Bürgermeister von Fatouville-Grestain (Kanton Beuzeville/Eure); Landwirt war auch sein Großvater väterlicherseits. Sein Vater, Jacques Morin, betrieb zwar ein Bauunternehmen, aber seine eigentliche Leidenschaft war die Landwirtschaft und die Tierzucht. Hervé Morin verbringt seine Kindheit in Épaignes, einer kleinen Gemeinde mit etwas mehr als 1 000 Einwohnern, rd. 11 Kilometer südwestlich seiner Geburtsstadt Pont-Audemer gelegen. Morin geht hier zur Schule, zunächst zum Collège de Cormeilles, dann zum Lycée (Gymnasium) de Deauville und zur École Jeanne d’Arc. Ursprünglich hat Hervé Morin die Absicht den landwirtschaftlichen Betrieb der Familie in Fatouville-Grestain zu übernehmen, doch sein Vater drängt ihn einen anderen Weg einzuschlagen. So nimmt er nach dem Schulabschluss ein Jurastudium, zunächst an der Université de Caen Basse-Normandie, dann an der Université Paris Descartes/Paris Université V auf. Er bekommt ein Diplom am Institut d’études politiques de Paris (IEP), den Magister-Titel (Maîtrise) für öffentliches Recht.

Politische Laufbahn[Bearbeiten]

1987 bis 1993 arbeitet er in der Verwaltung der französischen Nationalversammlung, wird 1993 bis 1995 technischer Berater des damaligen Verteidigungsministers François Léotard (29. März 1993 bis 18. Mai 1995 in der Regierung Édouard Balladur). Parallel dazu wird er (1989 bis 1995) Lehrbeauftragter an der Université Paris Decartes/Paris Université V, erlangt darüber hinaus zahlreiche politische Mandate auf lokaler und regionaler Ebene: Stadtrat seiner Heimatstadt Épaignes (20. März 1989 – 18. Juni 1995), Bürgermeister von Èpaignes (25. Juni 1995 – 18. März 2001; im März 2001 wird er wiedergewählt und hält dieses Amt bis heute - Mandat bis 2008). Präsident der Communauté de communes du Canton de Cormeilles (seit 1995) (s. dazu frz. wiki) Mitglied des Generalrats des Départements Eure (30. März 1992 – 22. März 1998 und 23. März 1998 – 28. März 2004), Mitglied des Regionalrats von Haute-Normandie (seit 2004). Von 1995 bis 1997 ist er die rechte Hand von François Léotard, der im Jahre 1996 Parteivorsitzender der UDF wird. In dieser Zeit lernt er François Bayrou kennen, der 1998, Nachfolger von Léotard, Parteivorsitzender der UDF wird. „Le courant est bien passé entre nous“ („Die Chemie zwischen uns stimmte“), bemerkt er später. In der nachfolgenden Zeit arbeiten die beiden eng zusammen.

Im Jahr 1998 wird er zum ersten Mal Abgeordneter der Nationalversammlung als er für den ausscheidenden Abgeordneten Ladislas Poniatowski in Parlament nachrückt (29. November 1998 bis zum 18. Juni 2002 (Ende der Legislaturperiode). Bei den Wahlen zur französischen Nationalversammlung vom 9. und 16. Juni 2002 wird Morin für die XII. Wahlperiode (2002 – 2007) im 3ème cirsonscription (Wahlbezirk) von Eure als Vertreter der UDF ins französische Parlament gewählt. Auch nach der Gründung der UMP im Jahre 2002 blieb er – im Gegensatz zu zahlreichen anderen Parteimitgliedern, die die UDF verlassen und der UMP beitreten – Mitglied der UDF und wird deren Fraktionsführer in der französischen Nationalversammlung.

Ab dem 18. Mai 2007 war er Verteidigungsminister in der Regierung von François Fillon. Damit bedankte Sarkozy sich bei Hervé Morin dafür, dass dieser nach dem ersten Durchgang der Präsidentschaftswahl, bei der François Bayrou auf 18,57 Prozent der Stimmen kam, die Anhänger des Mitte-Kandidaten weitgehend geschlossen auf seine Seite geführt hatte. Gleichzeitig sollte Morin - ebenso wie Bernard Kouchner - die von Nicolas Sarkozy versprochene „Öffnung“ seines Kabinetts (für Linke und Liberale) symbolisieren. Darüber hinaus war die Vergabe des Ministerpostens an Morin offensichtlich eine Maßnahme, die François Bayrou und der von ihm für die Wahlen zur Nationalversammlung am 10. und 17. Juni 2007 neu gegründete Partei namens „Mouvement Démocrate“ („Demokratische Bewegung“, MoDem) das Wasser abgraben sollte. Morin reagierte auf die Gründung der MoDem mit der Gründung einer eigenen Partei namens „Nouveau Centre“ („Neues Zentrum“, NC), die den rechtsliberalen Flügel der ehemaligen UDF vereinen sollte. Am 10. Juni 2007 wurde er in seinem Wahlkreis als Abgeordneter der Nationalversammlung wiedergewählt.

Bei einer Kabinettsumbildung Fillons Ende 2010 wurden Morin und andere Minister, die dem NC angehörten, aus der Regierung entlassen. Die Partei begann sich daraufhin von Sarkozy und der UMP zu distanzieren; im Januar 2011 kündigte Morin eine neue Kooperation mit der von Jean Arthuis gegründeten „Alliance Centriste“ an, einer weiteren Abspaltung aus der UDF, die schon zuvor in der Opposition gewesen war. Zudem kündigte Morin an, zu der französischen Präsidentschaftswahl 2012 als Kandidat antreten zu wollen.[1]

Hervé Morin ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wiener Zeitung, 28. Januar 2011. Neuer bürgerlicher Zusammenschluss.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hervé Morin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien