Manuel Valls

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Manuel Valls (2012)

Manuel Carlos Valls (* 13. August 1962 in Barcelona, Katalonien, Spanien) ist ein französischer Politiker spanisch-schweizerischer Abstammung der Parti socialiste (PS) und seit 31. März 2014 Premierminister der Französischen Republik.

Leben[Bearbeiten]

Manuel Valls ist der Sohn des katalanischen Malers Xavier Valls (1923 - 2006) und dessen Ehefrau, der Schweizer Erzieherin Luisangela Galfetti (* 1940 in Ludiano, Valle di Blenio, Tessin, Schweiz. [1] Sein Ur-Großvater (väterlicherseits), Jose(p) Maria Valls (i Visens) (1854 – 1907) war Bankier. Gemeinsam mit seinem Bruder Agusti übernahm er die schon von seinem Vater gegründete Bank Pons i Valls. Zugleich war er schriftstellerisch tätig, veröffentlichte Dramen, Gedichte, Romane. [2] Sein Großvater (väterlicherseits), Magí Valls (i Marti) (1885 – 1970) übernahm die o.g. Bank, die 1920, im Verlauf einer Krise der Textilwirtschaft in Katalonien unterging. [3] [4] [5] Sein Großvater (mütterlicherseits), Ugo Galfetti (1905 – 1972), wanderte nach Freetown, der Hauptstadt den heutigen Sierra Leone aus, ließ sich in Rokupr (im Nordwesten von Sierra Leone / Nähe von Kambia) nieder und handelte – gemeinsam mit seinem ebenfalls nach Sierra Leone ausgewanderten Bruder Plinio - zunächst mit Kolonialwaren, Reis, Textilien, Maschinen, Eisen, erlangte später mit dem Handel von Gold ein Vermögen...., und verbrachte 40 Jahre in Afrika, bevor er in die Schweiz zurückkehrte und sich in Ludiano, Tessin niederließ.[6] [7] Der Bruder seiner Mutter (sein Onkel) ist der renommierte Schweizer Architekt Aurelio Galfetti.

Manuel Valls verbrachte, gemeinsam mit seiner jüngeren Schwester Giovanna (* 1963), viel Zeit seiner Kindheit bei seinen Großeltern (mütterlicherseits), Ugo Galfetti (s.o.) und Alban (1906 – 1995) in Ludiano, Tessin, Schweiz. In einem Interview mit Swissinfo erklärte er:

„J'ai passé de longues périodes de vacances à Pâques ou pendant l'été notamment dans le Tessin bien évidemment où mes grands-parents habitaient, à Biasca, ou à Ludiano... Ma grand-mère nous accueillait. J'aimais beaucoup les balades, les dîners dans les grotti (petits restaurants typiques tessinois), les petites chapelles le long des chemins de montagne... J'essaie de passer en Suisse de temps en temps, voir le cimetière de mes grands-parents. Cette région est toujours présente dans ma mémoire, comme une musique douce, agréable, familiale..." [8] [9]

„Ich habe viel Zeit während der Osterferien oder im Sommer im Tessin verbracht, in Biasca oder in Ludiano, wo meine Großeltern lebten ... Meine Grossmutter empfing uns. Ich liebte die Erzählungen, die Spaziergänge, die Abendessen in den ‚Grotti’ [typische Tessiner Restaurants], die kleinen Kapellen entlang der Bergwege. ... Ich reise gerne ab und zu in die Schweiz, um das Grab meiner Grosseltern zu besuchen. Diese Region ist immer in meinem Gedächtnis, wie eine sanfte, angenehme, vertraute Melodie....“

Aufgrund seines familiären Hintergrunds wuchs Manuel Valls viersprachig (Französisch, Italienisch, Katalanisch, Spanisch) im links orientierten Pariser Intellektuellenmilieu auf.[10]

Valls studierte Geschichte an der Sorbonne. 1982 erhielt er die französische Staatsbürgerschaft.

Politik[Bearbeiten]

Mit 17 Jahren trat er aus Bewunderung für Michel Rocard dem Parti socialiste (PS) bei.[11]

Von 2001 bis 2012 war er Bürgermeister der Stadt Évry im Pariser Umland[12] und von 2002 bis 2012 Abgeordneter des Départments Essonne in der Nationalversammlung. Er legte gemäß Artikel 23 der französischen Verfassung seinen Parlamentssitz nieder, als er zum Regierungsmitglied ernannt wurde.[13] Valls hatte zuvor in verschiedenen Funktionen als Berater in der Regierung Lionel Jospins mitgewirkt.

Valls wird dem rechten bzw. zentristischen Flügel der Partei zugeordnet; er selbst bezeichnete sich als „blairistisch“ und „clintonianisch“. So forderte er unter anderem eine Abkehr vom Begriff des Sozialismus im Parteiprogramm, kritisierte die Umverteilung und überhöhte staatliche Transferleistungen. Als Bürgermeister einer Gemeinde mit einem hohen Anteil an Einwanderern vor allem aus Nordafrika und Schwarzafrika forderte er von diesen stärkere Integrationsbemühungen. Für diese Positionen erntete er heftige Kritik von Teilen der Partei. Die Parteivorsitzende Martine Aubry legte Valls in einem offenen Brief den Parteiaustritt nahe, da derartige Interventionen der Partei schadeten und seine Positionen nicht die der Partei seien. Valls dagegen bekräftigte, in der Partei bleiben zu wollen.

Im Herbst 2011 kandidierte Valls bei den Vorwahlen des Parti Socialiste für die Präsidentschaftswahl 2012, schied aber mit 6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang aus. Vor der Stichwahl am 16. Oktober sprach er sich für François Hollande aus.[14] Seit dem 16. Mai 2012 war er Innenminister. Nach dem Rücktritt von Jean-Marc Ayrault am 31. März 2014 ernannte Präsident Hollande Manuel Valls zu dessen Nachfolger im Amt des Premierministers. Am 25. August 2014 reichte Valls den Rücktritt der Regierung ein und wurde umgehend mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt.

Valls zählt zu den führenden Vertretern des „rechten“, d.h. pragmatisch-sozialliberal ausgerichteten Parteiflügels. In einem Interview forderte er im Oktober 2014 die Bildung einer breiten politischen Bewegung aller progressiven Kräfte und kritisierte die Befürworter einer traditionellen sozialistischen Politik scharf: „Es muss Schluss sein mit einer ewiggestrigen Linken, die sich an einer längst vergangenen und nostalgischen Zeit festhält, geplagt von einem marxistischen Über-Ich“.[15]

Privates[Bearbeiten]

Valls heiratete 1987 in erster Ehe Nathalie Soulié. Das Paar bekam vier Kinder: Benjamin (*1991), Ugo (*1993) und die Zwillinge Joachim et Alice. Seit 2010 ist er in zweiter Ehe mit der Violinistin Anne Gravoin verheiratet. [16]

Schriften[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Manuel Valls – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Munzinger: Manuel Valls
  2. Geni (My Heritage): Josep Maria Valls i Visens
  3. Généalogie 31. März 2014: Les origines de Manuel Valls, entre banquiers et artistes
  4. Geni (My Heritage): Magi Valls i Marti
  5. Emmanuel Ratier: Le vrai visage de Manuel Valls, S. 8f.
  6. Geni (My Heritag): Ugo Galfetti
  7. Didier Ruef: Portrait of Ugo Galfetti
  8. Tribune de Genève 1. April 2014: Manuel Valls reste discret sur ses origines suisses
  9. Bilan 1. April 2014: La famille suisse de Manuel Valls
  10. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. April 2014. S. 8.
  11. Frankfurter Allgemeine Zeitung, a.a.O.
  12. Angaben zum Nachfolger auf der Seite der Stadt Évry (frz.), abgerufen am 10. September 2013
  13. Verfassungstext (deutsch) auf der Seite der französischen Nationalversammlung, abgerufen am 10. September 2013
  14. L.EQ.: Montebourg votera pour Hollande «à titre exclusivement personnel». Libération, 14. Oktober 2011, abgerufen am 16. Oktober 2011 (französisch).
  15. Valls: "Schluss mit einer ewiggestrigen Linken" Die Presse, 23. Oktober 2014
  16. Die gefeierte und vorlaute Frau des Premiers Basler Zeitung Online abgerufen am 17. April 2014