Rachida Dati

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Rachida Dati (2007)

Rachida Dati (* 27. November 1965 in Saint-Rémy, Saône-et-Loire) ist eine französische Politikerin der UMP. Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 war sie Sprecherin des Kandidaten Nicolas Sarkozy, von 2007 bis 2009 Justizministerin in der Regierung von François Fillon. Seitdem ist sie Europaabgeordnete.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Rachida Dati wuchs als zweitältestes von elf Kindern eines marokkanischen Maurers und einer algerischen Mutter in einer Sozialbausiedlung von Chalon-sur-Saône auf, der größten Stadt des Départements Saône-et-Loire. Dort ging sie auf eine private, vom Karmeliterorden geführte katholische Schule. Um die Familie zu unterstützen, begleitete sie ihre Mutter als Reinigungskraft, dann arbeitete sie nachts als Hilfsschwester, während sie sich auf das Baccalauréat (Abitur) vorbereitete.

1987 traf sie auf einem Empfang in der algerischen Botschaft den damaligen Justizminister Albin Chalandon. Er verschaffte ihr zur Finanzierung des wirtschaftswissenschaftlichen Studiums eine Stelle als Buchhalterin bei Elf Aquitaine.[1] Ihr Masterdiplom für öffentliches Recht erhielt sie nach einjährigem Studium, weil sie ihre berufliche Erfahrung geltend machen konnte.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Nach dem Studium arbeitete Rachida Dati zunächst ab 1990 in der Revision beim Matra-Konzern, 1993 ein Jahr lang in London bei der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE), auch dort in der Revisionsabteilung. Ab 1994 war sie in einer betriebswirtschaftlichen Funktion innerhalb der Abteilung für städtische Entwicklung des französischen Wasserversorgers Lyonnaise des Eaux und als Beraterin der juristischen Abteilung im französischen Bildungsministerium tätig.

Auf Anraten von Simone Veil absolvierte sie von 1997 bis 1999 die Ausbildung an Frankreichs nationaler Hochschule für das Richteramt (École nationale de la magistrature) und arbeitete dann bei der Staatsanwaltschaft in Évry.

Politische Karriere[Bearbeiten]

2002 wurde Rachida Dati Mitarbeiterin im Büro des damaligen Innenministers Nicolas Sarkozy, der sie zur Beraterin für Einwanderungsfragen machte. 2006 trat sie seiner Partei UMP bei. Als Sarkozy im Januar 2007 seine Präsidentschaftskandidatur bekanntgab, ernannte er sie zur Sprecherin seiner Wahlkampagne. Diese Ernennung geschah auch mit Unterstützung der damaligen Ehefrau von Sarkozy, Cécilia Ciganer-Albéniz, die mit Dati eng befreundet war.[1]

Nach Sarkozys Wahlsieg wurde Dati Justizministerin. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie erst fünf Jahre juristische Berufserfahrung als Untersuchungsrichterin und stellvertretende Staatsanwältin.[2] Dati war damit in Frankreich die erste Person arabischer Herkunft, die einen Ministerposten einnahm;[3] und dies in einer rechtsgerichteten Regierung:

„La gauche en rêvait, mais c’est la droite qui l’a fait! – „Die Linke hat davon geträumt, aber die Rechte hats getan!““

Frédéric Gerschel[3]

Am 6. Juli 2007 trat Datis Kabinettchef Michel Dobkine nach sieben Wochen Amtszeit aus persönlichen Gründen zurück,[4] vier Tage später verließen drei weitere Untergebene ihr Kabinett. Alles in allem verließen während der ersten Monate sieben Personen das Kabinett. Dati wurde im Juni 2009 im Zuge einer Kabinettsumbildung aus der Regierung entlassen.[5] Sie ist seit der Europawahl 2009 Europaabgeordnete der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten).[6][7]

Als Europaabgeordnete ist Dati Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Währung sowie in der Delegation für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Als Stellvertreterin ist sie im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie sowie in der Delegation für die Beziehungen zur Volksrepublik China.[8]

Rachida Dati ist seit 2008 Bürgermeisterin des 7. Arrondissement von Paris[7]. Sie bewarb sich um die Kandidatur des bürgerlichen Lagers für das Amt der Pariser Bürgermeisterin ab 2014,[9] zog sich jedoch im April 2013 zugunsten von Nathalie Kosciusko-Morizet zurück. Diese sei „von den Medien und vom System“ bereits zur Kandidatin der UMP gekürt worden.[10]

Persönliches[Bearbeiten]

Am 2. Januar 2009 brachte Dati ihre Tochter zur Welt. Besonderes Aufsehen erregte, dass sie den Namen des Vaters nicht nennen wollte. „Mein Privatleben ist kompliziert“, sagte die seit 1992 geschiedene Dati dazu.[11]

Weil sie als marokkanische Staatsangehörige eine uneheliche Tochter hat, eröffnete Adil Fathi, der stellvertretende Strafankläger des Königs Mohammed VI. 2012 in Marokko ein Ermittlungsverfahren gegen sie. Für „unrechtmäßigen Geschlechtsverkehr zwischen Personen unterschiedlichen Geschlechts, die nicht durch die Ehe vereint sind“ sieht das marokkanische Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe von einem Monat bis zu einem Jahr vor .[12]

Ab Oktober 2012 wurde die Frage, wer der Vater sei, erneut in den Medien diskutiert.[13][14] Im Dezember 2012 ordnete das Zivilgericht von Versailles auf Betreiben Datis einen Vaterschaftstest des Unternehmers und Kasinobesitzers Dominique Desseigne an.[15] Er verweigerte den Vaterschaftstest, worauf das Gericht ihn am 7. Oktober 2014 zur Zahlung von Alimenten für das Kind in der Höhe von 2500 Euro pro Monat verurteilte.[16]

Literatur[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

Biografien[Bearbeiten]

Filme[Bearbeiten]

Taly Jaoui, Antoine Vitkine: Rachida Dati, Aufstieg und Fall einer Ikone. TV (45’). 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Rachida Dati – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Stefan Simons: Instrument der Macht. In: Der Spiegel. Nr. 40, 2007 (online).
  2. Aschenputtel aus der Banlieue. In: Rheinischer Merkur, 6. Dezember 2007.
  3. a b Frédéric Gerschel: Une beurette devient ministre de la Justice. Rachida Dati, une ministre très symbolique. Aujourd’hui en France, 19. Mai 2007.
  4. Rückschlag für Sarkozy: Kabinettchef von Rachida Dati geht. In: Liechtensteiner Volksblatt, Onlineausgabe am 7. Juli 2007. Abgerufen am 6. November 2012
  5. Rachida Dati, des réformes et des critiques. Libération.fr, 23. Juni 2009.
  6. Endgültiges Wahlergebnis für die Europawahlen 2009 in Frankreich (PDF; 395 kB).
  7. a b Eintrag zu Rachida Dati in der Abgeordneten-Datenbank des Europäischen Parlaments, abgerufen am 7. November 2012
  8. Website des Europäischen Parlaments
  9. Sophie de Ravinel: Hidalgo, Dati, Jouanno : des femmes à l'assaut de Paris. Le Figaro (online), 4. September 2012, abgerufen am 20. September 2012 (französisch).
  10. Rachida Dati drops out of Paris mayor race. In: The Telegraph. 23. April 2013, abgerufen am 24. April 2013 (englisch).
  11. Baby für Justizministerin Dati – Vater bleibt geheim. Spiegel Online, 2. Januar 2009.
  12. taz: Unrechtmäßiger Geschlechtsverkehr vom 3. Oktober 2012, aufgerufen am 7. Oktober 2012
  13. WAZ: 4. Oktober 2012
  14. Frankfurter Rundschau 8. November 2012: Sex, Lügen und Politik
  15. Rachida Dati zwingt Millionär zu Vaterschaftstest. Die Welt, 4. Dezember 2012, abgerufen am 1. Januar 2013.
  16. Ex-Ministerin erstreitet sich Unterhaltszahlungen. Tagesanzeiger.ch, 7. Oktober 2014, abgerufen am 7. Oktober 2014.