Dirk Niebel

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Dirk Niebel (2011)

Dirk Niebel (* 29. März 1963 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (FDP). Er war von 2005 bis 2009 Generalsekretär der FDP und ist seit 2009 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Kabinett Merkel II.

Inhaltsverzeichnis

Werdegang [Bearbeiten]

Jugend [Bearbeiten]

Niebel wuchs als Sohn einer studierten Lehrerin der Hauswirtschaft in gutbürgerlichen Verhältnissen im Hamburger Stadtteil Blankenese auf.[1][2] Der Vater, Armin Niebel, ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler und ein ehemaliger Rugby-Nationalspieler,[1] verließ die Familie, als er fünf Jahre alt war.[3] Nach dem Erwerb der Mittleren Reife an der Realschule Dockenhuden und anschließender Fachhochschulreife 1983 an einem Fachgymnasium in Hamburg-Bahrenfeld lebte Niebel ein Jahr lang als freiwilliger Helfer in einem Kibbuz in Israel.[4][5] Dort arbeitete er in der Landwirtschaft und in der Fischzucht.[6] Bereits während der Schulzeit 1982 verbrachte er seine Ferien in dem israelischen Kibbuz Kfar Giladi in der Nähe der libanesischen Grenze.[3]

Studium und Beruf [Bearbeiten]

Von 1983 bis 1991 diente Niebel als Soldat auf Zeit. Er absolvierte 1986 den Unteroffizierslehrgang und anschließend einen Stabsdienst-Lehrgang in Sonthofen. Beim Feldwebellehrgang Fallschirmjäger in Altenstadt 1988 schloss er als Jahrgangsbester ab.[7] Zuletzt war er Zugführer eines Aufklärungs- und Erkundungszuges bei den Fallschirmjägern der Luftlandebrigade 25 „Schwarzwald“ in Calw. Er wurde als Oberfeldwebel aus dem aktiven Dienst entlassen und nach mehreren Wehrübungen (u.a. beim Standortkommando Berlin) 2008 durch Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung zum Hauptmann der Reserve befördert. Seit 2004 ist er bei der Division Spezielle Operationen in Regensburg mob-beordert und als Verbindungsoffizier zur Luftlandebrigade 26 in Saarlouis eingesetzt.[8]

Ab 1990 studierte er Verwaltungswesen am Fachbereich Arbeitsverwaltung der Fachhochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung und schloss 1993 als Diplom-Verwaltungswirt (FH) ab.[3] Von 1993 bis 1998 war er als Arbeitsvermittler im gehobenen Dienst in einer Geschäftsstelle des Arbeitsamtes Heidelberg in Sinsheim tätig. Zuletzt hatte er die Amtsbezeichnung eines Verwaltungsoberinspektors inne.[9]

Partei [Bearbeiten]

Als Schüler wurde Niebel 1977 Mitglied der Jungen Union und 1979 auch der CDU, die er beide 1981 wieder verließ. 1990 trat er in die FDP/DVP ein und war Gründungsmitglied des Kreisverbands Heidelberg der Jungen Liberalen. Seit 2003 gehört Niebel dem Bundesvorstand der FDP und dem Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung an. Am 5. Mai 2005 wählte ihn der Bundesparteitag auf Vorschlag von Guido Westerwelle mit 92,4 % der Stimmen zum Generalsekretär der FDP.

Niebel tritt für eine radikale Reform der Bundesagentur für Arbeit ein. Nach seinen Vorstellungen sollte die Bundesagentur nur noch für die Verwaltung und Auszahlung der Versicherungsleistungen der Arbeitslosenversicherung zuständig sein.

Niebel wurde auf dem 62. FDP-Bundesparteitag im April 2011 als Beisitzer in das Präsidium der FDP gewählt.[10] Auf dem 64. FDP-Bundesparteitag am 9. und 10. März 2013 wurde Niebel nicht wiedergewählt.[11] Sein Nachfolger im Amt des Beisitzers wurde Wolfgang Kubicki.[12]

Abgeordneter [Bearbeiten]

Von 2004 bis 2005 gehörte er dem Stadtrat von Heidelberg an. Seit 1998 ist er Mitglied des Deutschen Bundestages. Hier war er von 2002 bis 2005 Vorsitzender der Landesgruppe Baden-Württemberg in der FDP-Bundestagsfraktion und von 1998 bis 2009 Fraktionssprecher für Arbeitsmarktpolitik. Dirk Niebel ist stets über die Landesliste Baden-Württemberg in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2013 wird Niebel die Landesliste der FDP Baden-Württemberg als Spitzenkandidat anführen. [13]

Bundesminister [Bearbeiten]

Niebel übernahm am 28. Oktober 2009 das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Kabinett Merkel II. Während des Wahlkampfes hatte Niebel als FDP-Generalsekretär gemäß dem Wahlprogramm der FDP dafür plädiert, das Ministerium abzuschaffen und die Aufgaben in das Außenministerium einzugliedern.[14] In seiner Schwerpunktsetzung als Minister unterscheidet sich Niebel von seiner Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul, die deutliche Akzente auf die multilaterale Entwicklungszusammenarbeit gelegt hatte, durch eine stärkere Betonung des Aspekts der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, der Wirkungsorientierung und der Einbindung der Privatwirtschaft.[15]

Direkt nach Amtsantritt kündigte Niebel an, die deutsche Entwicklungshilfe für die Volksrepublik China mit der Beendigung der laufenden Programme auslaufen lassen zu wollen, da das Land nun selbst wirtschaftlich stark sei. Neue Förderzusagen wurden nicht mehr gemacht, völkerrechtlich verbindliche Altvorhaben jedoch zu Ende geführt.[16][17][18]

Unter Niebel fusionierten mit Wirkung ab dem 1. Januar 2011 die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), der Deutsche Entwicklungsdienst (DED) und die Weiterbildungsgesellschaft InWEnt zur Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit GmbH (GIZ). Die neue 19.000 Mitarbeiter starke Organisation soll 700 normale Planstellen weniger, dafür jedoch zwei Geschäftsführer mehr haben als die Einzelorganisationen zuvor.[19][20] Der Stellenplan des Bundes wird dadurch netto um 300 Stellen entlastet, obwohl die Zahl der Stellen im Ministerium selbst erhöht wurde. Die zusätzlichen Stellen im BMZ, die auch der Außenstruktur in den Kooperationsländern zugutekommen, sollen die politische Steuerungsfähigkeit gegenüber den Durchführungsorganisationen stärken. Die Fusion zur GIZ wird auch von der Opposition als Erfolg gewertet.[21] [22] Im November 2012 eröffnete Niebel das unabhängige Evaluierungsinstitut der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (DEval). Das Evaluierungsinistitut ist in Bonn angesiedelt, hat 38 Planstellen und wird von Professor Helmut Asche geleitet.[23] Die Gründung des Instituts ist Teil der Strukturreform der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, zu der auch die Gründung der Engagement Global gGmbH zu zählen ist. Bereits im Januar 2012 hat das BMZ unter der Leitung Dirk Niebels mit der Engagement Global gGmbH eine einheitliche Anlaufstelle für entwicklungsförderliches Engagement geschaffen.[24]

Kontroversen [Bearbeiten]

Niebels Berufung und Amtsführung wurde wiederholt aus Kreisen der Entwicklungshilfe kritisiert.[25] Er agiere zu wenig im Sinne der Entwicklung der Dritte Welt-Länder, sondern vor allem im Sinne deutscher Wirtschaftsunternehmen.

Der Verfassungsrechtler Hans Herbert von Arnim und der SPD-Bundestagsabgeordnete Sascha Raabe warfen Niebel in Report München vor, im Entwicklungsministerium Vetternwirtschaft bzw. Ämterpatronage für Parteifreunde zu betreiben.[26] Nach der Besetzung der Leitung der Engagement Global gGmbH mit der ehemaligen Oberbürgermeisterin der Stadt Ettlingen, Gabriela Büssemaker, wurde Niebel von Raabe wegen des Verdachts der Untreue angezeigt.[27] Die Staatsanwaltschaft Berlin erklärte die Vorwürfe gegen Niebel für haltlos und entschied, kein Ermittlungsverfahren zu eröffnen.[28]

Im Mai 2013 wurden erneut Vorwürfe gegen Niebel aufgrund seiner Personalpolitik geäußert. So soll er laut dem Fernsehmagazin Monitor seit seinem Amtsantritt mehr als 40 FDP-Mitglieder und -Mitarbeiter eingestellt haben. Der Vorsitzende des Verbandes der Bediensteten der obersten Bundesbehörden (VBOB), Hartwig Schmitt-Königsberg, sprach der Sendung zufolge von einem „beispiellosen Vorgang“.[29]

Im Mai 2012 wurde ein von Niebel in Afghanistan gekaufter Teppich im Dienstflugzeug des Präsidenten des Bundesnachrichtendienstes nach Deutschland eingeführt. Eine Deklaration folgte beim Zoll erst, nachdem Der Spiegel in der Sache recherchiert hatte.[30] Die Opposition, aber auch Bundeskanzlerin Merkel kritisierten Niebels Verhalten.[31] Niebel berief sich darauf, dass Teppiche aus Least Developed Countries wie Afghanistan nicht zollpflichtig seien, bedauerte aber den Fehler. Die angefallene Einfuhrumsatzsteuer werde er nachentrichten.[32] Die Staatsanwaltschaft sah keine Anzeichen für strafrechtlich relevantes Verhalten.[33]

Ehrenamt [Bearbeiten]

Von 1993 bis 1996 war er ehrenamtlicher Richter am Landgericht Heidelberg. Im Jahr 1996 wurde er dann ehrenamtlicher Beisitzer des Ausschusses für Kriegsdienstverweigerung beim Kreiswehrersatzamt Karlsruhe. Darüber hinaus war er von 1999 bis 2004 Mitglied des Kuratoriums des Max-Planck-Institut für Kernphysik. Seit 2000 ist er Vorstandsmitglied der Deutschen Atlantischen Gesellschaft. Von 2003 bis 2009 war er Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und von 2000 bis 2010 Vizepräsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Seit 2009 ist er Schirmherr des Deutschen Rugby-Verbandes (DRV).[34]

Privates [Bearbeiten]

Niebel ist verheiratet und hat drei Söhne (*1993, *1995 und *2000).[35]

Veröffentlichung [Bearbeiten]

  • „Talkshow 2.0 – Vom Selbstgespräch zum Dialog“. In: Sascha Michel/Heiko Girnth (Hgg.): Polit-Talkshows – Bühnen der Macht. Ein Blick hinter die Kulissen. Bonn: Bouvier. 2009. S. 86–92.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Dirk Niebel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Referenzen [Bearbeiten]

  1. a b Kevin P. Hoffmann: [1]. In: Der Tagesspiegel, 17. Januar 2011.
  2. Dirk Niebel im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. a b c Sebastian Christ, Hans Peter Schütz: Entwicklungshilfeministerium. Dirk Niebel, Minister auf Bewährung. In: Stern, 28. Oktober 2009.
  4. Dirk Niebel im Interview - „Ich wusele mich zurecht“; Tagesspiegel; 29. November 2009
  5. Bettina Röhl: Dick war unser Dicki. Cicero Online, 25. Mai 2005.
  6. Dagmar Dehmer, Hans Monath: Interview mit Dirk Niebel. „Ich wusele mich zurecht“. In: Die Zeit, 29. November 2011.
  7. Wolfgang Gieler (Hrsg.): 50 Jahre deutsche Entwicklungszusammenarbeit. Das BMZ von Walter Scheel bis Dirk Niebel. Scientia Bonnensis, Bonn 2011, ISBN 978-3-940766-41-0, S. 226.
  8. Beförderung für Dirk Niebel. In: elde 1/2009, S. 22.
  9. Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglieder des Deutsches Bundestages. Band 2: N–Z, Saur, München 2002, ISBN 3-598-23782-0, S. 602.
  10. fdp.de: 62. Bundesparteitag der FDP in Rostock, 13. April 2011. Abgerufen am 11. März 2013
  11. fr-online.de: Niebel aus FDP-Führung abgewählt, 9. März 2013. Abgerufen am 11. März 2013
  12. focus.de: FDP lässt ihre Minister Niebel und Bahr scheitern, 9. März 2013. Abgerufen am 11. März 2013
  13. [2] Merkur Online, abgerufen am 24. Februar 2013
  14. [3] (PDF; 306 kB) Programm der Freien Demokratischen Partei zur Bundestagswahl 2009; Abgerufen am 1. November 2009
  15. Franz Nuscheler im Interview mit der Tagesschau vom 6. September 2012.
  16. China und Indien auf der Streichliste; Deutsche Welle Online; 30. Oktober 2009
  17. Entwicklungshilfe für China; Süddeutsche Zeitung 30. Oktober 2009
  18. China bekommt Millionen für den Klimaschutz; Handelsplatz Online; 17. Dezember 2009
  19. Niebels Wasserkopf; taz; 25. November 2010
  20. Niebel strukturiert Entwicklungshilfe um; RP Online; 16. Dezember 2010
  21. Pressemeldung: Personalstruktur des BMZ; 19. Dezember 2011 und 17. Januar 2012
  22. [4], Süddeutsche Zeitung
  23. http://www.deval.org
  24. http://www.engagement-global.de
  25. “Brot für die Welt” kritisiert FDP-Minister Niebel; Welt Online; 4. Januar 2010
  26.  Hendrik Loven: Rette sich, wer kann: FDP-Personalpolitik in Bundesministerien. In: Report München. 10. Januar 2012
  27. Vorwurf der Untreue - SPD-Abgeordneter zeigt Niebel an; Der Spiegel; 26. Januar 2012; Abgerufen am 28. Januar 2012.
  28. "Vorwürfe haltlos" - Gegen Niebel wird nicht wegen Vetternwirtschaft ermittelt; Focus
  29. Die Zeit: Niebel hat über 40 FDP-Parteifreunde eingestellt, vom 2. Mai 2013
  30. Afghanistan-Souvenir im BND-Jet: Minister Niebels fliegender Teppich. In: Der Spiegel. 6. Juni 2012, abgerufen am 7. Juni 2012.
  31. http://www.zeit.de/politik/deutschland/2012-06/niebel-teppich-merkel
  32. Niebel: Teppich war nicht zollpflichtig Deutschlandradio, 16.Juni 2012. Abgerufen am 18. Juni 2012
  33. Teppich-Affäre ist für Niebel strafrechtlich ausgestanden, tagesschau.de vom 27. Juni 2012
  34. Deutscher Rugby Verband; Abgerufen am 19. November 2009
  35. Lebenslauf Dirk Niebel als Bundesminister BMZ BMZ:Lebenslauf Dirk Niebel