CasaPound

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Fassade der CasaPound

CasaPound ist eine nationalistisch-rechtsextreme Bewegung in Italien, die dem italienischen Faschismus nahesteht. Im Namen beziehen sich die Gründer auf den Schriftsteller Ezra Pound, einen Anhänger Mussolinis.

Geschichte[Bearbeiten]

CasaPound wurde 2003 gegründet. Dabei wurde ein Gebäude direkt in der römischen Innenstadt im Migrantenviertel Esquilino, nahe dem Kapitol, besetzt. Das Gebäude gehört der Stadt. Die Hausbesetzung wurde mit überhöhten Mietforderungen und dem Kampf gegen die Immobilienspekulation begründet. Als Zeichen wählte die Gruppierung eine stilisierte Schildkröte, da diese ihr Haus immer bei sich trage und die oktogonale Form an die römische Geschichte erinnere. Der Panzer der Schildkröte ist mit einem Symbol verziert, das nach Art eines Vexierbildes an ein Tatzenkreuz erinnert oder aber an vier Pfeile, die auf die Mitte hinweisen.[1]

In nur zwei Jahren wurde aus dem Hausbesetzerprojekt eine soziale Bewegung, die zeitweise um die 1000 Mitglieder in ganz Italien umfasste. Die Hausbesetzer gründeten dort ein neofaschistisches Kulturzentrum mit einem Kulturprogramm, einer Studentenorganisation und wöchentlichen Podiumsdiskussionen. Neben Musikkonzerten aus dem Bereich Rechtsrock verfügt das Kulturzentrum auch über ein eigenes Theater und eine eigene Radiosendung.[2] Mehrere besetzte Häuser sind unter der Kontrolle der CasaPound, sowie Organisationen in italienischen Provinzen, sowie Bars und Buchhandlungen. Die Schüler- und Studentenorganisation "Blocco Studentesco" gibt es mittlerweile in ca. 40 Städten.[3]

Ideologisch ist CasaPound ein loser Zusammenschluss verschiedener rechter beziehungsweise rechtsextremer Ideologien vor dem Hintergrund des Neofaschismus, die in den etablierten rechten Parteien Italiens keinen Raum mehr hat. Dabei verwendet CasaPound Strategien, die gemeinhin der Linken beziehungsweise dem Linksextremismus zugeordnet werden.[2] Eine weitere Grundlage ihrer Ideologie sind die „Intransigenti“ des italienischen Faschismus, die als besonders kompromisslos galten. Gut vernetzt ist das Zentrum zur italienischen Rechtsrock-Szene. Gianluca Iannone der Sänger der italienischen Rechtsrockband Zetazeroalfa zählt zu den organisatorischen Köpfen des Zentrums.[1] Das Konzept sieht eine Verschmelzung von Politik und Kultur vor. Vom Projekt gibt es auch Kontakte in die Fußballszene oder es wird Wohnraum für „rein“ italienische Familien angeboten.[4]

Einen besonderen Stellenwert nimmt die Ästhetik der faschistischen Bewegung ein. CasaPound versucht futuristische Konzepte mit dem Faschismus zu verbinden. Das Konzept wird als „Turbodynamismus“ bezeichnet, der Gewalt als ästhetische Kunstform versteht. Neben brutalen revolutionären Aktionen wird Wert auf Stil und modische Kleidung gelegt. Durch diese Vermischung soll ein neuer Heroismus nach faschistischem Vorbild entstehen, der in der Bevölkerung Sympathien für die rechte Bewegung wecken soll.[1]

Nach Informationen des Historikers Volker Weiß wird das Zentrum „von der Stadtverwaltung geduldet und der römischen Polizei im Zweifelsfall beschützt.“[5]

An den Parlamentswahlen in Italien 2013 nahm CasaPound mit einer eigenen Liste teil.

Wirkung[Bearbeiten]

Laut Spiegel Online soll CasaPound die „ideologische Heimat“ des Attentäters Gianluca Casseri gewesen sein, der am 13. Dezember 2011 in Florenz zwei senegalesische Straßenhändler erschoss, drei weitere verletzte und anschließend auf der Flucht vor der Polizei Selbstmord beging.[6] CasaPound distanzierte sich von dem Attentäter.

Die Idee eines Bildungs- und Kulturzentrum innerhalb der rechten Bewegung wurde in Deutschland von der NPD aufgegriffen. Ebenfalls auf Interesse stieß das Konzept bei den Freien Kameradschaften und den Autonomen Nationalisten, die bereits vorher mit den „National befreiten Zonen“ ähnliche Ideen entwickelten.[5] CasaPound übt darüber hinaus auch Einfluss auf Vertreter der neuen Rechten in Deutschland (etwa die Blaue Narzisse) aus, die sich als Anti-Establishment verstehen und in dem Zentrum einen Vorreiter rechter Jugend- und Subkultur sehen.[7]

Ein ehemaliges Mitglied der Forza Nuova, Alessandro Gardossi, der die Partei Alba Dorata – eine italienische Sektion der griechischen Chrysí Avgí – gegründet hatte, zeigte ebenfalls Interesse für die CasaPound.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  • Regina Wamper, Helmut Kellershohn, Martin Dietzsch: Rechte Diskurspiraterien: Strategien der Aneignung linker Codes, Symbole und Aktionsformen. Unrast Verlag, 2010. ISBN 3897717573.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: CasaPound – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Volker Weiß: Neofaschismus in Italien: Popkulturell anschlussfähig. Frankfurter Rundschau, 3. November 2010, abgerufen am 30. April 2012.
  2. a b Giulia Basile: Mussolinis Enkel – "Casa Pounds" rechte Jugendzentren in Italien, Kulturzeit (3sat) vom 7. März 2011. Online: Text
  3. Neue Rechte auf Italiens Straßen, in: neues-deutschland.de, abgerufen 22. März 2014.
  4. Verstaltungsungstipp zur Casa Pound, in: Publikative.org, abgerufen 5. Mai 2013.
  5. a b Patrick Gensing: Rassistische Morde in Italien: "Casa Pound" - Vorbild für deutsche Neonazis. Tagesschau.de, 14. Dezember 2011, abgerufen am 23. April 2012.
  6. Die kruden Ideen des Signor Casseri, in: Der Spiegel, abgerufen 22. April 2012
  7. Wamper et al. 2010, S. 26.
  8. Golden Dawn Lands in Italy as Race Attacks Increase in Athens ibtimes.co.uk vom 12. November 2012