Dänischer Widerstand

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Der Dänische Widerstand gegen die deutsche Besatzungsmacht im Zweiten Weltkrieg setzte sich aus unterschiedlichen Gruppierungen, Einzelpersonen und deren Umfeld zusammen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er mehr und mehr als Einheit betrachtet. Es wurden illegale Zeitungen hergestellt und verteilt und Sabotageaktionen vorbereitet, es kam zu Attentaten gegen Einzelne.

Bekannte Organisationen waren: Frit Danmark, Dansk Samling, de Frie Danske, Danmarks Kommunistiske Parti, Holger Danske, Borgelige Partisaner (BOPA) und Ringen.

Unbewaffneter Widerstand (1940–1943)[Bearbeiten]

Da die demokratisch zustande gekommene Regierung nach der Besetzung Dänemarks am 9. April 1940 im Amt blieb, gab es für die dänische Bevölkerung nur wenig Grund, gegen die Okkupation zu kämpfen. Deutsche Maßnahmen betrafen die Zensur, das Verbot des Handels mit den Alliierten und die Truppenstationierung. Flugblätter gegen die deutsche Besatzung wurden ab etwa September 1941 verteilt.

Die Zahl dänischer Nationalsozialisten war vor und blieb im Krieg niedrig. Auch 1943 erreichten sie bei den Parlamentswahlen keinen bedeutenden Stimmenanteil. Der deutsche Reichsbevollmächtigte Werner Best versuchte nicht, den dänischen nationalsozialistischen Führer Frits Clausen in ein Regierungskabinett einzubinden.

Winston Churchill nannte Dänemark „Hitlers Schoßhündchen“, weil es nur zu wenigen Widerstandshandlungen kam. Nach dem Deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 bildeten viele dänische Kommunisten Widerstandszellen und 1942 wurde das Borgelige Partisaner-Netzwerk gebildet (BOPA).

1942 und 1943 wurden die Widerstandshandlungen gewaltsamer und es gab vermehrt Sabotageakte. Verschiedenen Gruppen gelang die Kontaktaufnahme zur SOE, der Abteilung des britischen Geheimdienstes für verdeckte Operationen in Europa.

Im Sommer 1944 kam es zu einer großen Streikbewegung gegen die Besatzung (Volksstreik).

Militärische Spionage[Bearbeiten]

Am 23. April 1940[1] stellten Mitglieder des Dänischen Militärischen Nachrichtendienstes Verbindungen zum Britischen Nachrichtendienst über die Botschaft in Stockholm her. Es kam ab Herbst 1940 zu einem regelmäßigen Informationsaustausch. 1942/1943 stieg die Zahl der Kontakte auf einmal wöchentlich.[1] Darüber hinaus gelang es, durch einen Angestellten des Dänischen Rundfunks kurze Botschaften an die Briten zu senden. So kamen aktuelle Berichte über Stärke und Stellungen der deutschen Truppen und den Ausbau des Atlantikwalls in Dänemark an die Briten. 1942 verlangten die Deutschen den Abzug der Dänischen Truppen aus Jütland. Dennoch konnte die Spionage mit Reserveoffizieren dort fortgesetzt werden.[2][3]

Die sichtbaren Ergebnisse der RAF-Luftangriffe auf das Shell-Haus, das Gestapo-Hauptquartier in Kopenhagen

Eine sichtbare Folge war am 21. März 1945 das Shellhus-Bombardement, der RAF-Luftangriff auf die Gestapozentrale in Kopenhagen (Operation Karthago). Mit 20 „Mosquito“-Bombern unter dem Begleitschutz von 30 „Mustangs“ wurden 3 Angriffswellen geflogen. 16 Bomber kehrten zur Basis zurück. Dabei kamen neben 100 Gestapoangehörigen auch Mitglieder des Widerstands und Kinder und andere Zivilisten in einer irrtümlich getroffenen benachbarten Schule ums Leben (123 Tote).[4][5][6]

Ab September 1943 wurde der Widerstand vom Frihedsradet (Freiheitsrat) geleitet. Es wurde ein Untergrundregierung gebildet, die auch die Anerkennung der Alliierten gewinnen konnte.[7]

Bewaffneter Widerstand (1943 bis Kriegsende)[Bearbeiten]

1943 stieg der massive Widerstand stark an, so dass die Deutschen nicht mehr zufrieden waren, wie die dänischen Behörden damit umgingen. Ende August übernahmen die Deutschen die Regierungsgeschäfte und die Verwaltung vollständig. Sie hatten es dadurch leichter, ihren Druck auf die Bevölkerung zu erhöhen. Dadurch stieg aber auch der Zulauf zum Widerstand.

In Dänemark umstritten sind „Racheakte“ der Gruppe Holger Danske, bei denen der Kollaboration bezichtigte Personen ermordet wurden.

Bekanntgewordene Aktionen[Bearbeiten]

Gewerkschaftliche Eisenbahner bauten in Frederiksværk diesen Panzerwagen. Eingesetzt wurde er bei der Befreiung des Lagers der dänischen Nationalsozialisten in Asserbo in Norden Seelands am 5. Mai 1945.

Am 29. August 1943 wurde durch die Besatzungsmacht der Ausnahmezustand verhängt, und das dänische Heer wurde, nach kurzer Gegenwehr, die vor allem dem Unbrauchbarmachen von Waffen und Gerät diente, entwaffnet. 26 Soldaten wurden dabei getötet. Die Offiziere wurden durch die deutsche Wehrmacht interniert. Die meisten Marineschiffe wurden selbst versenkt, einigen Einheiten gelang die Flucht nach Schweden. Das größte Schiff der dänischen Marine, das Panzerschiff „Niels Juel“, versuchte mit Höchstfahrt nordwärts Richtung Kattegat zu entkommen. Am Ausgang des Isefjords wurde es von deutschen Flugzeugen angegriffen – das dänische Schiff erwiderte das Feuer. Es begann die Schlacht im Isefjord, aber schließlich musste das Schiff noch bei Seeland auf Grund gesetzt werden. (siehe Selbstversenkung der Dänischen Flotte)

König Christian X. richtete kurz vor der deutschen „Judenaktion“ ein Protestschreiben an den deutschen Außenminister Ribbentrop, in dem er für so einen Fall „die schwersten Folgen“ ankündigte. Die Rettung der dänischen Juden im Oktober 1943 wurde dabei nicht zuletzt durch den deutschen Diplomaten Georg Ferdinand Duckwitz (1904–1973) ermöglicht, der heimlich die Aufnahme dänischer Juden durch das neutrale Schweden organisierte. Er verhinderte so den Mord an mehreren Tausend dänischen Juden im Zuge des Holocaust, da diese vor ihrer von deutscher Seite angeordneten Deportation in einer Nacht- und Nebelaktion zunächst vor deutschen Sicherheitskräften versteckt und später unter Anderem durch dänische Fischer über die Ostsee ins sichere Schweden gebracht werden konnten. So konnten sich über 7000 der 8000 dänischen Juden vor den Nationalsozialisten retten.[8]

Kaj Munk, ein dänischer lutherischer Pfarrer, drohte in seiner Predigt wegen der Judenverfolgung den Deutschen mit Aufruhr. Genau einen Monat später, am 5. Januar 1944, fand man bei Hørbylunde Bakke, kurz vor Silkeborg, die Leiche des erschossenen Munk. Am Abend zuvor hatte ihn ein SS-Kommando in seinem Pfarrhaus in Vedersø an der Nordsee verhaftet und abtransportiert.

Erfolgreich war die Unterbrechung der Zugverbindungen (Nachschub) nach dem D-Day in Frankreich – dadurch wurde eine Verlagerung deutscher Truppen dorthin verzögert.

Am 29. Juni 1944 erschossen die Deutschen acht Dänen als Mitglieder der Widerstandsgruppe Hvidstengruppen.

Am 8. März 1945 gelang es Widerstandskämpfern in Gedser, die Eisenbahnfähre Danmark im Hafen zu versenken.

1944 wurde in Schweden die Dänische Brigade als Polizeieinheit aufgestellt und aus den nach Schweden geflohenen Schiffen und Booten der Marine die Dänische Flottille gebildet. Die Brigade (etwa 5000 Mann) setzte am 5. Mai 1945 nach Dänemark über und übernahm gemeinsam mit britischen Truppen die militärische Kontrolle über das Land.

Knapp die Hälfte der dänischen Opfer des Krieges starb im Widerstand.[9] Das Dänische Nationalmuseum erinnert an den Widerstand.[10]

Der dänische Widerstand ist als Organisation in die Liste der Gerechten unter den Völkern aufgenommen.[11]

Prominent gewordene Mitglieder des Widerstandes[Bearbeiten]

  • Christer Lyst Hansen
  • Mogens Fog
  • Flemming Muus
  • Monica Wichfeld
  • Ove Kampman
  • Poul Brandt Rehberg
  • Poul Bruun
  • Marius Fiil
  • Niels Fiil
  • Jørgen Kieler

Nach dem Krieg[Bearbeiten]

Als die deutschen Truppen in Dänemark am 5. Mai 1945 kapitulierten, gehörten rund 50.000 Dänen in irgendeiner Form der Widerstandsbewegung an, von der 140 Deutsche und 375 dänische Kollaborateure erschossen und Tausende von Anschlägen unternommen wurden, auf welche die Deutschen mit immer stärkerer Unterdrückung reagierten.

An Opfern werden 862 Tote genannt, von denen 500 bei Aktionen getötet wurden. Die anderen starben in KZ oder wurden hingerichtet.

Am 21. Mai 1945 wurde Werner Best in Kopenhagen inhaftiert. Das Stadtgericht Kopenhagen verurteilte Best 1948 zum Tode. Schließlich wurde er 1951 in Dänemark begnadigt. 1958 stufte eine Spruchkammer in Berlin Best als „Hauptschuldigen“ ein und verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 70.000 DM.

40.000 Personen wurden nach dem Krieg in Dänemark unter dem Verdacht der Kollaboration verhaftet. Einige davon wurden im Lager Fårhus in Frøslev gefangen gehalten. 13.500 Personen wurden deshalb in irgendeiner Form bestraft. Es gab deshalb nach dem Krieg 78 Todesurteile, von denen 46 vollzogen worden sind, allerdings keines gegen einen deutschen Kriegsverbrecher.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gads leksikon om dansk besættelsestid 1940–1945. 2002.
  • Matthias Bath: Danebrog gegen Hakenkreuz. Der Widerstand in Dänemark 1940–1945. Wachholtz, Neumünster 2011.
  • Axel Holm: Hvidsten Gruppen. Gravers Andersens Forlag, Aarhus 1945
  • Rasmus Jørgensen: Folkestrejken. Da hovedstaden gjorde oprør. Udg. af forlaget Documentas, 2004, ISBN 87-91345-15-4 (176 S., mit Fotos)
  • Rasmus Jørgensen: Besættelsen dag for dag. Udg. af Aschehoug. 280 S.
  • Rasmus Jørgensen: Deporteret „beretningen om de danske kz-fanger“. ISBN 87-7692-014-3
  • Jørgen Kieler: Dänischer Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Ein Zeitzeuge berichtet über die Geschichte der dänischen Widerstandsbewegung 1940–1945. Offizin-Verlag, Hannover 2011.
  • Robin Reilly: Sixth Floor: The Danish Resistance Movement and the RAF Raid on Gestapo Headquarters March 1, 2002. (Der Fliegerangriff der RAF auf das Gestapo-Hauptquartier am 1. März)
  • Jerry Voorhis: Germany and Denmark: 1940–45, Scandinavian Studies 44:2, 1972.
  • Steffen Werther: Dänische Freiwillige in der Waffen-SS. Berlin 2004, ISBN 3-86573-036-1

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b H. M. Lunding: Stemplet fortroligt. 3. Auflage. Gyldendal, 1970, S. 68–72.
  2. Following the liberation of Denmark, Field Marshal Bernard Montgomery described the intelligence gathered in Denmark as „second to none“.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBjørn Pedersen: Jubel og glæde. 28. Oktober 2005, abgerufen am 14. September 2009 (dänisch).
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKlaus Velschow: The Shell House Attack. Abgerufen am 14. September 2009 (englisch).
  5. Basil Embry: Mission Completed, Methuen, London, 1957
  6. Henrik Ahlmann: Den Franske Skole: RAF’s angreb på Shellhuset 21. marts 1945. En kortlægning af katastrofen på Frederiksberg og Vesterbro. 2005, ISBN 87-990654-0-1.
  7. Jerry Voorhis: Germany and Denmark: 1940–45. In: Scandinavian Studies, 44, 2, 1972, S. 183.
  8. Oktober 1943: Die dänischen Juden – Rettung vor der Vernichtung. Königlich Dänisches Ministerium des Äußeren und das Museum des dänischen Widerstandes 1940–1945, Kopenhagen 1993.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatDas deutsche Besatzungsregime in Dänemark. In: LeMO – Deutsches Historisches Museum. Abgerufen am 14. September 2009.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatThe Museum of Danish Resistance 1940-1945. Abgerufen am 14. September 2009 (englisch).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatEintrag des dänischen Widerstandes. In: Yad Vashem. Abgerufen am 14. September 2009 (englisch).
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKarl Christian Lammers: Die Ahndung deutscher Kriegsverbrechen in Dänemark. Rechtsgrundlage und Strafverfolgung deutscher Kriegsverbrecher 1946–1950. Abgerufen am 14. September 2009.