Dennis Kucinich

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Dennis Kucinich

Dennis John Kucinich ([kuːˈsɪnɪtʃ]; * 8. Oktober 1946 in Cleveland, Ohio) ist ein US-amerikanischer Politiker der Demokraten und Mitglied im Repräsentantenhaus des US-Kongresses. Seine politische Laufbahn begann in Cleveland, wo er von 1977 bis 1979 auch als Bürgermeister tätig war. Nach einem zwischenzeitlich Abschied aus der Berufspolitik ist er seit 1996 Mitglied im Repräsentantenhaus. Er trat als Kandidat für die Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2004 und 2008 an.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Werdegang

Er wurde als ältestes von sieben Kindern von Frank und Virginia Kucinich (kroatisch: Kučinić) geboren. Sein Vater arbeitete als Lastkraftwagen-Fahrer und seine Mutter tätigte die Haus- und Familienarbeit.[1] Von 1967 bis 1970 besuchte er die Cleveland State University. 1970 wechselte er zur Case Western Reserve University, wo er 1973 sein Studium abschloss.[2] Der Name Dennis Kucinich wurde einer breiteren Öffentlichkeit im Zuge der Debatten im Kongress über einen möglichen militärischen Einsatz im Irak ein Begriff. Kucinich mobilisierte und koordinierte als Vorsitzender der Gruppe progressiver Mitglieder des Repräsentantenhauses den Widerstand gegen die Pläne der US-Regierung. Wenige Monate später kündigte Kucinich seine Kandidatur um die Präsidentschaftsnominierung der Demokratischen Partei für die Wahlen am 2. November 2004 an. Für die Nominierung zu den Präsidentschaftswahlen 2008 kandidierte Kucinich erneut. 2009 erhielt er den Thomas Merton Award für Frieden und soziale Gerechtigkeit.

[Bearbeiten] Politik

Kucinich, der aus einfachen Verhältnissen stammt, widmet sich der Politik bereits seit seiner Jugend. Als 23-jähriger Student errang er 1969 einen Sitz im Rat seiner Heimatstadt Cleveland, dem er bis 1975 und von 1983 bis 1985 angehörte. Im Jahr 1977, im Alter von 31 Jahren, kandidierte Kucinich erfolgreich gegen den republikanischen Amtsinhaber Ralph Perk und wurde als bis zu diesem Zeitpunkt jüngster Kandidat in den USA zum Bürgermeister von Cleveland gewählt.

Seine Amtszeit verlief sehr turbulent, da der stärkste Blizzard in der Stadtgeschichte schwere Schäden verursachte und die Stadt sich in einer Finanzkrise befand. Kucinich widersetzte sich jedoch dem Willen der Gläubiger-Banken, die in den privaten Konkurrenten (CEI) der städtischen Elektrizitätswerke (Municipal Light) investiert hatten, die städtischen Elektrizitätswerke an CEI zu verkaufen. Mit dieser Entscheidung und dem Entschluss bisherige Verträge der Stadt zu überprüfen und bei Fragwürdigkeit neu zu verhandeln wurde Kucinich unbequem für die organisierte Kriminalität. Nach einem Zeitungsbericht wurde von der Mafia zwischenzeitlich sogar ein Auftragsmörder arrangiert, der Plan aufgrund der zwischenzeitlich gesunkenen Popularität Kucinichs (die eine Wahlniederlage wahrscheinlich machte) jedoch wieder aufgegeben.[3] Zwischenzeitlich verlangte die Bank Cleveland Trust Company als Reaktion auf die Ablehnung, dass Stadtschulden sofort zurückgezahlt werden, was vorübergehend zur Zahlungsunfähigkeit der Gemeinde führte. Mit gesunkener Popularität wurde Kucinich 1979 von seinem republikanischen Nachfolger aus dem Amt gedrängt. Der Stadtrat von Cleveland ehrte 1998 Kucinich jedoch wegen seines Entschlusses Municipal Light nicht zu verkaufen, nach Berechnung der Stadt hat die Entscheidung von Kucinich der Stadt zwischen 1985 und 1995 Kosten von rund 195 Millionen Dollar erspart.[4]

Kucinich stieg nach seiner Tätigkeit als Stadtrat in Cleveland aus der Berufspolitik aus, arbeitete als Lehrer, Radio- und Fernsehjournalist und nahm Beratungstätigkeiten auf. Im Jahr 1994 startete Kucinich seine politische Karriere erneut. Für seinen Wahlkreis in Cleveland wurde er von den Wählern in den Senat von Ohio, das Oberhaus des Staatsparlaments, gewählt. Seit 1996 repräsentiert er mit bisher sechs gewonnen Wahlen den zehnten Wahlbezirk Ohios, der ebenfalls Cleveland umfasst, im Repräsentantenhaus in Washington.

Im Juli 2007 stellte Kucinich einen Impeachment-Antrag gegen den Vizepräsidenten Dick Cheney, in dessen drei Artikeln er Cheney unter anderem Manipulation bei der Nachrichtenbeschaffung und vorsätzliche Lügen gegenüber der Nation in Verbindung mit dem Irakkrieg und mit al-Qaida sowie eine sachlich nicht begründete Aggressionsdrohung gegen den Iran vorwirft.[5] Am 9. Juni 2008 brachte er im Repräsententantenhaus eine Resolution mit 35 Anklagepunkten ein, die ein Amtsenthebungsverfahren (Impeachment) gegen Präsident George W. Bush einleiten sollten.

Er hat eine kritische Haltung gegenüber Atomkraft.[6]

[Bearbeiten] Präsidentschaftskandidaturen

Im Jahr 2003 kündigte er seine Kandidatur in den Vorwahlen der Demokratischen Partei um die Präsidentschaftsnominierung an. Er stieg in den Wahlkampf mit einer für die Vereinigten Staaten und die Demokratische Partei verhältnismäßig stark linken Programmatik ein und stand in unbedingter Opposition zu der zu dieser Zeit amtierenden republikanischen US-Regierung. Wirtschaftspolitisch forderte Kucinich die Aufhebung der Freihandelsinstitutionen Welthandelsorganisation und NAFTA, die drastische Anhebung der Mindestlöhne für die Arbeitnehmer und die Ausweitung der Mitbestimmungsrechte der Angestellten. Er forderte, dass die FED dem Finanzministerium der Vereinigten Staaten unterstellt wird und dazu den Banken das Privileg der Geldschöpfung entzogen wird. Mit dieser Geldreform bezog er sich auf einen Vorschlag von Stephen Zarlenga.[7] Ebenfalls möchte er das Nationale Gesundheitssystem der Vereinigten Staaten komplett auf eine (öffentliche) Gesetzliche Krankenversicherung umstellen. In der Außenpolitik soll sich der expansive Kurs der USA zugunsten einer Stärkung der Vereinten Nationen verändern und innerhalb von 90 Tagen nach Amtsantritt des neuen US-Präsidenten sollen die amerikanischen Truppen aus dem Irak abgezogen werden. Kucinich forderte ebenso die Aufhebung des sogenannten PATRIOT Act, gegen den er als einer von wenigen Abgeordneten auch stimmte und die Einführung eines Friedensministeriums.

Seine Kandidatur brachte jedoch ausschließlich Achtungserfolge hervor, keine der demokratischen Vorwahlen konnte Kucinich gewinnen.
Hauptartikel: Vorwahlergebnisse der Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008

Am 12. Dezember 2006 kündigte Kucinich seine Kandidatur für die Präsidentenwahl 2008 mit ähnlichen Zielen an[8], wobei er auch wieder von der demokratischen Mehrheitsmeinung abweichende Positionen vertrat, etwa was die weitere Finanzierung der Kriegsführung im Irak betrifft. Im Lauf der Vorwahlkampf-Nominierungsauftritte im Fernsehen äußerte er sich am entschiedensten von allen Kandidaten der Demokraten gegen eine Fortsetzung des Krieges im Irak. Außerdem war er der einzige Kandidat, der ohne Vorbehalte die Öffnung der Ehe für Homosexuelle unterstützt.[9]

[Bearbeiten] Privatleben

Dennis Kucinich ist zweimal geschieden und hat eine Tochter namens Jackie. Viel Aufmerksamkeit bekam der damals allein lebende Kucinich während des Wahlkampfes 2004 mit seinem öffentlichen Bekenntnis, auf der Suche nach einer Partnerin zu sein. Seit August 2005 befindet er sich in der mittlerweile dritten Ehe mit Elizabeth Jane Kucinich geborene Harper.[10] Kucinich ist bekennender Veganer.

[Bearbeiten] Belege

  1. Lynn Okamoto: Kucinich's hard childhood a 'gift' yielding strength, compassion, Des Moines Register. 7. September 2003. Abgerufen am 5. Oktober 2011. 
  2. 2004 DENNIS J. KUCINICH (Democrat - Ohio) Politics1.com Profile
  3. James Renner: The Mafia Plot To Kill Dennis Kucinich. In: The Cleveland Free Times, 4. Juli 2007, S. Cover story. Abgerufen am 5. Oktober 2011.  (Link nicht mehr abrufbar)
  4. [1]'Boy Mayor' Kucinich Took Charge in Utility Debt Crisis, From LA Times, 23. Januar 2003
  5. Impeachmentantrag gegen Vizepräsident Cheney vom 23. Juli 2007
  6. Dennis Kucinich: New Nuclear Reactors Would Be Too Risky - U.S.News & World Report 19. Juli 2010
  7. http://en.wikipedia.org/wiki/Stephen_Zarlenga
  8. Issues. Dennis Kucinich for president. Archiviert vom Original am 23. April 2008. Abgerufen am 5. Oktober 2011.
  9. Kucinich unterstützt die Öffnung der Ehe für Homosexuelle
  10. http://en.wikipedia.org/wiki/Elizabeth_Kucinich

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Dennis Kucinich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Dennis Kucinich – Zitate (Englisch)
 Wikisource: Dennis Kucinich – Quellen und Volltexte (englisch)
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