Bernd Eichinger

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Bernd Eichinger (2008)
Eichinger mit seiner Ehefrau Katja Hofmann auf der Berlinale 2008

Bernd Eichinger (* 11. April 1949 in Neuburg an der Donau; † 24. Januar 2011 in Los Angeles,[1] Kalifornien) war ein deutscher Filmproduzent, Drehbuchautor und Filmregisseur. Als Produzent der Filme Wir Kinder vom Bahnhof Zoo (1981), Die unendliche Geschichte (1984), Der Name der Rose (1986), Der bewegte Mann (1994), Der Schuh des Manitu (2001, Co-Produzent), Nirgendwo in Afrika (2001, Co-Produzent), Der Untergang (2004, auch Drehbuch), Das Parfum (2006, auch Drehbuch) und Der Baader Meinhof Komplex (2008, auch Drehbuch) gehörte er zu den bedeutendsten Deutschen auf diesem Gebiet.

Leben[Bearbeiten]

Jugend und Studium[Bearbeiten]

Bernd Eichinger wurde als Sohn des Landarztes Manfred Eichinger († 2004) und seiner Frau Ingeborg, einer ausgebildeten Lehrerin, geboren und wuchs zusammen mit seiner Schwester Monika in Rennertshofen auf. Monika starb im Jahr 2007 an einem Herzinfarkt.[2] Ab dem elften Lebensjahr ging er in einem Internat in Deggendorf zur Schule, das er allerdings im Alter von 17 Jahren verlassen musste. Daraufhin machte er 1970 in München am Erasmus-Grasser-Gymnasium sein Abitur. Während dieser Zeit wohnte er im nahegelegenen Internat Albertinum.[3]

Ursprünglich wollte Eichinger Germanistik, Geschichte und Theaterwissenschaft studieren.[4] Allerdings hörte er in seinem letzten Jahr vor dem Abitur, dass es in München die neu gegründete Hochschule für Fernsehen und Film gebe und entschied, sich dort zu bewerben. Sein Bewerbungsfilm trug den Titel Die Sonne schien, da sie keine andere Wahl hatte, auf nichts Neues, den er aus Samuel Becketts Roman Murphy ausgeliehen hatte.[4] Der Film handelte von dem Internat, das er ab seinem elften Lebensjahr besucht hatte. Obwohl es für 400 Bewerber nur 11 Studienplätze gab und sein Film mit über 30 Minuten viel zu lang war,[4] war seine Bewerbung erfolgreich. Er verbrachte die nächsten drei Jahre an der Münchner Filmhochschule und schwärmte über diese Zeit später „das war eine Offenbarung“.[5] Dort führte er Regie zu den Kurzfilmen Canossa und Kidnapping. Sein Abschlussfilm in der Regieklasse war im Jahr 1973 der Schwarzweiß-Kurzfilm Weihnachtsmärchen, in dem er die Regie übernahm, das Drehbuch schrieb und an der Seite von Marquard Bohm als Darsteller zu sehen war.[6] Außerdem arbeitete er als Produktionsleiter an Filmen seiner Kommilitonen mit. Darunter waren die Filme Der kleine Soldat, in dem Uli Edel Regie führte und Das erste Jahr von Christoph Hübner. Noch während seines Studiums arbeitete er als Aufnahmeleiter in den Bavaria Studios (zum Beispiel bei Ihre Scheidung, seine Scheidung mit Elizabeth Taylor und Richard Burton) und war als Drehbuchautor für den Regisseur Hans W. Geißendörfer tätig (unter anderem bei Periham – die zweite Chance und Die Eltern).[7] 1973 schloss er sein Studium als Produzent und Regisseur ab.[8]

Erste Produktionen[Bearbeiten]

Nach dem Studium schrieb Eichinger Drehbücher und arbeitete als Produktionsleiter beim Bayerischen Fernsehen und Rundfunk, bevor er am 19. November 1974 zusammen mit Peter Genée die Solaris Film- und Fernsehproduktion oHG gründete.[9] Mit ihr produzierte er meist Autorenfilme, die man zum Neuen Deutschen Film zählt. Einige dieser Filme sind Falsche Bewegung von Wim Wenders, Stunde Null von Edgar Reitz, Hitler, ein Film aus Deutschland von Hans-Jürgen Syberberg, Lieb Vaterland, magst ruhig sein von Roland Klick sowie Der starke Ferdinand von Alexander Kluge.

1978 kaufte er einen großen Teil der Konkursmasse der im Oktober 1977 in Konkurs gegangenen Constantin Film und wurde 1979 Gesellschafter und Geschäftsführer des jetzt „Neue Constantin Film GmbH“ genannten Unternehmens. Seine erste Produktion für diese Firma war Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo. Der Film, in dem sein ehemaliger Studienkollege Uli Edel Regie führte und zu dem als weiterer Kommilitone Herman Weigel das Drehbuch schrieb, wurde 1981 zu einem der international erfolgreichsten deutschsprachigen Filme seit Kriegsende. Der Film gewann die Goldene Leinwand und wurde beim World Film Festival in Montreal in der Kategorie Most Popular Film ausgezeichnet.

Internationaler Erfolg[Bearbeiten]

In den darauf folgenden zwei Jahrzehnten war Eichinger für den Filmeinkauf und das Verleihgeschäft der Neue Constantin Film GmbH zuständig. Dabei gestaltete er die Kampagnen zu Filmen wie Wolfgang Petersens Das Boot, Alan Parkers Pink Floyd The Wall, Franc Roddams Quadrophenia, John Carpenters Die Klapperschlange und John Milius' Conan der Barbar. Gleichzeitig produzierte Eichinger internationale Großprojekte wie Die unendliche Geschichte mit Wolfgang Petersen als Regisseur, Der Name der Rose mit Regisseur Jean-Jacques Annaud und Sean Connery in der Hauptrolle, Letzte Ausfahrt Brooklyn nach dem Roman von Hubert Selby Jr. wieder mit Regisseur Uli Edel, Das Geisterhaus mit Regisseur Bille August und Meryl Streep, Glenn Close, Jeremy Irons und Winona Ryder in den Hauptrollen sowie die Resident Evil-Trilogie mit Milla Jovovich in der Hauptrolle. Noch in den 1980er Jahren hatte Eichinger die Filmrechte zu den Marvel Comics The Fantastic Four erworben und war mehr als 15 Jahre später als Produzent bei der Verfilmung von Fantastic Four und Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer für 20th Century Fox tätig.

Neben internationalen Projekten produzierte Eichinger auch populäre deutsche Komödien, wie zum Beispiel Manta, Manta mit Til Schweiger in dessen erster Hauptrolle in einem Kinofilm, Sönke Wortmanns Der bewegte Mann und Das Superweib, den Zeichentrickfilm Werner – Beinhart! sowie Voll Normaaal und Ballermann 6 mit dem Komiker Tom Gerhardt.

1996 führte Eichinger erstmals selbst Regie, in dem Fernsehdrama Das Mädchen Rosemarie, in dem Nina Hoss ihre erste Hauptrolle spielte. In den folgenden Jahren produzierte Eichinger Filme mit den deutschen Regisseuren Doris Dörrie (Bin ich schön? und Nackt), Oskar Roehler (Elementarteilchen) sowie als Co-Produzent bei Caroline Links Nirgendwo in Afrika, der mit dem Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde.

Bernd Eichinger war nicht nur als Produzent, sondern in den letzten Jahren vermehrt auch als Drehbuchautor tätig. 2003 schrieb er das Drehbuch zum Film Der Untergang, den er 2004 mit Oliver Hirschbiegel als Regisseur produzierte. Der Untergang wurde 2005 für den Oscar in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. 2006 folgte Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders, zu dem Eichinger gemeinsam mit Andrew Birkin und dem Regisseur des Films Tom Tykwer das Drehbuch verfasste. 2007 schrieb Eichinger das Drehbuch zu Der Baader Meinhof Komplex, das er noch im selben Jahr mit Uli Edel als Regisseur verfilmte. Der Film kam 2008 in die deutschen Kinos und wurde 2009 für den Oscar, den Golden Globe Award sowie den British Academy Film Award in der Kategorie Bester fremdsprachiger Film nominiert. Noch im selben Jahr drehten Eichinger und Edel ihren vierten gemeinsamen Film: Zeiten ändern dich, mit und über den deutschen Rap-Star Bushido.

Neben Uli Edel zählt auch Andrew Birkin zu den Filmemachern, mit denen Eichinger immer wieder zusammenarbeitete. Mit ihm verfilmte Eichinger 1993 Ian McEwans Roman Der Zementgarten, der bei der Berlinale mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.

Die Constantin Film ging 1999 an die Börse. Eichinger wurde Vorstandsvorsitzender der Constantin Film AG und war deren größter Einzelaktionär. Im Januar 2006 verkaufte er seinen Anteil an der Aktiengesellschaft an die Schweizer Firma Highlight Communications. Eichinger war weiterhin für die Constantin Film AG als Produzent tätig.

Laut Angaben der Filmförderungsanstalt FFA haben allein im deutschsprachigen Raum bislang mehr als 70 Millionen Zuschauer Bernd-Eichinger-Produktionen im Kino gesehen. Bernd Eichinger gehörte zu den Gründern der Deutschen Filmakademie und des Nachwuchspreises First Steps Award. 1999 gründete er zusammen mit Kollegen und Freunden aus Film, Kunst und Wirtschaft die gemeinnützige GmbH Artists for Kids; ein Projekt zur Hilfestellung für gefährdete Kinder und Jugendliche aus München.

Eichinger war seit 2006 mit der Autorin Katja Hofmann verheiratet. Seine Tochter, die Fernsehmoderatorin Nina Eichinger, entstammt einer früheren Beziehung mit Sabine Eichinger. Mit ihr war er jedoch nicht verheiratet; sie trägt zufällig denselben Namen.[10]

Tod, Postumes[Bearbeiten]

Bernd Eichinger verstarb während eines Abendessens mit seiner Familie und Freunden in Los Angeles an einem Herzinfarkt.[11] Am 5. Februar 2011 wurde ihm postum eine besondere Ehre zu teil. Bei der Verleihung der Goldenen Kamera erhielt er einen eigens geschaffenen Preis, den des „Besten Produzenten“.[12] Die Laudatio auf den verstorbenen Eichinger bei der Verleihung des Preises hielt Schauspieler und Freund Thomas Kretschmann.[13]

Am 7. Februar fand in der St.-Michael-Kirche in München eine große Trauerfeier statt,[14] zu der 900 Gäste geladen waren. Sie wurde live von dem TV-Privatsender Sat. 1 übertragen. Trauerredner waren u. a. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude sowie Produzent Günter Rohrbach. Eichingers Urne wurde auf dem Bogenhausener Friedhof beigesetzt.[15]

Zu Ehren Eichingers wird seit 2012 bei der Verleihung des Deutschen Filmpreises der „Bernd Eichinger Preis“ vergeben.

Eichinger wurde 2011 der Film Die drei Musketiere gewidmet, welcher der erste große Constantin-Film nach seinem Tod ist.[16] Eichinger war auch als Produzent der Verfilmung des Kampusch-Falles beauftragt. Nachdem dieses Projekt nach dem Tod Eichingers zunächst nicht gesichert war,[17] begannen schließlich im Mai 2012 die Dreharbeiten.[18] Im Juli 2012 erschien der Dokumentarfilm Der Bernd, welcher das Leben und die Arbeit Eichingers nacherzählt.[19]

Eichingers Witwe Katja veröffentlichte im September 2012 unter dem Titel BE eine Biografie über ihn.[20] Die über das Buch erschienenen Rezensionen zeigen zugleich, wie Eichinger eineinhalb Jahre nach seinem Tod von Medien und insbesondere Feuilletonisten rezipiert wird.[21][22][23][24][25][26]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Oscarpreisträgerin Luise Rainer, Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit und Zögling Til Schweiger auf dem Boulevard der Stars bei der Einweihung des Sterns des kurz vorher verstorbenen Eichinger (2011)
Nahaufnahme des Sterns

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel Online: Produzent Bernd Eichinger gestorben vom 25. Januar 2011 (abgerufen am 25. Januar 2011)
  2. Bernd Eichinger: Sie vermissen ihn so sehr. In: Gala, 3. Februar 2011. Abgerufen am 15. Mai 2011. 
  3. Das andere Murphy-Gesetz. In: Abendzeitung, 27. Januar 2011. Abgerufen am 15. Mai 2011. 
  4. a b c Bernd Eichinger: Ich habe einen Traum. In: Zeit Online, 9. September 2006. Abgerufen am 27. Januar 2011. 
  5. Marina Antonioni: Bernd Eichinger: Leidenschaftlicher Antreiber und Träumer des deutschen Kinos. In: The Epoch Times Deutschland. 26. Januar 2011. Abgerufen am 27. September 2011.
  6. Die HFF München trauert um Bernd Eichinger. In: Hochschule für Fernsehen und Film München. 26. Januar 2011. Abgerufen am 27. September 2011.
  7. Constantin Film AG – Unternehmen – Portrait Bernd Eichinger
  8. Biografie von Bernd Eichinger auf Film-Zeit.de. Abgerufen am 27. September 2011.
  9. Sylvia Wolf; Ulrich Kurowski; Eberhard Hauff: Das Münchner Film und Kino Buch Ebersberg : Edition Achteinhalb, ©1988., ISBN 978-3923979110, Seite 244
  10. Bernd Eichinger: Frauen spielten bei ihm eine große Rolle
  11. Produzent Bernd Eichinger tot
  12. Spiegel Online:Ulrich Tukur für „Tatort“-Debüt ausgezeichnet am 5. Februar 2011 (abgerufen am 5. Februar 2011)
  13. mitStil: Thomas Kretschmann hält Laudatio auf Bernd Eichinger am 9. Februar 2011 (abgerufen am 16. Februar 2011)
  14. Abschied von Bernd Eichinger: Die Trauerfeier. Abendzeitung.de. Abgerufen am 7. Februar 2011.
  15. knerger.de: Das Grab von Bernd Eichinger
  16. Constantin Film widmet Eichinger „Musketiere“-Film
  17. Zukunft des geplanten Kampusch-Films unklar
  18. 1. Drehtag für den Kampusch-Film in der legendären Bar: Kamera-Genie Ballhaus vor dem Paradiso – München – Bild.de
  19. MSG Magazin: „DER BERND“ Bernd Eichinger Dokumentation auf dem Münchener Filmfest
  20. Das Buch heißt – nach seinen InitialenB E, Hoffmann und Campe, 978-3455502534
  21. faz.net: Rezension
  22. Rheinische Post: Rezension
  23. Die Zeit: Rezension (von Andrea Hanna Hünniger)
  24. focus.de: [1]
  25. Hamburger Abendblatt: [2]
  26. Frankfurter Rundschau: [3]
  27. Dokumentation Bernd Eichinger