Donnerskirchen

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Donnerskirchen
Wappen von Donnerskirchen
Donnerskirchen (Österreich)
Donnerskirchen
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Burgenland
Politischer Bezirk: Eisenstadt-Umgebung
Kfz-Kennzeichen: EU
Fläche: 33,92 km²
Koordinaten: 47° 54′ N, 16° 39′ O47.89888888888916.641666666667193Koordinaten: 47° 53′ 56″ N, 16° 38′ 30″ O
Höhe: 193 m ü. A.
Einwohner: 1.733 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 51 Einw. pro km²
Postleitzahl: 7082
Vorwahl: 02683
Gemeindekennziffer: 1 03 02
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 29
7082 Donnerskirchen
Website: www.donnerskirchen.at
Politik
Bürgermeister: Johannes Mezgolits (ÖVP)
Gemeinderat: (2012)
(21 Mitglieder)
11
10
11 10 
Von 21 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Donnerskirchen im Bezirk Eisenstadt-Umgebung
Breitenbrunn am Neusiedler See Donnerskirchen Großhöflein Hornstein Klingenbach Leithaprodersdorf Loretto Mörbisch am See Müllendorf Neufeld an der Leitha Oggau am Neusiedler See Oslip Purbach am Neusiedler See Sankt Margarethen im Burgenland Schützen am Gebirge Siegendorf Steinbrunn Stotzing Trausdorf an der Wulka Wimpassing an der Leitha Wulkaprodersdorf Zagersdorf Zillingtal Eisenstadt Rust BurgenlandLage der Gemeinde Donnerskirchen im Bezirk Eisenstadt-Umgebung (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Ortskern mit Bergkirche St. Martin
Zentrum von Südosten
Donnerskirchen am damals ausgetrockneten Neusiedler See, um 1873 (Ausschnitt aus dem Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Donnerskirchen ist eine Marktgemeinde mit 1733 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Burgenland im Bezirk Eisenstadt-Umgebung in Österreich. Der ungarische Ortsname der Gemeinde ist Fertőfehéregyháza.

Geografie[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im nördlichen Burgenland nahe der Landeshauptstadt Eisenstadt. Ihre Nachbargemeinden sind Purbach am Neusiedler See im Norden, Schützen am Gebirge und Oggau im Süden sowie Hof am Leithaberge im Nordwesten.

Teile des Gemeindegebietes befinden sich im Naturpark Neusiedlersee – Leithagebirge.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg.

Am Fuß des Leithagebirges wurden im Rahmen einer Notgrabung des Landesmuseums Burgenland in der Flur Wolfsbachried zwei Körperbestattungen aus der Latènezeit freigelegt und geborgen. Die beiden rechteckigen Schächte waren in den Kalksandstein gehauen und mit Holzverschalungen versehen worden. Im einen Grab war ein Mann im Alter zwischen 50 und 70 Jahren beigesetzt, im anderen eine Frau von 60 bis 80 Jahren. Die Gräber waren in Süd-Nord-Richtung ausgerichtet und waren bei ihrer Entdeckung bereits beraubt. Im Männergrab waren eine eiserne Lanzenspitze, ein Lanzenschuh, ein Rasiermesser und zwei Wetzsteine, eine unvollständige Eisenfibel, eine Tonschale, eine Tonflasche und einige Fragmente, die zu einer eisernen Schbwertscheide gehörten, als Grabbeigaben vorgefunden worden. Im Frauengrab fanden die Ausgräber vier Bronzefibeln, einen Fingerring, eine Schale und zwei Tonflaschen.[1]

Später unter den Römern lag das heutige Donnerskirchen dann in der Provinz Pannonia. Im Osten des Gemeindegebiets am Rande des Neusiedlersee- Schilfgürtels verläuft die Bernsteinstraße, eine der wichtigsten Handelsrouten des Römischen Reichs.

1659 wurde Donnerskirchen durch Kaiser Leopold I. das Marktrecht verliehen. Der Ort gehörte wie das gesamte Burgenland bis 1920/21 zu Ungarn (Deutsch-Westungarn). Seit 1898 musste aufgrund der Magyarisierungspolitik der Regierung in Budapest der ungarische Ortsname Sopronfehéregyháza verwendet werden. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde nach zähen Verhandlungen Deutsch-Westungarn in den Verträgen von St. Germain und Trianon 1919 Österreich zugesprochen. Der Ort gehört seit 1921 zum neu gegründeten Bundesland Burgenland (siehe auch Geschichte des Burgenlandes).

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Donnerskirchen zum Bauabschnitt Mitte (Eisenstadt) des zu errichtenden Südostwalls. Im Lager Donnerskirchen (Sonderlager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter) kam es Ende 1944 zu Akten extremer Grausamkeit, in deren späterer Verfolgung die Verurteilung des Baustreifenleiters Nikolaus Schorn besondere öffentliche Aufmerksamkeit erfuhr[2]. Nach Schätzungen von Ortsbewohnern sollen im Lager Donnerskirchen 300 bis 400 Menschen zu Tode gekommen sein. [3]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Johannes Mezgolits von der ÖVP. Die Mandatsverteilung (21 Sitze) in der Gemeindevertretung ist SPÖ 10, ÖVP 11, FPÖ 0, Grüne 0 und andere Listen 0 Mandate.

Wappen[Bearbeiten]

In Blau auf Grund eine silber glänzende, rotbedachte Kirche, mit drei geöffneten Rundbogenfenstern und einem großartigen Turm, dessen Dach einmal abgesetzt und mit einem Kreuz besteckt ist.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Martinskirche: 1676 von Fürst Esterházy erbaut; Wahrzeichen von Donnerskirchen, erhebt sich über dem Ort. Die barocke Wehrkirche war in kriegerischen Zeiten (z. B. während der Türkenbelagerungen) letzter Zufluchtsort der Ortsbevölkerung.
  • Die Gemeinde am Osthang des Leithagebirges ist vor allem auf Grund ihrer international ausgezeichneten Winzer und deren Spitzenweine bekannt.
  • Die Bergkirche von Donnerskirchen ist häufiger Veranstaltungsort von Konzerten des Geigers und Komponisten Toni Stricker.
  • Zahlreiche aktive Vereine tragen weiters zum kulturellen Leben und zur Bekanntheit der Marktgemeinde bei: Musikverein 1. Bgld. Trachtenkapelle Donnerskirchen, St. Martinus Chor, Gordon Highlanders of Austria, Weinquartett Donnerskirchen, D' Original Sautanz-Musi, Fremdenverkehrs-und Verschönerungsverein, ...
  • Weitere nach dem österreichischen Denkmalschutzgesetz geschützte Objekte in Donnerskirchen.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefan Ehrenreiter, Ludwig Fingerhut, Simone Rosenitsch (Red.): Chronik Donnerskirchen 1285 – 2010. Tourismusverband Donnerskirchen, Donnerskirchen 2010.
  • Michael Achenbach, Dieter Szorger: Der Einsatz ungarischer Juden am Südostwall im Abschnitt Niederdonau 1944/45. Diplomarbeit. Universität Wien, Wien 1997, OBV.
  • Gisela Auer (Red.): Heimatbuch der Marktgemeinde Donnerskirchen. Marktgemeinde Donnerskirchen, Donnerskirchen 1985, OBV.
  • Gisela Auer: Die Freischärler in Donnerskirchen im Herbst 1921. In: Burgenländische Heimatblätter. Band 41.1979. Amt der Burgenländischen Landesregierung, Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 1979, ZDB-ID 214233-8, S. 25–30, OBV.
  • Rudolf Kleiner: Chronik der Gemeinde Donnerskirchen. Selbstverlag, Donnerskirchen 1973, OBV.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Donnerskirchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Susanne Sievers/Otto Helmut Urban/Peter C. Ramsl: Lexikon zur Keltischen Archäologie. A–K und L–Z; Mitteilungen der prähistorischen Kommission im Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2012, ISBN 978-3-7001-6765-5, S. 433.
  2. Das Scheusal von Donnerskirchen. Die Bestialitäten des Massenmörders Schorn. In: Burgenländische Freiheit. XXI. Jahrgang, Nr. 38/1951, ZDB-ID 2588385-9, S. 1, unten Mitte. – Volltext online,
    Lebenslänglich für den Massenmörder von Donnerskirchen. In: Burgenländische Freiheit. XXI. Jahrgang, Nr. 39/1951, S. 2, unten links. – Volltext online sowie
    Wolfgang Neugebauer (Hrsg.), August Ernst (Beiträge): Widerstand und Verfolgung im Burgenland. 1934–1945, Eine Dokumentation. Herausgegeben vom Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. 2. Auflage. Österreichischer Bundesverlag (u.a.), Wien 1983, ISBN 3-215-02259-1, S. 333 ff.
  3. Eleonore Lappin-Eppel: Sonderlager für ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Der Ort des Terrors. Geschichte der nationalsozialistischen Konzentrationslager. Band 9: Arbeitserziehungslager, Ghettos, Jugendschutzlager, Polizeihaftlager, Sonderlager, Zigeunerlager, Zwangsarbeiterlager. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-57238-8, S. 230–233. – Text online.
Panorama oberhalb von St. Martin