Fürsteneck

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Dieser Artikel behandelt die Gemeinde Fürsteneck in Bayern, zu anderen Bedeutungen von Fürsteneck siehe Fürsteneck (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Fürsteneck
Fürsteneck
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Fürsteneck hervorgehoben
48.717513.461666666667395Koordinaten: 48° 43′ N, 13° 28′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Niederbayern
Landkreis: Freyung-Grafenau
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Perlesreut
Höhe: 395 m ü. NHN
Fläche: 10,42 km²
Einwohner: 874 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 84 Einwohner je km²
Postleitzahl: 94142
Vorwahl: 08555
Kfz-Kennzeichen: FRG, GRA, WOS
Gemeindeschlüssel: 09 2 72 119
Gemeindegliederung: 13 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Atzldorf 5
94142 Fürsteneck
Webpräsenz: www.fuersteneck.de
Bürgermeister: Heinz Binder (CSU)
Lage der Gemeinde Fürsteneck im Landkreis Freyung-Grafenau
Landkreis Regen Landkreis Deggendorf Landkreis Passau Schöfweg Waldhäuserwald Schönbrunner Wald Schlichtenberger Wald Sankt Oswald Pleckensteiner Wald Philippsreuter Wald Mauther Forst Spiegelau Graineter Wald Annathaler Wald Zenting Waldkirchen Thurmansbang Spiegelau Schönberg (Niederbayern) Neuschönau Sankt Oswald-Riedlhütte Saldenburg Röhrnbach Ringelai Philippsreut Perlesreut Neureichenau Mauth Jandelsbrunn Innernzell Hohenau (Niederbayern) Hinterschmiding Grainet Grafenau (Niederbayern) Fürsteneck Freyung Eppenschlag Schöfweg Leopoldsreuter Wald Frauenberger u. Duschlberger Wald Haidmühle Österreich TschechienKarte
Über dieses Bild

Fürsteneck ist eine Gemeinde im niederbayerischen Landkreis Freyung-Grafenau und Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Perlesreut.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in der Region Donau-Wald im südlichen Bayerischen Wald zwischen den Tälern der Ilz und der Wolfsteiner Ohe. Fürsteneck bildet die südlichste Gemeinde im Landkreis und grenzt direkt an den Landkreis Passau. Fürsteneck ist von eingeschnittenen Tälern umgeben. Nach Passau beträgt die Entfernung 22 km, nach Waldkirchen 15 km, nach Freyung 18 km, nach Grafenau 20 km und zur Bundesautobahn 3 (Ausfahrt Aicha vorm Wald) 23 km.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die politische Gemeinde Fürsteneck hat 13 amtlich benannte Ortsteile[2]:

Geschichte[Bearbeiten]

Das ehemalige Pfleggericht des Hochstiftes Passau wurde 1803 mit dem größten Teil des hochstiftlichen Gebietes zugunsten Ferdinands von Toskana säkularisiert. Seit den Friedensverträgen von Brünn und Preßburg 1805 gehört der Ort zu Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Verhinderung einer Behindertenwohnstätte[Bearbeiten]

Bundesweite Aufmerksamkeit unter dem Titel „Jagdszenen in Niederbayern“ erlangte der Weiler Aumühle in der Gemeinde Fürsteneck als die lokale Bevölkerung am 17. Oktober 1969 den Bezug eines Heimes für schwer erziehbare und geistig behinderte Kinder verhinderte.[3] Der Praktische Arzt Dr. Fritz Loew hatte das Anwesen vom Bischöflichen Ordinariat Passau erworben, um dort sein drittes Kinderheim zu errichten.[4] Als am 17. Oktober die ersten sieben zukünftigen behinderten Buben mit ihren Betreuern ankamen, wurden sie von einer hundertköpfigen Protestmannschaft („Die Depperln woll'n mir hier net“) unter der Führung des Pfarrers Georg Stetter empfangen. Angesichts der Drohkulisse machten die Schützlinge von Dr. Loew wieder kehrt.[3]

In der darauffolgenden Nacht fand eine Nachtwache mit ca. 40 Fürsteneckern statt. Trotz der anwesenden Feuerwehrmänner ging die ehemalige Pension in Flammen auf.[3][5] Nach eigenen Aussagen waren Gegner vor allem wegen möglicher geschäftlicher Einbußen im Tourismus und nicht aufgrund von Animositäten gegenüber Behinderten zu ihrem Tun motiviert.[6]


Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

  • 1970: 771 Einwohner
  • 1987: 813 Einwohner
  • 2000: 992 Einwohner

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat setzt sich seit der Kommunalwahl am 16. März 2014 wie folgt zusammen:

  • CSU: 6 Sitze (47,8 % der Stimmen)
  • FWG: 6 Sitze (52,2 % der Stimmen)

Bürgermeister[Bearbeiten]

Bürgermeister ist Heinz Binder (CSU), der 2014 ohne Gegenkandidat mit 86,9 % der gültigen Stimmen gewählt wurde.

Finanzen[Bearbeiten]

Die Gemeindesteuereinnahmen betrugen im Jahr 1999 umgerechnet 302.000 €, davon betrugen die Gewerbesteuereinnahmen (netto) umgerechnet 14.000 €.

Wappen[Bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Silber unter erhöhtem, verkürztem grünen Wellengöpel auf grünem Dreiberg ein roter Zinnenturm.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • „Fürstenecker Barockfestspiele“

Schloss Fürsteneck[Bearbeiten]

Innenhof
Portal

Das Schloss Fürsteneck wurde um 1190 von dem Passauer Fürstbischof Wolfger von Erla als Grenzbefestigung gegen die bayerischen Herzöge errichtet. 1570 fand unter Fürstbischof Urban von Trennbach eine Renovierung statt. 1745 entstand unter Kardinal Joseph Dominikus von Lamberg die Schlosskapelle. 1803 fiel das Schloss an den bayerischen Staat und 1814 wurde es an einen ehemaligen Mönch verkauft. Heute beherbergt das Schloss einen Landgasthof mit Restaurant und Übernachtungsmöglichkeiten.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Fürsteneck

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft sowie Land- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Es gab 1998 nach der amtlichen Statistik im produzierenden Gewerbe keine und im Bereich Handel und Verkehr keine sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. In sonstigen Wirtschaftsbereichen waren am Arbeitsort 16 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 320. Im verarbeitenden Gewerbe gab es 1 Betrieb, im Bauhauptgewerbe 2 Betriebe. Zudem bestanden im Jahr 1999 26 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von 454 ha, davon waren 335 ha Dauergrünfläche.

Der Bahnhof Fürsteneck

Verkehr[Bearbeiten]

Fürsteneck hat seit 1890 mit der gleichnamigen, aber auf dem Gemeindegebiet Hutthurms liegenden Haltestelle der Bahnstrecke Passau–Freyung Anschluss an das Eisenbahnnetz. Diese Bahnstrecke wurde jedoch seit 2002 nicht mehr befahren.

Im Jahr 2009 begann die Reaktivierung der Strecke durch die Ilztalbahn GmbH, unterstützt durch den Förderverein Ilztalbahn e. V..

Seit dem 12. September 2010 ist die Teilstrecke Waldkirchen - Freyung wieder in Betrieb.

Am 16. Juli 2011 wurde der Bahnverkehr im Rahmen des Freizeitverkehrsprojektes Donau-Moldau wieder an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen im Sommerhalbjahr und zu Sonderfahrten ganzjährig aufgenommen.

Bildung[Bearbeiten]

Derzeit gibt es einen Kindergarten und eine Grundschule in der Gemeinde Fürsteneck. Der Kindergarten "St. Christophorus" ist ein eingruppiger, caritativer Kindergarten in dem die Kinder von einer Erzieherin, die zugleich die Leitung des Kindergartens hat, und zwei Kinderpflegerinnen betreut werden. Erbaut und eröffnet wurde der Kindergarten im Jahr 1993. Der Kindergarten St. Christophorus verfolgt die Reggio-Pädagogik und ist einer der ersten Kindergärten in der Region, der entsprechend dieser Pädagogik zertifiziert wurde. Die Grundschule beherbergt derzeit nur noch die 4. Klasse. Ab kommendem Schuljahr wird aufgrund der geringer Kinderzahl die Schule im Ortsteil Atzldorf geschlossen.

Sport[Bearbeiten]

Die DJK Fürsteneck ist der örtliche Sportverein. Innerhalb des Vereins gibt es die Sparten Fußball, Eisstockschießen, Gymnastik, Laufen und Tanz. Der Fußballverein spielt derzeit in der Kreisliga Bayerwald. Die Sparte Laufen tritt als "Laufwölfe Fürsteneck" auf und ist in vielen verschiedenen Wettkämpfen im bayerischen und österreichischen Raum vertreten. Die Sparte Tanz ist derzeit lediglich für Kinder und Jugendliche ausgerichtet. Gymnastik beinhaltet verschiedene Kurse und wird für jedes Alter angeboten.


Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fürsteneck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 18. September 2014 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. www.bayerische-landesbibliothek-online.de
  3. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMotorradklub statt Heim - Trügerische Idylle in Niederbayern. In: sueddeutsche.de. 2. Juni 2013, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEin Jahr noch dem Brand in Aumühle: Dorf ohne Deppen. In: zeit.de. 30. Oktober 1970, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format Ernst Klee: Vorurteile: Aus Angst unerwünscht. In: zeit.de. 5. Oktober 1984, abgerufen am 15. Dezember 2014.
  6.  Kai Hermann: WAS NÜTZT UNS EIN SOZIALES GEWISSEN?. In: Der Spiegel. Nr. 44, 1969 (online).