Dietrich Eckart
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Dietrich Eckart (* 23. März 1868 in Neumarkt in der Oberpfalz; † 26. Dezember 1923 in Berchtesgaden) war ein Publizist, Verleger, früher Anhänger des Nationalsozialismus und Ideengeber Adolf Hitlers.
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[Bearbeiten] Leben
Eckart, der katholische Sohn eines evangelischen Notars,[1] wuchs seit 1878 ohne Mutter auf und besuchte, vom Vater vernachlässigt, sieben verschiedene Gymnasien.[2] 1891 brach er sein Medizinstudium in Erlangen ab.[2] Weil er sich als Corpsstudent schlecht in die Satzungen fügen wollte, gab es „Händel und Hader“. Nach einer Entziehungskur wegen Morphiumsucht[2] nahm er eine Tätigkeit als Journalist, Literatur- und Theaterkritiker auf. Durch den Tod des Vaters 1895 kam er als Erbe zu einem ansehnlichen Vermögen. Seine nächsten Stationen waren Leipzig, Berlin und schließlich Regensburg. 1899 war er fast mittellos[2] und ging nach Berlin, wo er – obwohl von dem Schauspielhaus-Generalintendanten Georg von Hülsen-Haessler unterstützt – als Dichter und Dramatiker, dann auch als Werbetexter, scheiterte. [2]
Von 1907 bis 1913 lebte er bei seinem Bruder Wilhelm in der Villen-Kolonie Neu-Döberitz bei Berlin (wo es 1936–1945 auch einen „Dietrich-Eckart-Gedenkhain“ gab) und heiratete im Alter von 45 Jahren die vermögende Witwe Rosa Marx, geborene Wiedeburg, aus Blankenburg, von der er 1921 geschieden wurde.[3] Bis zum Frühsommer 1915 wohnte Eckart mit seiner Familie in Bad Blankenburg;[4] danach zog er nach München-Schwabing, wo er in Kontakt mit völkischen Kreisen wie dem Fichte-Bund kam,[2] sich der rassistischen und okkultistischen Thule-Gesellschaft anschloss und als Verfasser okkulter, alternativreligiöser, rechtsradikaler und antisemitischer Traktate hervortrat. Er gründete 1915 den Hoheneichen-Verlag. Der Verlag wurde 1929 - nach seinem Tod - vom Parteiverlag, dem Eher-Verlag, übernommen, behielt aber zu Tarnungszwecken seinen Namen.
Am 27. Mai 1919 beantragte Eckart seine Aufnahme in den Deutschen Schutz- und Trutzbund, der im Oktober des Jahres in den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund aufging.[5]
Er prägte 1919 als Mitbegründer der NSDAP den nationalsozialistischen Kampfbegriff „Drittes Reich“, womit vor allem eine Verbindung von chiliastischer Esoterik und politischem Ziel gemeint war: „Im deutschen Wesen ist Christ zu Gast – drum ist es dem Antichristen verhaßt.“[6] Im August 1921 wurde Eckart Chefredakteur des Völkischen Beobachters, nachdem er das Geld für dessen Übernahme im Dezember 1920 beschafft und Hitler gegen innerparteiliche Kritiker in Schutz genommen hatte. Gegen Eckarts Haftbefehl wegen Beleidigung des Reichspräsidenten Friedrich Ebert schrieb Hitler sofort an den bayerischen Ministerpräsidenten Ritter von Knilling die Forderung, „den Haftbefehl zu inhibieren, da andernfalls die Kampforganisation Widerstand gegen die Verhaftung leisten würde.“ Eine Woche nach dem Hitlerputsch in München verhaftet, wurde er nach schweren Herzanfällen am 20. Dezember 1923 aus dem Gefängnis entlassen und erlag am 26. Dezember in Berchtesgaden im Alter von 55 Jahren einem weiteren Herzschlag.[2]
Der 21 Jahre ältere Eckart, der Hitler vermutlich im Herbst 1919 kennengelernt hatte,[2] war zeitweise dessen Mentor,[7] Ideengeber und mit ihm befreundet. Er „widmete sich in einer Art Lehrer-Schüler-Verhältnis […] der Propagierung Hitlers als des kommenden Retters […], wofür er diesem wohl als erster charismatische Fähigkeiten zuschrieb“ und ihn im Dezember 1921 erstmals als „Führer“ bezeichnete.[2]
Eckart ist Dichter des Sturmliedes der SA, Erfinder des NS-Schlachtrufes „Deutschland erwache!“ und genoss zeitweilig als „Parteidichter“ der NSDAP Popularität unter deren Anhängern.[2] Adolf Hitler widmete u. a. Eckart sein 1925 erschienenes Buch Mein Kampf, in dem Hitler ihn als Märtyrer der nationalsozialistischen Bewegung feierte. Alfred Rosenberg, der bereits an Eckarts Zeitschrift Auf gut deutsch … (gegründet im Dezember 1918) mitgearbeitet hatte, übernahm sein Amt beim Völkischen Beobachter im März 1923, hatte er doch wesentliche Ideen bei Eckart bezogen, sowohl aus dessen politischen sowie religiös-esoterischen Positionen.[2]
Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es mehrere Eckart-Denkmäler und Gedenkorte. Die heute Berliner Waldbühne genannte Freilichtbühne des Berliner Olympiageländes wurde nach der Erbauung 1936 nach Eckart benannt. Seine Geburtsstadt Neumarkt in der Oberpfalz trug in dieser Zeit den offiziellen Namenszusatz „Dietrich-Eckart-Stadt“, im Jahr 1934 weihte Adolf Hitler dort ihm zu Ehren ein Denkmal im Stadtpark ein. Nach einem enthüllenden Artikel aus Anlass des 75. Geburtstages von Eckart in der Frankfurter Zeitung 1943 wurde die Zeitung verboten, der Autor Herbert Küsel entlassen, konnte dem Gefängnis aber durch Antritt des Wehrdienstes entgehen.[8]
[Bearbeiten] Werke
[Bearbeiten] Theaterstücke
- Der Froschkönig. Romantische Komödie. 1904.
- Familienväter. Tragische Komödie. 1904.
- Der Erbgraf. Schauspiel. 1907.
- Ein Kerl, der spekuliert. Komödie. 1909.
- Henrik Ibsens Peer Gynt. In freier Übertragung. 1912.
- Heinrich der Hohenstaufe. Deutsche Historie. 1915.
- Lorenzaccio. Tragödie. 1920.
[Bearbeiten] Lyrik, Polemiken, journalistische Beiträge
- In der Fremde. Gedichte. 1893.
- Ibsen, Peer Gynt, der große Krumme und ich. 1914.
- Abermals vor der Höhle des Großen Krummen. Erneute Aussprache über Theaterkritik. 1915.
- Auf gut deutsch. Wochenschrift für Ordnung und Recht. 1918–1920.
- Völkischer Beobachter. 1920–1923.
- Der Bolschewismus von Moses bis Lenin. Zwiegespräch zwischen Adolf Hitler und mir. München [1924].
[Bearbeiten] Literatur
- Claus-Ekkehard Bärsch: Die politische Religion des Nationalsozialismus. Die religiösen Dimensionen der NS-Ideologie in den Schriften von Dietrich Eckart, Joseph Goebbels, Alfred Rosenberg und Adolf Hitler. 2. überarb. Aufl., Fink, München 2002, ISBN 3-7705-3172-8.
- Paul Wilhelm Becker: Der Dramatiker Dietrich Eckart. Ein Beitrag zur Dramatik des Dritten Reichs. Diss., Köln 1970.
- Brigitte Hamann: Hitlers Wien. Lehrjahre eines Diktators. 8. Aufl., Piper, München 1998, ISBN 3-492-03598-1 (Inhalt, PDF, 10 KB; ungekürzte Taschenbuch-Ausgabe: 7. Aufl., Piper, München 2004, ISBN 3-492-22653-1).
- Tanja Langer: Der Morphinist oder die Barbarin bin ich. Roman. Luchterhand, München 2002, ISBN 3-630-87115-1.
- Margarete Runte-Plewnia: Auf dem Weg zu Hitler. Der „völkische“ Publizist Dietrich Eckart. Schünemann, Bremen 1970, (Studien zur Publizistik/Bremer Reihe, Bd. 14) ISBN 3-7961-3012-7.
- Ernst Nolte: Eine frühe Quelle zu Hitlers Antisemitismus. In: Historische Zeitschrift 192, 1961, S. 604ff.
- Shaul Esh: Eine neue literarische Quelle Hitlers? In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 15, 1964, S. 487ff.
- Sonja Noller: Eckart, Johann Dietrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, S. 284.
- Steven F. Sage: Ibsen and Hitler. The Playwright, The Plagiarist and the Plot for the Third Reich. New York 2006. S. 39-56.
[Bearbeiten] Weblinks
- Literatur von und über Dietrich Eckart im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Kurzbiografie zu Dietrich Eckart im LeMO.
- Bestand: ED 54: Eckart, Dietrich. Im Archiv des Instituts für Zeitgeschichte, München-Berlin (PDF, 42 KB).
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Karl Bosl u. a. (Hrsg.): Biographisches Wörterbuch zur Deutschen Geschichte. Bd. 1, 2. Aufl., Francke, München 1973. Vgl. Sonja Noller: Eckart, Johann Dietrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, S. 284.
- ↑ a b c d e f g h i j k Artikel Eckart, Dietrich. In: Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 2. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-10-091052-4.
- ↑ Sonja Noller: Eckart, Johann Dietrich. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 4, Duncker & Humblot, Berlin 1959, S. 284.
- ↑ Werner F. Grebner: Der Gefreite Adolf Hitler 1914-1920. Die Darstellung bayerischer Beziehungsnetzwerke. Graz 2008, S. 103, ISBN 3-902475-48-X.
- ↑ Walter Jung: Ideologische Voraussetzungen, Inhalte und Ziele außenpolitischer Programmatik und Propaganda in der deutschvölkischen Bewegung der Anfangsjahre der Weimarer Republik - Das Beispiel Deutschvölkischer Schutz- und Trutzbund, Universität Göttingen 2001, S. 25.
- ↑ Christ ist hier die germanisierte Form von Christus. Eckart hielt, anders als viele in seiner Umgebung, hartnäckig am Christentum fest. Vgl. Artikel Eckart, Dietrich. In: Hermann Weiß (Hrsg.): Biographisches Lexikon zum Dritten Reich. 2. Aufl., Fischer, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-10-091052-4.
- ↑ Karl Bosl (Hrsg.): Bosls Bayerische Biographie. 8000 Persönlichkeiten aus 15 Jahrhunderten. Pustet, Regensburg 1983.
- ↑ Herbert Küsel: Dietrich Eckart. In: Frankfurter Zeitung, Nr. 150 vom 23. März 1943, S. 1f. (nur im „Ersten Morgenblatt“ vollständig abgedruckt). Vgl. Bernd Sösemann: Journalismus im Griff der Diktatur. Die „Frankfurter Zeitung“ in der nationalsozialistischen Pressepolitik. In: Christoph Studt (Hrsg.): „Diener des Staates“ oder „Widerstand zwischen den Zeilen“? Die Rolle der Presse im „Dritten Reich“. Lit Verlag, Berlin/Hamburg/Münster 2007, ISBN 3-8258-9781-8, S. 11–38, besonders S. 33.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Eckart, Dietrich |
| ALTERNATIVNAMEN | Eckart, Johann Dietrich |
| KURZBESCHREIBUNG | Publizist, sowie Weggefährte und väterlicher Freund Adolf Hitlers |
| GEBURTSDATUM | 23. März 1868 |
| GEBURTSORT | Neumarkt in der Oberpfalz |
| STERBEDATUM | 26. Dezember 1923 |
| STERBEORT | Berchtesgaden |

