Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt

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48.12722222222211.564722222222Koordinaten: 48° 7′ 38″ N, 11° 33′ 53″ O

Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Landeshauptstadt München
Postleitzahl: 80335, 80336, 80337, 80469
Vorwahl: 089
Karte

Lage des Stadtbezirks 2 in München

Luftbild der Ludwigsvorstadt
Ein Blick auf das Gärtnerplatzviertel in der Isarvorstadt

Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt ist der Stadtbezirk 2 der bayerischen Landeshauptstadt München. Er setzt sich aus den Stadtteilen Ludwigsvorstadt und Isarvorstadt zusammen.

Lage[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk entstand 1992 aus der Zusammenlegung der Ludwigsvorstadt südwestlich des Stadtzentrums mit den drei Isarvorstadtbezirken Isarvorstadt/Schlachthofviertel, Isarvorstadt/Glockenbachviertel und Isarvorstadt/Deutsches Museum südöstlich davon und umfasst den südlichen Teil der Altstadt wie eine Spange. Mit dem Grüngürtel entlang der Isar, dem Alten Südlichen Friedhof und der Theresienwiese umfasst der Bezirk bedeutende Freiflächen und Grünanteile im südlichen Innenstadtbereich.

Die Grenzen des Stadtbezirks bilden von Nord bis Ost der Straßenzug Arnulf-, Sonnen-, Müller-, Rumford- und Zweibrückenstraße, im Südosten die Isar, im Südwesten die Bahngleise des Münchner Südrings und im Westen die Theresienhöhe und die Hackerbrücke. Die Grenze zwischen den beiden Stadtteilen Ludwigsvorstadt und Isarvorstadt verläuft entlang der Lindwurmstraße. Da diese eine Fortsetzung der Sendlinger Straße ist, die in der Altstadt die Grenze zwischen Hacken- und Angerviertel bildet, wurde die Ludwigvorstadt ursprünglich äußeres Hackenviertel und die Isarvorstadt äußeres Angerviertel genannt. Auch der Südteil der Museumsinsel (südlich der Ludwigsbrücke) gehört zur Isarvorstadt.

Geschichte und heutige Struktur[Bearbeiten]

Die Strukturen und Funktionen des Stadtbezirkes sind von der Entwicklungsgeschichte beeinflusst und je nach Viertel sehr unterschiedlich: Das Bahnhofsviertel um den Hauptbahnhof wurde im Zweiten Weltkrieg durch Luftangriffe der Alliierten großteils zerstört und nach dem Krieg mit Wohn- und Geschäftshäusern wieder aufgebaut. Neben vielen Groß- und Einzelhändlern sind im Umfeld des Bahnhofs zahlreiche Hotels und Gaststätten, Sexshops, Computer- und Elektronikläden und internationale Imbissläden zu finden. Die Straßenszenerie ist stark von Einwanderern vor allem aus der Türkei geprägt. Im sogenannten „Wiesenviertel“ mit der Theresienwiese als Oktoberfestveranstaltungsort, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts als repräsentatives Villen- und Mietshausviertel konzipiert worden war, überwiegt heute der Büroraum. Markantestes Bauwerk ist die neugotische Paulskirche. Östlich des Wiesnviertels liegt das Klinikviertel, das durch die Bauten der Innenstadtkliniken der Ludwigs-Maximilians-Universität geprägt wird. Bahnhofs- und Klinikviertel werden durch die Schillerstraße verbunden.

Noch 1819 zählte die Isarvorstadt nur 2.300 Einwohner und umfasste 183 Häuser und 19 staatliche oder städtische Gebäude. Wegen der zahlreichen Bäche lebten hier vor allem Müller, Gärtner, Milchmänner, Wäscher, Bleicher, Zimmerleute, Floßmeister, Pferdehändler und Tagelöhner in häufig ärmlichen Behausungen. In der heutigen Palmstraße (damals Pechwinkel) lebten die Pechsieder der Stadt. Zwischen Baum- und Auenstraße befand sich das alte Brech- und Pesthaus für Schwerkranke zwischen zwei Stadtbächen gelegen. Ein weiteres Brechhaus befand sich an der heutigen Erhardtstraße. Anfang des 18. Jh. zog die Bayerische Armee in die Isarvorstadt ein. An der Nordseite der Zweibrückenstraße befand sich der Galgen der Bayerischen Militärjustiz. An der Müllerstraße wurde 1775 ein Militärlazarett errichtet. Auf der heutigen Museumsinsel (damals Kohleninsel) entstand die Kurfürstliche Isarkaserne. Auf der gegenüberliegenden Isarseite errichtete König Maximilian I. 1811 die Schwere-Reiter-Kaserne. König Maximilian II. ließ 1854 in der Kohlstraße auf dem Gelände der heutigen Patentämter eine Reitschule errichten. Weiter entstanden in der Isarvorstadt drei Pulvermühlen und in der Geyerstraße mehrere Artilleriewerkstätten. Daneben gab es aber auch zahlreiche Gärten wie den Herzog-Alberti-Lustgarten, den Claude-Clair-Garten, den Buttermelchgarten und den Wollgarten. Außerdem einige Stadtschlösschen wie das des Hofchirurgs Dominikus Geyer am Pesenbach, das Ruffinischlössl, das Jagdschlössl in der Fraunhoferstraße und das Leopoldschössl an der Blumenstraße. Während der gründerzeitlichen Stadterweiterung entstanden Schlachthof-, Dreimühlen-, Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel als Mietshaus- und Gewerbeviertel. Mit dem Schlacht- und Viehhof und den Leder- und Textilbetrieben kamen zahlreiche Juden vor allem aus Galizien und die Isarvorstadt wurde zum Münchner Judenviertel. Daneben etablierten sich zahlreiche Bordelle. In der Weimarer Republik nahm hier die NSDAP ihren Aufstieg. Im Zweiten Weltkrieg wurde die industriereiche Isarvorstadt Ziel der alliierten Bombenangriffe. 226 Gebäude und 3.135 Wohnungen wurden zerstört.

Die verbliebenen Mietgebäude aus der Gründerzeit weisen auch heute noch einen sehr hohen, größtenteils gepflegten Altbaubestand auf. Durch die Ausweitung des Citybereichs und Umnutzungen aufgegebener Industrie- und Gewerbeflächen wandelte sich die traditionelle Gewerbestruktur des Bezirks und der Dienstleistungssektor konnte sich als maßgeblicher Arbeitsplatzanbieter in diesen Vierteln etablieren. Noch immer von großer wirtschaftlicher Bedeutung für München ist der Schlachthof München mit dem Fleischgroßmarkt und den zahlreichen Groß- und Einzelhandelsbetrieben des Metzgerhandwerks und des Zulieferbereichs.

Durch Modernisierung und Sanierung älterer Wohngebäude und den einhergehenden starken Anstieg des Mietniveaus sowie durch die Errichtung von Eigentumswohnungen auf früheren Gewerbeflächen ist die Sozialstruktur in einzelnen Bezirksteilen in Veränderung begriffen (siehe auch Gentrifizierung). Am deutlichsten ist dieser Prozess in den früheren Wohnquartieren der „einfachen Leute“ im Glockenbach- und Schlachthofviertel sichtbar. In weiten Teilen des Glockenbach- und Gärtnerplatzviertels trifft man mittlerweile fast ausschließlich Bewohner mit hohem Einkommen an. Beide Stadtteile zählen heutzutage zu den teuersten der Stadt. Der Umbau des ehemaligen Arbeitsamts durch Designer Philippe Starck und des unmittelbar angrenzenden ehemaligen AOK-Gebäudes zum Isar-Stadtpalais werden als besondere Beispiele für Gentrifizierung in München angeführt.[1] Das Heizkraftwerk in der Müllerstraße wird zum Luxuswohnobjekt The Seven umgebaut und 2014 die teuersten Wohnungen der Stadt beinhalten.

Des Weiteren gelten beide Viertel als Zentren der Schwulenszene. Im Gegensatz zu der Wandlung im Glockenbach- und Gärtnerplatzviertel weisen andere Teile des Stadtbezirks eine relativ hohe Zahl von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfängern und einen über dem Stadtdurchschnitt liegenden Ausländeranteil auf.

Bedeutende Orte und Bauwerke[Bearbeiten]

  • Auf der Museumsinsel in der Isar liegt das Deutsche Museum.
  • Gegenüber der Museumsinsel und des Deutschen Museums liegt das Hauptgebäude des Europäischen Patentamts in München.
  • Am Sankt-Pauls-Platz 11 befindet sich die 1892 bis 1906 erbaute Kirche St. Paul. Der Architekt Georg von Hauberrisser schuf diese eindrucksvolle Basilika. Sie ist im Stil der rheinischen Gotik erbaut.
  • Zwischen Thalkirchner- und Pestalozzistraße befindet sich der Alte Südliche Friedhof, der nicht mehr als Friedhof genutzt wird und unter Denkmal- und Naturschutz steht.
  • Zwischen Landwehrstraße, Schwanthalerstraße und Sonnenstraße liegt das im Stil des (Neo-)Barock gehaltene Deutsche Theater München (Spielbetrieb auf Grund von Sanierungsarbeiten derzeit ausgelagert)
  • Das Münchner Gewerkschaftshaus in der Schwanthalerstraße ist das Haus in dem die meisten Münchner Einzelgewerkschaften sowie der DGB München ihren Sitz haben.
  • Der Mathäser zwischen Stachus und Hauptbahnhof war jahrhundertelang ein beliebter Bierausschank, eine Zeit lang Hauptquartier der 1918er Münchner Räterepublik, wurde nach starker Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zu einer regelrechten Bierstadt mit 16 Gaststätten und einem der größten Kinos Deutschlands umgebaut und beherbergt seit dem Neubau (1999-2003) ein modernes Multiplex Kinocenter mit 14 Sälen und mehreren Bars und Geschäften sowie repräsentative Büroflächen mit Dachterrassen.
  • In der Hermann-Schmid-Straße befindet sich ein Mahnmal, das an den Standort des ehemaligen Israelitischen Kranken- und Schwesternheims erinnert.

Baudenkmäler[Bearbeiten]

Statistik[Bearbeiten]



(Stand jeweils am 31. Dezember, Einwohner mit Hauptwohnsitz)

Jahr Einwohner davon Ausländer Fläche in ha EW pro ha Quelle mit weiteren Daten
2000 044.451 014.301 (32,2 %) 0438,75 0101 Statistisches Taschenbuch München 2001. pdf-Download
2001 044.484 014.025 (31,5 %) 0438,75 0101 Statistisches Taschenbuch München 2002. pdf-Download
2002 044.059 013.684 (31,1 %) 0438,75 0100 Statistisches Taschenbuch München 2003. pdf-Download
2003 043.637 013.293 (30,5 %) 0438,76 0099 Statistisches Taschenbuch München 2004. pdf-Download
2004 043.469 012.793 (29,4 %) 0438,72 0099 Statistisches Taschenbuch München 2005. pdf-Download
2005 043.954 012.953 (29,5 %) 0439,09 0100 Statistisches Taschenbuch München 2006. pdf-Download
2006 045.736 012.797 (28,0 %) 0439,17 0104 Statistisches Taschenbuch München 2007. pdf-Download
2007 046.520 012.824 (27,6 %) 0439,18 0106 Statistisches Taschenbuch München 2008. pdf-Download
2008 047.599 013.042 (27,4 %) 0440,15 0108 Statistisches Taschenbuch München 2009. pdf-Download
2009 046.446 011.944 (25,7 %) 0440,15 0106 Statistisches Taschenbuch München 2010. pdf-Download
2010 047.357 012.255 (25,9 %) 0440,15 0108 Statistisches Taschenbuch München 2011. pdf-Download
2011 048.231 012.614 (26,2 %) 0440,15 0110 Statistisches Taschenbuch München 2012. pdf-Download
2012 049.657 013.604 (27,4 %) 0440,15 0113 Statistisches Taschenbuch München 2013. pdf-Download

Politik[Bearbeiten]

Bezirksausschusswahl März 2014
(Stimmen in Prozent) [2]
 %
40
30
20
10
0
35,2 %
23,4 %
22,4 %
14,0 %
4,9 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2008 [2]
 %p
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
+5,8 %p
+3,9 %p
-8,6 %p
+1,1 %p
-2,3 %p

Dem Bezirksausschuss gehören seit der Bezirksausschusswahl vom 16. März 2014 insgesamt 25 Mitglieder an (vorher 23). Bei der Wahl konnten die GRÜNEN 9 Mandate, die CSU und die SPD jeweils 6 Mandate, die Rosa Liste 3 Mandate sowie die FDP 1 Mandat erringen. Die GRÜNEN und die Rosa Liste bilden eine Fraktionsgemeinschaft und kommen gemeinsam auf 12 Mandate.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Martin Arz: Isarvorstadt: Reiseführer für Münchner. Hirschkäfer, München 2012, ISBN 978-3-940839-28-2.
  •  Martin Arz: Die Isarvorstadt. Gärtnerplatz-, Glockenbach- und Schlachthofviertel. Hirschkäfer, München 2008, ISBN 978-3-940839-00-8.
  •  Christine Rädlinger, Stadtarchiv München (Hrsg.): Geschichte der Münchner Stadtbäche. Franz Schiermeier Verlag, München 2004, ISBN 978-3-9809147-2-7.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferdinand Stracke: WohnOrt München -- Stadtentwicklung im 20. Jahrhundert. Franz Schiermeier Verlag, 2011, ISBN 978-3-9814521-2-9, Seite 292
  2. a b muenchen.de - Bezirksausschusswahl 2014, abgerufen am 21. März 2014