Karl von Halt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Karl Ritter von Halt)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karl Ritter von Halt (porträtiert von Emil Stumpp, 1929)
Halt (2.v.l. neben Reinhard Heydrich, Heinrich Himmler und Kurt Daluege) als Ehrengast auf einer Großveranstaltung im Berliner Sportpalast zugunsten des WHW am 16. Februar 1941

Karl Ferdinand Halt, seit 1917 Ritter von Halt (* 2. Juni 1891 in München; † 5. August 1964 ebenda), war ein deutscher Sportfunktionär im nationalsozialistischen Deutschen Reich und in der Bundesrepublik.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Halt war der Sohn des aus Württemberg stammenden Münchener Schlossermeisters Karl Halt und dessen Ehefrau Katharina, geborene Gaab. Nachdem er die Luitpold-Oberrealschule München absolviert hatte, fand Halt 1908 eine Anstellung bei der Depositenkasse der Deutschen Bank. Nebenbei studierte er an der Universität München und promovierte zum Doktor der Staatswissenschaften (Dr. rer. pol.).

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldete er sich am 3. August 1914 als Freiwilliger in das Infanterie-Leib-Regiment der Bayerischen Armee. In der Zwölften Isonzoschlacht hatte er mit seiner Einheit am 27. Oktober 1917 den Monte Madlessena eingenommen. Mit Wirkung vom 27. Oktober 1917 erhielt er dafür das Ritterkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens. Mit der Verleihung war die Erhebung in den persönlichen Adelstand verbunden und er durfte sich nach der Eintragung in die Adelsmatrikel Ritter von Halt nennen. Als Leutnant der Reserve und Führer der 3. Kompanie wurde Halt in der Schlacht von Épehy zum insgesamt fünften Mal während des Krieges verwundet und geriet dabei in englische Kriegsgefangenschaft. Nach Kriegsende wurde er aus dieser am 18. November 1918 entlassen und schied kurz darauf nach seiner Rückkehr nach München aus dem Militärdienst.

Seit 1923 war Halt beim Bankhaus H. Aufhäuser in München beschäftigt und wurde dort im selben Jahr Generalbevollmächtigter. 1936 wurde er Direktor bei der Deutschen Bank und war ab 1938 das für den Personalbereich verantwortliche Vorstandsmitglied. Zusätzlich hatte er das Amt des „Betriebsführers“ inne.

Als mehrfacher deutscher Zehnkampfmeister – er nahm wie Avery Brundage an den V. Olympischen Spielen 1912 in Stockholm im Fünfkampf (nach drei Wettbewerben ausgeschieden) und im Zehnkampf (Platz 8) teil – wurde er 1931 Vorsitzender des Sportbundes für Leichtathletik und als Nachfolger von Franz Lang kommissarischer Präsident der International Amateur Handball Federation (ab 1934 gewählter Präsident) sowie 1929 in das Internationale Olympische Komitee (IOC) gewählt.

Halt trat am 1. Mai 1933 in die NSDAP (Mitgliedsnr. 3.204.950) und in die SA ein, wo er Oberführer wurde. Er gehörte zum Freundeskreis Reichsführer-SS. Als Vorstandsmitglied der Deutschen Bank leistete er wiederholt erhebliche Spendenzahlungen an die SS. Mit dem Freundeskreis Himmler besichtigte Halt 1937 das Konzentrationslager Dachau, während die KZ-Häftlinge ihrer Arbeit nachgingen, und 1939 das Konzentrationslager Oranienburg[1]. 1937 wollte v. Halt in die SS übertreten, was jedoch am Widerstand von Stabschef Lutze scheiterte.

Halt hatte er bei den Olympischen Spielen 1936 maßgeblichen Anteil an der Ausladung der damals überragenden Hochsprung-Leichtathletin Gretel Bergmann. Da die USA mit Boykott drohten falls jüdische Athleten ausgeschlossen würde, holten die Deutschen sie mit einer List aus England - für welches sie an den Spielen teilnehmen wollte - zurück und luden sie am Tag der Ankunft der Amerikaner in Deutschland (einen Tag vor Beginn der Spiele) schriftlich wieder aus. Das Dokument dazu wurde von Halt verfasst.[2] Die herausragende Sportlerin und Titel-Favoritin wurde so im Vorfeld um ihren möglichen olympischen Ruhm gebracht.

Er blieb durch sein Bekenntnis zur NSDAP an der Spitze der deutschen Leichtathletik, jetzt in der Funktion als Leiter des Fachamtes für Leichtathletik. 1936 wurde er Präsident des Organisationskomitees für die IV. Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, bei den Sommerspielen in Berlin verantwortete er die Organisation der leichtathletischen Wettkämpfe. Nach den Spielen wurde er vom Reichssportführer mit der Leitung des Fachamtes für Bob- und Rodelsport betreut und in den Vorstand des Internationalen Bobsportverbandes gewählt. Zwischen 1937 bis 1945 war er zudem Mitglied des Exekutivkomitees des Internationalen Olympischen Komitees, ab 1944 bekleidete er kommissarisch im Nationalsozialistischen Reichsbund für Leibesübungen das Amt des Reichssportführers.

Mitte April 1945 wurde er zum Volkssturm eingezogen. Am 7. Mai 1945 folgte bei einer Registrierung als leitende Persönlichkeit der Wirtschaft die Verhaftung durch die sowjetischen Streitkräfte. Bis Anfang 1950 wurde er ohne ein gerichtliches Verfahren im Speziallager Nr. 2 in Buchenwald des NKWD (sowjetischer Staatssicherheitsdienst), dem ehemaligen KZ Buchenwald, gefangengehalten. Aus der Gefangenschaft wurde er entlassen, nachdem sich vor allem die IOC-Größen Avery Brundage und Sigfrid Edström (Präsident) für ihren alten Freund Ritter von Halt einsetzten. So war eine grundlegende Bedingung an die Sowjetunion für Aufnahmeverhandlungen mit dem IOC, dass Ritter von Halt aus Buchenwald entlassen würde: „Ohne Freilassung von Halts keine IOC-Mitgliedschaft.“[3]

1950 kehrte er nach München zurück und arbeitete bei der Bayerischen Creditbank. Er wurde 1952 Aufsichtsratsmitglied der Deutsche-Bank-Nachfolgerin Süddeutsche Bank in München. Trotz publizistischer Angriffe zwischen 1951 und 1960 aufgrund seiner Stellung im Nationalsozialismus wurde er Präsident des westdeutschen Olympischen Komitees und war von 1961 bis 1964 dessen Ehrenpräsident. Ferner war er Ehrenpräsident des Internationalen Handballverbandes und des deutschen Leichtathletik-Verbandes.

1959 setzte sich Halt gegenüber Adenauer erfolgreich für die weitere Beibehaltung der Gesamtdeutschen Mannschaft bei den Olympischen Spielen ein.

Anlässlich der Bundesjugendspiele wurde am 18. Juli 1958 ein Sportplatz in Garmisch-Partenkirchen auf den Namen „Ritter-von-Halt-Stadion“ getauft. Am 18. Juli 2006 wurde es wieder in „Stadion am Gröben“ umbenannt.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof von Partenkirchen.[4]

Ehrungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rudolf von Kramer, Otto von Waldenfels: VIRTUTI PRO PATRIA. Der königlich bayerische Militär-Max-Joseph-Orden. Kriegstaten und Ehrenbuch 1914-1918. Selbstverlag des königlich bayerischen Militär-Max-Joseph-Ordens. München 1966. S. 309f.
  • Peter Heimerzheim: Karl Ritter von Halt. Leben zwischen Sport und Politik. Schriften der Deutschen Sporthochschule Köln (Band 44). Academia-Verlag. Sankt Augustin 1999. ISBN 3-89665-124-2.
  • Heinz Bergschicker: Deutsche Chronik 1933–1945. Ein Zeitbild der faschistischen Diktatur. Wiss. Beratung Olaf Groehler. 2. Auflage. Verlag der Nation. Berlin 1982. Abb. S. 176.
  • Arnd Krüger: The Ministry of Popular Enlightenment and Propaganda and the Nazi Olympics of 1936. In: R. K. BARNEY, K. B. WAMSLEY u.a. (Hrsg.): Global and Cultural Critique: Problematizing the Olympic Games. (⇐ 4th International Symposium for Olympic Research). London, Ont.: University of Western Ontario 1998, 33 – 48. http://library.la84.org/SportsLibrary/ISOR/ISOR1998g.pdf

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. nach Aussage von Oswald Pohl am 29. Juli 1946. Siehe die 1946/1947 von der US-Militärregierung erstellten Untersuchungsunterlagen zur Einleitung eines Kriegsverbrecherprozesses gegen die Deutsche Bank. Sie wurden 1985 übersetzt und herausgegeben: Hans Magnus Enzensberger (Hrsg.), Ermittlungen gegen die Deutsche Bank : 1946/1947 / Militärregierung d. Vereinigten Staaten für Deutschland, Finanzabt., Sekt. für Finanzielle Nachforschungen., Übers. u. bearb. von d. Dokumentationsstelle zur NS-Politik, Hamburg, Nördlingen : Greno 1985 ISBN 3-921568-66-8 , S. 389
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAnno Hecker: Der Sprung des Lebens. In: FAZ.net. 12. April 2014, abgerufen am 17. Dezember 2014.
  3. Arnd Krüger: Deutschland und die olympische Bewegung (1945–1980). In: Horst Ueberhorst (Hrsg.): Geschichte der Leibesübungen. Band 3/2: Leibesübungen und Sport in Deutschland vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Bartels und Wernitz, Berlin 1981, ISBN 3-87039-054-9, S. 1048–1081.
  4. Gerd Otto-Rieke: Gräber in Bayern. München 2000. S. 95.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSolveig Grothe: 60 Jahre Bundesverdienstkreuz: Die Blechlawine. In: Spiegel Online. 2. September 2011, abgerufen am 17. Dezember 2014.