Ken Adam
Sir Kenneth Adam, auch Ken Adam, OBE, (* 5. Februar 1921 in Berlin als Klaus Hugo Adam) ist ein deutsch-britischer Szenenbildner. Adams Arbeit erlangte besondere Berühmtheit, als er in den 1960er- und 1970er-Jahren aufwendige Szenenbauten für mehrere James-Bond-Filme schuf.
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Leben [Bearbeiten]
Adams Eltern Lilli und Fritz Adam waren mit den Familien Georg und Otto Adam Eigentümer des Kaufhauses S. Adam in Berlin. Er besuchte das Französische Gymnasium.[1] In dieser Zeit fand er Gefallen am Kopieren von Gemälden und Skulpturen, er stellte Büsten von Goethe und Schiller her als auch die Selbstporträts Van Goghs.[1] 1934 wanderte er gemeinsam mit seinen Eltern und seinen Geschwistern Dieter, Loni und Peter nach Großbritannien aus, dort ging er auf die St Paul's School in Barnes, London. Danach studierte er Architektur an der Bartlett School of Architecture am University College London.
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs war seine Familie in Gefahr, als feindliche Ausländer interniert zu werden. Doch Ken Adam meldete sich für das Royal Pioneer Corps und flog später als Jagdflieger der britischen Luftwaffe Einsätze gegen die Nazis, aber „nicht gegen Deutschland“.[2] Adam hatte zu diesem Zeitpunkt noch keinen britischen Pass und war damit der einzige Deutsche in der britischen Luftwaffe. 1944 kam sein Bruder Dieter hinzu. Nicht alle Angehörigen der Familie Adam konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Georg Adam und Otto Adam, Brüder von Fritz Adam und Mitinhaber der Firma S. Adam verstarben 1930 / 1931 in Berlin. Georg hinterließ Ehefrau Hedwig und seine beiden Söhne Herbert und Gerhard. Herbert wurde 1937 inhaftiert und in das KZ Dachau, 1938 in das KZ Buchenwald deportiert. Am 9. November 1939 wurde Herbert Adam mit weiteren 20 Häftlingen aus Rache von Georg Elsers Bürgerbräu-Attentat auf Hitler in München im Steinbruch des KZ Buchenwald erschossen. Hedwig Adam verstarb am 14. Januar 1940 in Berlin. Cousin Gerhard kehrte 1969 von Brüssel nach Deutschland zurück, wo er 1986 starb.
Zum Film kam er in den 1950er Jahren als Szenenbildner. Seine berühmtesten Entwürfe wurden für die Filme des Perfektionisten Stanley Kubrick und für sieben Filme der James-Bond-Reihe realisiert. Der War Room aus Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben hat nicht nur für Szenenbildner Filmgeschichte geschrieben. Als der damalige US-Präsident Ronald Reagan 1981 in seinen Amtssitz eingeführt worden war, erkundigte er sich nach dem Standort des War Room.[1] Ab 1962 entwarf Adam die immer aufwändigeren Szenenaufbauten für die erfolgreiche James-Bond-Reihe, deren Design die Filme entscheidend prägte. Adams konzipierte unter anderem die geheimen Kommandozentralen von Bonds Widersachern, die durch ihre monumentalen Ausmaße und ihre spektakuläre Konzeption auffielen (künstlicher Vulkankrater, Supertanker, Raumstation etc.).
Filmografie [Bearbeiten]
Production Designer
- 1957: Der Fluch des Dämonen (Night of the Demon)
- 1959: Vor uns die Hölle (Ten Seconds to Hell)
- 1959: Hügel des Schreckens (The Angry Hills)
- 1959: Das Bittere und das Süsse (The Rough and the Smooth)
- 1960: Der Mann mit der grünen Nelke (The Trials of Oscar Wilde)
- 1962: Sodom und Gomorrha (Sodom and Gomorrah)
- 1962: James Bond jagt Dr. No (Dr. No)
- 1963: Begierde an schattigen Tagen (In the Cool of the Day)
- 1964: Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying and Love the Bomb)
- 1964: Die Strohpuppe (Woman of Straw)
- 1964: Goldfinger
- 1965: Ipcress – streng geheim (The Ipcress File)
- 1965: Feuerball (Thunderball)
- 1966: Finale in Berlin (Funeral in Berlin)
- 1967: Man lebt nur zweimal (You Only Live Twice)
- 1968: Tschitti Tschitti Bäng Bäng (Chitty Chitty Bang Bang)
- 1969: Auf Wiedersehen, Mr. Chips (Goodbye, Mr. Chips)
- 1970: Die Eule und das Kätzchen (The Owl and the Pussycat)
- 1971: Diamantenfieber (Diamonds Are Forever)
- 1972: Mord mit kleinen Fehlern (Sleuth)
- 1973: Sheila (The Last of Sheila)
- 1975: Barry Lyndon
- 1976: Doppelspiel (Salon Kitty)
- 1976: Kein Koks für Sherlock Holmes (The Seven-Per-Cent Solution)
- 1977: Der Spion, der mich liebte (The Spy Who Loved Me)
- 1979: Moonraker (Moonraker)
- 1985: König David (König David)
- 1985: Agnes – Engel im Feuer (Agnes of God)
- 1986: Verbrecherische Herzen (Crimes of the Heart)
- 1988: Die Täuscher (The Deceivers)
- 1989: Dead Bang – Kurzer Prozess (Dead Bang)
- 1990: Freshman (The Freshman)
- 1991: Der Doktor – Ein gewöhnlicher Patient (The Doctor)
- 1991: Company Business
- 1993: Undercover Blues – Ein absolut cooles Trio (Undercover Blues)
- 1993: Die Addams Family in verrückter Tradition (Addams Family Values)
- 1994: King George – Ein Königreich für mehr Verstand (The Madness of King George)
- 1995: Kaffee, Milch und Zucker (Boys on the Side)
- 1996: Bogus
- 1997: In & Out
- 1999: Schlaflos in New York (The Out-of-Towners)
- 2001: Taking Sides – Der Fall Furtwängler (Taking Sides)
Art Department
- 1951: Des Königs Admiral (Captain Horatio Hornblower R.N.)
- 1952: Der rote Korsar (The Crimson Pirate)
- 1958: In 80 Tagen um die Welt (Around the World in Eighty Days)
- 1959: Ben Hur (Ben-Hur)
- 1981: Tanz in den Wolken (Pennies from Heaven)
Beteiligung in der Phase der Pre-Production (in Klammern das Jahr, in dem Ken Adam an dem Filmprojekt arbeitete):
- 1959: Beherrscher der Meere (John Paul Jones) (1956)
- 1961: In the Nick (1959)
- 1961: Der römische Frühling der Mrs. Stone (The Roman Spring of Mrs. Stone) (1961)
- 1969: Im Geheimdienst Ihrer Majestät (On Her Majesty's Secret Service) (1968)
- 1977: Star Trek: Der Film (Star Trek – The Motion Picture) (1977)
- 1987: Der letzte Kaiser (The Last Emperor) (1985)
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Oscar in der Kategorie Ausstattung:
- 1976: Barry Lyndon
- 1995: King George – Ein Königreich für mehr Verstand (The Madness of King George)
Oscarnominierungen in der Kategorie Ausstattung:
- 1957: In 80 Tagen um die Welt (Around the World in Eighty Days)
- 1978: Der Spion, der mich liebte (The Spy Who Loved Me)
- 1994: Die Addams Family in verrückter Tradition (Addams Family Values)
weitere Auszeichnungen
- 1994: DIVA-Award
- 2002: ADG Lifetime Achievement Award
- 2008: Lucky Strike Designer Award
Literatur [Bearbeiten]
- Christopher Frayling: Ken Adam: The Art of Production Design. Faber and Faber, London 2005, ISBN 0-57122-057-6.
- Andreas Rost (Hrsg.): Der schöne Schein der Künstlichkeit. Verlag der Autoren, Frankfurt am Main 1995, ISBN 3-88661-158-2.
- Alexander Smoltczyk: James Bond, Berlin, Hollywood. Die Welten des Ken Adam. Nicolai, Berlin 2002, ISBN 3-87584-069-0.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Ken Adam im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Ken Adam in der Internet Movie Database (englisch)
- Kurz-Bio von Adam, moving-spaces.de (PDF-Datei; 369 kB; ½ S.)
- Interview mit Ken Adam, Berlinale, 2004 (engl.)
- Interview mit Ken Adam, designlines.de, Dezember 2008
- Ken Adam bei filmportal.de
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c Horatia Harrod: Ken Adam: the man who drew the Cold War. In: Daily Telegraph, 28. September 2008
- ↑ Stefanie Appel: 50 Jahre James Bond. Wie der Designer Ken Adam den Mythos von 007 schuf. In: ttt, hr, 26. Februar 2012.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Adam, Ken |
| ALTERNATIVNAMEN | Adam, Klaus (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsch-britischer Szenenbildner |
| GEBURTSDATUM | 5. Februar 1921 |
| GEBURTSORT | Berlin |