Kiruna

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Dieser Artikel behandelt den Ort Kiruna; für die schwedische Gemeinde Kiruna siehe Kiruna (Gemeinde).
Kiruna
Wappen von Kiruna
Kiruna (Schweden)
Kiruna
Kiruna
Basisdaten
Staat: Schweden
Provinz (län): Norrbottens län
Historische Provinz (landskap): Lappland
Gemeinde (kommun): Kiruna
Koordinaten: 67° 51′ N, 20° 13′ O67.85472222222220.222777777778Koordinaten: 67° 51′ N, 20° 13′ O
Einwohner: 18.148 (31. Dezember 2010)[1]
Fläche: 16,53 km²
Bevölkerungsdichte: 1.098 Einwohner je km²
Kiruna und Umgebung
Kirche von Kiruna mit Glockenturm.

Kiruna ist die nördlichste Stadt Schwedens. Der Hauptort der gleichnamigen Gemeinde liegt in der Provinz Norrbottens län und der historischen Provinz Lappland. Der Name stammt vom nordsamischen Wort giron – auch der nordsamische Name für die Stadt – für Schneehuhn, das auch im Stadtwappen dargestellt ist.[2]

Kiruna entstand als Siedlung für das gleichnamige Eisenerzbergwerk. Damit die unter der Stadt liegenden Vorkommen abgebaut werden können, wird sie bis 2040 komplett um fünf Kilometer nach Osten verlegt.[3]

Der Raketenstartplatz Esrange für den Start von zivilen Forschungsraketen liegt 45 Kilometer östlich der Stadt.

Geografie[Bearbeiten]

Kiruna liegt zwischen den beiden Erzbergen Kiirunavaara (749 m ü. NN) und Luossavaara (729 m), wo hochwertiges Magnetit-Eisenerz mit 60 bis 70 Prozent Eisengehalt gefunden wurde. Westlich der Stadt befindet sich der See Luossajärvi.

Die Stadt liegt nördlich des Polarkreises. Die Mitternachtssonne scheint von Juni bis Juli 50 Tage ununterbrochen.[4] Im Winter herrscht zwanzig Tage Polarnacht: vom 12. bis einschließlich 31. Dezember steigt die Sonne nie vollständig über den Horizont.

Im Sommer betragen die Temperaturen in Kiruna zwischen 8 und 16 Grad (im Juli). Die Winter sind kalt, die Temperaturen liegen zwischen −9 und −15 Grad (im Januar). Darüber hinaus kann es in klaren, windstillen Nächten bis unter −30 °C gehen.

Kiruna
Klimadiagramm
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Temperatur in °C,  Niederschlag in mm
Quelle: WMO
Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Kiruna
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) −10 −8 −4 1 7 14 17 14 8 2 −5 −8 Ø 2,4
Min. Temperatur (°C) −19 −18 −14 −8 −1 5 7 6 1 −5 −12 −17 Ø −6,2
Niederschlag (mm) 30 25 26 27 34 49 86 74 49 47 42 34 Σ 523
Regentage (d) 17 14 14 13 12 13 16 17 15 16 16 17 Σ 180
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Quelle: WMO

Geschichte Kirunas[Bearbeiten]

LKAB Verwaltungsgebäude und Erzmine
Alte Feuerwache
Eishotel

Mit dem Bau der Erzbahn konnten die schon vorher bekannten Erzfunde bei Kiirunavaara und Luossavaara abgebaut werden. Rund um die Eisenbahnstation Luossavaare entstand eine Siedlung, die im Jahr 1900 in Kiruna umbenannt wurde. Kiruna wurde 1908 zur Minderstadt erhoben. 1948 wurde die Gemeinde Jukkasjärvi, zu der der Ort Kiruna gehörte, in Kiruna umbenannt und zur Stadt erhoben. Seit 1993 tagt hier der Samething, die parlamentarische Vertretung des Volkes der Samen.

Der frühere Name Luossavaara ist erstmals 1736 als Luosawara belegt und entstand aus der Übernahme des samischen Wortes Luossavárri ins Finnische, das seinerseits eine Zusammensetzung aus dem Wort für ‚Lachs‘ (nordsamisch luossa) und dem Wort für ‚Berg‘ (nordsamisch várri) ist. Der Name ging ursprünglich vom nahe gelegenen See Loussajárvi (járvi für See) auf den einen Erzberg über und war bis 1900 die Bezeichnung des Ortes.[5]
Der heutige schwedische Name des Ortes leitet sich von der finnischen Form Kiiruna ab, die wiederum eine Übersetzung des samischen Wortes Giron (Schneehuhn) ist. Ursprünglich war damit nur der zweite Erzberg Kiirunavaara (Berget Kieruna, 1736) gemeint.[6]

Erzabbau und dessen Folgen[Bearbeiten]

Blick auf Kiruna von der alten Mine auf dem Luossavaara zur neuen Mine auf dem Kiirunavaara.
Blick auf die Stadt vom Luossavaara aus

Der Erzabbau erfolgt in einer vulkanisch-exhalativen Lagerstätte, die schräg unter der Stadt verläuft. Zur Zeit (2008) werden vom schwedischen Bergbauunternehmen LKAB jährlich etwa 24 Millionen Tonnen Roherz gefördert.

Mit Fortschreiten des Abbaus werden die Stadtteile darüber zu unsicherem Gebiet, so dass es erforderlich wird, die Bevölkerung innerhalb der nächsten Jahrzehnte umzusiedeln. Die Alternative zur Umsiedlung wäre die Einstellung des Bergbaus und damit der wirtschaftlichen Grundlage der Stadt.

Im Januar 2007 fasste der Stadtrat von Kiruna den Beschluss, dass die Stadt entsprechend „verschoben“ werden muss. Das Stadtzentrum von Kiruna müsse innerhalb der nächsten Jahrzehnte um vier Kilometer versetzt werden, damit es nicht durch Einstürze gefährdet wird. Die Planung sah vor, die Eisenbahn westlich des Berges Kiirunavaara zu verlegen. Die Siedlungen würden Schritt für Schritt weiter nordwestlich an die bestehende Stadt angebaut, so dass die Erhaltung der Infrastruktur relativ einfach möglich wäre. In dieser Weise würde sich Kiruna im Laufe der nächsten 50–100 Jahre um einige Kilometer von seinem jetzigen Standpunkt verlagern.

Im Juni 2010 wurde schließlich beschlossen, ein neues Stadtzentrum fünf Kilometer weiter östlich zu bauen.[7] Der Neubau soll frühestens 2012 beginnen. Die alten Holzhäuser aus dem Stadtzentrum und größere Gebäude wie das Rathaus sollen möglichst im Originalzustand bleiben. Eine Grünanlage als Puffer zwischen Mine und Stadt soll je nach Bedarf wachsen.[8]

Verkehr[Bearbeiten]

Flughafen von Kiruna

Die wichtigste Verkehrsverbindung ist die 1903 vollendete, am 14. Juli 1903 offiziell von König Oskar II. eingeweihte und bis 1915 vollständig elektrifizierte Bahnlinie von Luleå über Gällivare, Kiruna nach Narvik. Von dort wird das mit der sog. Malmbanan („Erzbahn“, von Norwegern als „Ofotbanen“ bezeichnet) aus Kiruna antransportierte Erz verschifft. Die Strecke Luleå–Narvik beträgt 473 Kilometer. In Richtung Luleå fährt sie fünfmal pro Tag und in die Gegenrichtung viermal pro Tag. Diese Strecke ist die wichtigste Zugverbindung für Gütertransporte innerhalb Skandinaviens.
Neben der Malmbanan gibt es einen direkten Nachtzug von Göteborg über Stockholm nach Kiruna und zurück.

Die Stadt liegt an der Europastraße 10. Kiruna verfügt darüber hinaus über einen Flughafen, der mehrmals täglich von SAS und Norwegian Air Shuttle bedient wird.

Tourismus[Bearbeiten]

Kiruna bietet vielfältige Betätigungsmöglichkeiten für Urlauber. Im Sommer kann man wandern, Kanu fahren, jagen und fischen, im Winter Ski und Hundeschlitten fahren oder mit Schneeschuhen Wanderungen unternehmen. Der höchste Berg Schwedens, der Kebnekaise, ist nicht weit. Bekannt ist das Eishotel in Jukkasjärvi, welches jährlich ab Oktober neu gebaut und im Dezember eröffnet wird.

Sehenswert ist auch die ganz aus Holz erbaute Kirche von Kiruna, die 1912 von Gustaf Wickman in Anlehnung an die Form eines Lappenzelts errichtet wurde. Besonders eindrucksvoll ist das Altarbild, das von Prinz Eugen von Schweden gemalt wurde und eine sonnendurchströmte Landschaft zeigt. Die Kirche wurde 2001 zum schönsten Gebäude Schwedens gewählt.

Ebenfalls einen Besuch Wert ist die Kåppashålagrotte, eines der längsten Grottensysteme Schwedens. Man krabbelt durch den Tunnel und kann unterirdische Wasserfälle bewundern. Im Bergwerkmuseum erfährt man etwas über die 100-jährige Geschichte und die Entwicklung der Grube.

Seit einiger Zeit bietet die LKAB auch Führungen durch eine Ausstellungsmine an. Man fährt mit dem Bus vom Kiruna-Touristenbüro zu den Ausstellungsminen (nicht alle sind zur Besichtigung freigegeben). Dort kann man 500 m unter der Erde besichtigen, wie man Eisenerz gewinnt. Ein Fremdenführer erklärt mit Diashows die Weiterverarbeitung des Erzes. Die Führung wird täglich angeboten, von September bis Mai jedoch nur bei ausreichender Nachfrage. Aus Sicherheitsgründen müssen Kinder mindestens sechs Jahre alt und 1,1 m groß sein, um die Mine betreten zu dürfen.[9]

Eine weitere Attraktion sind die zu bestimmten Zeiten stattfindenden Besichtigungstouren des Raketenstartplatzes Esrange.

In einigen Jahren sollen von Kiruna aus kommerzielle Weltraumflüge starten. Ursprünglich war 2012 als frühester Termin vorgesehen. Anbieter der Flüge soll Virgin Galactic in Zusammenarbeit mit der Firma Spaceport Sweden sein.[10]

Sport[Bearbeiten]

Der örtliche Fußballverein Kiruna FF stand 1991 auf dem Sprung in die 1. schwedische Liga (Allsvenskan) und spielt aktuell in der Div. II Norrland (4. Liga).

Das Eishockey-Team der Stadt, Kiruna IF, spielt in der Div. I Norra, der dritthöchsten Eishockey-Klasse in Schweden.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Börje Salming (* 1951), ehemaliger Eishockeyspieler
  • Mathias Edenborn (* 1975), Musicaldarsteller
  • Sigvard Eklund (1911–2000), Wissenschaftler, zweiter Generaldirektor der Internationalen Atomenergieorganisation
  • Åsa Larsson (* 1966), Krimiautorin; einige ihrer Kriminalromane handeln in und um Kiruna
  • Carl Boutard (* 1975), Bildhauer, lebt und arbeitet in Malmö und Berlin

Personen, die in Kiruna gewirkt haben[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kiruna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tätorternas landareal, folkmängd och invånare beim Statistiska centralbyrån.
  2. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/reisen/reisefuehrer/schweden/index,page=1652846.html
  3. http://www.norrmagazin.de/design-architektur/kiruna-eine-stadt-macht-mobil/
  4. http://www.schiemann-web.de/reisebericht/stockholm/klimatabelle-schweden.htm
  5. Svenskt ortnamnslexikon. Språk- och folkminnesinstitutet, Uppsala 2003, ISBN 91-7229-020-X, S. 199.
  6. Svenskt ortnamnslexikon. S. 167.
  7. „The beginning of the city transformation“
  8. http://www.kommun.kiruna.se/Om-kommunen/English/City-in-Transformation/Mine-City-Park/
  9. http://www.lkab.com/
  10. Homepage von Spaceport Sweden (Version vom 22. Juli 2011 im Internet Archive)