Kurt Vonnegut

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Kurt Vonnegut

Kurt Vonnegut, Jr. (* 11. November 1922 in Indianapolis; † 11. April 2007 in New York) war ein US-amerikanischer Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Kurt Vonneguts Eltern waren der Architekt Kurt Vonnegut und Edith Vonnegut, geb. Lieber, die Tochter eines Bierbrauers.[1] Beide Eltern entstammten Familien, die ursprünglich aus Deutschland, aus dem westfälischen Münsterland, in die USA eingewandert waren. Kurt hatte zwei ältere Geschwister, Bernard und Alice.

Vonnegut besuchte von 1936 bis 1940 die Shortridge High School in Indianapolis. Als Journalist und Autor arbeitete er dabei für die Schülerzeitung The Shortridge High School Echo. Er studierte Biochemie an der Cornell University und arbeitete in dieser Zeit als Redakteur und Kolumnist für die College-Zeitung Cornell Sun.

Anfang 1943 meldete er sich als Freiwilliger zur US Army. Kurz bevor Vonnegut nach Europa verlegt wurde, nahm sich seine Mutter wegen Depressionen das Leben. Im Dezember 1944 diente er in der 106. Infanteriedivision als Soldat in einer Aufklärungseinheit während der Ardennenoffensive. Die unerfahrenen Einheiten der 106. (das Durchschnittsalter betrug 22 Jahre) wurden dabei teilweise aufgerieben. Am 22. Dezember geriet Vonnegut in deutsche Kriegsgefangenschaft, wo er die Luftangriffe auf Dresden und die Zerstörung der Stadt durch alliierte Bomber erlebte. Diese ihn prägenden Erlebnisse verarbeitete er in seinem bekanntesten Roman Slaughterhouse Five (dt.: Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug).

Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete er zunächst als Polizei-Reporter, anschließend als PR-Fachmann und ab 1950 als freier Schriftsteller.[1] Er konnte durch den Verkauf von Kurzgeschichten und Erzählungen an zeitgenössische US-Zeitschriften den Lebensunterhalt seiner Familie sichern und nebenbei in Ruhe seine Romane schreiben.[2]

In seinen letzten Lebensjahren profilierte sich der Schriftsteller als erbitterter Gegner der Kriegspolitik von US-Präsident Bush.

Kurt Vonnegut starb am Abend des 11. April 2007 in New York an den Folgen einer Kopfverletzung, die er sich bei einem Sturz im eigenen Haus zugezogen hatte.[1] Vonnegut hinterließ seine zweite Ehefrau, die auf Schriftstellerporträts spezialisierte Fotojournalistin Jill Krementz Vonnegut (* 1940) und sieben Kinder, die er großgezogen hatte. Drei stammten aus seiner ersten Ehe mit Jane Marie Cox, drei weitere (die er adoptiert hatte) aus der Ehe seiner 1958 an Krebs gestorbenen Schwester Alice, eines war die mit Krementz gemeinsam adoptierte Tochter.

Sein Bruder Bernard Vonnegut war Meteorologe und Erfinder des Wolken-Impfens mit Silberjodid, als er bei General Electric war (wo auch Irving Langmuir daran arbeitete). Kurt Vonnegut (der für die Public Relations Abteilung von General Electric arbeitete) diente dies als Material für das Thema Wetterbeeinflussung (Ice 9) in seinem Roman Cat´s Cradle.

Künstlerisches Schaffen[Bearbeiten]

Nach dem Krieg studierte er zunächst Anthropologie an der Universität Chicago, bevor er als Science-Fiction-Autor Erfolge erzielte. Sein erster Roman Player Piano (1952) gilt als wichtiges Werk unter den Dystopien.

In manchen Geschichten taucht sein fiktives Alter Ego Kilgore Trout auf. Das reale Vorbild für Trout war der mit Vonnegut befreundete Science-Fiction-Schriftsteller Theodore Sturgeon. Hatte Vonnegut einige unausgereifte Ideen oder Geschichtsfragmente, die ihm zu skurril geraten waren, zu Papier gebracht, schrieb er sie gerne dem „längst vergriffenen Science Fiction-Autor Kilgore Trout“ zu. Spekulationen zufolge leitet sich Kill-Gore-Trout (zu deutsch quasi: Schlachte die Forelle aus) von einer in Timequake beschriebenen Anekdote um Hemingways Der alte Mann und das Meer ab, doch ist auch die Verbindung sturgeon-trout, auf Deutsch Stör bzw. Forelle naheliegend. In Alan Rudolphs Filmadaption von Breakfast of Champions wird Kilgore Trout von Albert Finney dargestellt.

Die Idee des Kilgore Trout wurde ebenfalls vom Autor Philip José Farmer in dem Roman Venus on the Half-Shell (deutsch: Die Geburt der Venus) aufgegriffen, den er unter diesem Namen schrieb.

Weltanschauung[Bearbeiten]

Kurt Vonnegut stammte aus einer Familie mit langer Freidenker-Tradition. Er war Ehrenpräsident der American Humanist Association und gehörte zu den Erstunterzeichnern des Humanistischen Manifests III. In Vonneguts Romanen finden sich immer wieder Auseinandersetzungen mit der Religion. Der Atheist und Humanist Vonnegut sah in der Religion einen Versuch der Menschen, ihre Einsamkeit zu überwinden. Gegen die Kraft der Einsamkeit, die zuletzt die Kleinfamilie zerstört, setzte Kurt Vonnegut in dem Roman Slapstick die Utopie einer (künstlichen) Großfamilie. Kurt Vonnegut äußerte sich skeptisch über das Gelingen der Liebe und deren Wohltaten. Die Menschen bräuchten nach seiner Auffassung weniger Liebe als vielmehr allgemeinen Anstand im Umgang miteinander.

Trivia[Bearbeiten]

Die Songtexte zu den Liedern Happiness by The Kilowatt, It Was Fear of Myself That Made Me Odd und Teilstücke von No Transitory der kanadischen Post-Hardcore Band Alexisonfire basieren auf dem Sammelband Welcome to the Monkey House (1950-1968). Rezipiert wurden die Kurzgeschichten The Euphio Question / More Stately Mansions, Report on the Barnhouse Effect und Tomorrow and tomorrow and tomorrow.

Ein an Kurt Vonneguts 77. Geburtstag entdeckter Asteroid wurde nach ihm benannt: (25399) Vonnegut.

Werke[Bearbeiten]

Romane und Novellen[Bearbeiten]

  • Player Piano, 1952 (Das höllische System, 1988)
  • The Sirens of Titan, 1959 (Die Sirenen des Titan, 1979)
  • Mother Night, 1961 (Mutter Nacht, 1988)
  • Cat’s Cradle, 1963 (Katzenwiege, 1985)
  • God Bless You, Mr. Rosewater, 1965 (Gott segne Sie, Mr. Rosewater, 1974)
  • Slaughterhouse Five or The Children’s Crusade, 1969 (Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug, 1972)
  • Breakfast of Champions, 1973 (Frühstück für starke Männer, 1974, auch: Frühstück für Helden)
  • Slapstick, 1976 (Slapstick, 1980)
  • Jailbird, 1979 (Galgenvogel, 1980)
  • Deadeye Dick, 1982 (Zielwasser, 1987)
  • Galapagos, 1985 (Galapagos, 1987)
  • Bluebeard, 1987 (Blaubart, 1989)
  • Hocus Pocus, 1990 (Hokus Pokus oder Wohin so eilig?, 1992)
  • Timequake, 1997 (Zeitbeben, 1998)
  • God Bless You, Dr. Kevorkian, 2000 (Gott segne Sie, Dr. Kevorkian, 2004)
  • A Man without a Country, 2005 (Mann ohne Land, 2006, Übersetzung: Harry Rowohlt)

Gesammelte Kurzgeschichten und autobiografische Notizen[Bearbeiten]

  • Welcome to the Monkey House, 1950–1968 (Geh zurück zu deiner lieben Frau, 1974)
  • Wampeters, Foma & Granfalloons, 1974
  • Palm Sunday, 1981 (Das Nudelwerk, 1992)
  • Fates Worse Than Death, 1991 (Dann lieber gleich tot, 1991)
  • Bagombo Snuff Box, 1999 (zum Teil in Suche Traum, biete mich, 1999, sowie in Der taubenblaue Drache, 2009)
  • Armageddon in Retrospect, 2008 (Der taubenblaue Drache, 2009, neben Erzählungen aus Bagombo Snuff Box) – postum
  • Look at the Birdie, 2009 (Ein dreifach Hoch auf die Milchstrasse!, 2010) – postum
  • While Mortals Sleep, 2011.

Filmografie[Bearbeiten]

Drehbuch
  • 1971: Happy Birthday, Wanda June – Regie: Mark Robson
  • 1982: Slapstick – Regie: Steven Paul
Schauspieler
Literarische Vorlage

Hörbuch/Hörspiel[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helena Bertram Gräfin von Nimcz zu Caldaha: There Is No Why – Religion und Gottesbild im Werk von Kurt Vonnegut anhand ausgewählter Romane. HEBE-Verlag, Alzenau 2009, ISBN 978-3-00-027565-4.
  • Harold Bloom (Hrsg.): Kurt Vonnegut's Cat's cradle. Chelsea House, Philadelphia 2002, ISBN 0-7910-6337-2.
  • Kevin Alexander Boon: Chaos theory and the interpretation of literary texts. The case of Kurt Vonnegut. Mellen, Lewiston, NY u. a. 1997 (= Studies in American literature 27), ISBN 0-7734-8553-8.
  • Kevin Alexander Boon (Hrsg.): At millennium's end. New essays on the work of Kurt Vonnegut. State University of New York Press, Albany, NY 2001, ISBN 0-7914-4929-7.
  • Helmbrecht Breinig: Satire und Roman. Studien zur Theorie des Genrekonflikts und zur satirischen Erzählliteratur der USA von Brackenridge bis Vonnegut. Narr, Tübingen 1984 (= Mannheimer Beiträge zur Sprach- und Literaturwissenschaft 4).
  • Sabine Brocher: Abenteuerliche Elemente im modernen Roman. Italo Calvino, Ernst Augustin, Luigi Malerba, Kurt Vonnegut, Ror Wolf. Hanser, München 1981, ISBN 3-446-13311-9.
  • Lawrence R. Broer: Sanity plea. Schizophrenia in the novels of Kurt Vonnegut. Umi Research Press, Ann Arbor, Mich. u. a. 1989 (= Studies in speculative fiction 18), ISBN 0-8357-1885-9.
  • Peter Freese: Kurt Vonnegut jr.: The Sirens of Titan. In: Hartmut Heuermann (Hrsg.): Der Science-Fiction-Roman in der angloamerikanischen Literatur. Interpretationen. Bagel, Düsseldorf 1986, S. 196–219. ISBN 3-590-07454-X
  • Peter Freese: The Clown of Armageddon. The Novels by Kurt Vonnegut. Winter, Heidelberg 2008 (= American Studies 174), ISBN 978-3-8253-5551-7.
  • Irina Klein: Pluralismus im Weltbild der Werke Kurt Vonneguts. Tectum Verlag, Marburg 1997 (= Edition Wissenschaft; Reihe Amerikanistik 7), ISBN 3-8288-0009-2.
  • Jerome Klinkowitz: The Vonnegut effect. University of South Carolina Press, Columbia 2004, ISBN 1-57003-520-2.
  • Dominik Kuppels: Krieg und „schwarzer Humor“. Postmoderne Erzählverfahren bei Joseph Heller (Catch-22), Kurt Vonnegut (Slaughterhouse-five) und Thomas Pynchon (Gravity's rainbow). Tectum, Marburg 1997 (= Edition Wissenschaft; Reihe Anglistik 16), ISBN 3-89608-786-X.
  • Marc Leeds: The Vonnegut encyclopedia. An authorized compendium. Greenwood Press, Westport u. a. 1995, ISBN 0-313-29230-2.
  • Thomas F. Marvin: Kurt Vonnegut. A critical companion. Greenwood Press, Westport, Conn. u. a. 2002, ISBN 0-313-31439-X.
  • Robert Merrill: Critical essays on Kurt Vonnegut. Hall, Boston, Mass. 1990, ISBN 0-8161-8893-9.
  • Donald E. Morse: The novels of Kurt Vonnegut. Imagining being an American. Praeger, Westport, Conn. u. a. 2003 (= Contributions to the study of science fiction and fantasy 103), ISBN 0-313-31914-6.
  • Leonard Mustazza: Forever pursuing genesis. The myth of Eden in the novels of Kurt Vonnegut. Bucknell University Press, Lewisburg 1990, ISBN 0-8387-5176-8.
  • Leonard Mustazza (Hrsg.): The critical response to Kurt Vonnegut. Greenwood Press, Westport, Conn. u. a. 1994 (= Critical responses in arts and letters 14), ISBN 0-313-28634-5.
  • Ralf Norrman: „Wholeness restored“. Love of symmetry as a shaping force in the writings of Henry James, Kurt Vonnegut, Samuel Butler and Raymond Chandler. Lang, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-631-33729-9.
  • Bo Pettersson: The world according to Kurt Vonnegut. Moral paradox and narrative form. Åbo Akademis Förl., Åbo 1994, ISBN 952-9616-45-7.
  • Asa B. Pieratt, Julie Huffman-Klinkowitz und Jerome Klinkowitz: Kurt Vonnegut. A comprehensive bibliography. Archon Books, Hamden, Conn. 1987, ISBN 0-208-02071-3.
  • Stefan T. Pinternagel: Kurt Vonnegut jr. und die Science Fiction – Kilgore Trout, Tralfamadore und Bokononismus. Shayol, Berlin 2005, ISBN 3-926126-49-3.
  • Barbara Sinic: Die sozialkritische Funktion des Grotesken. Analysiert anhand der Romane von Vonnegut, Irving, Boyle, Grass, Rosendorfer und Widmer. Lang, Frankfurt am Main 2003 (= Wiener Beiträge zu Komparatistik und Romanistik 12), ISBN 3-631-50649-X.
  • Eva-Maria Streier: Bedrohung des Menschen durch Naturwissenschaft und Technologie? Antworten im Romanwerk (1952–69) von Kurt Vonnegut. Lang, Frankfurt am Main 1984 (= Mainzer Studien zur Amerikanistik 19), ISBN 3-8204-5180-3.
  • John Tomedi: Kurt Vonnegut. Chelsea House, Broomall, Pa 2004, ISBN 0-7910-7848-5.
  • Charles J. Shields: And so it goes : Kurt Vonnegut : a life, New York, NY : Holt, 2011, ISBN 978-0-8050-8693-5

Einzelnachweise, Fußnoten[Bearbeiten]

  1. a b c NZZ: Kurt Vonnegut im Alter von 84 Jahren gestorben 12. April 2007
  2. eigene Schilderung Vonneguts im seinen autobiografischen Notizen innerhalb des Erzähl-bandes Suche Traum, biete mich

Weblinks[Bearbeiten]