LGV Nord

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LGV Nord: Paris–Calais
Eurostar auf dem Viaduc de la Haute-Colme
Eurostar auf dem Viaduc de la Haute-Colme
Strecke der LGV Nord
Kursbuchstrecke (SNCF): 222 und 250
Streckennummer (RFF): 216 000 (Fretin–Fréthun)
226 000 (Gonesse–Lille-Frontière)
Streckenlänge: 333 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 25 kV 50 Hz ~
Höchstgeschwindigkeit: 300[1] km/h
Kopfbahnhof – Streckenanfang
0,0 Paris Gare du Nord
Bahnhof ohne Personenverkehr
Villiers-le-Bel
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
15,41
0,0
Ausfädelung aus der Strecke Paris−Amiens
Brücke (groß)
Viaduc du Crould (545 m)
   
-12,81 Verzweigungsdreieck zur LGV Interconnexion Est
Brücke über Wasserlauf (groß)
Viaduc de Verberie (Oise; 1527 m)
Planfreie Kreuzung – oben
Strecke Paris−Compiègne
Brücke (groß)
Viaduc de Longueil-Sainte-Marie (A 1)
Planfreie Kreuzung – oben
Strecke Amiens−Laon
Bahnhof, Station
110,81 TGV Haute-Picardie
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
147,81 Verzweigung der Anschlussstrecke nach Arras
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Arras−Douai
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Lens−Douai
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Douai−Lille
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
197,83
0,0
Verzweigung der HSL 1 nach Belgien
Planfreie Kreuzung – oben
Strecke Lille−Valenciennes
Abzweig – in Gegenrichtung: nach links
Einmündung der HSL 1 aus Richtung Belgien
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Lille−Gent
Bahnhof, Station
15,97 Lille-Europe
Planfreie Kreuzung – oben
Strecke Lille−Calais
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
61,97 Ausfädelung zur Strecke nach Dünkirchen
Planfreie Kreuzung – oben
Strecke Hazebrouck−Dünkirchen
BSicon STR.svg
Brücke über Wasserlauf (groß)
Viaduc de la Haute-Colme
(Aa und Canal de la Haute-Colme; 1827 m)
BSicon STR.svg
Planfreie Kreuzung – unten
Strecke Lille−Calais
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Ausfädelung zur Strecke Boulogne-sur-Mer−Calais
Bahnhof, Station
115,97 Calais-Fréthun
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Einfädelung von der Strecke Boulogne-sur-Mer−Calais
Tunnel – Anfang
Eurotunnel zum CTRL
Grenze im Tunnel

Die LGV Nord, kurz für Ligne à grande vitesse Nord, ist eine Eisenbahn-Schnellfahrstrecke in Frankreich. Sie ist 333 km lang und verbindet Paris mit der belgischen Grenze sowie mit dem Eurotunnel. Die 1993 eröffnete Strecke ist die dritte in Frankreich eröffnete Hochgeschwindigkeitsstrecke.[2]

Die betriebliche Höchstgeschwindigkeit auf der für 320 km/h trassierten Strecke liegt bei 300 km/h.[1] Sie verkürzte die Fahrzeit zwischen einzelnen Regionen Frankreichs, Belgiens und Großbritanniens. Im Norden schließt die Strecke über den Eurotunnel an den Channel Tunnel Rail Link nach London sowie an die HSL 1 nach Brüssel an, im Süden an die LGV Interconnexion Est, die rund um den Großraum Paris zur LGV Est européenne, zur LGV Sud-Est und zur LGV Atlantique führt. Die Trasse ist aufgrund ihrer Lage im flachen Gelände nirgends steiler als 2,5 %. Auf der LGV Nord fahren TGV-, Eurostar- und Thalys-Züge.

Strecke[Bearbeiten]

Die Strecke durchquert fünf Départements; dies sind Seine-Saint-Denis, Oise, Somme, Pas-de-Calais und Nord. Sie beginnt 16,6 km nördlich des Gare du Nord, bei Arnouville an der Strecke Paris-Creil. Bei Vémars befindet sich ein Verzweigungsdreieck, das zur LGV Interconnexion Est führt; dadurch ist es beispielsweise möglich, direkte Züge von Brüssel oder London zum Flughafen Paris-Charles de Gaulle und zum Disneyland Resort Paris zu führen.

Nach der Durchquerung des Waldes von Ermenonville trifft die Strecke bei Chevrières auf die Autobahn A1 und folgt dieser anschließend über 130 km. Beim kleinen Dorf Ablaincourt-Pressoir, auf halbem Weg zwischen den Städten Amiens und Saint-Quentin gelegen, befindet sich der Bahnhof TGV Haute-Picardie. Westlich von Croisilles fädelt eine neun Kilometer lange Anschlussstrecke aus, die nach Arras führt und so die Erschließung zahlreicher nordfranzösischer Städte ermöglicht. Bei Fretin verbindet ein Verzweigungsdreieck die LGV Nord mit der belgischen Schnellfahrstrecke HSL 1, die in Richtung Osten in die Nähe von Brüssel führt.

Nördlich des Dreiecks von Fretin befindet sich der Großraum Lille. Die Strecke verläuft hier auf einer Länge von rund sieben Kilometern parallel zu Altstrecken und bedient den Bahnhof Lille-Europe am Rande der Innenstadt. Sie führt südlich an Armentières und nördlich an Hazebrouck vorbei. Bei Cassel ermöglicht eine Anschlussstrecke die Bedienung von Dünkirchen. Die LGV Nord endet südwestlich der Stadt Calais bei Fréthun, vor dem Portal des Eurotunnels.

Die Streckenführung wurde vor allem von Politikern aus der Picardie heftig kritisiert, da die LGV keine der größeren Städte erschließt. Insbesondere Amiens setzte sich für eine weiter westlich verlaufende Trasse ein. Die Regierung hielt jedoch die Streckenführung über Amiens für unvorteilhaft, da sonst die Erschließung von Lille nur mit einem großen Umweg möglich gewesen wäre und so die Gesamtreisezeit Paris–London erheblich angewachsen wäre. Das Projekt LGV Picardie sieht langfristig die Erschließung von Amiens vor, nach Fertigstellung der Strecke würde die Fahrzeit Paris−London unter zwei Stunden betragen.

Auf einer Länge von 135 km (41 %) wurde die Strecke zwischen Paris und Lille mit Autobahnen gebündelt.[3]

Bahnhöfe[Bearbeiten]

An der LGV Nord befinden sich drei Bahnhöfe:

Ereignisse[Bearbeiten]

  • 29. September 1989: Erteilung der Baubewilligung
  • 2. September 1991: Verlegen der ersten Schienen
  • 9. September 1992: Oberleitung wird unter Strom gesetzt
  • 20. September 1992: Erste Testfahrten mit Zug TGV Atlantique 301
  • Während einer Testfahrt verkehrte ein TGV Atlantique am 23. Februar 1993 über einen Zeitraum von mehr als 30 Minuten mit 350 km/h über die Strecke. Die Garnitur legte eine 175 km lange Strecke in 36 Minuten zurück.[4]
  • 23. Mai 1993: Eröffnung des ersten Abschnitts zwischen Gonesse und Croisilles sowie des Abzweigs zwischen Croisilles und Arras
  • 21. September 1993: Bei einer Geschwindigkeit von 300 km/h entgleist eine von Valenciennes nach Paris verkehrende Einheit in der Nähe von Ablaincourt-Pressoir. Die vier letzten Wagen und der Triebkopf springen aus den Schienen, wobei ein Reisender verletzt wird. Durch Regen hatte sich ein aus der Zeit des Ersten Weltkriegs stammender Hohlraum unter den Gleisen geöffnet, der beim Bau der Strecke unentdeckt geblieben war.
  • 26. September 1993: Eröffnung des zweiten Abschnitts zwischen Croisilles und Fréthun (Portal des Eurotunnels)
  • 6. Mai 1994: Eröffnung des Eurotunnels
  • 14. Dezember 1997: Eröffnung des französischen Teilstücks der HSL 1 zwischen Fretin und der belgischen Grenze bei Wannehain
  • 5. Juni 2000: Ein Eurostar entgleist mit 250 km/h bei der Abzweigung von Croisilles. Das Getriebe eines Drehgestells versagt, nachdem Teile davon auf das Gleisbett gefallen waren. Vier von 24 Drehgestellen springen aus den Gleisen. Sieben Fahrgäste erleiden Verletzungen.
  • 26. Mai 2001: Der Opération Sardine genannte Langstreckenweltrekord führt über die Strecke

Im Rahmen der Errichtung der Strecke wurde der Bahnhof Gare du Nord umfassend umgebaut, nachdem durch die Eröffnung der Strecke (und des Eurotunnels) die Zahl der Reisenden von 21 auf 36 Millionen pro Jahr steigen sollte.

Trassierung und technische Ausrüstung[Bearbeiten]

Gegenüber der LGV Atlantique wurde der Gleismittenabstand von 4,20 auf 4,50 m erhöht, um Geschwindigkeitssteigerungen auf bis zu 350 km/h zu ermöglichen. Die im abzweigenden Ast mögliche Fahrgeschwindigkeit der Weichen wurde von 160 auf 170 km/h erhöht.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Scheuch: Zwei Hochgeschwindigkeitsstrecken in Frankreich. In: Baukultur, Heft 3, 1994, S. 58–62, ISSN 0722-3099

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Meldung TGV-Est-Züge fahren 320 km/h. In: Eisenbahn-Revue International, Heft 12/2004, ISSN 1421-2811, S. 576.
  2. a b Meldung Dritte TGV-Linie eröffnet. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 42, Nr. 7/8, 1993, S. 432
  3. Internationaler Eisenbahnverband: High speed rail: Fast track to sustainable mobility. 28-seitige Broschüre mit Stand Februar 2008, Paris 2008, S. 8
  4. Meldung TGV Nord mit 350 km/h. In: Eisenbahntechnische Rundschau. 42, Nr. 7/8, 1993, S. 432