Liselotte Funcke
Liselotte Funcke (* 20. Juli 1918 in Hagen, Westfalen; † 1. August 2012 ebenda[1]) war eine deutsche Politikerin (FDP).
Sie war Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages und Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen. Außerdem war sie die erste weibliche Ausländerbeauftragte der Bundesregierung.
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Leben [Bearbeiten]
Funcke wurde als viertes Kind des Fabrikanten Oscar Funcke geboren.[2] Sie legte am Hagener Realgymnasium 1937 das Abitur ab und studierte in Berlin Betriebswirtschaftslehre. Nach dem Abschluss als Diplom-Kaufmann 1941 arbeitete sie bis 1944 als Assistentin bei einem Wirtschaftsprüfer. Anschließend war sie in der von ihrem Urgroßvater gegründeten Schraubenfabrik und Gesenkschmiede Funcke & Hueck als Prokuristin tätig. Diese Tätigkeit übte sie bis 1969 aus. Am 1. August 2012 starb Liselotte Funcke im Alter von 94 Jahren.
Ihr Vater gehörte, ebenfalls für die FDP, dem Deutschen Bundestag in der ersten Wahlperiode an.
Partei [Bearbeiten]
Funcke trat 1946 in die FDP ein, ein Jahr später wurde sie Mitglied im Landesvorstand der Partei, 1964 Mitglied des Bundesvorstandes und 1968 des Präsidiums. In den Jahren 1948 bis 1968 leitete sie zudem den Landesfrauenausschuss der nordrhein-westfälischen FDP. Von 1967 bis 1978 war sie Bezirksvorsitzende der FDP Westfalen-West. In der Zeit von 1977 bis 1983 war Funcke stellvertretende Bundesvorsitzende der Liberalen.
Um 1950 gehörte sie zur Führungsgruppe der Jungdemokraten in Nordrhein-Westfalen um Willi Weyer und Walter Scheel.[3]
Abgeordnete [Bearbeiten]
Im Zeitraum von 1950 bis 1961 saß sie im nordrhein-westfälischen Landtag, 1961 wurde sie in den Deutschen Bundestag gewählt, dessen Vizepräsidentin sie von 1969 bis 1979 war. Von 1972 bis 1979 war sie Vorsitzende des Finanzausschusses des Bundestages, nachdem sie von 1965 bis 1969 bereits dessen stellvertretende Vorsitzende war.
Öffentliche Ämter [Bearbeiten]
Am 19. November 1979 wurde sie als erste Frau als Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr in die von Ministerpräsident Johannes Rau geführte Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen berufen. Nachdem die FDP bei der Landtagswahl 1980 an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war, schied sie am 4. Juni 1980 aus dem Kabinett aus.
Von 1981 bis zum 15. Juli 1991 war sie Ausländerbeauftragte der Bundesregierung. Aufgrund ihres Engagements für die in Deutschland lebenden Türken wurde sie als „Engel der Türken“ bezeichnet.[4]
Auszeichnungen [Bearbeiten]
- 1973: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland[5]
- 1975: Wolfgang-Döring-Medaille
- 1975: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband
- 1984: Ehrendoktorin der Uludağ-Universität in der türkischen Stadt Bursa
- 1984: Theodor-Heuss-Medaille
- 1985: Großkreuz des spanischen Zivilverdienstordens
- 1986: Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen
- 1987: Großkreuz der portugiesischen Verdienstmedaille
- 1988: Großoffizierskreuz des Verdienstordens der Italienischen Republik
- 1988: Jugoslawischer Stern mit goldenem Kranz
- 1990: Fritz-Bauer-Preis der Humanistischen Union[6]
- 1990: Kommandeur des griechischen Phönix-Ordens
- 1991: Heinz-Herbert-Karry-Preis
- 2003: Ehrenbürgerrecht von Hagen
Ehrendoktorin der Fernuniversität Hagen und Ehrenvorsitzende des FDP-Bezirksverbandes Westfalen-West sowie des FDP-Kreisverbandes Hagen
Schriften [Bearbeiten]
- Frei sein, um andere frei zu machen. Frauen in der Politik. Die Liberalen (Hrsg.). Seewald Verlag, Stuttgart/Herford 1984, ISBN 3-512-00707-4.
- Wo unsere Großeltern einkauften – Hagener Einzelhandel. Ardenkuverlag, Hagen 2009, ISBN 978-3-932070-92-1.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Sylvia Heinemann (Hrsg.): An Menschen ihrer Zeit – Liselotte Funcke – Briefe aus fünf Jahrzehnten. Ardenkuverlag, Hagen 2004, ISBN 3-932070-52-6.
- Gerd Rauhaus: Liselotte Funcke. Reihe: Menschen unserer Zeit. Transcontact-Verlagsgesellschaft, Bonn 1977.
Weblinks [Bearbeiten]
- Literatur von und über Liselotte Funcke im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Artikel zu Funckes 90. Geburtstag
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Todesanzeige der Familie in der Westfälischen Rundschau, Zeitung für Hagen, vom 4. August 2012
- ↑ Nachruf: Hagener trauern um ihre Ehrenbürgerin Liselotte Funcke. derwesten.de, 2. August 2012, abgerufen am 2. August 2012
- ↑ Brauers, Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953, Seite 465.
- ↑ Der Spiegel, Ausgabe vom 24. Oktober 1983.
Die Zeit, Ausgabe vom 31. Januar 1986. - ↑ Bekanntgabe von Verleihungen des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. In: Bundesanzeiger. Jg. 25, Nr. 43, 9. März 1973.
- ↑ Grande Dame. In: General-Anzeiger (Bonn). 19. Juli 2008, S. 2
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Hermann Schäfer | Ludwig Schneider | Max Becker | Thomas Dehler | Walter Scheel | Liselotte Funcke | Richard Wurbs | Dieter-Julius Cronenberg | Burkhard Hirsch | Hermann Otto Solms
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Funcke, Liselotte |
| KURZBESCHREIBUNG | deutsche Politikerin (FDP), MdL, MdB |
| GEBURTSDATUM | 20. Juli 1918 |
| GEBURTSORT | Hagen, Westfalen |
| STERBEDATUM | 1. August 2012 |
| STERBEORT | Hagen, Westfalen |
- Ehrenbürger von Hagen
- Verkehrsminister (Nordrhein-Westfalen)
- Mittelstandsminister (Nordrhein-Westfalen)
- Wirtschaftsminister (Nordrhein-Westfalen)
- Landtagsabgeordneter (Nordrhein-Westfalen)
- Bundestagsabgeordneter (Nordrhein-Westfalen)
- FDP-Mitglied
- Mitglied der Jungdemokraten
- Ehrendoktor einer Universität in der Türkei
- Ehrendoktor der Fernuniversität Hagen
- Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern und Schulterband
- Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen
- Träger des Phönix-Ordens
- Träger des Verdienstordens der Italienischen Republik (Großoffizier)
- Deutscher
- Geboren 1918
- Gestorben 2012
- Frau