Lukas Bärfuss

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Lukas Bärfuss auf der Frankfurter Buchmesse 2014

Lukas Bärfuss (* 30. Dezember 1971 in Thun) ist ein Schweizer Schriftsteller und Dramaturg.

Leben[Bearbeiten]

Lukas Bärfuss verliess nach neun Jahren Primarschule die Schule und arbeitete unter anderem als Tabakbauer, Eisenleger und Gärtner.[1] Später arbeitete er in einer Buchhandlung die kollektiv geleitet wurde. Seit 1997 ist er als freier Schriftsteller und als Lehrbeauftragter am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel tätig. Daneben war er 2009–2013 Dramaturg am Schauspielhaus Zürich. Er lebt in Zürich.

Bärfuss war Mitgründer der Künstlergruppe „400asa“. Für diese schrieb er mehrere Bühnenwerke, etwa das ironisch „Groteske“ genannte Meienbergs Tod über den Journalisten Niklaus Meienberg und die Heucheleien des Kulturbetriebs, mit der er im Jahr 2000 bekannt wurde.[2] Besonderen Erfolg hatte er mit dem Stück Die sexuellen Neurosen unserer Eltern, geschrieben für das Theater Basel; es wurde bis 2005 in zwölf Sprachen übersetzt.[3] 2009 hatte sein Drama Öl über die Abhängigkeit von dem wichtigsten Rohstoff des Industriezeitalters am Deutschen Theater Berlin Premiere. 2010 wurde sein Theaterstück Malaga, inszeniert von Barbara Frey, am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt.[4] Sein Stück Zwanzigtausend Seiten wurde in einer Inszenierung von Lars-Ole Walburg am 2. Februar 2012 im Schiffswerk/Box des Schauspielhaus Zürich uraufgeführt.[5]

Sein erstes Buch, die Novelle Die toten Männer, wurde 2002 in der edition suhrkamp veröffentlicht. 2008 erschien sein Roman Hundert Tage, der sich mit dem Völkermord in Ruanda und der Rolle der Entwicklungshilfe befasst.[6][7] Im Roman Koala aus dem Jahr 2014 beschäftigt Bärfuss sich mit dem Suizid seines Bruders. Dessen Spitzname, der titelgebende Koala, lässt Bärfuss diese Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte Australiens verknüpfen.[8] Im September 2014 war Bärfuss Spezialgast des Internationalen Literaturfestivals Berlin mit mehreren Vorträgen.[9]

Werke[Bearbeiten]

Prosa[Bearbeiten]

Theaterstücke[Bearbeiten]

  • Sophokles’ Ödipus. Uraufführung: Zürich, Escher-Wyss-Unterführung, 27. August 1998. Regie: Samuel Schwarz.
  • Siebzehn Uhr Siebzehn. Uraufführung: Schauspiel Akademie Theater, Zürich, 12. Januar 2000. Regie: Samuel Schwarz.
  • 74 Sekunden. Monolog. Uraufführung: Zürich, im Blauen Saal, 8. März 2000. Regie: Lukas Schmocker.
  • Vier Frauen. Singspiel. Uraufführung: Schlachthaus Theater Bern, 25. Mai 2000. Regie: Samuel Schwarz.
  • Die Reise von Klaus und Edith durch den Schacht zum Mittelpunkt der Erde. Auftragswerk für das Schauspielhaus Bochum. Uraufführung: Schauspielhaus Bochum, 12. Januar 2001.[10] Regie: Samuel Schwarz.
  • Meienbergs Tod. Groteske. Auftragswerk für das Theater Basel. Uraufführung: Theater Basel, 20. April 2001. Regie: Samuel Schwarz.
  • Vier Bilder der Liebe. Uraufführung: Schauspielhaus Bochum, Kammerspiele, 28. September 2002.[11] Regie: Karin Henkel.
  • Die sexuellen Neurosen unserer Eltern. Uraufführung: Theater Basel, 13. Februar 2003.[12] Regie: Barbara Frey.
  • Der Bus (Das Zeug einer Heiligen). Uraufführung: Thalia Theater Hamburg, 29. Januar 2005. Regie: Stephan Kimmig.
    • In Druckform: Meienbergs Tod – Die sexuellen Neurosen unserer Eltern – Der Bus. Stücke. Wallstein, Göttingen 2005, ISBN 3-89244-904-X
  • Alices Reise in die Schweiz. Uraufführung: Theater Basel, 4. März 2005. Regie: Stephan Müller.
  • Die Probe (Der brave Simon Korach). Uraufführung: Münchner Kammerspiele, 2. Februar 2007.[13] Regie: Lars-Ole Walburg.
  • Amygdala. Auftragswerk des Thalia Theaters Hamburg. Uraufführung: Thalia Theater Hamburg, 9. Mai 2009.[14]
    • In Druckform: Alices Reise in die Schweiz – Die Probe – Amygdala. Stücke. Wallstein, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0164-1
  • Öl. Uraufführung: Deutsches Theater Berlin, 18. September 2009.[15] Regie: Stephan Kimmig.
  • Malaga. Uraufführung: Schauspielhaus Zürich, 9. Mai 2010.[16] Regie: Barbara Frey.
  • Parzival. Nach Wolfram von Eschenbach. Uraufführung: Schauspiel Hannover, 16. Januar 2010.[17] Regie: Lars-Ole Walburg.
  • Zwanzigtausend Seiten. Uraufführung: Schauspielhaus Zürich, 2. Februar 2012.[18] Regie: Lars-Ole Walburg.
    • In Druckform: Malaga – Parzival – Zwanzigtausend Seiten. Stücke. Wallstein, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1100-8
  • Die schwarze Halle. Uraufführung: Im Rahmen von Arm und Reich. Schlaglichter auf die Ungleichheit zus. mit Nabokovs Tintenklecks von Michail Schischkin und Rechne von Händl Klaus, Schauspielhaus Zürich, 4. Mai 2013. Regie: Barbara Frey.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SonntagsZeitung: Sonntagsgespräch, 22. Januar 2012
  2. „Die Leiche ist nicht tot“, «Meienbergs Tod» in Basel uraufgeführt, Rezension von Alfred Schlienger in der NZZ vom 23. April 2001, abgerufen 19. September 2014
  3. Neue Zürcher Zeitung: Lukas Bärfuss: Erfahrungen haltbar machen
  4. Tages-Anzeiger: Mutter vergnügt sich, Vater arbeitet, Kind verunglückt
  5. Leiden eines Gedächtniskünstlers in: FAZ vom 4. Februar 2012, Seite 35
  6. Tages-Anzeiger: Die Schweiz schwimmt in den Blutbädern, die andere anrichten, 11. März 2008
  7. Deutschlandradio Kultur: Am Ende eine Art Täter, 6. Juni 2008
  8. Perlentaucher: Lukas Bärfuss: Koala, 6. Juni 2014
  9. ILB- Teilnehmer Autoren 2014 / Lukas Bärfuss
  10. Hartmann & Stauffacher Verlag – Die Reise von Klaus und Edith durch den Schacht zum Mittelpunkt der Erde
  11. Hartmann & Stauffacher Verlag – Vier Bilder der Liebe
  12. Hartmann & Stauffacher Verlag – Die sexuellen Neurosen unserer Eltern
  13. Hartmann & Stauffacher Verlag – Die Probe
  14. Hartmann & Stauffacher Verlag – Amygdala
  15. Hartmann & Stauffacher Verlag – Öl
  16. Hartmann & Stauffacher Verlag – Malaga
  17. Hartmann & Stauffacher Verlag – Parzival
  18. Hartmann & Stauffacher Verlag – Zwanzigtausend Seiten
  19. Schweizerische Schillerstiftung: Schillerpreise 2009
  20. Der Bund: Schillerpreise für Raphael Urweider und Lukas Bärfuss, 16. März 2009
  21. WDR 5 (Westdeutscher Rundfunk) Kulturnachrichten vom 22. Oktober 2012, abgerufen am 22. Oktober 2012