Mürzzuschlag

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Mürzzuschlag
Wappen von Mürzzuschlag
Mürzzuschlag (Österreich)
Mürzzuschlag
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Steiermark
Politischer Bezirk: Bruck-Mürzzuschlag
Kfz-Kennzeichen: BM (ab 1.7.2013; alt: MZ)
Fläche: 19,21 km²
Koordinaten: 47° 36′ N, 15° 40′ O47.607515.673055555556670Koordinaten: 47° 36′ 27″ N, 15° 40′ 23″ O
Höhe: 670 m ü. A.
Einwohner: 8.468 (1. Jän. 2014)
Postleitzahl: 8680
Vorwahl: 03852
Gemeindekennziffer: 6 21 21
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Wiener Straße 9
8680 Mürzzuschlag
Website: www.muerzzuschlag.at
Politik
Bürgermeister: Karl Rudischer (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(25 Mitglieder)
14
4
4
2
1
14 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Stadt Mürzzuschlag im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag
Aflenz Kurort Aflenz Land Breitenau am Hochlantsch Bruck an der Mur Etmißl Frauenberg Gußwerk Halltal Kapfenberg Mariazell Oberaich Parschlug Pernegg an der Mur Sankt Ilgen Sankt Katharein an der Laming Sankt Marein im Mürztal Sankt Lorenzen im Mürztal Sankt Sebastian Thörl Tragöß Turnau Allerheiligen im Mürztal Altenberg an der Rax Ganz Ganz Kapellen Kindberg Krieglach Langenwang Mitterdorf im Mürztal Mürzhofen Mürzsteg Mürzzuschlag Neuberg an der Mürz Stanz im Mürztal Veitsch Spital am Semmering Wartberg im Mürztal SteiermarkLage der Gemeinde Mürzzuschlag im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Mürzzuschlag gegen Semmering, Lith. um 1830, J.F.Kaiser, Graz

Mürzzuschlag ist eine Stadt im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag und der Gerichtssitz des gleichnamigen Gerichtsbezirks im Nordosten der Steiermark (Österreich) mit 8468 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014). Sie wurde 1227 erstmals urkundlich erwähnt. Im Rahmen der Gemeindestrukturreform in der Steiermark ist sie ab 2015 mit der Gemeinde Ganz zusammengeschlossen,[1] die neue Gemeinde wird den Namen Mürzzuschlag weiterführen. Grundlage dafür ist das Steiermärkische Gemeindestrukturreformgesetz - StGsrG.[2] Eine Anfechtung dieser Zusammenlegung, welche von der Gemeinde Ganz beim Verfassungsgerichtshof eingebracht worden war, war nicht erfolgreich.[3]

Der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein hat auf einer Fahrt von Venedig nach Böhmen den Begriff „murzuslage“ in seinem Gedicht Frauendienst erwähnt.

Geografie[Bearbeiten]

Mürzzuschlag ist eine kleine Stadt am Fluss Mürz auf 670 Meter Seehöhe. Mürzzuschlag ist die letzte Stadt vor der natürlichen Grenze zu Niederösterreich, dem Semmering. Im Nordosten befindet sich der Stadtteil Edlach, im Südwesten Hönigsberg. Weite Teile der umliegenden Fläche gehören zur Gemeinde Ganz.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende acht Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[4]):

  • Auersbach (39)
  • Edlach (161)
  • Hönigsberg (1826)
  • Kohleben (41)
  • Lambach (126)
  • Mürzzuschlag (6230)
  • Pernreit (92)
  • Schöneben (178)

Die Gemeinde besteht aus der Katastralgemeinde Mürzzuschlag.

Geschichte[Bearbeiten]

Mürzzuschlag und Umgebung um das Jahr 1876 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Mürzzuschlag um 1900
Mürzzuschlag im Jahr 2004

Mürzzuschlag erhielt 1923 das Stadtrecht. Der Name stammt der Volksetymologie zufolge daher, dass die Mürz in Richtung unteres Mürztal zuschlägt (einen Knick macht), in Wirklichkeit leitet er sich aber wohl eher vom slawischen Flurnamen Muriza Slaka her.[5] 1360 erhielt Mürzzuschlag von Herzog Rudolf das Eisenrecht. Dieses garantierte das Recht auf alleinige Produktion von Kleineisen zwischen Leoben und Semmering. Johann H. A. Bleckmann kaufte 1862 die alten Hammerwerke und gründete die Phönix-Stahlwerke, dann Schoeller-Bleckmann Stahlwerke, die heutige Böhler Bleche GmbH. Der erste rostfreie Stahl der Welt wurde 1912 von Ingenieur Max Mauermann in den Bleckmannwerken entwickelt.

Viktor Kaplan, der Erfinder der Kaplan- und Schnellläuferturbine, wurde 1876 hier geboren, die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek im Jahr 1946. Mürzzuschlag ist seit jeher eine Arbeiterstadt. Seit dem Rückgang der Stahlindustrie werden von der Gemeinde zahlreiche kulturelle Initiativen gesetzt.

Johannes Brahms schrieb von 1884 bis 1885 in Mürzzuschlag seine vierte Symphonie, daher gibt es dort heute ein Brahms-Museum. Toni Schruf, einer der ersten Skiläufer in Mitteleuropa und Wirt des Hotel Post, wuchs in Mürzzuschlag auf. Eugenie Walter, besser bekannt als die Schauspielerin und Charakterdarstellerin Jenny Jugo wurde am 14. Juni 1905 hier geboren. Unter anderem spielte sie 1938 die Rolle der Queen Viktoria in Mädchenjahre einer Königin.

Vom 5. bis 8. Februar 1931 fand in Mürzzuschlag die einzige Arbeiter-Wintersport-Olympiade statt. An den vom Österreichischen Arbeitersportverband organisierten Wettbewerben nahmen nach jetzigem Forschungsstand über 560 Arbeitersportler teil. Wettbewerbe wurden im Skilanglauf, Abfahrtski, Eishockey, Eisstockschießen, Eisschnelllauf, Eiskunstlauf, Eistanz, Geländelauf und Hindernislauf ausgetragen.

Die Südbahn mit dem Bahnhof Mürzzuschlag wurde 1844 eröffnet, die Lokalbahn Mürzzuschlag–Neuberg 1879. Nach den Plänen des Konstrukteurs Carl Ritter von Ghega konnte die Bergbahn von Gloggnitz nach Mürzzuschlag über den Semmering 1854 in Betrieb genommen werden. Die Semmeringbahn ist heute UNESCO-Weltkulturerbe. Um die Verbundenheit der Stadt mit dieser wichtigen Strecke zu dokumentieren, wurde in einer ehemaligen Montierung der Zugförderung Mürzzuschlag am 19. Juni 2004 der Südbahn-Kulturbahnhof Mürzzuschlag und das Südbahnmuseum eröffnet.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Stadtgemeinde Mürzzuschlag ist Karl Rudischer (SPÖ). Erster Vizebürgermeister ist Manfred Juricek (SPÖ), zweiter Vizebürgermeister ist Franz Gstättner (ÖVP). Stadträte sind Karl Heinz Baumer (SPÖ) und Arnd Meissl (FPÖ).

Stadtamtsdirektor ist Friedrich Lang.

Der Gemeinderat setzt sich aus 25 Sitzen zusammen, von denen 14 die SPÖ, 4 die ÖVP, 4 die FPÖ, 2 die KPÖ und einen die Grünen stellen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die denkmalgeschützte „Alte Ratsburg“
Aufnahmsgebäude im Bahnhof Mürzzuschlag
  • kunsthaus muerzzuschlag: Modernes kulturelles Veranstaltungszentrum. Entstehungsgeschichte: Ein in den Jahren 1648 bis 1654 gebautes Franziskanerkloster wurde durch ein Patent von Kaiser Joseph II. 1799 wieder aufgelöst und 1972 abgetragen. Nur die dazugehörige Kirche blieb stehen. Diese wurde zu einem modernen kulturellen Veranstaltungszentrum – kunsthaus muerzzuschlag – umgebaut. Das Kunsthaus wurde anlässlich der Landesausstellung 1991 „Sport – Sinn und Wahn“ eröffnet.
  • Brahms-Museum: Dem Musiker Johannes Brahms gewidmet.
  • Wintersportmuseum: Das weltweit größte und erste Wintersportmuseum der Welt befindet sich in Mürzzuschlag. Es beherbergt die umfassendste Sammlung wintersporthistorischer Exponate.
  • Südbahnmuseum: Ein dem UNESCO-Weltkulturerbe, der von Carl Ritter von Ghega erbauten Semmeringbahn, gewidmetes Museum.
Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Mürzzuschlag

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • United Games: Mürzzuschlag ist seit 1998 der österreichische Austragungsort der United Games. Zu diesem Jugendaustausch kommen jährlich 50 bis 100 Jugendliche aus aller Welt in die Stadt, um eine Woche lang Projekte zu verschiedenen Themen durchzuführen. 2007 brachten die United Games den 1. Europäischen Jugendkongress in die Stadt.

Sport[Bearbeiten]

Im Jahre 1893 wurde auf Initiative des Gastwirts Toni Schruf der erste alpine Skiwettlauf in Mitteleuropa auf dem in der Nähe gelegenen Stuhleck ausgetragen.

Die Ganzsteinschanzen sind die ältesten Anlagen dieser Art in Mitteleuropa.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Viktor Kaplan

Söhne und Töchter der Stadt:

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefanie Kraul: Arbeiter-Wintersport-Olypiade 1931 in Mürzzuschlag - eine unbekannte Olympiade. In: Norbert Müller, Manfred Messing, Holger Preuß (Hrsg.): Von Chamonix bis Turin. Die Winterspiele im Blickfeld der Olympiaforschung. Mainz 2006, ISBN 3-89784-994-1, S. 159–179.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mürzzuschlag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steiermärkische Gemeindestrukturreform.
  2. § 3 Abs. 1 Z 5 des Gesetzes vom 17. Dezember 2013 über die Neugliederung der Gemeinden des Landes Steiermark (Steiermärkisches Gemeindestrukturreformgesetz – StGsrG). Landesgesetzblatt für die Steiermark vom 2. April 2014. Nr. 31, Jahrgang 2014. ZDB-ID 705127-x. S. 2.
  3. Erkenntnis des VfGH vom 8. Oktober 2014, G 40/2014, über die Anträge der Gemeinde Ganz.
  4. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  5. Simon Pirchegger: Die slawischen Ortsnamen im Mürzgebiet. Leipzig 1927.
  6. Pädagogischer Panther 2008, lsr-stmk.gv.at (pdf; 575 kB).
    Der Pädagogische Panther 2008, elternbrief.at (pdf; 63 kB).
    Einen Panther für die Besten. In: kleinezeitung.at » Stmk » Bezirk Graz » Graz, 11. Juni 2008.
  7. Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, 1. Klasse an Prof. Ronny Reich. Institut für Alttestamentliche Wissenschaft und Biblische Archäologie, 2012, abgerufen am 21. Januar 2013.