Michael Mendl

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Michael Mendl bei der Eröffnung des Boulevards der Stars, 2010

Michael Mendl (geboren als Michael Sandrock, * 20. April 1944 in Lünen) ist ein deutscher Schauspieler. Er gilt als einer der gefragtesten Charakterdarsteller seiner Generation.

Leben[Bearbeiten]

Mendl wurde als außerehelicher Sohn eines katholischen Priesters und der Medizinstudentin Martha Sandrock geboren. Die ersten fünf Jahre seiner Kindheit verbrachte er mit seiner Mutter und Anverwandten teils im Ruhrgebiet, teils im Kölner Raum. 1949 heiratete seine Mutter den Österreicher Ernst Mendl, der ihn adoptierte. Die ersten schulbildenden Jahre verbrachte er in Krefeld, bis die Familie Mitte der 1950er Jahre nach Ludwigshafen zog. Mendl besuchte in Mannheim ein humanistisches Gymnasium und machte dort 1965 sein Abitur. Im gleichen Jahr begann er sein Studium der Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte in Wien, was er als Interimszeit betrachtete, denn er wollte Schauspielstudent des Max-Reinhardt-Seminars in Wien werden. 1966 ging er dann jedoch als Student an die Folkwang-Hochschule in Essen, an der er 1969 die Bühnenreifeprüfung ablegte.

Mendl hat einen Sohn aus erster Ehe und zwei Kinder aus einer 20-jährigen Beziehung mit der Schauspielerin Carolin Fink. Seit der Beendigung dieses Abschnitts 2009 lebt er in Berlin.

Karriere[Bearbeiten]

Theater[Bearbeiten]

Seine Schauspielerkarriere begann er während seiner Schulzeit 14-jährig als Statist am Nationaltheater Mannheim. Es folgten Engagements an verschiedenen Theatern in Deutschland. Er hatte Festengagements am Staatstheater Darmstadt, am Staatstheater Stuttgart und am Bayerischen Staatsschauspiel in München.

In den 1980er Jahren spielte er am Staatstheater Stuttgart unter anderem Tillmann in Die Villa von Tankred Dorst (Uraufführung 1980; Regie: Günter Krämer), Lambacher in Der staubige Regenbogen von Hans Henny Jahnn (1982; Regie: Hansgünther Heyme), George in Wer hat Angst vor Virginia Woolf? (1983; Regie: Thomas Schulte-Michels) und den Hauptmann in Woyzeck (1986; Regie: Jossi Wieler). Von 1988 bis 1993 war er festes Ensemble-Mitglied am Bayerischen Staatsschauspiel. Zu seinen Rollen dort gehörten unter anderem Garcin in Geschlossene Gesellschaft (1988), Marat in Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade (1988), Boris in Kinder der Sonne von Maxim Gorki (1989), Vater in Sechs Personen suchen einen Autor (1990), Saranieff in Der Marquis von Keith von Frank Wedekind (1991) und Burleigh in Maria Stuart (1991); alle jeweils unter der Regie von Thomas Schulte-Michels.

Er gastierte ebenfalls an den Münchner Kammerspielen (1981; als Ossip in Platonow; Regie: Thomas Langhoff) sowie am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Schauspielhaus Hamburg und an der Volksbühne in West-Berlin; außerdem war er Gast bei den Salzburger Festspielen, so als Messala in Julius Caesar (1993; Regie: Peter Stein), als Caesar in Antonius und Cleopatra (1994/1995; Regie: Peter Stein), als Schuldknecht in Jedermann (1995; Regie: Gernot Friedel) und als Landstreicher in Der Kirschgarten (1995; Regie: Peter Stein). Nach langjähriger Bühnenabstinenz kehrt er im September 2013 mit dem Thomas Bernhard-Stück Vor dem Ruhestand im Theater in der Josefstadt in Wien auf die Bühne zurück.

Film und Fernsehen[Bearbeiten]

Seit den 1980er Jahren arbeitete er auch, zunächst eher vereinzelt, als Film- und Fernsehschauspieler, u.a. 1989 in dem Tatort-Krimi Die Neue mit Ulrike Folkerts, 1991 gelang ihm mit Sönke Wortmanns Kleine Haie der Durchbruch im Medium Film. Er spielte in dem Erstlingswerk von Sherry Hormann Leise Schatten (1992 mit dem Max-Ophüls-Preis ausgezeichnet). Kurz zuvor hatte ihm das Residenztheater München gekündigt. 1994 entschied er sich, nur noch als Film- und Fernsehschauspieler zu arbeiten.

Als Filmschauspieler spielte er im Genre Drama zum Beispiel Psychopathen, Kriminelle, Gefängnisinsassen, häufiger jedoch hohe Funktionäre, Ärzte und Offiziere, wie in dem oscar-nominierten Kinofilm Der Untergang den General der Artillerie Helmuth Weidling, in Die Gustloff Kapitän Johannsen, in So weit die Füße tragen (2001) den Lagerarzt und Fluchthelfer Dr. Stauffer, in Amen (Regie: Costa Gavras) den hohen Kirchenfunktionär Kardinal Monsignore Hudal, den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt in Im Schatten der Macht, (2004) und zuletzt in Karol Wojtyla – Geheimnisse eines Papstes (TV, Regie: Gero von Boehm, 2006) Papst Johannes Paul II.

Hoch gelobt wurde seine Interpretation von Willy Brandt im Fernsehmehrteiler Im Schatten der Macht über das Leben des ehemaligen Bundeskanzlers, für die Mendl 2004 mit der Goldenen Kamera als bester deutscher Schauspieler ausgezeichnet wurde. 1997 erhielt er eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis, 1998 den Bayerischen Filmpreis.

Oft spielt Mendl intelligente Führungspersönlichkeiten mit ehrenhaftem Charakterprofil, Identifikationsfiguren. Genauso verkörpert er bodenständige Charaktere wie den Bauern Moser in Es geschah am hellichten Tag (Regie: Nico Hofmann, 1997) oder den Nulf in Schlafes Bruder (Regie: Joseph Vilsmaier, 1995). In Komödien übernimmt er häufig die Rolle des charmanten älteren Ehemannes (Eine Chance für die Liebe, TV, 2006).

Hörspiele und Synchronarbeiten[Bearbeiten]

Michael Mendl wirkte in zahlreichen Hörspielen mit, in Krabat (produziert im Jahre 2010 vom WDR), Doktor Faustus nach Thomas Mann in Karl May: Der Orientzyklus[1] und zuletzt im Hörbuch Es wird Dich rufen von Simon Cross (veröffentlicht im Februar 2012).

2013 erschien der Animationsfilm Das kalte Herz nach Wilhelm Hauff, in dem Mendl die englische Fassung sprach.

Als Synchronsprecher lieh er unter anderem Sean Connery in Forrester: Gefunden, Rob Reiner in Schlaflos in Seattle, Stellan Skarsgård in King Arthur, Timothy Dalton in Die Hure des Königs und Rolf Lassgård in Ellas Geheimnis seine Stimme.

Soziales Engagement[Bearbeiten]

Seit 2000 engagiert sich Michael Mendl für das Projekt LILALU als Mentor.

Seit 2003 engagiert sich Michael Mendl für Faszination Regenwald e. V. u.a. in Französisch-Guayana.[2] Über dieses Engagement entstand im Jahr 2007 unter dem Titel Mein Leben am seidenen Faden eine WDR-Dokumentation.

Seit November 2008 agiert Mendl außerdem als Schirmherr des Vereins Gegen Noma e. V. zur Bekämpfung der Kinderkrankheit Noma.[3]

Er ist Botschafter der SOS-Kinderdörfer.

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kurzporträt Michael Mendl auf WDR5.de
  2. Faszination Regenwald e.V. Engagement von Michael Mendl für den Regenwald
  3. Gegen Noma e.V. Engagement von Michael Mendl als Schirmherr des Vereins Gegen Noma e.V.