Olympiastadion München

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Olympiastadion München
Olympiastadion München
Das Olympiastadion vom Olympiaturm fotografiert
Daten
Ort DeutschlandDeutschland München, Deutschland
Koordinaten 48° 10′ 23″ N, 11° 32′ 47″ O48.17305555555611.546388888889Koordinaten: 48° 10′ 23″ N, 11° 32′ 47″ O
Klassifikation Elitestadion
Eigentümer Landeshauptstadt München
Betreiber Olympiapark München GmbH
Eröffnung 26. Mai 1972
Renovierungen 2010–2011
Oberfläche Asphalt und Kunstrasen[1]
Kosten 137 Mio. DM
Architekt Frei Otto (Dach), Behnisch & Partner (Gebäude)
Kapazität 69.250 Plätze
Spielfläche 105 × 68 m
Verein(e)
Veranstaltungen

Das Olympiastadion München ist die zentrale Sportstätte im Olympiapark und war Hauptort der Olympischen Sommerspiele 1972. Es gilt als die deutsche Sportstätte, in der die meisten internationalen Sportturniere ausgetragen wurden. Hier fanden die Endspiele der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 und der Fußball-Europameisterschaft 1988 statt, zudem wurden hier drei Endspiele im Europapokal der Landesmeister bzw. der UEFA Champions League ausgetragen. 1979 gewann Nottingham Forest gegen Malmö FF, 1993 Olympique Marseille gegen den AC Mailand und 1997 Borussia Dortmund gegen Juventus Turin.

Von 1972 bis 2005 war das Olympiastadion Heimatstadion des FC Bayern München, mit langen Unterbrechungen bis 2005 auch des TSV 1860 München. Die beiden Münchener Klubs zogen dann in die neu erbaute Allianz Arena um.

Geschichte[Bearbeiten]

Nachdem München 1966 den Zuschlag zur Austragung der XX. Olympischen Sommerspiele erhalten hatte, wurde nach einem Standort für die Sportstätten gesucht. Die Wahl fiel auf das etwa 3 km² große Oberwiesenfeld, das reichlich Gestaltungsmöglichkeiten bot. Als Konzept wurde „Olympische Spiele im Grünen“ (genauer: Spiele im Grünen, Spiele der Freiheit, Spiele von menschlichem Maß) gewählt, gleichzeitig wollte man sich an den Idealen der Demokratie orientieren.

Für die Gestaltung wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, von denen der Beitrag unter der Leitung von Günter Behnisch den ersten Platz belegte und der Beitrag von Novotny Mähner Assoziierte den zweiten.

Die Architektengruppe Olympiapark, bestehend aus Günter Behnisch, Fritz Auer, Carlo Weber, Eberhard Tränkner und Winfried Büxel, entwarf daher zusammen mit Frei Otto ein Stadion, das in die Landschaft eingebettet ist, in Einklang mit der Landschaftsplanung von Günther Grzimek. Das Olympiastadion ist daher zum Teil Erdstadion. Eine Zeltdachkonstruktion von Frei Otto verbindet das Stadion mit den Zugangswegen und dem Olympiapark. Erstmals in Deutschland wurde auch eine Rasenheizung eingebaut.

Das Olympiastadion wurde am 26. Mai 1972 – genau drei Monate vor dem Beginn der Olympischen Spiele – mit einem Fußball-Länderspiel Deutschland gegen die UdSSR eingeweiht.

Nach den Olympischen Spielen wurden im Olympiastadion hauptsächlich nationale und internationale Fußballspiele ausgetragen. Das auch für Leichtathletik ausgelegte Stadion war Schauplatz mehrerer internationaler Leichtathletikmeisterschaften. Ebenso wurden viele kulturelle Ereignisse wie zum Beispiel Popkonzerte im Olympiastadion veranstaltet. Das Olympiastadion löste das Augsburger Rosenaustadion als größtes bayerisches Stadion ab.

Am 15. August 1973 wurde beim Spiel der zweitklassigen Fußball-Regionalliga Süd des TSV 1860 München gegen den FC Augsburg ein ewiger Zuschauerrekord des Olympiastadions aufgestellt. Nach einem frühen Führungstor der 60er in der 3. Minute erfolgte von noch vor dem Stadion auf Einlass wartenden Fans ein Sturm auf das Stadion bei dem 136, vor allem beim Überklettern der Abzäunung, verletzt wurden. Die Schätzungen der letztendlich anwesenden Zuschauer reichen von allgemein 80.000 bis 90.000 Zuschauern bis zu 100.000 Zuschauern.[2] Das Spiel gilt weltweit als das Zweitligaspiel mit der höchsten Zuschauerzahl und endete 1:1.[3]

Während der Bewerbungsphase zur Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 1972 wurde die Kapazität eines neuen Großstadions mit 90.000 bis 100.000 Zuschauerplätzen (davon 50.000 überdacht und 70.000 Sitzplätze) geplant. Der Ideenwettbewerb für Architekten gab ein Fassungsvermögen von 90.000 Plätzen (50.000 Sitzplätze, 40.000 Stehplätze) vor. Im Juni 1968 beschloss der Aufsichtsrat der OBG (Olympia-Baugesellschaft mbH) eine Reduzierung des Fassungsvermögens um 10.000 Zuschauerplätze auf 80.000, um Baukosten einzusparen. Während der Olympischen Spiele konnte das Stadion 77.000 Zuschauer fassen, nacholympisch 81.000 (Differenz durch olympische Sonderbelegung).[4] Ende der 1970er Jahre wurde aus Sicherheitsgründen die Kapazität auf 77.573 Zuschauer verringert. Zur Fußball-Europameisterschaft 1988 wurde die Kapazität auf 72.000 erneut verringert. Im Zuge weiterer Umwandlungen von Stehplatzblöcken in Sitzplätze dezimierte sich die Kapazität auf letztendlich 69.000 Plätze, wovon bei Bundesligaspielen des FC Bayern München aufgrund von Sichtproblemen in den untersten Reihen nur 63.000 Plätze verkauft wurden.

Als sich 1993 der DFB um die Austragung der Fußballweltmeisterschaft 2006 bewerben wollte, wurde die Frage nach einer Modernisierung des Olympiastadions wieder aktuell. Grund hierfür waren neue Kriterien, welche die FIFA mittlerweile für WM-Stadien festgelegt hatte und denen das Olympiastadion nicht mehr genügte. Unterstützt wurde dieses Vorhaben durch den FC Bayern München, der in diesem Stadion seine Heimspiele austrug und schon seit längerer Zeit bestrebt war, das Olympiastadion in eine reine Fußballarena umbauen zu lassen. Doch diese Idee wurde verworfen, nachdem die Umbaupläne vom Architekten Günter Behnisch abgelehnt wurden und eine Aufhebung seines Vetos nicht zu erwarten war. Stattdessen wurden in Kooperation mit dem TSV 1860 München Pläne für eine neue Fußballarena am Stadtrand von München entwickelt (siehe Allianz Arena), die seit Sommer 2005 beiden Fußballklubs als neue Heimstätte dient. Das Hauptaugenmerk liegt seitdem auf Kultur- und Leichtathletikveranstaltungen. Zum Ausgleich finden in der Allianz Arena keine Kulturveranstaltungen statt.

Ende 2009 stellten Techniker fest, dass der obere Betonrand der Haupttribüne marode und baufällig geworden war. Wenn man nicht bald handele, bestünde sogar Einsturzgefahr.[5] Seit April 2010 laufen die ersten Arbeiten mit dem Einrüsten des Nordteils der Tribüne. Für die Renovierung sind rund 10 Mio. veranschlagt. Die geplanten Veranstaltungen werden von den Bauarbeiten nicht behindert, aber der obere Teil wird gesperrt sein.[6] Im November 2011 sollen die Arbeiten abgeschlossen und die gesperrten Bereiche wieder geöffnet werden. Die Sanierung wird dann ca. 10,7 Millionen Euro gekostet haben.[7]

Streckenführung DTM Veranstaltung 14./15. Juli 2012

Am 3. Juli 2010 gaben die Verantwortlichen der ITR bekannt, in der Saison 2011 ein DTM-Rennen im Olympiastadion auszutragen.[8] Es wurde als Ausscheidungsrennen im Stile des Race of Champions konzipiert. Auch 2012 wurde dieses Rennen erneut in den Rennkalender aufgenommen.[9] Beide Male zählte die Veranstaltung jedoch nicht zur Meisterschaft.

Wichtige sportliche Ereignisse und kulturelle Veranstaltungen (ohne Konzerte)[Bearbeiten]

Innenraum des Olympiastadions
Zeltdachkonstruktion
Dachbegehung als Event
Konzert der Gruppe „Genesis“ im Stadion
Stadion mit dem Olympiasee im Vordergrund
„Bon Jovi“-Konzert im Olympiastadion 2013

Olympische Spiele[Bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten]

Fußball-Weltmeisterschaft
  • 1974 Haiti – Italien
  • 1974 Polen – Haiti
  • 1974 Haiti – Argentinien
  • 1974 Polen – Brasilien (Spiel um Platz 3)
  • 1974 Deutschland – Niederlande (Finale)
Fußball-Europameisterschaften
  • 1976 Deutschland – Spanien (Viertelfinale)
  • 1988 Deutschland – Spanien (Finalrunde)
  • 1988 Niederlande – UdSSR (Finale)
Länderspiele
  • 1973 Deutschland – Argentinien
  • 1973 Deutschland – Jugoslawien
  • 1978 Deutschland – England
  • 1978 Deutschland – England (Schüler)
  • 1980 Deutschland – Österreich
  • 1982 Deutschland – Belgien
  • 1985 Deutschland – ČSSR (WM-Qualifikation)
  • 1988 Deutschland – Holland (WM-Qualifikation)
  • 1996 Deutschland – Dänemark
  • 1999 Deutschland – Türkei (EM-Qualifikation)
  • 2001 Deutschland – England (WM-Qualifikation)
Internationale Finalspiele von Vereinen
Datum Wettbewerb Begegnung Ergebnis
10. September 1975 UEFA-Supercup FC Bayern MünchenDynamo Kiew 0:1
17. August 1976 UEFA-Supercup FC Bayern München – RSC Anderlecht 2:1
23. November 1976 Weltpokal FC Bayern München – Cruzeiro Belo Horizonte 2:0
30. Mai 1979 Europapokal der Landesmeister Nottingham ForestMalmö FF 1:0
26. Mai 1993 UEFA Champions League AC MailandOlympique Marseille 0:1
1. Mai 1996 UEFA-Pokal FC Bayern München – Girondins Bordeaux 2:0
28. Mai 1997 UEFA Champions League Borussia DortmundJuventus Turin 3:1
17. Mai 2012 UEFA Women’s Champions League 1. FFC FrankfurtOlympique Lyon 0:2

Andere sportliche Ereignisse[Bearbeiten]

Religion und Politik[Bearbeiten]

Sonstiges[Bearbeiten]

  • 1999: Großes Sonnenfinsternis-Fest (Sonnenfinsternis vom 11. August 1999)
  • 2011: Großer Abendflohmarkt unter der Zeltdachkonstruktion auf Ebene 0 (Äußerer Umgriff) des Olympiastadions (Trödel dich glücklich am 13. August 2011)

Zur Besichtigung des Stadions werden Touren angeboten, bei denen man auf das Zeltdach geführt wird und von dort an einem Stahlseil über den Platz heruntergleiten kann („Flying Fox“).[11]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Olympiastadion München – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten]

  •  Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-1094-3 (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer).
  •  Armin Radtke: Olympiastadion München. Fußball-Geschichte unter dem Zeltdach. Die Werkstatt, Göttingen 2005, ISBN 3-89533-478-2.
  • Matthias Hell: München ´72. Olympia-Architektur damals und heute, Gespräche mit prominenten Zeitzeugen und Akteuren, MünchenVerlag, München 2012, ISBN 978-3-937090-63-4.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. merkur-online.de: [1] Artikel vom 22. März 2012
  2. 1860 München – FC Augsburg: Derby für die Ewigkeit, Bayerischer Rundfunk, 14. November 2008 (abgerufen am 1. Oktober 2012)
  3. Rob Smyth, Paolo Bandini, James Dart: The Knowledge: The biggest non-top-flight attendance ever, The Guardian, 6. Dezember 2006 (abgerufen am 12. Mai 2011)
  4. Die Spiele; 3-bändige Dokumentation über die Olympischen Sommerspiele in München 1972; Band 2: Die Bauten. Herausgeber: Organisationskomitee für die Spiele der XX. Olympiade München 1972; Verlag proSport München, 1974
  5. tz.de: Einsturzgefahr im Olympiastadion, abgerufen am 25. März 2014
  6. merkur-online.de: Olympiastadion wird zur Baustelle Artikel vom 7. April 2010
  7. stadionwelt.de: Olympiastadion: Sanierung fast abgeschlossen Artikel vom 22. August 2011
  8. motorsport-total.com: DTM im Olympiastadion: Premiere im Juli 2011
  9. DTM-Kalender 2012: Eine neue Ära beginnt, motorsport-total.com vom 11. November 2011; Zugriff am 12. Juli 2012
  10. Website des Internationalen Kirchentags der Neuapostolischen Kirche
  11. Die Zeltdach-Tour mit Flying Fox auf olympiapark.de