Frankfurt-Niederursel

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Wappen von Niederursel
Wappen von Frankfurt am Main
Niederursel
25. Stadtteil von Frankfurt am Main
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Über dieses Bild
Koordinaten 50° 10′ 4″ N, 8° 37′ 9″ O50.1678825785648.6191284656525Koordinaten: 50° 10′ 4″ N, 8° 37′ 9″ O
Fläche 7,217 km²
Einwohner 15.281 (31. Dez. 2013)
Bevölkerungsdichte 2117 Einwohner/km²
Postleitzahl 60439
Vorwahl 069
Website www.frankfurt.de
Gliederung
Ortsbezirk 8 – Nord-West
Stadtbezirke
  • 481 – Niederursel-Ost
  • 482 – Niederursel-West
  • 483 – Riedwiese-Mertonviertel
  • 484 – Campus Niederursel
Verkehrsanbindung
U-Bahn U3 U8 U9
Bus 71 72 73 n2
Quelle: Stadt Frankfurt am Main: Statistik Aktuell 2014/5. Abgerufen am 8. März 2014.

Niederursel ist seit dem 1. April 1910 ein Stadtteil von Frankfurt am Main und liegt im Nordwesten der Mainmetropole.

Lage[Bearbeiten]

Niederursel liegt am Unterlauf des Urselbachs, einem rechten Zufluss der Nidda im Nordwesten Frankfurts. Es grenzt im Norden und Westen an die Gemarkungen von Steinbach (Taunus) und Oberursel, im Nordosten an den Frankfurter Stadtteil Kalbach-Riedberg, im Osten an die Stadtteile Eschersheim und Heddernheim und im Süden an Frankfurt-Praunheim. Niederursel wird in der noch immer genutzten Ackerbaufläche im Norden vom Abschnitt Frankfurt–Kassel der Bundesautobahn 5 durchquert.

Geschichte[Bearbeiten]

Alt-Niederursel
Der Urselbach in Niederursel

Eine erste urkundliche Erwähnung Niederursels als Mühle und Hofgut erfolgte im Jahre 1132. 300 Jahre später (1437) wird Niederursel durch den königlichen Vogt Henne von Niederursel geteilt und an die Stadt Frankfurt und die Ritter von Kronberg verkauft. Zu dieser Zeit hat das Dorf 21 Einwohner, wobei oftmals nur die freien Bürger gezählt wurden. Die benachbarte Wüstung Mittelursel‎ ging im Dreißigjährigen Krieg unter. Das Mittelursel‎er Feld wurde zur Hälfte Niederursel zugeschlagen.

1712 ist Niederursel noch immer geteiltes Dorf und die damaligen Herren des Ortes, Frankfurt und Solms, einigen sich auf die Hauptstraße (jetzt in Alt-Niederursel) als Trennlinie ihres Herrschaftsbereiches. Im Süden ist für Gesetz und Ordnung Solms zuständig, im Norden die freie Reichsstadt Frankfurt. 1806 fällt der Solms'sche Anteil von Niederursel an das Großherzogtum Hessen. Im Friedensvertrag vom 3. September 1866 wird dieser an Preußen abgetreten. Mit der Annexion der Freien Stadt Frankfurt durch Preußen fällt auch der Frankfurter Anteil Niederursels an Preußen. Beide Teile gehören zum preußischen Stadtkreis Frankfurt. Erst im Jahre 1898 werden die beiden Teile Niederursels wieder zu einer Gemeinde verschmolzen. 1910 wird Niederursel nach Frankfurt eingemeindet.[1][2]

Die rasante Bevölkerungsentwicklung von im Jahre 1960 noch 2.200 Einwohnern bis im Jahre 1975 über 16.000 Einwohnern ist vor allem mit der zum Großteil zu Niederursel gehörenden neu errichteten Nordweststadt zu erklären.

Jüdische Gemeinde[Bearbeiten]

Alter jüdischer Friedhof, Gedenkstein

Am 1. Februar 1695 erhielt der Heddernheimer (in Heddernheim bestand schon länger eine jüdische Gemeinde) Jude Joseph Weiler gegen Zahlung von 5 Reichstalern an die beiden Herrschaften das Recht, in Niederursel zu wohnen. Er betrieb eine Brandweinbrennerei. Nach der Realteilung 1714 wurde in der Solmser Dorfhälfte die Ansiedlung von Juden zugelassen, in der Frankfurter Hälfte nicht. 1720 wurde der Alte jüdische Friedhof an der Oberurseler Straße eröffnet. 1876 wurde wenige hundert Meter weiter der neue jüdische Friedhof eröffnet.

1740 bestand die jüdische Gemeinde aus 10 Männern, 1777 aus 17 Familien. Die Zahl der Juden wuchs in der Folgezeit stark an. 1811 wohnten in der solmschen Hälfte 130 Juden, was 1/3 der Bevölkerung ausmachte. 1848 wurde eine Synagoge auf dem Grundstück Alt-Niederursel 3 erbaut. In der Folgezeit sank die Zahl der Juden wieder. 1857 wohnten noch 84 Juden in Niederursel. 1865 war die Gemeinde so klein, dass sie aufgelöst wurde. Die Synagoge wurde der evangelischen Gemeinde geschenkt, die dort 1910 die Kleinkinderschule erbaute. 1898 wurden noch 13 Juden gezählt.[3]

Verkehr[Bearbeiten]

Niederursel liegt an der Rosa-Luxemburg-Straße (L3004), die vom Knoten Miquelallee nach Oberursel führt. Weitere Hauptstraßen des Stadtteils sind die Niederurseler Landstraße, der Praunheimer Weg, der Hammarskjöldring sowie der Gerhart-Hauptmann-Ring. Am westlichen Rand Niederursels verläuft die Autobahn A5, die jedoch in diesem Bereich keine Abfahrt hat. Mit dem Bau der Umgehungsstraße von der Frankfurter Nordweststadt nach Oberursel in den 1990er Jahren wurde der Transitverkehr durch den alten Ortsteil unterbunden, was zu einer ausgeprägten Verkehrsberuhigung führte.

An den Öffentlichen Nahverkehr ist Niederursel durch die Linien U3, U8 und U9 der Frankfurter U-Bahn angeschlossen. Die Station Niederursel liegt im alten Ortskern des Stadtteils.

Schulen[Bearbeiten]

Eingang zur Europäischen Schule

Im September 2002 begann die Europäische Schule in Frankfurt, Praunheimer Weg 126, 60439 Frankfurt am Main, die durch die Ansiedlung der Europäischen Zentralbank für die Kinder der Mitarbeiter notwendig geworden war, mit dem Unterricht. Sie umfasst Kindergarten (Maternel - 2 Jahre), Grundschule (Primaire - 5 Jahre) und Oberschule (Secondaire - 7 Jahre) und führt zum Abschluss, dem Europäischen Abitur. Er erfolgt in vier Sprachabteilungen: der französischen, deutschen, englischen und italienischen.

Weitere Schulen im Stadtteil:

Wirtschaft[Bearbeiten]

Campus Riedberg - Physikalisches Institut

Durch die Lage am Urselbach war Niederursel in der vorindustriellen Zeit hauptsächlich ein Standort für Mühlenbetriebe. Getreide-, Papier-, Tabakmühlen und andere auf Wasserkraft basierende Betriebe hatten sich hier entwickelt. In den 1970er-Jahren war am Niederurseler Hang eine Zweigstelle des Frankfurter Zoos geplant, doch wirtschaftliche Interessen bevorzugten eine Bebauung des Standortes durch die Goethe-Universität, die hier heute am Campus Riedberg zahlreiche Institute im Biologischen und Chemischen Bereich hat. In der Siedlung Frankfurt-Riedberg entsteht zudem eine moderne Wohnbebauung. Durch die Umfahrung von Niederursel mussten einige Trationsbetriebe und Geschäfte aufgeben. Auch hat die Praunheimer Werkstätten ihre Verwaltung am alten Teil von Niederursel. Angrenzend ist die Traditionsgaststätte "Lahmen Esel".

Friedhof[Bearbeiten]

Beerdigungen in Niederursel erfolgten ursprünglich neben der Kirche. 1812 wurde ein 39 Quadratruten großer Acker des Katharinenklosters neben der Kirche für 150 Gulden erworben und der Friedhof damit erweitert.

1850 wurde ein 1 ¾ Morgen großes Grundstück vom Grafen zu Solz im Tausch erworben und dort der neue Friedhof eingerichtet. Nach Streit zwischen beiden Dorfhälften entschied man sich, die Friedhofsmauer aus roten Steinen der Hohen Mark zu erbauen. 1851 wurde der Friedhof eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof nach Westen erheblich erweitert und 1956 die neue Friedhofskapelle eingeweiht. Da in der Nordweststadt kein eigener Friedhof entstand wurden die dortigen Toten auch in Niederursel begraben. Anfang der 1970er Jahre erfolgte eine neue Erweiterung, diesmal nach Osten.[4] Der Friedhof hat heute eine Fläche von 4,5 ha und umfasst 1.500 Gräber.[5]

Sehenswürdigkeiten und Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Das Solmsche Rathaus
Die Prangerkette am Niederurseler Gehorsam

Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmäler in Frankfurt-Niederursel.

Zu den Niederurseler Sehenswürdigkeiten zählen

  • das ehemalige „Frankfurter Rathaus“ aus dem Jahr 1716, ein barockes Gebäude mit Zierfachwerk und Sturzbalken, sowie einer Inschrift und
  • das ehemalige „Solms-Rödelheimsche Rathaus“ in unmittelbarer Nähe (Niederursel war über 600 Jahre zweigeteilt) aus dem Jahre 1718, das ebenfalls im barocker Stil mit reichhaltigem Zierfachwerk errichtet wurde.
  • Außerdem ist der sogenannte „Gehorsam“ mit der noch immer vorhandenen Prangerkette am Fuße der ehemaligen Sankt Georgskapelle (auf deren Grundmauern die heutige Gustav-Adolf-Kirche steht) zu erwähnen. Hier wurden die Verbrecher tagsüber zum Gespött der Bewohner angekettet und des Nachts wieder in das hinter der Türe befindliche „dunkle Loch“ verbracht.
  • Die Gustav-Adolf-Kirche wurde 1927 vom Architekten Martin Elsaesser (ein Mitarbeiter von Ernst May) errichtet, besitzt einen oktogonalen Grundriss und war damit in der Bautechnik und in der Planung zu ihrer Bauzeit geradezu revolutionär. Die Kirche wurde seinerzeit einschließlich des Daches aus Beton gegossen. Die wichtigsten Teile der alten Georgskapelle (Kruzifix und in Holz geschnitzte Schriftbänder von 1613) wurden ebenso wie ein romanischer Türsturz und ein Dreipassfenster in den Bau integriert. Auch die Grabsteine in der Außenmauer (von 1669) sind erhalten geblieben und noch zu sehen.

Personen, die hier ihren Wohnsitz hatten oder haben[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Gerner: Niederursel, Mittelursel : chronikalische Aufzeichnungen zu einem Dorf, 1976

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Frankfurt-Niederursel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frankfurt.de: Chronik von Niederursel
  2. „Niederursel, Gemeinde Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon (Stand: 3. April 2012)
  3. Manfred Gerner: Niederursel, Mittelursel, S. 107–110
  4. Manfred Gerner: Niederursel, Mittelursel, S. 110–112
  5. Stadt Frankfurt am Main: Der Friedhofswegweiser, März 2012, Abschnitt über den Friedhof Niederursel