Norges Kommunistiske Parti

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Norges Kommunistiske Parti
Kommunistische Partei Norwegens
Logo der NKP
Partei­vorsitzender Svend Haakon Jacobsen
Gründung 4. November 1923
Haupt­sitz Oslo
Jugend­organisation UngKommunistene i Norge
Zeitung Friheten
Aus­richtung Kommunismus
Farbe(n) Rot
Parlamentsmandate 0 von 169 (Storting, 2009)
Europapartei Initiative kommunistischer und Arbeiterparteien Europas
Website www.nkp.no

Norges Kommunistiske Parti (Kommunistische Partei Norwegens, NKP) ist eine kommunistische Partei in Norwegen. Vorsitzender ist seit 2010 Svend Haakon Jacobsen.

Die Parteizeitung Friheten (Die Freiheit) erscheint seit 1941 und erreichte 2009 eine Auflage von 1.500 Exemplaren.

Geschichte[Bearbeiten]

In Norwegen radikalisierte sich die Arbeiderpartiet (dt. Arbeiterpartei) unter dem Einfluss der Oktoberrevolution. 1919 schloss sich die Partei der Kommunistischen Internationale an. Schon 1923 kam es jedoch zum Bruch, da die Arbeiterpartei den Führungsanspruch der Komintern zurückwies und darauf bestand, den Klassenkampf in Norwegen eigenständig zu planen und durchzuführen. Die Partei entschied am 4. November 1923 auf einem Sonderparteitag, die Kommunistische Internationale zu verlassen. Eine Minderheit der Mitglieder gründete noch am selben Tag Norges Kommunistiske Parti, die sich der Komintern anschloss. Immerhin fast die Hälfte der Repräsentanten der Arbeiterpartei im Storting, dem norwegischen Parlament, wechselte in die neue Partei. Zulauf erhielt sie zunächst auch aus Gewerkschaftskreisen. Dennoch erreichte die Partei bei der Parlamentswahl des Jahres 1924 nur 6,1 Prozent der Stimmen. In den Folgejahren verlor die NKP weiter an Rückhalt in der Bevölkerung. Zwischen 1930 und 1945 hatte sie kein Storting-Mandat mehr inne.[1]

Den Zweiten Weltkrieg interpretierten die norwegischen Kommunisten als imperialistischen Krieg, dessen Ausbruch nicht nur Deutschland, sondern auch die Westmächte verschuldet hätten. Im finnisch-sowjetischen Winterkrieg unterstützte die NKP die Sowjetunion. Zuvor hatte die NKP den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt vom August 1939 verteidigt, während er von der Arbeiterpartei heftig attackiert worden war. Vor dem Hintergrund des Paktes rief die NKP zunächst öffentlich dazu auf, Widerstandhandlungen gegen die Deutschen, die das Land am 9. April 1940 überfallen hatten, zu unterlassen. Selbst als die NKP im August 1940 als erste Partei überhaupt von den deutschen Okkupanten verboten wurde, war die Haltung ihnen gegenüber nicht eindeutig. Erst nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 und der Reorganisation der Partei infolge eines heimlichen Parteitages am 31. Dezember 1941 wurden die Widerstandsbemühungen deutlich forciert.[2]

Durch zahlreiche Sabotageakte gegen die Deutschen während der zweiten Hälfte des Krieges konnte die NKP ihre Popularität steigern. In der ersten Nachkriegswahl erreichte sie einen Stimmenanteil von 11,9 Prozent. Ideologische Auseinandersetzungen gegen Ende der 1940er Jahre schwächten die Partei jedoch zusehends. So wurde Peder Furubotn, der maßgeblich für die Widerstandpolitik gegen die Deutschen ab 1942 verantwortlich gezeichnet hatte, wegen „titoistischer“ Tendenzen und „imperialistischen Agententums“ aus der Partei ausgeschlossen.[3]

Den von Chrustschow eingeleiteten Prozess der Entstalinisierung kommentierte die NKP mit großer Zurückhaltung.[4] Den Ungarischen Volksaufstand von 1956 bezeichnete die Partei als Konterrevolution und erwies sich damit als linientreu.[5] Als der Konflikt zwischen der KPdSU und den chinesischen Kommunisten ihren Höhepunkt erreichte, vermieden es die NKP und ihr langjähriger Vorsitzender Emil Løvlien, klar Stellung zu beziehen.[6] Der Einmarsch sowjetischer Truppen in der Tschechoslawakei zur Zeit des Prager Frühlings bewog die Partei zu einer kritischen Haltung und damit erstmals zu einer Distanzierung von der Politik Moskaus. Der nach Ansicht mancher Gemeinderepräsentanten nicht völlig überwundene Stalin-Kult führte aber noch 2004 zu Konflikten und Parteiaustritten.[7]

Anfang der 1970er Jahre sprach sich die NKP vehement gegen eine Mitgliedschaft Norwegens in der Europäischen Gemeinschaft aus. 1973 ging die Partei mit Sosialistisk Folkeparti (Sozialistischen Volkspartei) und Demokratiske Sosialister (Demokratischen Sozialisten) ein Wahlbündnis ein, das 11,6 % der Stimmen und 16 Mandate erringen konnte. Im Parlament saß damit für vier Jahre auch der NKP-Vorsitzende Reidar T. Larsen.

Seit Ende der siebziger Jahre hat sich die NKP, zum Teil wegen interner Flügelkämpfe, zu einer Splitterpartei entwickelt. Bei der Parlamentswahl 2009 erhielt sie nur noch 697 Stimmen (0,0 Prozent).[8]

Programm[Bearbeiten]

Stand in der Osloer Innenstadt vor der Wahl 2009

Die Grundlage für die politische Arbeit der Partei liefert seit ihrer Gründung der Marxismus-Leninismus.[9] Nach Ansicht der NKP bedrohen drei „Hauptprobleme“ die Menschheit: die soziale Ungerechtigkeit, die Umweltzerstörung und das Militärwesen bzw. die Kriege, die überall auf der Welt entfacht werden. Diese Probleme könne man nur lösen, indem der Kapitalismus bekämpft und überwunden wird. Das kapitalistische System soll dabei durch eine demokratisch legitimierte Planwirtschaft ersetzt werden, die den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen Rechnung trage. Hierzu wird unter anderem das Recht auf Arbeit und Ausbildung gezählt.[10]

Im 1997 konzipierten „Arbeitsprogramm“ werden private Bildungseinrichtungen und Kindergärten abgelehnt. Kostenfreie Kindergartenplätze sollen garantiert werden. Der christliche Religionsunterricht ist nach Auffassung der Partei abzuschaffen und gegen allgemeinen Ethik-Unterricht zu ersetzen.[10]

Die NKP tritt für eine staatliche kontrollierte Energiewirtschaft ein, die die Stromversorgung nicht transnational operierenden Unternehmen überlässt. Die Erdölförderung in der Barentssee wird abgelehnt. In der Fischereipolitik sollen Konzessionen nur an lokale, nicht börsennotierte Reedereien vergeben werden.[10]

Der Kampf gegen die Europäische Union gilt als aktive Friedenspolitik. Eine EU-Mitgliedschaft Norwegens wird nach wie vor ebenso abgelehnt wie eine Teilnahme des Landes am Schengener Abkommen. Die NKP verlangt den Austritt Norwegens aus der NATO. Die norwegische Waffenproduktion soll nach dem Willen der Partei eingestellt werden.

Da Norwegen eines der reichsten Länder der Welt sei, könne es bedeutend mehr Flüchtlinge aufnehmen, als dies gegenwärtig der Fall ist. Dem Sameting, der parlamantarischen Vertretung der Samen, soll ein Vetorecht gegen alle Gesetze zugestanden werden, die diese offiziell anerkannte Minorität betreffen.[10]

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Wahlen zum Storting
Wahljahr Prozent[11] Sitze[12] Sitze gesamt
1924 6,1 6 150
1927 4,0 3 150
1930 1,7 150
1933 1,8 150
1936 0,3 150
1945 11,9 11 150
1949 5,8 150
1953 5,1 3 150
1957 3,4 1 150
1961 2,9 150
1965 1,4 150
Wahlen zum Storting
Wahljahr Prozent Sitze Sitze gesamt
1969 1,0 150
1973 Listenverb. 1 155
1977 0,4 155
1981 0,3 155
1985 0,2 157
1989 Listenverb. 165
1993 0,0 165
1997 0,1 165
2001 0,1 165
2005 0,0 169
2009 0,0 169
  • 1973 beteiligt am Wahlbündnis Sosialistisk Valgforbund, das 11,2 % und 16 Sitze erhielt.
  • 1989 beteiligt am Wahlbündnis Fylkeslistene for Miljø og Solidaritet, das 0,8 % erhielt.

Parteivorsitzende[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

deutsch

  • Jahn Otto Johansen, Die Kommunistische Partei Norwegens. - In: Åke Sparring (Hg.), Kommunisten im Norden. Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1966, S. 75–124.

englisch

  • Peter P. Rohde, The Communist Party of Norway. - In: Communism in Scandinavia and Finland. Politics and opportunity, ed. by Anthony F. Upton, 1973 (ISBN 0-385-03365-6)

norwegisch

  • Norges Historie, 1979 (ISBN 82-02-03453-1), Band 13, S. 263-268, und Band 14, S. 80-87
  • Hans I. Kleven, Parti i flammer. Dokumentasjon og betraktninger omkring "oppgjøret" i Norges Kommunistiske Parti 1949-50, 2 Bände 1994 (ISBN 82-7009-274-6 und ISBN 82-7009-275-4)
  • Terje Halvorsen, Mellom Moskva og Berlin. Norges Kommunistiske Parti under ikke-angrepspakten mellom Sovjet-Unionen og Tyskland 23. august 1939 - 22. juni 1941, 1996 (ISBN 82-7009-287-8)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jahn Otto Johansen, Die Kommunistische Partei Norwegens. - In: Åke Sparring (Hg.), Kommunisten im Norden. Köln 1966, S. 75–124, hier: S. 78 ff.
  2. Vgl. Johansen, S. 80 f.
  3. Vgl. Johansen, S. 83
  4. Vgl. Johansen, S. 87 ff.
  5. Vgl. Johansen, S. 89 f.
  6. Vgl. Johansen, S. 94 f.
  7. NKP i Åsnes stiller ultimatum Østlendingen, 8. Dezember 2004
  8. Landsoversikt - Stortingsvalget www.regjeringen.no, September 2009 (abgerufen am 25. September 2009)
  9. Prinsipprogram, www.nkp.no, abgerufen am 20. September 2009
  10. a b c d Arbeidsprogram, www.nkp.no, abgerufen am 20. September 2009
  11. Historische Übersicht, Prozent Statistics Norway
  12. Historische Übersicht, Sitze Statistics Norway

Weblinks[Bearbeiten]