Pisz
| Pisz | ||||
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| Basisdaten | ||||
|---|---|---|---|---|
| Staat: | Polen | |||
| Woiwodschaft: | Ermland-Masuren | |||
| Landkreis: | Pisz | |||
| Fläche: | 10 km² | |||
| Geographische Lage: | 53° 37′ N, 21° 48′ O53.61666666666721.8Koordinaten: 53° 37′ 0″ N, 21° 48′ 0″ O | |||
| Einwohner: | 19.547 (31. Dez. 2012)[1] |
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| Postleitzahl: | 12-200 | |||
| Telefonvorwahl: | (+48) 87 | |||
| Kfz-Kennzeichen: | NPI | |||
| Wirtschaft und Verkehr | ||||
| Straße: | Olsztyn–Augustów | |||
| Łomża–Węgorzewo | ||||
| Schienenweg: | Olsztyn–Pisz | |||
| Nächster int. Flughafen: | Danzig | |||
| Gemeinde | ||||
| Gemeindeart: | Stadt- und Landgemeinde | |||
| Gemeindegliederung: | 43 Schulzenämter | |||
| Fläche: | 634,8 km² | |||
| Einwohner: | 27.942 (31. Dez. 2012)[2] |
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| Bevölkerungsdichte: | 44 Einw./km² | |||
| Gemeindenummer (GUS): | 2816033 | |||
| Verwaltung (Stand: 2009) | ||||
| Bürgermeister: | Jan Alicki | |||
| Adresse: | ul. Gizewiusza 5 12-200 Pisz |
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| Webpräsenz: | www.pisz.pl | |||
Pisz [pʲiʃ] (polnisch früher auch Jańsbork, deutsch Johannisburg) ist Kreisstadt des Powiat Piski in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren mit etwa 19.400 Einwohnern.
Inhaltsverzeichnis |
Geographische Lage[Bearbeiten]
Die Stadt liegt im Südosten der Woiwodschaft Ermland-Masuren im historischen Ostpreußen, 110 Kilometer östlich der Woiwodschafts-Hauptstadt Olsztyn (Allenstein) im ehemals prußischen Stammesgebiet Galinden. Hier entspringt die Pisa (Pissa, früher Galinde) aus dem Roschsee (Roś, früher Warschausee), der zur Masurischen Seenplatte gehört. Über den sechs Kilometer langen Johannisburger Kanal ist der größte masurische See zu erreichen, der Spirdingsee (Śniardwy). Südlich erstrecken sich die Wälder der Johannisburger Heide (Puszcza Piska). Durch die Stadt verlaufen die Fernstraße 58 (Szczytno-Grajewo) und die Bahnlinie von Szczytno nach Ełk (Ortelsburg–Lyck).
Geschichte[Bearbeiten]
Ausgangspunkt der Entwicklung von Johannisburg war eine Befestigungsanlage des Deutschen Ordens, die dessen Hochmeister Heinrich Dusemer 1345 zum Schutz des Flussübergangs und zur Verteidigung gegen die benachbarten Litauer anlegen ließ. Diese griffen in den Jahren 1361 und 1366 die Feste an und eroberten sie bei ihrem zweiten Ansturm. Die hölzernen Anlagen wurden in Brand gesteckt und die Besatzung vertrieben. Nachdem sich die Litauer aus der Gegend wieder zurückgezogen hatten, wurden die eingeäscherte Feste durch eine steinerne Burg ersetzt, die 1378 fertiggestellt war.
Im Bereich der Burg hatten sich inzwischen Jäger, Beutner und Fischer angesiedelt. Um den Ort weiter zu fördern, verlieh ihm 1367 der Ordenskomtur von Balga, Ulrich Fricke, die Handfeste des Deutschen Ordens. Die weitere Besiedlung des Umlandes erfolgte später in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, 1450 wurden dort 35 Dörfer erwähnt. Damit war für den Orden die Zeit gekommen, Johannisburg das Stadtrecht zu verleihen. Es sollte mit der vom Hochmeister Ludwig von Erlichshausen am 15. Mai 1451 ausgestellten Urkunde manifestiert und durch die Übergabe von 200 Hufen Land finanziell abgesichert werden. Da aber der Orden zu dieser Zeit Krieg mit Polen führte, fand sich niemand, der die Durchsetzung des Stadtrechts veranlassen konnte. Während des Städtekrieges 1455 und des Reiterkrieges 1520 wurde Johannisburg eingeäschert.
Nachdem 1525 der Ordensstaat in ein weltliches Herzogtum umgewandelt worden war, sorgte Albrecht I. von Brandenburg-Ansbach für die wirtschaftliche Förderung des Ortes. Die Burg wurde ausgebaut, weiter befestigt und zum Sitz des Amtshauptmannes bestimmt. Wie sehr der Herzog mit Johannisburg verbunden war, wurde mit seinem dortigen Aufenthalt während des Pestjahres 1549 deutlich. Die Verbreitung des evangelischen Glaubens, ebenfalls durch den Herzog gefördert, wurde in Johannisburg durch den aus Polen verbannten Reformator Martin Glossa vorangetrieben. Der einträgliche Grenzhandel mit Polen, dessen Grenze nur wenige Kilometer südlich verlief, ließ die wirtschaftliche Kraft weiter erstarken, was die Einwohner veranlasste, sich erneut um das Stadtrecht zu bemühen. Die 1594 an Markgraf Georg Friedrich herangetragene Bitte blieb jedoch unbeachtet, erst der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm stellte am 6. September 1645 die Stadtrechtsurkunde aus. Die Wehrhaftigkeit der Stadt wurde bei den Angriffen der Tataren in den Jahren 1656 und 1657 bewiesen. Mit Hilfe der kurfürstlichen Truppen unter der Führung von Oberstleutnant Friedrich von Arnheim wurden alle Eroberungsversuche zurückgeschlagen. Bei einem Stadtbrand 1687 wurde Johannisburg teilweise zerstört, auch das Rathaus wurde ein Opfer der Flammen. Viele Opfer forderte die Pest in den Jahren 1709 bis 1711. Von 1714 bis 1816 war Johannisburg Garnisonstadt der preußischen Armee. Während des Siebenjährigen Krieges (1756–1763) besetzte der russische Oberst Selebrikow mit seinen Truppen die Stadt, die abermals in den Jahren 1807 und 1812 sowohl unter französischer und russischer Besatzung mit hohen Kontributionsforderungen und Plünderungen zu leiden hatte. Vom 23. bis 26. Januar 1813 hielt sich der russische Zar Alexander I. in Johannisburg auf.
Mit der preußischen Verwaltungsreform von 1815 wurde Johannisburg zur Kreisstadt des gleichnamigen Kreises ernannt. Das wirtschaftliche Leben erholte sich von den Schäden der vorangegangenen Kriege, insbesondere die Holzindustrie expandierte. Daneben waren der Getreidehandel und die Leinenwebereien die wichtigsten Erwerbsquellen. Vorteilhaft wirkte sich Neubau der Verkehrswege aus, neben der Chaussee nach Ortelsburg und zum polnischen Grajewo, hatte der 1885 erfolgte Anschluss an die Bahnlinie Allenstein–Lyck erhebliche Bedeutung. So stieg auch die Zahl der Einwohner bis 1900 auf 3481, während 1782 nur 1141 Menschen in der Stadt gelebt hatten.
Der bescheidene Wohlstand wurde mit dem Ersten Weltkrieg wieder zunichtegemacht. Vom September 1914 bis Februar 1915 hielt die russische Armee Johannisburg besetzt, zerstörte die Stadt zu großen Teilen und verschleppte 1.586 Männer, Frauen und Kinder nach Sibirien. Noch während des Krieges begann im Rahmen der von der Reichsregierung initiierten Ostpreußenhilfe der Wiederaufbau, bei dem Leipzig als Patenstadt Hilfe leistete. Bei der durch den Versailler Vertrag im Abstimmungsgebiet Allenstein angeordneten Volksabstimmung über die Zugehörigkeit zu Deutschland oder Polen entschieden sich die Bürger im Landkreis Johannisburg am 11. Juli 1920 mit 34.036 gegen 14 Stimmen eindeutig für den Verbleib bei Ostpreußen und somit für Deutschland. Der Zuzug von Einwohnern aus dem an Polen verlorenen Westpreußen ließ die Bevölkerungszahl noch einmal auf 5.186 im Jahre 1925 anwachsen. Das Ende Johannisburgs als deutsche Stadt begann mit dem sowjetischen Bombardement am 19. Januar 1945, dem fast zwei Drittel der Gebäude zum Opfer fielen.
Am 24. Januar wurde die Stadt von der Roten Armee kampflos erobert. Nach der Übernahme durch die polnischen Behörden erfolgte die Umbenennung in Pisz. Der Name bezieht sich auf den kleinen Fluss Pisa, einen Nebenfluss des Narew, der wie zwei weitere Flüsse in Ostpreußen auf Deutsch Pissek genannt wurde. Der größte Teil des Landkreises Johannisburg bildet heute den Powiat Piski.
Die Eisenbahnstrecke von Szczytno (Ortelsburg) nach Pisz (Johannisburg) wurde 2008 wieder eröffnet.
Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]
- 1782: 1.141[3]
- 1831: 2.040, teils polnische, teils deutsche Bevölkerung[4]
- 1875: 2.772[5]
- 1880: 2.973[5]
- 1890: 3.222, davon 117 Katholiken und 148 Juden[5]
- 1900: 3.481
- 1925: 5.186[6]
- 1933: 5.725[5]
- 1939: 6.451[5]
- 2012: 19.600
Partnerschaft[Bearbeiten]
1954 übernahm der schleswig-holsteinische Kreis Flensburg-Land (heute Kreis Schleswig-Flensburg) die Patenschaft für die Kreisgemeinschaft Johannisburg e.V., eine Vereinigung der vertriebenen Einwohner von Johannisburg. Seit 1998 besteht zwischen dem Landkreis Schleswig-Flensburg und der Stadt Pisz eine Städtepartnerschaft.
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]
Nach Geburtsjahr geordnet
- Georg Christoph Pisanski (1725–1790), Literaturhistoriker
- Gustav Gisevius (1810–1848), Pfarrer (1946 wurde Lötzen nach ihm in Giżycko umbenannt)
- Robert Reuter (1816–1865), Landrat, Politiker
- Robert Reinbacher (1851–1924), Stadtverordneter in Berlin, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses
- Leo S. Olschki (1861-1940), Verleger und Antiquar
- Paul Hensel (1867–1944), Vorkämpfer Masurens
- Ernst Rimmek (* 1890), in Johannisburg, Kunstmaler
- Marianne Hold (1933–1994), deutsche Schauspielerin
- Siegfried Hold (1931–2003), deutscher Kameramann
- Wolf-Eberhard Barth (* 1941), deutscher Forstbeamter, Kynologe und Naturschützer
Sonstige mit der Stadt in Verbindung stehende Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg, Stadtkommandant von Johannisburg (1797–1799)
- Johannes Petersen, Ehrenbürger der Stadt [7]
Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
- Stadtkirche, Neubau 1843, größte Fachwerkkirche der Region
- Rathaus, schlichter neugotischer Bau des 19. Jahrhunderts
- Einzelne einfache Bürgerhäuser
- Mauer- und Kellerreste der Burg
- Die waldreiche Umgebung der Johannisburger Heide
Gmina[Bearbeiten]
Die Stadt- und Landgemeinde Pisz besteht aus folgenden Ortschaften:
| polnischer Name | deutscher Name (bis 1945) |
polnischer Name | deutscher Name (bis 1945) |
|---|---|---|---|
| Anuszewo | Annussewen 1938–1945 Brennerheim |
Pilchy | Pilchen |
| Babrosty | Babrosten | Pisz | Johannisburg |
| Bogumiły | Bogumillen 1938–1945 Brödau |
Pogobie Tylne | Hinter Pogobien 1938–1945 Hinterpogauen |
| Borki | Adlig Borken | Pogobie Średnie | Mittel Pogobien 1938–1945 Mittelpogauen |
| Ciesina | Erdmannen | Rakowo Piskie | Adlig Rakowen 1938–1945 Raken |
| Hejdyk | Heidik 1938–1945 Heidig |
Rostki | Rostken |
| Imionek | Faulbruch | Snopki | Snopken 1938–1945 Wartendorf |
| Jagodne | Jegodnen 1938–1945 Balkfelde |
Stare Guty | Gutten |
| Jaśkowo | Jaschkowen 1938–1945 Reiherswalde |
Stare Uściany | Alt Uszanny 1905–1945 Grünheide |
| Jeglin | Jeglinnen 1938–1945 Wagenau |
Szczechy Małe | Klein Zechen |
| Jeże | Gehsen | Szczechy Wielkie | Groß Zechen |
| Karpa | Karpa 1938–1945 Karpen |
Szeroki Bór Piski | Breitenheide |
| Karwik | Karwik | Trzonki | Trzonken 1938–1945 Mövenau |
| Kocioł | Groß Kessel | Turośl | Turoscheln 1938–1945 Mittenheide |
| Kocioł Duży | Turowo | Turowen 1938–1945 Turau |
|
| Kociołek Szlachecki | Adlig Kessel | Turowo Duże | |
| Kwik | Quicka | Wąglik | Wonglik 1938–1945 Balzershausen |
| Liski | Lysken / 1938–1945 Lisken | Wiartel | Wiartel |
| Łupki | Lupken | Wiartel Mały | Klein Wiartel |
| Łysonie | Lyssuhnen 1938–1945 Lissuhnen |
Wielki Las | Wielgilasz 1905–1945 Tannenheim |
| Maldanin | Maldaneien | Zawady | Sawadden 1938–1945 Ottenberge |
| Maszty | Masten | Zdory | Sdorren 1938–1945 Dorren |
| Niedźwiedzie | Niedzwedzen 1924–1945 Reinersdorf |
Zdunowo | Sdunowen 1938–1945 Sadunen |
| Pietrzyki | Pietrzyken 1904–1945 Wiesenheim |
Verkehr[Bearbeiten]
Durch den Ort führt die Bahnstrecke Olsztyn–Pisz.
Literatur[Bearbeiten]
- Max Meyhöfer: Johannisburg. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen (Erich Weise, Hrsg.), Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 92-93.
- Ulf H. W. Wöbcke: Johannisburg in Ostpreußen. Straßen, Gebäude, Landschaft und Menschen, mit Geschichte und Einwohnerverzeichnis, um 1900 bis 1945. Entstanden aus den Informationen ehemaliger Johannisburger/-innen... Kreisgemeinschaft Johannisburg, Barmstedt 2008, siehe hierzu: [1] und [2].
- Max Toeppen: Ueber preussische Lischken, Flecken und Städte. Ein Beitrag zur Geschichte der Gemeindeverfassungen in Preußen. In: Altpreußische Monatsschrift, Band 4, Königsberg 1867, S. 621-646, insbesondere S. 633-636.
Verweise[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2012. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Juni 2013.
- ↑ Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2012. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 14. Juni 2013.
- ↑ Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil I: Topographie von Ost-Preussen, Marienwerder 1785, S. 39, Nr. 3).
- ↑ August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 457-458, Nr. 70.
- ↑ a b c d e Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Ostpreußen, Kreis Johannisburg (2006).
- ↑ Max Meyhöfer: Johannisburg. In: Handbuch der historischen Stätten, Ost- und Westpreußen (Erich Weise, Hrsg.), Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 92-93.
- ↑ schleswig-flensburg.de, Johannes Petersen Ehrenbürger von Pisz, 1. Juli 2008