Marchegg

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Marchegg
Wappen von Marchegg
Marchegg (Österreich)
Marchegg
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Gänserndorf
Kfz-Kennzeichen: GF
Fläche: 45,58 km²
Koordinaten: 48° 17′ N, 16° 54′ O48.27694444444416.906944444444143Koordinaten: 48° 16′ 37″ N, 16° 54′ 25″ O
Höhe: 143 m ü. A.
Einwohner: 2.897 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 64 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2293, 2294
Vorwahl: 02285
Gemeindekennziffer: 3 08 35
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 30
2293 Marchegg
Website: www.marchegg.at
Politik
Bürgermeister: Gernot Haupt (ÖVP)
Gemeinderat: (2010)
(21 Mitglieder)
12 ÖVP, 8 SPÖ, 1 FPÖ
Lage der Stadt Marchegg im Bezirk Gänserndorf
Aderklaa Andlersdorf Angern an der March Auersthal Bad Pirawarth Deutsch-Wagram Drösing Dürnkrut Ebenthal Eckartsau Engelhartstetten Gänserndorf Glinzendorf Groß-Enzersdorf Groß-Schweinbarth Großhofen Haringsee Hauskirchen Hohenau an der March Hohenruppersdorf Jedenspeigen Lassee Leopoldsdorf im Marchfelde Mannsdorf an der Donau Marchegg Markgrafneusiedl Matzen-Raggendorf Neusiedl an der Zaya Obersiebenbrunn Orth an der Donau Palterndorf-Dobermannsdorf Parbasdorf Prottes Raasdorf Ringelsdorf-Niederabsdorf Schönkirchen-Reyersdorf Spannberg Strasshof an der Nordbahn Sulz im Weinviertel Untersiebenbrunn Velm-Götzendorf Weiden an der March Weikendorf Zistersdorf NiederösterreichLage der Gemeinde Marchegg im Bezirk Gänserndorf (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
Hauptplatz von Marchegg
Hauptplatz von Marchegg
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria
Marchegg und die westlichen Marchauen um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)
Jenseits der March, östlich von Marchegg: Stampfen, Zohor, Lozorno und Umgebung

Marchegg ist eine als Storchenstadt bekannte Stadtgemeinde mit 2897 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Gänserndorf in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Marchegg gehört formal zum Weinviertel, einem der vier Landesteile Niederösterreichs. Die Fläche der Stadtgemeinde Marchegg umfasst 45,52 km². 15,47 % der Fläche sind bewaldet.

Die Stadt liegt an der March, die die Grenze zur Slowakei bildet, und somit am Ostrand des Marchfeldes. In die Slowakei führt eine Bahnbrücke der Ostbahn (Marchegger Ast). Eine Straßenbrücke besteht derzeit nicht, ist aber in Planung. Weiters ist eine kombinierte Fahrrad-Fußgängerbrücke über die March in Vorbereitung. Die weiten Marchauen, bei Hochwasser überschwemmt, sind wegen ihrer Flora und Fauna geschützt.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Das Gemeindegebiet umfasst folgende zwei Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 31. Oktober 2011[1]):

  • Breitensee (755)
  • Marchegg (2171)

Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden Breitensee und Marchegg.

Nachbargemeinden:

Weiden an der March Vysoká pri Morave Zohor
Lassee Nachbargemeinden Stupava
Engelhartstetten (Groißenbrunn) Devínska Nová Ves

Geschichte[Bearbeiten]

Die Stadt und das Schloss Marchegg wurde 1268 von König Přemysl Ottokar II. von Böhmen, der damals in Österreich herrschte, als Bollwerk gegen die Ungarn erbaut. Es handelt sich um eine Gründungsstadt, die nach mittelelterlichen Planungsgrundsätzen mittels Achsenkreuz angelegt wurde. Bemerkenswert ist die Lage und Orientierung der Pfarrkirche, die mit der Geometrie der Stadt verknüpft ist. Das Langhaus wurde am Gründonnerstag und der Chor am Ostersonntag 1268 nach der aufgehenden Sonne orientiert, sodass die Längsachse der Kirche einen leichten Knick aufweist.[2]

Österreich fungierte Anfang der 1970er Jahre als Transitland für auswandernde jüdische Sowjetbürger. Die Auswandererzüge erreichten Österreich an der Grenzstation Marchegg. Hier fand am 28. September 1973 der erste Terrorakt von Palästinensern in Österreich statt. Aus einem Zug mit jüdischen Emigranten wurden vier Geiseln (drei Emigranten und ein österreichischer Zollbeamter) entführt und zum Flughafen Wien gebracht. Nach Zusicherung der Bundesregierung zur Auflösung des Transitlagers in Schloss Schönau wurden die Terroristen am 29. September 1973 ausgeflogen. (Siehe: Geiselnahme in Marchegg)

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister der Stadtgemeinde ist Gernot Haupt (ÖVP), Amtsleiter Alexander Redl.

Im Stadtgemeinderat besteht nach der Gemeinderatswahl 2010 bei insgesamt 21 Sitzen folgende Mandatsverteilung: ÖVP 12, SPÖ 8, FPÖ 1.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten]

Pfarrkirche hl. Margaretha
  • Röm.-kath. Pfarrkirche:
Der mächtige, mehrfach veränderter Sakralbau mit dominierendem frühgotischem Chor aus dem 3. Viertel des 13. Jahrhunderts war ursprünglich von einem Friedhof umgeben, befindet sich in der Stadtmitte und ist der hl. Margaretha geweiht. Die Kirche war 1268 als große dreischiffige Stadtpfarrkirche konzipiert. Nach schweren Zerstörungen durch den ersten österreichischen Türkenkrieg 1529 und 1634 (Schwedenkrieg) wurde nur der Chorbau als Kirche verwendet. Unter Karl Fürst Pálffy errichtete man 1789/90 das gegenüber dem Chor wesentlich kleinere Langhaus. Der zweigeschossige Westturm mit steilem Spitzhelm wurde 1855 errichtet.[3]

Natura 2000-Gebiete[Bearbeiten]

Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten]

  • Landschaftsschutzgebiet Donau-March-Thaya-Auen

Naturschutzgebiete[Bearbeiten]

Naturdenkmäler[Bearbeiten]

  • Pulverturm-Tümpelwiese[5]

Museumsdepot im Lokschuppen[Bearbeiten]

Die nicht mehr benötigte Lokomotivhalle im Bahnhof Marchegg wurde 2012 langfristig vom Technischen Museum gemietet, renoviert und mit Gleisen unterschiedlicher Spurweite ausgestattet. Das Gebäude wird als Depothalle für Eisenbahnlokomotiven und Waggons verwendet. Damit werden die bisher an verschiedenen Standorten deponierten Objekte der Eisenbahnsammlung des Museums erstmals in einer Halle vereint.[6]

Verkehr[Bearbeiten]

Im Bahnhof, in dem bis Ende 2007 die dann abgeschaffte österreichische Grenzkontrolle stattfand, treffen, von Westen aus gesehen, zwei Bahnlinien zusammen: die Marchegger Ostbahn und die Bahnstrecke Gänserndorf–Marchegg. Nach Osten führt die Bahn nach Devínska Nová Ves

Wirtschaft[Bearbeiten]

Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 98, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 54. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 43,57 %, d.h. 1242 der 2850 Einwohner waren berufstätig. Die meisten von ihnen, 1204, übten ihre Erwerbstätigkeit in Marchegg aus. 2001 wurde der Ecoplus Wirtschaftspark Marchegg gegründet, der mit seinen 44 ha Fläche ein Angebot an Wirtschaftstreibende mit Bezug zur Slowakei darstellen soll.[7]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter

  • Josef Durry (1881–1970), ÖVP-Politiker, Bürgermeister von Marchegg
  • Werner Fasslabend (* 1944), Jurist und ÖVP-Politiker, Verteidigungsminister und Dritter Nationalratspräsident
  • Sepp Kast (1917–1996), Feuerwehrfunktionär und Angehöriger der Waffen-SS
  • Kurt Neuner (* 1925), ÖVP-Politiker, Nationalratsabgeordneter

Weitere Persönlichkeiten

  • Felix Dvorak (* 1936), Schauspieler, Theaterintendant und Autor, besaß in Marchegg ein Haus, in dem er auch einige Jahre seinen Hauptwohnsitz hatte
  • Günther Loewit (* 1958), Schriftsteller, Stadtarzt in Marchegg

Literatur[Bearbeiten]

  • Ferdinand Opll: Marchegg. In: Felix Czeike, Renate Banik-Schweitzer (wissenschaftliche Gesamtleitung): Österreichischer Städteatlas. Hrsg. vom Wiener Stadt- und Landesarchiv, Ludwig-Boltzmann-Institut für Stadtgeschichtsforschung: 2. Lieferung, Verlag Deuticke, Wien 1985. ISBN 3-7005-4651-3.
  • Maria Fasslabend, Wilhelm Fasslabend: Geschichte und Geschichten, Selbstverlag, Marchegg 1995
  • Emil Mück, Raimund Temel: Die Geschichte von Marchegg, Selbstverlag der Gemeinde, Marchegg 2006, ISBN 978-3-200-00785-7

Galerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marchegg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistik Austria, Registerzählung vom 31. Oktober 2011
  2. Erwin Reidinger: „Stadtplanung im hohen Mittelalter: Wiener Neustadt – Marchegg – Wien.“ In: „Europäische Städte im Mittelalter, Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte.“ Band 52, Wien 2010, S. 155-176, ISBN 978-3-7065-4856-4; Erwin Reidinger: „Marchegg – Ostersonntag 1268“. In: „Der Sternenbote, Österreichische astronomische Monatsschrift.“ Nr. 551/2002, 45. Jahrgang Heft 6, ISSN 0039-1271 S. 102–106.
  3. DEHIO Niederösterreich nördlich der Donau. Verlag Berger, Horn/Wien 2010, 2. unveränderte Auflage, ISBN 978-3-85028-395-3, S. 711.
  4. Gebietsbeschreibung
  5. Pulverturm-Tümpelwiese vom Naturschutzbund Niederösterreich abgerufen am 15. MAi 2010
  6. Thomas Winkler: Ein Dach über dem Kopf. Platzproblem für Schienenfahrzeuge des Museums gelöst. In: forum. magazin technisches museumwien. Nr. 4/2013. ZDB-ID 2056697-9 S. 18–19.
  7. Wirtschaftspark Marchegg