Relative Armut

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Der Begriff der relativen Armut bezeichnet Armut im Vergleich zum jeweiligen sozialen (auch staatlichen, sozialgeographischen) Umfeld eines Menschen.

Armutsgrenze[Bearbeiten]

Hauptartikel: Armutsgrenze

Relative Armut bezieht sich auf verschiedene statistische Maßzahlen für eine Gesellschaft. Häufig wird dabei auf ein bestimmtes Verhältnis des gewichteten individuellen Einkommens zum Median des Netto-Äquivalenzeinkommens abgestellt. Üblich sind in Politik und Forschung Armutsgrenzen bei 40 %, 50 % oder 60 % des Medians. Wenn das gewichtete Nettoeinkommen der Haushalte oder Individuen unter diese Grenze fällt, gelten sie als arm. Die Armutsquote misst dann das Verhältnis dieser Gruppe zur Gesamtbevölkerung.

Absolute Armut im Vergleich zur Relativen Armut[Bearbeiten]

Man unterscheidet einen absoluten und einen relativen Armutsbegriff. Der erste wird heute noch im entwicklungspolitischen Kontext verwendet und misst die tatsächliche Unterausstattung von Haushalten oder Individuen mit Einkommen (z. B. die Ein-Dollar-pro Tag-Grenze der Weltbank). Der zweite Begriff sagt hingegen über den tatsächlichen materiellen Lebensstandard der Menschen nichts aus, sondern misst lediglich den Abstand ihrer Ausstattung mit Einkommen zum gesellschaftlichen Durchschnitt.

Datenquellen[Bearbeiten]

Um Einkommensverteilung und Armut zu messen sind disaggregierte Daten aus Haushaltserhebungen notwendig. Dafür stehen in Deutschland verschiedene Erhebungen der amtlichen Statistik zur Verfügung: Der Mikrozensus zeichnet sich durch eine sehr große Stichprobe aus und ist eine Pflichterhebung, wodurch auch Daten über sehr arme und sehr reiche Personen erfasst werden. Allerdings erfolgt hier die Einkommensmessung nur sehr grob über eine Selbsteinschätzung des laufenden monatlichen Nettoeinkommens. Wesentlich präziser sind die freiwilligen amtlichen Erhebungen Einkommens- und Verbrauchsstichprobe und EU-SILC. Diese erfassen alle Einkommensarten im Detail, so z. B. auch unregelmäßige Einkommensbestandteile wie Weihnachtsgeld. Die europaweit harmonisierte Statistik EU-SILC bietet zudem die Möglichkeit internationaler Vergleiche. Für alle drei amtlichen Erhebungen werden auf Anfrage Datenfiles für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt.

Eine nichtamtliche, aber häufig genutzte Quelle ist das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Diese wird jährlich erhoben und zeichnet sich ebenfalls durch eine detaillierte Einkommenserfassung aus. Auch für das SOEP besteht die Möglichkeit der Beantragung von Forschungsdatensätzen.

Da Bezieher hoher Einkommen erfahrungsgemäß selten an freiwilligen Erhebungen teilnehmen, lässt sich die Verteilung ihrer Einkommen am ehesten mit Daten aus der Einkommensteuerstatistik messen. Diese wird allerdings nur alle drei Jahre erstellt und ist wegen ihres Umfangs und ihrer Komplexität nur für erfahrene Forscher geeignet.

Einfluss von Veränderungen auf die Armutsgrenze[Bearbeiten]

Die Armutsgrenze wird von WHO, OECD und EU mithilfe des Medians berechnet. Bei einer Berechnung der Armutsgrenze mittels des arithmetischen Mittels (Durchschnitt im engeren Sinne) würde der Wegzug oder Vermögensverlust eines Reichen den Durchschnitt senken und die relative Armut in einem Land verringern und umgekehrt käme es zu einer Erhöhung der relativen Armut, wenn ohne Veränderungen bei anderen Einkommensbeziehern ein Nicht-Armer sein Einkommen steigern könnte. Dieser Kritikpunkt trifft auf manche Wohlfahrtsfunktionen zu.

Reiche werden reicher → keine Veränderung. Wenn hingegen – wie bei der Methode der EU – der Median verwendet wird, dann haben Einkommens-Veränderungen bei Personen, deren Einkommen vor und nach der Veränderung oberhalb bzw. unterhalb des Medians liegen, keinerlei Einfluss auf den Median und die Armutsgrenze. Wie sich die Einkommen der Spitzenverdiener (genauer: die Einkommen der ca. 49 % Besserverdienenden) entwickeln, ist damit für die Armutsgrenze unerheblich.

Mittelverdiener verdienen mehr → mehr Menschen gelten als arm. Die Anzahl der Menschen, die als „relativ arm“ gelten, vergrößert sich jedoch dann, wenn sich die Einkommen der Mittelverdiener erhöhen, aber die der unteren Einkommensgruppe gleich bleiben. Dies liegt an der Abhängigkeit dieser Armutsdefinition vom Median; dieser ist das Einkommen derjenigen Personen, die mit ihrem Einkommen in der Mitte der Gesellschaft liegen (also weniger oder gleich viel wie 50 % der Bevölkerung verdienen und mehr oder gleich viel wie die anderen 50 %).

Alle verdienen 10 % mehr → Anzahl der relativ Armen konstant. Wer jetzt weniger als einen gewissen Prozentsatz des Durchschnittseinkommen zur Verfügung hat (z. B. 60 %), würde auch in dem Fall, dass sich alle Einkommen z. B. um 10 % erhöhen, weniger als diesen Prozentsatz vom Durchschnitt haben. In Relation zu den anderen Personen (relativ) bliebe er auch weiterhin einer, der vergleichsweise wenig hat, also „relativ arm“ ist.

Weitere Definitionen[Bearbeiten]

Anstelle des Medians kann auch die von Amartya Sen und James Foster vorgeschlagene Wohlfahrtsfunktion verwendet werden, die bei Sen auf dem Gini-Koeffizient und bei Foster auf einem Theil-Index basiert.[1]

Neuere Ansätze der empirischen Sozialforschung versuchen Armut auf mehreren Dimensionen zu erfassen und die Dichotomie arm/nicht arm durch die Verwendung der Fuzzy-Set-Theorie zu überwinden.[2]

Folgen der relativen Armut in den Industrieländern[Bearbeiten]

Relative Armut macht sich auch durch eine soziokulturelle Verarmung bemerkbar, womit der Mangel an Teilhabe an bestimmten sozialen Aktivitäten als Folge des finanziellen Mangels gemeint ist (wie z. B. Theater- oder Kinobesuch, Klassenfahrten).

Gesundheit[Bearbeiten]

Armut führt bei Kindern und Erwachsenen zu geringeren Gesundheitschancen und höheren Krankheitsrisiken, wie die systematische Übersicht von Klaus Hurrelmann und Matthias Richter zeigt [3].

Familienleben[Bearbeiten]

Arbeitslosigkeit und Armut führen oft zu einer Beeinträchtigung der Qualität der ehelichen Partnerschaft.[4] Es kommt zu häufigen Konflikten, geringer gegenseitiger Unterstützung und einer geringen Zufriedenheit mit dem Partner. Diese Krisen in der Partnerschaft beeinträchtigen die Fähigkeit der Eltern, auf die Bedürfnisse ihrer Kinder angemessen zu reagieren. Die Eltern sind in diesem Falle weniger unterstützend. Es kommt zu einem restriktiven und inkonsistenten Erziehungsverhalten.[5] Familien, die durch den Mann in patriarchalischer Art und Weise dominiert werden, können schlechter mit Armut umgehen.[5]

Kinder[Bearbeiten]

Die Konsequenzen der Armut auf Kinder sind noch besser erforscht als die Konsequenzen der Armut bei Erwachsenen. Arme Kinder sind körperlich, seelisch und geistig weniger gesund als ihre wohlhabenderen Altersgenossen. Sie erreichen schlechtere Schulabschlüsse und sind von einer Vielzahl sozialer Probleme wie zum Beispiel der Mutterschaft Minderjähriger stärker betroffen. Man muss das jedoch differenziert sehen. Arme Kinder müssen nicht automatisch unglücklich sein. Vielmehr zeigen Studien wie die von Elder (1974)[6], Caplan (1992), Becker (1998) und Elder&Conger (2000), dass es Familien unter bestimmten Bedingungen möglich ist, die Armut zu kompensieren.

Weiß warnt vor einer „einseitige(n) Defizit- und Opferperspektive“[7]

Tatsächlich kann die Familie als „Puffer“ wirken. Das heißt es kann Eltern gelingen, dafür zu sorgen, dass die Kinder die Auswirkungen der Armut weniger oder gar nicht zu spüren bekommen.[5]

Dennoch sollte den Eltern nicht die Schuld für die Armutsfolgen ihrer Kinder gegeben werden. Es wäre aus Sicht von Weiß „verfehlt, im Sinne eines Vorwurfs an die Opfer (blaming the victims) die Verantwortung für ökonomische und gesellschaftliche kulturelle Bedingungen von Armut auf die Menschen zu verlagern, die sie zu ertragen haben […] und den Eltern einseitig die Schuld für mögliche Entwicklungsbeeinträchtigungen ihrer Kinder zuzuordnen“.[7]

Bildung[Bearbeiten]

Bildung scheint die negativen Auswirkungen der Armut auffangen zu können. Gebildete Eltern tragen Streitigkeiten eher sachlich aus. Sie haben in der Regel ein höheres Reflexionsvermögen und mehr Selbstkontrolle. Unter niedrig gebildeten Leuten werden durch Armut auftretende Konflikte dagegen in der Regel eher unsachlich ausgetragen. Dies liegt daran, dass ihnen wichtige Ressourcen zu einer erfolgreichen subjektiven Verarbeitung der Situation fehlen. Starre Rollenmodelle und ein restriktiver Erziehungsstil erschweren in den unteren Schichten eine konstruktive Auseinandersetzung mit der Situation.[5]

Arme Kinder haben in Deutschland schlechtere Bildungschancen, doch das liegt nicht an der Armut allein. Lauterbach bemerkt:

„[Es] kann keineswegs davon gesprochen werden, dass alle Kinder gleichermaßen negativ von […] Armutslagen des Elternhauses betroffen sind […] Es kann in den seltensten Fällen von einem Kausaleffekt ausgegangen werden, der darin besteht, dass Armut und sozioökonomische Deprivation unmittelbar die elterlichen Bildungsentscheidungen und den Bildungserfolg von Kindern bestimmen. Wenn es diesen Kausalzusammenhang gäbe, dann hätte die sozioökonomische Deprivation für alle davon betroffenen Kinder die gleichen Auswirkungen auf ihre Bildungschancen. Modellschätzungen zeigen aber […] schwindende Armutseffekte, wenn das Humanvermögen der Eltern und die soziale Herkunft der Kinder kontrolliert werden. Diese Befunde legen die Vermutung nahe, dass die armutsbedingte Bildungsbenachteiligung auch durch eine Verstärkung bereits vorhandener Defizite bei der Sozialisation und Bildung von Kindern zustanden kommen könnte. […] Die ungünstigen Voraussetzungen für die Kinder werden durch wirtschaftliche Verluste mit ihren Folgeerscheinungen verstärkt.“[8]

Bei einer Studie der Arbeiterwohlfahrt schaffen von 100 Kindern, die bereits während ihrer Kindergartenzeit als arm galten, nach der Grundschule nur vier den Sprung aufs Gymnasium.[9]

Doch muss man bedenken, dass diese Kinder oft nicht nur arm waren, sondern multipel depriviert.

Hier wurden also nicht nur die Auswirkungen der Armut, sondern auch die Auswirkungen anderer Benachteiligungen gemessen. Becker und Nietfeld (1999)[10] beschäftigten sich mit den Kindern arbeitsloser Eltern in Dresden. Sie konnten nachweisen, dass Arbeitslosigkeit der Eltern und Armut die Bildungschancen der davon betroffener Kinder verschlechtern. Wenn man jedoch andere Variablen kontrolliert, so fällt jedoch auch auf, dass die Effekte der Arbeitslosigkeit und sozioökonomischen Deprivation geringer werden. Das heißt: der Einfluss von Armut und Arbeitslosigkeit sei kleiner, als man am Anfang der Untersuchung glauben würde. Wichtiger ist das kulturelle Kapital. Insbesondere bildungsferne Schichten neigen zu risikoaversen Bildungsentscheidungen, das heißt sie wählen im Zweifelsfalle eher niedrigere Bildungsentscheidungen. Arme Familien können oft nicht am kulturellen Leben teilnehmen, da Theaterbesuche, Opernbesuche und Musikunterricht für die Kinder zu teuer sind. Auch Kunstgegenstände oder Bücher werden selten gekauft. Es gibt eine kulturelle Diskrepanz zwischen Familie und Schule. Die betroffenen Kinder sind mangelhaft auf die Leistungsanforderungen der Schule vorbereitet, ihre Lernmotivation und Sozialkompetenzen sind defizitär.

Allerdings haben Armut und Arbeitslosigkeit fast nur bei wenig gebildeten Eltern negative Konsequenzen. Gebildetere Eltern sind offensichtlich besser in der Lage, die damit einhergehenden Probleme zu kompensieren.

Folgende Tabelle stammt aus „Arbeitslosigkeit und Bildungschancen von Kindern im Transformationsprozess“ von Becker und Nietfeld:[10]

Bildung des
Haushaltsvorstandes
Kind besucht
Hauptschule
Kind besucht
Realschule
Kind besucht
Gymnasium
Hauptschulniveau 30,4 % 39,1 % 30,4 %
Realschulniveau 23,7 % 43,3 % 33,0 %
Gymnasialniveau 8,4 % 30,1 % 61,4 %

Anmerkung: wie in Ostdeutschland üblich, hatten fast alle Eltern eine berufliche Ausbildung. Deswegen wurde nur der Schulabschluss berücksichtigt. Als Hauptschulniveau galt POS bis zur 8. Klasse, als Realschulniveau POS bis zur zehnten Klasse, als Gymnasialniveau Abschluss der EOS.

Charakter[Bearbeiten]

Ruby Payne vertritt die These, dass das Aufwachsen in Armut wichtige Auswirkungen auf den Charakter habe. Um in der Armut zu überleben, müssten arme Kinder non-verbal sein und auf Sinneseindrücke sofort reagieren. In der Schule jedoch wäre dies ein Nachteil für sie. Die Schule sei eine Mittelklasseinstitution. Hier sei es wichtig, Gedanken verbalisieren zu können, abstrahieren zu können und voraus zu planen. Fähigkeiten, die arme Kinder erst erlernen müssen.[11][12]

Laut Walter Mischel haben arme Kinder weniger Selbstkontrolle und streben eher nach sofortiger Befriedigung ihrer Bedürfnisse. Dies ist schlecht, da es in der Mittelschichtsinstitution Schule Selbstkontrolle eine wichtige Rolle spielt.[13]

Donna Beegle ist der Meinung, dass arme Familien und wohlhabendere Familien in verschiedenen Kulturen leben:

  • In armen Familien herrsche eine orale Kultur. Für Mitglieder der oralen Kultur sind Sinneserfahrungen wichtig. Charakteristika der oralen Kultur sind Spontanität, Orientierung an der Gegenwart, Betonung von Emotionen und die Fähigkeit, das „große Ganze“ zu sehen.
  • In wohlhabenden Familien dagegen herrsche die Schriftkultur. Hier werden Selbstdisziplin, die Fähigkeit zum Belohnungsaufschub, die Fähigkeit, strategisch vorzugehen und zu planen, die Fähigkeit, sich Ziele zu setzen und Schritte zu unternehmen, um diese zu erreichen, technische Fähigkeiten und analytische Fähigkeiten geschätzt.[14]

Kognitive Entwicklung[Bearbeiten]

Längsschnittstudien belegen in standardisierten Tests signifikante Einbußen der allgemeinen Intelligenz, der Sprachfähigkeit und der Schulleistungen. Dabei erwies sich vor allem die Dauer der Armut als bedeutsamer Faktor für das Ausmaß der kognitiven Defizite.[15]

In Deutschland haben Kinder aus Familien, die lange in Armut leben, einen durchschnittlich 9 Punkte geringeren IQ als Kinder aus nie verarmten Familien.[16] Wohlgemerkt geht es hier um durchschnittliche Werte. Die IQs beider Gruppen sind normalverteilt, das heißt sie folgen der Form einer Glockenkurve. Der Scheitelpunkt der Glockenkurve jedoch liegt bei niemals arm gewesenen Kindern bei 100 und bei in Armut lebenden Kindern bei 91. Es gibt also sowohl sehr intelligente arme Kinder als auch sehr intelligente reiche Kinder. Über den IQ eines einzelnen in Armut oder Reichtum lebenden Kindes sagen diese Ergebnisse nichts aus. Wohl aber sagen sie aus, dass unter armen Kinder der Prozentsatz der Kinder, die Gefahr laufen in der Schule zu versagen, stark erhöht ist.

Ähnliche Unterschiede in der Intelligenz zwischen armen und niemals arm gewesenen Kinder zeigten sich auch in den USA.[17] Je länger ein Kind in Armut lebt, desto wahrscheinlicher sind kognitive Defizite. Dabei haben Kinder die bereits in der frühen Kindheit arm waren, größere kognitive Defizite, als Kinder, die erst später im Verlauf ihres Lebens verarmten.

Studien zeigen, dass sich der niedrige IQ von Kindern aus armen Familien vor allem durch Umweltfaktoren erklären lässt. Während in der Mittelschicht die Intelligenz zu einem großen Teil vererbt wird, lässt sich der niedrige IQ der Kinder aus verarmten Bevölkerungsschichten vor allem durch mangelnde Förderung, schlechte Ernährung und schlechte Schulen erklären.[18] Gabarino konnte für arme Kinder in den USA jedoch zeigen, dass Armut allein die IQ-Entwicklung kaum beeinflusst, sondern auch noch andere Risikofaktoren gegeben sein müssen.[19] Zu diesem Ergebnis kam auch eine andere Längsschnittstudie. Ein oder zwei Risikofaktoren hatten nur eine sehr geringe Auswirkung auf die kognitive Entwicklung. Kamen jedoch weitere hinzu, so zeigten sich starke Auswirkungen. Kinder, die von acht bis neun Risikofaktoren betroffen waren, hatten gar einen im Schnitt um 30 Punkte geringeren IQ als unbelastete Kinder.[20]

In den USA hat es bereits Anstrengungen gegeben, dies zu ändern. Es hat sich gezeigt, dass die Intelligenzentwicklung mit speziellen Programmen förderbar ist. Kritiker argumentieren jedoch, dass Intelligenztests, da sie von Personen der Mittelschicht konstruiert würden, nicht die wahren Fähigkeiten armer Kinder mäßen.

Resilienzforschung[Bearbeiten]

Als Reaktion auf die Armutsforschung entstand in den USA die Resilienzforschung. Unter Resilienz wird die Fähigkeit verstanden, schwierige Lebenssituationen unbeschadet zu überstehen. Resilienzforscher wie zum Beispiel Caplan oder Haines beklagen, dass zu sehr die Schwächen armer Familien und Personen und zu wenig die Stärken gesehen würden. Als Stärken einiger armer Bevölkerungsgruppen gelten Familienzusammenhalt, Kollektivismus und Leistungsmotivation.

Die Resilienzforschung betrachtet, welche Fähigkeiten ein Individuum haben muss, um konstruktiv mit Armut umgehen zu können. Sie hat einzelne ethnische und soziale Gruppen ausfindig gemacht, die es trotz Armut zu etwas bringen. So erbrachten beispielsweise die Kinder vietnamesischer Boat People in den USA bessere Leistungen als Kinder der US-amerikanischen Mittelschicht.[21][22][23] Die jüdische Minderheit wurde innerhalb von zwei Generationen von einer äußerst armen zu einer äußerst reichen ethnischen Gruppe. Kinder aus US-amerikanischen Mittelschichtsfamilien, die durch die große Depression verarmt waren, wuchsen zu leistungsstarken und gesetzestreuen Bürgern heran.[6] Viele Familien amerikanischer Farmer verarmten durch die Landwirtschaftskrise in den 1980er Jahren. Ihre Kinder erbrachten gute Schulleistungen. Sie waren sozial gut integriert.[24] In Deutschland machen vor allem die Kinder der vietnamesischen Vertragsarbeiter trotz Armut mit guten Schulleistungen auf sich aufmerksam.[25][26] Die griechische Minderheit hat innerhalb von zwei Generationen ihren Weg aus der Armut in die Mitte der Gesellschaft gefunden. Ebenso sieht es mit der spanischen Minderheit aus.[27][28] Eine weitere erfolgreiche arme Bevölkerungsgruppe sind jüdische Zuwanderer aus der GUS.[29]

Deutschland[Bearbeiten]

Anteil am Median des Nettoäquivalenzeinkommen Jahreseinkommen Monatseinkommen betroffene Bevölkerung
Median 100 % 18768 € 1564 € 50 %
armutsgefährdet 60 % 10274 € 856 € 15,1 %[30]
Existenzminimum (43 %) 7365 € 614 €
arm 40 % 6894 € 571 € 4 %

Das vom Statistischen Bundesamt errechnete monatliche Nettoäquivalenzeinkommen betrug für 2003 bundesweit 1.564 €, in den westdeutschen Ländern 1.624 €, in den ostdeutschen Ländern 1.335 €. Nach den EU-Kriterien für die Armutsgefährdungsgrenze (60 %) liegt die bundesdeutsche Armutsgefährdungsgrenze demnach bei 10 274 € jährlich bzw. 856 € monatlich (armutsgefährdet demnach: alte Bundesländer 12 %, neue 17 %). Als arm gilt ein Nettoäquivalenzeinkommen von 40 %, das sind 6 849 € jährlich bzw. durchschnittlich 571 € monatlich.[31] Das sozio-kulturelle Existenzminimum, das auf der Basis von Verbraucherbefragungen des Statistischen Bundesamtes durch die Bundesregierung festgelegt wird, liegt bei 7 356 Euro pro Jahr für eine erwachsene Einzelperson. Für ein Ehepaar ist es 12 240 Euro. Für ein Kind beträgt es 3 684 Euro.[32]

Armutsquoten einiger Bevölkerungsgruppen in der BRD
(nach Daten des Mikrozensus)
Gruppe Armutsquote
Selbstständige insgesamt 8,7 %
Selbstständige ohne Mitarbeiter 10,0 %
Selbstständige mit 1 bis 4 Mitarbeitern 7,3 %
Selbstständige mit 5 und mehr Mitarbeitern 4,6 %
Arbeiter insgesamt 7,5 %
An- und Ungelernte 10,6 %
Facharbeiter 5,2 %
Angestellte insgesamt 2,9 %
ausführende Angestellte 6,9 %
einfache Angestellte 4,3 %
Angestellte mit schwierigen Tätigkeiten 2,1 %
Quelle (PDF-Datei).

Nach Zahlen aus dem „Zweiten Armuts- und Reichtumsbericht“, den die Bundesregierung im März 2005 vorgelegt hat, galten im Jahr 2003 13,5 Prozent der Bevölkerung als in relativer Armut lebend. 2002 waren es nach diesen Angaben noch 12,7 Prozent, 1998 12,1 Prozent.

Das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) stellt folgende Veränderung der Jahre 2000 bis 2006 fest. In Prozent der deutschen Bevölkerung: Einkommensstarke Schicht: 18,8 % auf 20,5 %, Mittelschicht 62,3 % auf 54,1 %, und armutsgefährdete Schichten von 18,9 % auf 25,4 %. Damit sind erstmals seit vielen Jahren ein Viertel der deutschen Bevölkerung konkret armutsgefährdet.[33]

Der Großteil der in relativer Armut lebenden Menschen ist arbeitslos. Doch gibt es auch erwerbstätige Arme, die Working Poor. Nach Daten des Mikrozensus 96 galten 5,5 % aller Erwerbstätigen in Deutschland als arm. Besonders häufig von Armut trotz Arbeit betroffen waren Selbstständige. 8,7 % der Selbständigen galten als arm.[34]

Studenten sind überdurchschnittlich oft von relativer Einkommensarmut betroffen. Da Studenten mit Ausnahme des BAföG keine Sozialleistungen beziehen können, leben viele von ihnen unterhalb der offiziell festgelegten Armutsgrenze.[35] In Wohngemeinschaften lebende Studenten werden jeweils als Einpersonenhaushalt gezählt, solange jeder für sich selbst wirtschaftet. Dieser Umstand, wie auch die Zahl allein lebender Studenten, treibt den Anteil der von Armut betroffenen Einpersonenhaushalte in die Höhe (siehe Abbildung). Man geht davon aus, dass ohne Einbezug der Studenten die Zahl armer Einpersonenhaushalte sehr gering wäre.

Die Armut in Deutschland verfestigt sich. Hauptbetroffene verfestigter Armut seien laut einem Bericht des DIW nach wie vor Arbeiter, vor allem Arbeiterfamilien mit Migrationshintergrund oder mehreren Kindern. Armut entweder als Problem einer kulturell verwahrlosten Neuen Unterschicht zu deuten oder als kollektive Abstiegsbedrohung der gesamten Gesellschaft zu dramatisieren, gehe an der Realität vorbei.[36]

Die Bundeszentrale für politische Bildung fasst zusammen:

„Durch hohe Armutsrisiken gefährdet sind insbesondere folgende Bevölkerungsgruppen: Schulabbrecher und beruflich gering qualifizierte Jugendliche und Erwachsene (häufig aus zugewanderten Familien); Familien mit Langzeitarbeitslosen; Schwangere; allein erziehende Frauen; junge Familien mit kleinen Kindern, Migranten- und kinderreiche Familien.“[37]

Kinder leben nach Angaben von UNICEF überdurchschnittlich oft in Armut. Je nachdem, welche Armutsgrenze man wählt leben zwischen 5,9 % und 14,2 % der Kinder in Armut.[38]

Armut in der BRD

Der Studie Kinderreport 2007 des Deutschen Kinderhilfswerks zufolge ist inzwischen jedes 6. Kind in Deutschland auf Sozialhilfe angewiesen. Damit leben Kinder deutlich häufiger als Erwachsene von der Sozialhilfe. Der Trend sei dramatisch, da sich jedes 10. Jahr die Zahl von Kindern in Armut in Deutschland verdoppele. 1965 war jedes 75. Kind unter sieben Jahren auf Sozialhilfe angewiesen, 2007 sei es jedes 6. Kind. Besonders betroffen seien Kinder aus Einwanderfamilien.[39]

Bundesland Anteil Kinder, die Sozialleistungen beziehen (Sozialgeld) Anteil Personen, die Sozialleistungen beziehen (ALG II und Sozialgeld)
Bayern 6,6 % 3,9 %
Baden-Württemberg 7,2 % 4,1 %
Rheinland-Pfalz 9,9 % 5,5 %
Hessen 12,0 % 6,5 %
Niedersachsen 13,5 % 7,6 %
Nordrhein-Westfalen 14,0 % 8,1 %
Saarland 14,0 % 7,4 %
Schleswig-Holstein 14,4 % 8,2 %
Hamburg 20,8 % 10,6 %
Thüringen 20,8 % 10,4 %
Brandenburg 21,5 % 12,0 %
Sachsen 22,8 % 11,8 %
Mecklenburg-Vorpommern 27,8 % 14,9 %
Sachsen-Anhalt 27,9 % 14,2 %
Bremen 28,1 % 13,8 %
Berlin 30,7 % 15,2 %
Stand: Juni 2005 [40],[41]

Es sind starke regionale Unterschiede festzustellen. So sind nach Forschungen der Ruhr-Uni Bochum im reichen Bayern nur 6,6 % der Kinder als arm zu bezeichnen, in Berlin hingegen 30,7 % (als Indikator für Armut galt der Bezug von Sozialgeld).[42] In den nördlichen und östlichen Bundesländern sind die Armutsquoten am höchsten.

(Anmerkung zur Tabelle: Unter Wissenschaftlern herrscht ein Streit darüber, ob der Bezug von Sozialleistungen ein guter Armutsindikator ist. Einige argumentieren, dass, wer Sozialleistungen beziehe, nicht mehr arm sei, da die Sozialleistungen das kulturelle Existenzminimum sichern würden. Die meisten Wissenschaftler schließen sich dieser Meinung nicht an.)

Scheidungen und Trennungen erhöhen laut Ergebnissen eines Forschungsprojekt des Bundesfamilienministeriums das Armutsrisiko für beide Geschlechter; insbesondere nimmt die Armutsquote von Frauen im ersten Trennungsjahr einer Ehe drastisch zu.[43]

Altersarmut[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur Entwicklung der Kinderarmut war die Altersarmut in Deutschland rückläufig: von 13,3 Prozent 1998 auf 11,4 Prozent im Jahr 2003. Längerfristig wird hier ein Wiederanstieg erwartet, weil die derzeit vielen Arbeitslosen, Teilzeitbeschäftigten, Minijobber und Geringverdienenden geringere Renten bekommen werden und allgemein das Rentenniveau aller zukünftigen Rentner (und aller heutigen Arbeitnehmer) im Zuge der Rentenreform gesenkt wurde. Einer Studie zufolge, die das Deutsche Institut für Altersvorsorge (DIA) 2005 vorlegte, droht nahezu jedem dritten Bürger Verarmung im Alter. Begründet wird dies mit der steigenden Lebenserwartung, den Reformen von 2001 und 2004, die das gesetzliche Rentenniveau um rund 18 Prozent sinken ließen, und der fehlenden Bereitschaft und Fähigkeit zu privater Altersvorsorge (etwa 60 % der Bürger sollen sich diese nicht leisten können). Der Sozialexperte des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Deutschland Ulrich Schneider äußerte im November 2006 seine Befürchtung: „Die Altersarmut wird deutlich zunehmen“.[44] Tatsächlich gab es nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamt 2007 eine Zunahme von staatlichen Transferleistungen bei der Grundsicherung im Alter von 12,7 Prozent auf inzwischen 3,5 Milliarden Euro.[45]

Frauen sind häufiger von Altersarmut betroffen als Männer. Gründe hierfür sind die Zeit, die für die Kindererziehung aufgewendet wird, sowie das niedrigere Lohnniveau.[46] Seit 2008 ist durch ein neues Unterhaltsrecht ein grundsätzlicher Versorgungsunterhalt bis zum Lebensende für Geschiedene nicht mehr vorgesehen. Diese Rechtsetzung belastet vor allem Hausfrauen, die nach einer Scheidung nicht mehr auf einen Unterhalt zusätzlich zur Rente vom Exmann hoffen können.[47]

Armutsgefährdet waren unter den Menschen über 65 Jahren im Jahr 2006 im früheren Bundesgebiet 14 Prozent, in den neuen Ländern und Berlin 9 Prozent.[48]

Einige freiberufliche Berufsgruppen sind stärker von Altersarmut betroffen als andere.[49]

Die Tabuisierung und die Begrifflichkeit „Sozial schwach“[Bearbeiten]

Obschon die Armut in Deutschland steigt, wird sie selten als Armut benannt.[50] In den letzten Jahren wird stellvertretend der Begriff sozial schwach benutzt, zunehmend auch in der substantivierten Form Sozialschwache. Die Arbeiterwohlfahrt lehnt die Verwendung der Bezeichnung „sozial schwach“ ab, da es ihrer Auffassung nach einen Mangel an sozialer Kompetenz vortäusche. „Diese ‚sozial Schwachen‘“, so ihr Bundesvorsitzender Wilhelm Schmidt, „sind alles andere als sozial schwach. Von den meisten [finanzschwachen] Eltern wird eine nur schwer vorstellbare Stärke verlangt, ihre Situation täglich zu bewältigen und für ihre Kinder zu sorgen.“ In der Armuts- und Bildungsforschung wird dieser Begriff ebenfalls vermieden. Dem entgegen arbeitet die Armutsberichtserstattung, die durch staatliche Organe für das gesamte Staatswesen oder durch Verbände wie Gewerkschaften oder Wohlfahrtsorganisationen für einzelne Bevölkerungsgruppen vorgenommen werden kann. Dabei geht es in der Regel um einen Zeitreihenvergleich.

Ähnlich umstritten ist der Begriff „Unterschicht“ oder „Neue Unterschicht(siehe dort).

Schweiz[Bearbeiten]

Trotz wirtschaftlichen Wachstums gibt es auch in der Schweiz Armut. 2005 waren rund 237.000 Personen auf staatliche Unterstützung angewiesen. Die Sozialhilfequote lag somit bei 3,3 Prozent. Auf dem Land war die Sozialhilfequote niedriger als in der Stadt. Das Sozialhilferisiko ist stark von der Familienform abhängig. Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche, die mit einem Elternteil oder in kinderreichen Familien aufwachsen. Kinder und Jugendliche sind besonders häufig arm. Sie sind unter den Sozialhilfe beziehenden Personen mit einem Anteil von 31 Prozent deutlich übervertreten. Ihr Anteil an der Bevölkerung beträgt nur 21 Prozent. Überdurchschnittlich oft geraten allein Erziehende in Armut: Fast 17 Prozent der Haushalte mit nur einem Elternteil bezog 2005 Sozialhilfe.[51]

Österreich[Bearbeiten]

Bewohner der Wiener Kanalisation um 1900, als es noch kein Sozialnetz gab.

Nach Angaben des Sozialministeriums („Bericht über die soziale Lage 2003–2004“) waren 2003 in Österreich über eine Million Menschen (13,2 Prozent der Bevölkerung) armutsgefährdet, das heißt, von Einkommensarmut betroffen. Im Jahr 2002 waren es noch 900.000 oder 12 Prozent, 1999 11 Prozent. Als Armutsgefährdungsschwelle gelten 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen). Etwa jede/r Achte muss demnach mit weniger als 785 Euro monatlich auskommen. Frauen sind (mit 14 Prozent) leicht überproportional armutsgefährdet.

Neben der Einkommensarmut als Indikator für die finanzielle Situation eines Haushalts wird in Österreich von „akuter Armut“ gesprochen, wenn zusätzlich zur finanziellen Benachteiligung gewisse Mängel oder Einschränkungen in grundlegenden Lebensbereichen auftreten (zum Beispiel Zahlungsrückstände bei Miete, oder wenn Heizung, Urlaub, neue Kleider, Essen, unerwartete Ausgaben nicht leistbar sind). Von akuter Armut waren 2003 467.000 Menschen (5,9 Prozent der Bevölkerung) betroffen. Im Jahr davor waren es noch 300.000 Menschen oder 4 Prozent.

Nach einem Bericht der Armutskonferenz sind erstmals Daten über so genannte Working Poor verfügbar: In Österreich seien 57.000 Menschen (2003) von Armut trotz Arbeit betroffen. Des Weiteren hänge der Grad der Armutsgefährdung von der Art des Beschäftigungsverhältnisses ab. Teilzeitbeschäftigte mit bis zu 20 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit hätten, so Martin Schenk von der Armutskonferenz, „ein dreifaches, bei 21 bis 30 Stunden ein doppelt so hohes Risiko, armutsgefährdet zu sein, wie Personen, die zwischen 31 und 40 Stunden beschäftigt sind“.[52]

Des Weiteren kritisiert der Schattenbericht der Armutskonferenz zum 2. Nationalen Aktionsplan für soziale Eingliederung 2003–2005 der österreichischen Bundesregierung, dass Langzeitarbeitslose und Migranten und Migrantinnen in diesem Plan vollkommen fehlten.

USA[Bearbeiten]

Als arm gilt (2004) eine vierköpfige Familie, wenn sie weniger als 19.310 Dollar im Jahr ausgeben kann. Für Alleinstehende liegt die Grenze bei 9.650 Dollar. Nach Angaben des Armutsberichts des Amts für Volkszählungen vom August 2005 ist in den USA die Zahl der Menschen mit Einkommen unterhalb der Armutsgrenze 2004 zum vierten Mal in Folge angestiegen. 12,7 Prozent der Bevölkerung oder 37 Millionen Menschen seien arm. Dies ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 0,2 Prozentpunkten. Der Anstieg sei vor allem auf den höheren Anteil von Weißen zurückzuführen.

Wie in allen Industrieländern sind Kinder in den USA die Gruppe, die am häufigsten arm ist. Jedoch hat die Kinderarmut in den USA eine abnehmende Tendenz.

Kinderarmutsrate verschiedener
ethnischer Gruppen in den USA
Jahr Insgesamt Afroamerikaner Hispanics
1996 20,5 % 39,9 % 40,3 %
2001 16,3 % 30,2 % 28,0 %
http://www.acf.hhs.gov/programs/ofa/annualreport5/chap09.htm

Schon seit den 1990er Jahren gibt es in den USA keine Sozialhilfe mehr, wie sie in Deutschland üblich ist. 1992 wurde die so genannte Family Cap in New Jersey eingeführt. Frauen, die schwanger werden, während sie staatliche Unterstützung bekommen, bekommen keine zusätzliche staatliche Unterstützung für das weitere Kind. Heute haben 22 Bundesstaaten der USA Family Caps.[53]

Der Personal Responsibility and Work Opportunity Act (PRWORA) von 1996 regelte die staatliche Sozialfürsorge neu und fasste bisherige Wohlfahrtsleistungen zu einem einzigen Programm, dem Temporary Assistance for Needy Families (TANF), zusammen und setzte enge Zeitgrenzen, insbesondere eine auf das Gesamtleben bezogene Maximalgrenze von fünf Jahren, für aus Bundesmitteln finanzierte Sozialhilfe.[54] Nach zweijährigem Bezug müssen Fürsorgeempfänger, um weiter Leistungen zu erhalten, mindestens 30 Wochenstunden Arbeitsdienst in öffentlichen Arbeitsprogrammen leisten.[55] Diese mit Arbeitsverpflichtung verknüpfte Sozialfürsorge wird auch als Workfare bezeichnet. Die Sozialleistungen können dabei, pro Stunde betrachtet, auch unter dem Mindestlohn liegen. Die Reform führte laut Kritikern zu einer Zunahme der Beschäftigungszahlen, jedoch nicht zu einer Zunahme der sozialen Mobilität. Viele andere ehemalige Sozialhilfeempfänger erweisen sich in den Worten des Ökonomen Paul Samuelson zudem als „nicht beschäftigungsfähig und schlechter dran ohne kontinuierliche Sozialhilfe“. Zu ihnen zählen vor allem wenig gebildete Niedriglohnarbeiter ohne Arbeitserfahrung, soziale Problemfälle, geistig Behinderte, Drogenabhängige. Für andere dagegen hat sich die Lage gebessert.[56]

Befürworter der Reformen weisen darauf hin, dass durch TANF und die Family Cap die Anzahl armer Kinder abgenommen habe.[57] Kritiker wiesen schon früh darauf hin, dass diese Abnahme der Kinderarmut vor allem durch eine Zunahme der Abtreibungen zu erklären sei und nicht dadurch, dass die Eltern in die Lage versetzt worden wären, für ihre Kinder zu sorgen.[58][59] Allein zwischen 1992 und 1996 brachten in New Jersey Frauen, die Sozialhilfe bezogen, 14057 weniger Kinder zur Welt, als statistisch bei gleich bleibender Geburtenrate zu erwarten gewesen wäre, bei 1429 mehr Abtreibungen als zu erwarten.[53]

Kritik an der medianbasierten Berechnung richtet sich in den USA dagegen, dass die Methode staatliche Unterstützungsleistungen nicht berücksichtige und dass daher das tatsächliche Einkommen höher angesetzt werden müsse. Andererseits wird kritisiert, dass tatsächlich anfallende Ausgaben, zum Beispiel Ausgaben für Kinderbetreuung und medizinische Ausgaben, nicht genügend berücksichtigt würden; insbesondere basiere die Berechnungsmethode auf der Annahme, dass Mütter zuhause blieben und daher für Familien keinerlei Kinderbetreuungskosten anfielen. Ökonomin Trudy Renwick (Fiscal Policy Institute) stellte zusammen mit Barbara Bergmann eine Methode zur Berechnung der Armutsrate auf, die diesen Mängeln abhelfen sollte. Sie basierte auf einen möglichst realistischen individuellen Warenkorb, der sich an den durch die Regierung aufgestellten Standards orientierte, sie differenzierte nach Berufstätigkeit oder Nichtberufstätigkeit der Eltern, Alter der Kinder und Wohnort und sie berücksichtigte die zu zahlenden Steuern als Ausgaben und sämtliche durch die öffentliche Hand, durch den Arbeitgeber oder durch Verwandte gewährte Unterstützung als Einnahmen. Diese Methode ergab sich eine signifikant höhere Armutsrate als die an der offiziellen, auf 50 % des Medians basierenden Berechnungsmethode, und dies vor allem für ganzjährig berufstätige alleinerziehende Eltern.[60]

Polen[Bearbeiten]

Ende 2003 lebten 12 % der Polen in Armut. Kinderreiche Familien sind besonders betroffen. Von diesen leben 42 % in Armut. Armut ist vor allem ein Problem der Landbevölkerung und der Bevölkerung in den Kleinstädten des nördlichen Polens; die Bevölkerung in den Städten dagegen ist wohlhabender. Der Norden Polens ist ärmer als der Süden.

Armut in Polen geht mit einer schlechten Ernährungslage der Familien einher: „Aus Ersparnisgründen werden Mahlzeiten minderer Qualität zubereitet – stark mit Wasser verdünnte Milch, Teigwaren, Pfannkuchen, Kartoffeln, Kohl, Brot mit Schweineschmalz.“ Zwar konnte Tarkowska[61] beobachten, dass die Bedürfnisse der Kinder in den Familien meistens im Vordergrund stehen, doch oft sind sie trotzdem unterernährt und anfällig für Infektionen. Im Fall einer Krankheit sind die Familien oft nicht in der Lage, die Medikamente zu bezahlen. Die Wohnverhältnisse sind durch Raummangel geprägt. Dieser wird im Winter verstärkt, denn um Heizkosten zu sparen, nutzen arme Familien im Winter nur Teile der Wohnung. Um Wasserkosten zu sparen, baden die armen Familien nur einmal pro Woche und es werden mehrere Kinder im selben Wasser gewaschen. Zwei, drei oder mehr Leute schlafen in einem Bett. In den Untersuchungen von Tarkowska teilte eine Frau das Bett mit vier ihrer jüngsten Kinder.

Tarkowska bemerkte, dass die Kinder armer Familien in Polen praktisch keine Kindheit haben, da sie von jung auf Erwachsenenpflichten übernehmen müssen. Insbesondere sowohl Söhne als auch Töchter vieler polnischer Landwirte sind in vielen Fällen schon seit der frühsten Kindheit gezwungen, auf dem Hof mitzuhelfen. Dies muss die schulischen Leistungen nicht immer beeinträchtigen, da viele Kinder nur an Samstagen arbeiten. In einigen Familien kommt es jedoch auch vor, dass die Kinder während der Unterrichtszeit arbeiten müssen. 16 % der Landwirtskinder versäumen mindestens einen Schultag pro Woche, da sie arbeiten müssen. Dies beeinträchtigt im Gegensatz zur Samstagsarbeit die schulischen Leistungen.

Kinder aus armen polnischen Familien beenden ihre Schulkarriere oft schon nach der Grundschule, spätestens aber nach der Berufsschule. Nur selten erhalten sie eine höhere Bildung oder fangen gar ein Studium an. Dies liegt zum einen an materiellen, zum anderen auch an kulturellen Gründen, denn im polnischen Armutsmilieu ist der frühe Eintritt ins Berufsleben und die frühe Familiengründung hoch angesehen. Die Bildung dagegen ist weniger hoch angesehen.

Frauen[Bearbeiten]

Mädchen sind in Polen oft gezwungen auf die jüngeren Geschwister aufzupassen, während die Eltern arbeiten. Viele versäumen deswegen Schulunterricht. Im Erwachsenenalter kann sich die älteste Tochter oft kein eigenes Leben aufbauen, sondern muss weiterhin der Familie helfen. Eine Bauerntochter, die ihre Berufsausbildung aufgab um ihrer Familie zu helfen, beschreibt das so: „Ich kam hierher zurück, obwohl ich es bedaure, da ich dort erfolgreich war. Aber ich kam zurück, weil Mama mir schrieb, dass ich ein neues Schwesterchen hatte […] Sie schrieb einen so netten Brief, also erbarmte ich mich ihrer. Als Tochter musste ich ihr offensichtlich helfen.“[61]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Amartya Sen: On Economic Inequality (Enlarged Edition with a substantial annexe „On Economic Inequality“ after a Quarter Century with James Foster), Clarendon Press, Oxford 1997, ISBN 0-19-828193-5.
  2. Pi Alperin, Maria Noel: A comparison of multidimensional deprivation characteristics between natives and immigrants in Luxembourg.
  3. Hurrelmann, Klaus und Richter, M. (2013): "Gesundheits- und Medizinsoziologie." Weinheim, Beltz Juventa, S. 28-42, ISBN 978-3779926054
  4. Conger, Rand D. u. a. (1990): Linking economical hardship to Marital Quality and Instability. In: Journal of Marriage and the Family 52, 643–656.
  5. a b c d Nietfeld/Becker (1999): Harte Zeiten für Familien. Theoretische Überlegungen und empirische Analysen zu Auswirkungen von Arbeitslosigkeit und sozio-ökonomischer Deprivation auf die Qualität familialer Beziehungen Dresdner Familien, Zeitschrift für Soziologie der Erziehung und Sozialisation 19; S. 369–387 (beschäftigt sich mit der Frage, wie Familien mit Armut umgehen).
  6. a b Elder, Glen H.: Children of the Great Depression: social change in life experience. Chicago: University of Chicago Press 1974, ISBN 0-226-20262-3, S. 160.
  7. a b Weiß, Hans (2000): Kindliche Entwicklungsgefährdungen im Kontext von Armut und Benachteiligung aus psychologischer und pädagogischer Sicht. In: Ders (Hrsg.): Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen. München/Basel; S. 60f.
  8. Lauterbach, Wolfgang (2003): Armut in Deutschland – Folgen für Familien und Kinder. Oldenburg: Oldenburger Universitätsreden, ISBN 3-8142-1143-X, S. 32–33.
  9. AWO/ISS-Studie zur Kinderarmut in Deutschland, Arbeiterwohlfahrt, Download am 1. Januar 2008.
  10. a b Becker/Nietfeld (1999): Arbeitslosigkeit und Bildungschancen von Kindern im Transformationsprozess. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Jg. 51, Heft 1, 1999, S. 55–73.
  11. Payne, Ruby (2006): A Framework for Understanding Poverty. aha! Process, Inc., ISBN 978-1-929229-68-0.
  12. An Interview with Ruby Payne: About Teaching Students from Poverty in 2005, educationnews.org, abgerufen am 12. Dezember 2007.
  13. Self-control is the key to success, San Francisco Chronicle, abgerufen am 16. Dezember 2007.
  14. Beegle, Donna: Educating children 0f Poverty, Arizona School Boards Association, Download am 16. Dezember 2007.
  15. Lauterbach, Wolfgang (2003): Armut in Deutschland – Folgen für Familien und Kinder. Oldenburg: Oldenburger Universitätsreden, ISBN 3-8142-1143-X, S. 32.
  16. EJH: „Armut heißt: Es gibt nichts mehr“ Dokumentation des Jugendsozialgipfels vom 11. November 2006 (PDF).
  17. The Effects of Poverty on Children, The Future of Children, Children and Poverty Vol. 7, No. 2 – Summer/Fall 1997, Download am 30. November 2007.
  18. Richter, Jan: New Thinking on Children, Poverty & IQ, Connect for Kids, 10. November 2003.
  19. Beisenherz, Gerhard (2002): Kinderarmut in der Wohlfahrtsgesellschaft. Das Kainsmal der Globalisierung. Opladen: Leske und Budrich, S. 315.
  20. Toni Mayr (2000): Entwicklungsrisiken bei armen und sozial benachteiligten Kindern und die Wirksamkeit früher Hilfen. In: Hans Weiß (Hrsg.): Frühförderung mit Kindern und Familien in Armutslagen. München/Basel: Ernst Reinhardt Verlag, ISBN 3-497-01539-3; S. 144.
  21. Nathan Caplan u. a.: The Boat People and Achievement in America. A study of family life, hard work, and cultural values. University of Michigan Press 1989, ISBN 0-472-09397-5.
  22. Haines, David W. (Hrsg.): Refugees as immigrants: Cambodians, Laotians and Vietnamese in America. Rowman & Littlefield Publishers 1989, ISBN 0-8476-7553-X.
  23. Caplan, Nathan u. a.: Indochinese Refugee Families and Academic Archievement. In: Scientific American, Februar 1992, S. 18–24.
  24. Elder, Glen H./Conger, Rand D.: Children of the Land: Adversity and Success in Rural America. University of Chicago Press 2000, ISBN 0-226-20266-6.
  25. Vietnamesenkinder besonders schlau, die tageszeitung, 6. Dezember 2005.
  26. Weiss, Karin & Dennis, Mike (Hrsg.): Erfolg in der Nische? Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland. Münster: LIT Verlag 2005.
  27. Thränhardt, Dietrich: Dezember 2006_Spanische_Einwanderer_schaffen_Bildungskapital.pdf Spanische Einwanderer schaffen Bildungskapital: Selbsthilfe-Netzwerke und Integrationserfolg in Europa, Universität Münster, 5. Dezember 2006.
  28. Gut angekommen, Die Zeit, 6. Juli 2006.
  29. J. Schoeps, W. Jasper, B. Vogt (1999): Jüdische Zuwanderer aus der GUS. Zur Problematik von sozio-kultureller und generationsspezifischer Integration. Eine empirische Studie des Moses-Mendelssohn-Zentrum 1997–1999. In: Julius H. Schoeps/Willi Jasper/Bernhard Vogt (Hrsg.): Ein neues Judentum in Deutschland? Fremd- und Eigenbilder der russisch-jüdischen Einwanderer. Potsdam: Verlag für Berlin Brandenburg, S. 13–128.
  30. Armutsgefährdung.
  31. destatis.de: Armut und Lebensbedingungen, Ergebnisse aus Leben in Europa für Deutschland 2005, S. 17f.
  32. Bericht über die Höhe des Existenzminimums von Erwachsenen und Kindern für das Jahr 2005 (Fünfter Existenzminimumbericht) (PDF; 96 kB), Deutscher Bundestag, Download am 29. Dezember 2007.
  33. Der Tagesspiegel, 5. März 2008, S. 2.
  34. Strengmann-Kuhn, Wolfgang: Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung des Mikrozensus für die Armutsforschung, S. 18, Download am 29. Dezember 2007.
  35. :Die wirtschaftliche und soziale Lage der Studierenden in der Bundesrepublik Deutschland 2009 (PDF; 2,7 MB), studentenwerk.de.
  36. Groh-Samberg, Olaf: Armut in Deutschland verfestigt sich (PDF; 576 kB), Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, Wochenbericht Nr. 12/2007, 74. Jahrgang/21. März 2007, S. 177.
  37. Bertsch, Frank: Staat und Familien: Familien- und Kinderarmut in Deutschland. Aus Politik und Zeitgeschichte (B 22-23/2002). Bundeszentrale für politische Bildung.
  38. Child Poverty in Rich Countries 2005 (PDF; 222 kB), UNICEF, Report Card No. 6.
  39. Kinderreport Deutschland 2007, Deutsches Kinderhilfswerk, November 2007.
  40. ZEFIR-Datenpool: Leistungsempfänger/-innen von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld nach SGB II Juni 2005.
  41. ZEFIR-Datenpool: Leistungsempfänger/-innen von Sozialgeld nach SGB II im Alter von unter 15 Jahren im Juni 2005.
  42. ZEFIR-Datenpool: Kinderarmut in verschiedenen Regionen.
  43. Wenn aus Liebe rote Zahlen werden – Über die wirtschaftlichen Folgen von Trennung und Scheidung, Informationsdienst Soziale Indikatoren, Nr. 31, Januar 2004.
  44. Immer mehr Senioren brauchen Geld vom Staat, Der Tagesspiegel, Nr. 19379, 22. November 2006, Wirtschaft, S. 17.
  45. Zunehmende Altersarmut – Sozialhilfekosten steigen vom 11. August 2008.
  46. Altersarmut in Deutschland, abgerufen am 27. Mai 2013
  47. Groll, Tina: Arm, alt, weiblich, Zeit Online, 24. Dezember 2012, abgerufen am 27. Mai 2013
  48. destatis.de: Leben in Europa 2006, Pressemitteilung Nr. 028 vom 21. Januar 2008.
  49. Rheinische POst 26. April 2013 Seite B7: Schauspieler in der Altersarmut
  50. Stänner, Paul: Von der Kultur der Armut (RTF-Datei, ca. 1,8 MB), SWR2, Feature am Sonntag, Manuskript der Sendung vom 11. März 2007.
  51. Armutsrisiko nimmt mit Kindern zu, Tages-Anzeiger.ch, 26. Juni 2007.
  52. News: Arm trotz Arbeit: 178.000 Österreicher betroffen. 3. März 2003.
  53. a b Malcolm, Teresa: New Jersey „family cap“ increases abortion rate (Memento vom 8. Juli 2012 im Webarchiv Archive.today) in National Catholic Reporter vom 20. Nov 1998.
  54. Schreyer, Söhnke: Die Sozial-und Gesundheitspolitik der Clinton-Administration. Kapitel V.: Die Verabschiedung der Sozialhilfereform 1995/96, Bundeszentrale für politische Bildung, Auszug aus: U.S.A., Aus Politik und Zeitgeschichte (B 44/2000) (abgerufen am 12. November 2007).
  55. Richter, André: Der Einfluss von Religion auf Arbeitsfelder amerikanischer ‚Jugendhilfe’ und seine Charakterisierung, Dissertationsschrift, Universität Dortmund, 2003, S. 259 (abgerufen am 1. November 2009).
  56. Fischermann, Thomas: Stolz ohne Stütze, Die Zeit, 10. August 2006.
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  58. Preston, Jennifer. With New Jersey Family Cap, Births Fall and Abortion Rise, The New York Times, November 3, 1998.
  59. Joyce T./Kaestner R./Korenman S./Henshaw S.: Family Cap Provisions and Changes in Births and Abortions, IDEAS, University of Connecticut, Department of Economics.
  60. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatBarbara R. Bergmann: Deciding Who’s Poor. In: Dollars & Sense, März/April 2000. Abgerufen am 3. Oktober 2008 (englisch).
  61. a b Tarkowska, Elzbieta (2005): Kinderarmut und soziale Ausgrenzung in Polen (Übersetzung aus dem Englischen von Rudolph Müllan). In: Zander, Margherita: Kinderarmut. Wiesbaden. VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISBN 3-531-14450-2, S. 34–47.