Heribert Prantl

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Heribert Prantl (2009)
Autograph

Heribert Prantl (* 30. Juli 1953 in Nittenau, Oberpfalz, Bayern) ist ein deutscher Jurist, Journalist und Autor. Er leitet das Ressort für Innenpolitik bei der Süddeutschen Zeitung in München und ist seit Januar 2011 Mitglied der Chefredaktion.

Leben[Bearbeiten]

Heribert Prantl ist der älteste von drei Söhnen seines gleichnamigen Vaters, der Oberamtsrat und Stadtkämmerer sowie ehrenamtlicher Vorsitzender des Kolping-Werks war, und seiner Mutter Julie Prantl, einer Schneidermeisterin. Als Jugendlicher engagierte er sich im Bund der Deutschen Katholischen Jugend und schrieb bereits ab dem Alter von 15 Jahren für die Zeitungen seiner Region. Er absolvierte 1973 sein Abitur am Regental-Gymnasium Nittenau. Danach leistete er seinen Wehrdienst (letzter Dienstgrad: Fähnrich der Reserve[1]) in Regensburg und Idar-Oberstein ab.

Prantl studierte von 1974 bis 1979 Rechtswissenschaften, Geschichte und Philosophie an der Universität Regensburg und wurde dabei durch das katholische Cusanuswerk gefördert. 1979 legte er sein erstes und 1981 sein zweites juristisches Staatsexamen ab. Er war wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Zivilrecht, Familienrecht und Deutsche Rechtsgeschichte an der Universität Regensburg und wurde 1982 bei Dieter Schwab mit der Dissertation Die journalistische Information zwischen Ausschlußrecht und Gemeinfreiheit. Eine Studie zum sogenannten Nachrichtenschutz, zum mittelbaren Schutz der journalistischen Information durch § 1 UWG und zum Exklusivvertrag über journalistische Informationen zum Dr. jur. (magna cum laude) promoviert.[2] Seine Arbeit erhielt einen Wissenschaftspreis der Universität Regensburg und des Hauses Thurn und Taxis.

Prantl absolvierte neben seinem juristischen Studium eine journalistische Ausbildung als Stipendiat beim Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (Volontariat bei den Stuttgarter Nachrichten, beim Der neue Tag, beim Bayerischen Rundfunk und dem Radiotelevisione Italiana).

Nach dem Studium arbeitete er zunächst als Rechtsanwalt, von 1981 bis 1987 war er als Richter an bayerischen Amts- und Landgerichten sowie als Staatsanwalt tätig.[3] Darüber hinaus war er Pressesprecher des Landgerichtes Regensburg.

1988 wechselte er den Beruf und wurde auf Betreiben der damaligen Chefredakteure der Süddeutschen Zeitung, Hans Heigert und Dieter Schröder, innenpolitischer Redakteur und Verfasser vieler Leitartikel bei der SZ. Darüber hinaus wurde er Autor zahlreicher politischer Bücher und Essays, politischer Kommentator bei öffentlich-rechtlichen Rundfunksendern und häufiger Gast in Radio- und Fernsehdiskussionen. Von 1992 bis 1995 war er stellvertretender Chef des Ressorts Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, das er seit 1995 leitet.

Der als linksliberal eingestufte Prantl gilt als engagierter Verteidiger eines liberalen und weltoffenen Rechtsstaats. „Entschieden fordert er die Beachtung der Grundrechte“, heißt es in der Verleihungsurkunde des Geschwister-Scholl-Preises 1994 an Prantl. Seine „klare Stimme“ sei „in der deutschen Publizistik ohnegleichen“.[4] Über die Kritik Prantls an der Asylrechtsprechung des Bundesverfassungsgericht sagte Winfried Hassemer, Richter in dessen zweitem Senat, als Laudator bei der Verleihung des Siebenpfeiffer-Preises 1999 an Prantl: „Es ist Urteilsschelte in schärfster Zuspitzung, und die trifft das Gericht genau an der Stelle, an der es verwundbar ist: bei Solidität und Ernsthaftigkeit des Grundrechtsschutzes“.[5] In seiner Laudatio zur Verleihung des Arnold-Freymuth-Preises 2006 an Prantl nannte ihn Altbundeskanzler Gerhard Schröder den „dritten Senat“ des Bundesverfassungsgerichts.

In seiner Streitschrift Wir sind viele (2011) klagt Prantl den Finanzkapitalismus an und weist darauf hin, dass das Eigentum im Sinne des Grundgesetzes auch die Banken verpflichtet und dass die Märkte sich nicht von der Moral lösen dürfen. Es ist ein Appell an die Verantwortung des Finanzmarkts sowie der Politik: Europa basiere nicht auf dem Euro, sondern auf seinen Bürgern, die die Grundlage der Demokratie bildeten.[6]

Im Juli 2012 geriet Prantl mit einem Porträt des Präsidenten des Bundesverfassungsgerichts Andreas Voßkuhle, in dem er unter anderem eine Szene aus dessen Küche scheinbar lebensnah berichtete, in die Kritik.[7] Prantl hatte in einem Stil geschrieben, der nahelegte, dass er persönlich bei Voßkuhle zu Gast gewesen war. Dies rief teilweise Irritation über die vermeintliche Nähe der beiden hervor. Als sich herausstellte, dass Prantl die lebendig geschilderte Küchenszene nur aus Erzählungen Dritter kannte, löste dies eine Debatte um journalistische Sorgfalt und redaktionsinterne Kritik aus, woraufhin die SZ eigens eine Klarstellung druckte.[8][9]

Prantl war mehrmals als Chefredakteur des Spiegels im Gespräch, zuletzt 2013.[10]

Heribert Prantl (2008)

Prantl ist Dozent an den Journalistenschulen in Hamburg und München, Mitglied des Ethikrates der Hamburger Akademie für Publizistik und Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. Seit 2002 ist er Lehrbeauftragter an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Bielefeld, 2010 wurde er dort zum Honorarprofessor ernannt.[11] Im Sommersemester 2011 nahm er die Theodor Herzl-Dozentur für Poetik im Journalismus an der Universität Wien wahr.[12] Seit 2004 engagiert sich Prantl als Stiftungsbeirat bei der Stiftung Pro Justitia[13], die die Rechtstatsachenforschung fördert. Prantl ist Mitglied des Rotary Clubs München-Nymphenburg. Er war zudem Beiratsmitglied der Humanistischen Union. Er sitzt im Senat der von Helmut Schmidt und Kurt Biedenkopf gegründeten Deutschen Nationalstiftung. Seit 2010 ist er Mitglied des Beirats der European Law Students’ Association Deutschland e. V.

Privates[Bearbeiten]

Heribert Prantl lebt in München.[14] Seine langjährige Lebensgefährtin ist die Journalistin Franziska Augstein, die Tochter des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein.[15] Er hat zwei Kinder aus einer früheren Ehe.[16]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Heribert Prantl im Gespräch mit Heiner Geißler auf der Frankfurter Buchmesse 2013

Schriften[Bearbeiten]

  • Die journalistische Information zwischen Ausschlußrecht und Gemeinfreiheit. Eine Studie zum sogenannten Nachrichtenschutz, zum mittelbaren Schutz der journalistischen Information durch § 1 UWG und zum Exklusivvertrag über journalistische Informationen. Verlag E. u. W. Gieseking, Bielefeld 1983, ISBN 3-7694-0199-9
  • Deutschland – leicht entflammbar. Ermittlungen gegen die Bonner Politik. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1994, ISBN 3-446-17691-8
  • Heribert Prantl (Hrsg.): Wehrmachtsverbrechen. Eine deutsche Kontroverse. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1997, ISBN 3-455-10365-0
  • Sind wir noch zu retten? Anstiftung zum Widerstand gegen eine gefährliche Politik. Carl Hanser Verlag, München/Wien 1998, ISBN 3-446-18541-0
  • Rot-Grün – Eine erste Bilanz. Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1999, ISBN 3-455-10383-9
  • Hans Leyendecker, Heribert Prantl, Michael Stiller: Helmut Kohl, die Macht und das Geld. Steidl Verlag, Göttingen 2000, ISBN 3-88243-738-3
  • Heribert Prantl, Thomas Vormbaum (Hrsg.): Juristisches Zeitgeschehen 2000 in der Süddeutschen Zeitung. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2001, ISBN 3-7890-7540-X
  • Arthur Kaufmann/Heribert Prantl: Was der Mensch dem Menschen schuldet. Carl Heymanns Verlag, Köln/Berlin/Bonn/München, Sonderdruck 2001
  • Verdächtig – Der starke Staat und die Politik der inneren Unsicherheit. Europa Verlag, Hamburg 2002, ISBN 3-203-81041-7
  • Heribert Prantl, Thomas Vormbaum (Hrsg.): Juristisches Zeitgeschehen 2001 in der Süddeutschen Zeitung. Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 2002, ISBN 3-7890-8298-8
  • Heribert Prantl, Thomas Vormbaum (Hrsg.): Juristisches Zeitgeschehen 2002 in der Süddeutschen Zeitung. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-8305-0618-X
  • Heribert Prantl, Thomas Vormbaum (Hrsg.): Juristisches Zeitgeschehen 2003 in der Süddeutschen Zeitung. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-8305-0882-4
  • Heribert Prantl, Thomas Vormbaum (Hrsg.): Juristisches Zeitgeschehen 2004 in der Süddeutschen Zeitung. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-8305-1062-4
  • Heribert Prantl: Kein schöner Land – Die Zerstörung der sozialen Gerechtigkeit. Droemer Verlag, München 2005, ISBN 3-426-27363-2
  • Heribert Prantl im Gespräch mit Hans-Jochen Vogel: Politik und Anstand. Warum wir ohne Werte nicht leben können. Herder Verlag, Freiburg/Basel/Wien 2005, ISBN 3-451-28608-4
  • Heribert Prantl, Nina von Hardenberg (Hrsg.): Schwarz Rot Grau. Altern in Deutschland. München 2008, ISBN 978-3-86615-616-6
  • Der Terrorist als Gesetzgeber. Wie man mit Angst Politik macht. Droemer/Knaur 2008, ISBN 978-3-426-27464-4
  • Heribert Prantl, Robert Probst: Einigkeit und Recht und Wohlstand: Wie Deutschland wurde, was es ist. 60 Jahre Bundesrepublik. Süddeutsche Zeitung/Bibliothek; Juli 2009, ISBN 978-3-86615-727-9
  • Heribert Prantl: Demokratiealarm. In: Wilhelm Heitmeyer (Hrsg.): Deutsche Zustände: Folge 8. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2010, ISBN 978-3-518-12602-8, S. 296–304
  • Der Zorn Gottes – Denkanstöße zu den Feiertagen. Süddeutsche Zeitung Edition, München 2011, ISBN 3-86615-888-2
  • Wir sind viele: Eine Anklage gegen den Finanzkapitalismus. Süddeutsche Zeitung Edition, München 2011, ISBN 3-86615-999-4
  • Die Welt als Leitartikel. Die Zukunft des Journalismus. Picus, Wien 2012, ISBN 978-3-85452-683-4
  • Alt.Amen.Anfang. - Neue Denkanstöße Süddeutsche Zeitung Edition, München 2013, ISBN 978-3-86497-167-9

Literatur[Bearbeiten]

  • Winfried Hassemer: Lob des anderen. Laudatio zur Verleihung des Siebenpfeiffer-Preises 1999 an Heribert Prantl. In: Winfried Hassemer: Freiheitliches Strafrecht. Philo-Verlag Berlin 2001, S. 55 ff., ISBN 3-8257-0142-5
  • Die Stimme der Vernunft (Interview), in: freischuss. das magazin für jurastudierende, Wintersemester 2007/08, S. 6 bis 9. cfmueller-campus.de pdf
  • Heribert Prantl, in: Internationales Biographisches Archiv 17/2008 vom 22. April 2008, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heribert Prantl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Internationales Biographisches Archiv
  2. A. a. O. Seite VII books.google
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTheodor Wolff Preis: Dr. Heribert Prantl. Abgerufen am 23. Februar 2012.
  4. http://www.geschwister-scholl-preis.de/preistraeger_1990-1999/1994/index.php
  5. Winfried Hassemer: Lob des anderen, in ders: Freiheitliches Strafrecht. Philo-Verlag Berlin 2001, S. 55 ff.
  6. hingesehen.net
  7. Heribert Prantl: Der Verfassungsschützer, Süddeutsche Zeitung vom 10. Juli 2012, Seite 3.
  8. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 31. Juli eine Klarstellung: In eigener Sache, 31. Juli 2012, Seite 3
  9. Frankfurter Rundschau: SZ-Autor trickst bei Voßkuhle-Porträt, 30. Juli 2012
  10. Sönke Paulsen: Augstein neuer Spiegel-Chef?, in: der Freitag, 5. Mai 2013.
  11. Universität Bielefeld: Dr. Heribert Prantl neuer Honorarprofessor der Fakultät für Rechtswissenschaft
  12. Universität Wien: Heribert Prantl als Theodor-Herzl-Dozent an der Universität Wien, 7. April 2011
  13. http://www.stiftung-projustitia.de/st_stiftungsbeirat.html
  14. Franz Kotteder: Wohnhaft im Grundgesetz, in Süddeutsche Zeitung, 10. Oktober 2011.
  15. Josef Seitz, Günther Bähr: Wünsch dir einen Chef!, in: Focus, Ausgabe 51, 17. Dezember 2007.
  16. Munzinger: Heribert Prantl, Stand Kalenderwoche 29/2013
  17. O-Ton und Text im offenen Archiv von radio-luma.net