Sollenau

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Sollenau
Wappen von Sollenau
Sollenau (Österreich)
Sollenau
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Niederösterreich
Politischer Bezirk: Wiener Neustadt-Land
Kfz-Kennzeichen: WB
Fläche: 10,7 km²
Koordinaten: 47° 54′ N, 16° 15′ O47.916.25277Koordinaten: 47° 54′ 0″ N, 16° 15′ 0″ O
Höhe: 277 m ü. A.
Einwohner: 4.737 (1. Jän. 2014)
Bevölkerungsdichte: 443 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 2601, 2602
Vorwahl: 02628
Gemeindekennziffer: 3 23 27
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptplatz 1
2601 Sollenau
Website: www.sollenau.noe.gv.at
Politik
Bürgermeister: Stefan Wöckl (SPÖ)
Gemeinderat: (2010)
(25 Mitglieder)
14
7
3
1
14 
Von 25 Sitzen entfallen auf:
Lage der Marktgemeinde Sollenau im Bezirk Wiener Neustadt-Land
Bad Erlach Bad Fischau-Brunn Bad Schönau Bromberg Ebenfurth Eggendorf Felixdorf Gutenstein Hochneukirchen-Gschaidt Hochwolkersdorf Hohe Wand Hollenthon Katzelsdorf Kirchschlag in der Buckligen Welt Krumbach Lanzenkirchen Lichtenegg Lichtenwörth Markt Piesting Matzendorf-Hölles Miesenbach (Niederösterreich) Muggendorf Pernitz Rohr im Gebirge Schwarzenbach Sollenau Theresienfeld Waidmannsfeld Waldegg Walpersbach Weikersdorf am Steinfelde Wiesmath Winzendorf-Muthmannsdorf Wöllersdorf-Steinabrückl Zillingdorf Wiener Neustadt NiederösterreichLage der Gemeinde Sollenau im Bezirk Wiener Neustadt-Land (anklickbare Karte)
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Österreich/Wartung/Lageplan Imagemap
(Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria)

Sollenau ist eine Marktgemeinde mit 4737 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2014) im Bezirk Wiener Neustadt-Land in Niederösterreich.

Geografie[Bearbeiten]

Die Marktgemeinde Sollenau liegt im Industrieviertel in Niederösterreich, rund 10 km nördlich von Wiener Neustadt, und wird von der Piesting sowie vom Wiener Neustädter Kanal durchflossen. Nördlich der Piesting liegen um das Ortszentrum die Ortsteile Kirchenfeld, Sonnenhain, Waldparkanlage, Brunnenfeld und Rosenried, südlich das Petrifeld, Benzol-Siedlung und die Böhler. Die Fläche der Marktgemeinde umfasst 10,69 Quadratkilometer. 4,03 Prozent der Fläche sind bewaldet.

Die Marktgemeinde Sollenau ist deckungsgleich mit der gleichnamigen Katastralgemeinde, in der, neben Sollenau, als Ortschaften (jeweils Dorf) Böhler sowie Petrifeld amtlich geführt werden.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Vor Christi Geburt war das Gebiet Teil des keltischen Königreiches Noricum und gehörte zur Umgebung der keltischen Höhensiedlung Burg auf dem Schwarzenbacher Burgberg, welche Hauptort für das gesamte Nord-Ost-Norikum war.

Später unter den Römern lag das heutige Sollenau dann in der Provinz Pannonia.

Der Name Sollenau wird 1166 in einer in Hartberg ausgestellten Schenkungsurkunde erstmals erwähnt. Er zählt sicherlich zu den älteren Ansiedlungen auf dem Steinfeld. Der Name Sollenau wurde in den vielen Jahren verändert, der Ursprungsname lautete Salenau, von den vielen Sal- und Trauerweiden. Im österreichischen Kernland Niederösterreich liegend teilte der Ort die wechselvolle Geschichte Österreichs. Zur 850-Jahr-Feier wird auf die Website der Pfarre Sollenau verwiesen.[2]

Industriegeschichtlich war der Ort bestimmt von der Nutzung der Wasserkraft der Piesting (Kalter Gang). Am Flusslauf entstanden eine Säbelklingenfabrik (1754–1764), aus dieser ein Kupferhammer (1775 bis nach 1841), danach die von Peter von Braun (1758–1819) gegründete Baumwollspinnerei (1811–1928).[3]

Wenn auch der Anteil des Gemeindegebiets an der sich östlich erstreckenden Trockenen Ebene gering ist, sind die militärischen Einrichtungen des Steinfeldes für den Ort bis heute von wirtschaftlicher Bedeutung. Waren es ursprünglich von Mannschaften zu bewachende Schießanlagen,[Anm. 1] Pulver- wie Munitionsdepots, durch die Sollenau gegenüber Explosionen besonders exponiert war, so kam mit dem Ersten Weltkrieg eine sich unweit der Gemeinde ausbreitende Kriegsindustrie. Heute sind der Schießplatz Felixdorf, die Jansa-Kaserne auf dem ehemaligen Großen Mittel sowie andere Einrichtungen der österreichischen Heeresverwaltung mittelbare lokale Wirtschaftsfaktoren.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Religion[Bearbeiten]

Nach den Daten der Volkszählung 2001 sind 60,5 % der Einwohner römisch-katholisch und 4,2 % evangelisch. 9,5 % sind Muslime, 2,2 % gehören orthodoxen Kirchen an. 21,6 % der Bevölkerung haben kein religiöses Bekenntnis.

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderatswahlen
 %
70
60
50
40
30
20
10
0
54,21 %
(-14,50 %p)
29,73 %
(+8,45 %p)
11,29 %
(+5,91 %p)
4,77 %
(+0,13 %p)
2005

2010


Bürgermeister der Marktgemeinde ist Stefan Wöckl. Vizebürgermeister ist Franz Bauernfeind. Amtsleiterin ist Andrea Weber. Im Marktgemeinderat gibt es bei insgesamt 25 Sitzen folgende Mandatsverteilung nach der Gemeinderatswahl vom 14. März 2010: SPÖ 14, Liste ÖVP 7, FPÖ 3, FOSO 1, andere Parteien haben keine Sitze.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Sollenau

In der Pfarrkirche St. Laurentius wurde nach dem Abschluss der Renovierungsarbeiten im Jahr 2007 ein Pfarrmuseum eingerichtet.[4]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Sollenau liegt verkehrsgünstig sowohl an Süd- und Aspangbahn als auch an der Wiener Neustädter Straße (B17), sodass sowohl Wien als auch die Bezirkshauptstadt Wiener Neustadt gut erreichbar sind. Nichtlandwirtschaftliche Arbeitsstätten gab es im Jahr 2001 191, land- und forstwirtschaftliche Betriebe nach der Erhebung 1999 27. Die Zahl der Erwerbstätigen am Wohnort betrug nach der Volkszählung 2001 2055. Die Erwerbsquote lag 2001 bei 45,92 Prozent.

Der einst durch Landwirtschaft geprägte Ort entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einer modernen Industriegemeinde mit gut ausgebauter Infrastruktur. Wichtige ansässige Betriebe sind:

  • Das 1997 gegründete Sägerwerk Sollenau ist seit dem Aufkauf Teil der Stora Enso Timber AG (Einstellung des Sägebetriebes mit Ende des 1. Quartales 2014, der Hobelwaren- und Leimholzproduktion mit Ende des 2. Quartales 2015).
  • Das über lokale Grenzen hinaus bekannte Schuhhaus Wunderl ist eines der bekanntesten Geschäfte Sollenaus.
  • Die Fleischerei Doris Steiner-Bernscherer sowie die Konditorei Trahbüchler erreichten für ihre Produkte regionale und überregionale Preise.
  • Die KBO Kunststoffpulverbeschichtung Erich Ostermann GmbH. & Co.KG betreibt einen Standort in Sollenau.
  • Bau und Möbeltischlerei Reisner, gegründet 1968.
Sollenau (links unten) und Umgebung um 1873 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Durch das Gemeindegebiet Sollenau führt von der Südbahn-Station Felixdorf eine am 11. Jänner 1889 als Schleppbahn zu den Artilleriemagazinen auf dem Steinfeld in Betrieb genommene eingleisige normalspurige Linie, die 1890–93 als militär-ärarische Schleppbahn von Felixdorf nach Blumau für den Lokomotivbetrieb erneuert bzw. erweitert, 1915 von ihrer Endstelle Blumau bis Tattendorf an der Aspangbahn verlängert und am 15. Mai 1928 (als 10,9 km lange) Lokalbahn Felixdorf–Tattendorf für den öffentlichen Verkehr freigegeben[5]wurde.[6] Nach Einstellung des Personenverkehrs Tattendorf–Blumau 1932[7] und der späteren Abtragung dieses Streckenteils wurde im Laufe der Zeit aus dem Linienrest Blumau-Neurißhof–Felixdorf eine für gelegentliche Gütertransporte bis heute bestehende Schleppbahn – die in dieser Funktion Ende Oktober 2013 zu medienwirksamen Protesten aufseiten anwohnender Sollenauer Bürger führte, als bekannt wurde, dass das Unternehmen Wopfinger Transportbeton GmbH plant, an einem von der Schleppbahn abzuzweigenden Stockgleis entlang der Großmittelstraße einen 400 Meter langen (auf dem Gemeindegebiet von Eggendorf gelegenen) Verladebahnhof (Welt-Icon47.8914516.2639) für 1,6 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial aus dem Semmering-Basistunnel zu errichten.[8]

Ende November 2013 nahm das Österreichische Bundesheer, das die Liegenschaft dem Unternehmen für eine Umladedeponie zur Verfügung gestellt hätte, mit Rücksicht auf die Einwände der vom Vorhaben Betroffenen Abstand von seinem Angebot; das Unternehmen jedoch betonte, auch weiterhin von einer Deponie auf dem Gemeindegebiet von Sollenau (bzw. in dessen Nahbereich) auszugehen.[9]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl Goll: Geschichte des Marktes Sollenau. Herausgegeben von der Marktgemeinde Sollenau anlässlich des 750jährigen Bestandes des Marktes. Verlag der Marktgemeinde Sollenau, Sollenau 1908. OBV
  • Rudolf Hock: Die „Benzol“. Zur Geschichte des Filialwerkes der k.u.k. Pulverfabrik in Sollenau. In: Klaus Mulley (Hrsg.): Österreichs Pulverschmiede. Die Rüstungsindustrie am Steinfeld-Groß Mittel. 125 Jahre Pottendorfer Linie. Eigenverlag der Gewerkschaft der Eisenbahner, Ortsgruppe Ebenfurth-Pottendorf, Ebenfurth 1996, ISBN 3-9500563-1-7 (formal falsche ISBN), S. 69–86.
  • Günther Kerschbaumer: Sollenau in alten Ansichten. (Geschichte 1898–1930). Europäische Bibliothek, Zaltbommel 1997, ISBN 90-288-6434-2.
  • Raimund Fischer, Heimat-Verlag (Hrsg.): Sollenau … wie es einmal war! Ein Bilderalbum mit historischen Fotografien aus der Zeit 1955–1970, erschienen aus Anlass „850 Jahre erste urkundliche Erwähnung von Sollenau“. Heimat-Verlag, Schwarzach 2007. OBV
  • Günter Kerschbaumer: Chronik Sollenau. Marktgemeinde Sollenau, Sollenau 2008. OBV

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Sollenau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Niederösterreich / Schwarzau am Steinfeld – Spitz / 444. Sollenau. In: Österreichischer Amtskalender online. Jusline Österreich GmbH (Verlag Österreich), Wien 2002–, ZDB-ID 2126440-5.
  2. Website der Pfarre Sollenau
  3. Manfred Hösch: Lagetypologie der Industriebetriebe im Viertel unter dem Wienerwald bis 1850. Dissertation. Technische Universität Wien, Wien 1984, S. 86, 258, 498. – Volltext (Textband) online, (PDF; 16,5 MB).
  4. Pfarre Sollenau: Pfarrmuseum
  5. BGBl 1928/111. In: Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich, Jahrgang 1928, S. 686. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/bgb.
  6. Johann Witz: 1. „Felixdorf–Steinfeld“, „Felixdorf–Blumau-Neurißhof–Tattendorf“, (…). In: Alfred Horn (Red.): Eisenbahn. Fachbeilage „Die Modelleisenbahn“. Heft 12/1974 (XXVII. Jahrgang). Minirex, Luzern 1974, ISSN 1421-2900, ISSN 0013-2756, S. 182.
  7. Hellmuth Fröhlich: Vergessene Schienen. (…) 6. Blumau-Neurißhof–Tattendorf. In: Alfred Horn (Red.): Eisenbahn. Mitteilungsblatt des Verbandes der Eisenbahnfreunde. Fachbeilage „Die Modelleisenbahn“. Heft 5/1968 (XXI. Jahrgang). Minirex, Luzern 1968, ISSN 1421-2900, ISSN 0013-2756, S. 70.
  8. „Supergau in Sachen Lärm“. In: kurier.at, 31. Oktober 2013, abgerufen am 1. November 2013;
    Schotterbahnhof: Schnecken verhindern Lösung. In: noe.orf.at, 2. November 2013, abgerufen am 7. November 2013.
  9. Bundesheer gegen Entladebahnhof Sollenau. In: noe.orf.at, 21. November 2013, abgerufen am 21. März 2014;
    Wopfinger Verladebahnhof geht in die dritte Runde. In: meinbezirk.at, 8. März 2014, abgerufen am 21. März 2014.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Nur etwa 100 m von der Sollenauer Gemeindegrenze entfernt befinden sich die Überreste der (ca. ab 1890 über die von Felixdorf kommende Schleppbahn versorgte) Anlage Küstengeschütz (Welt-Icon47.8922916.26082), mit der seit Ende der 1860er Jahre die schwersten Artilleriegeschütze (Richtung Nordwest-Pottendorf) probegeschossen wurden.
    Um 1873 musste wegen der sich vedichtenden Besiedlung Wiens der zweite Artillerieschießplatz auf der Simmeringer Haide aufgegeben werden, was (im Zuge einer Vergrößerung des militär-ärarischen Areals) eine bedeutende Zunahme der Schießversuche auf dem Steinfeld nach sich zog und für die Sollenauer Bevölkerung eine weitere Beeinträchtigung durch akustische wie druckerzeugende Ereignisse bedeutete. – Siehe: Aus den Verhandlungen der Handels- und Gewerbekammer für das Erzherzogthum Oesterreich unter der Enns am 4. September 1872. (…) 16. Bericht der dritten Section über die Bedeutung des Wiener-Neustädter Steinfeldes für die Industrie. In: Wiener Zeitung, Nr. 210/1872, 13. September 1872, S. 918, oben links. (Online bei ANNO)Vorlage:ANNO/Wartung/wrz.