Gubbio

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Gubbio
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Gubbio (Italien)
Gubbio
Staat: Italien
Region: Umbrien
Provinz: Perugia (PG)
Koordinaten: 43° 21′ N, 12° 34′ O43.3512.566666666667522Koordinaten: 43° 21′ 0″ N, 12° 34′ 0″ O
Höhe: 522 m s.l.m.
Fläche: 525 km²
Einwohner: 32.355 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 62 Einw./km²
Postleitzahl: 06024, 06020
Vorwahl: 075
ISTAT-Nummer: 054024
Volksbezeichnung: Eugubini
Schutzpatron: Sant’Ubaldo Baldassini (16. Mai)
Website: Gubbio
Panorama von Gubbio
Panorama von Gubbio

Gubbio ist eine Stadt in der Region Umbrien in Italien mit 32.355 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2012), die Eugubini genannt werden (das eigentliche Stadtgebiet hat 17.000 Einwohner). Gubbio liegt in 522 m Höhe an den Hängen des Monte Ingino im Apennin. In der Antike hieß der Ort Iguvium, seit dem Mittelalter volkssprachlich Agobbio[2], die Bewohner Agobbini[3].

Gubbio ist Sitz des Bistums Gubbio der Römisch-katholischen Kirche.

Geografie[Bearbeiten]

Gubbio liegt ca. 35 km nordwestlich der Regionshauptstadt Perugia. Im südöstlichen Gemeindegebiet entspringt der Fluss Chiascio.

Zu den Ortsteilen gehören Belardello, Bellugello, Bellugello Biscina, Belvedere, Birello, Borgo Torre, Branca, Caibelli, Caicambiucci, Caimariotti, Camporeggiano, Canalecce, Carbonesca, Carestello, Carpiano, Casacce, Casamorcia, Casanova di Torre, Case Colle, Case Fontarcano, Case Mocaiana, Case Monteleto, Case Santa Maria Maddalena, Case Sant’Erasmo, Case Vignoli, Cima San Benedetto, Cipolleto, Colombara, Colonnata, Colpalombo, Corraduccio, Decima, Febino Casacce, Fontanelle, Fonte Cese, Fonte della Salsa, Ghigiano, Goregge, Intonacato Basso, Lastreto, Le Trosciacce, Loreto Basso, Madonna del Ponte, Mengara, Mocaiana, Molino di Camporeggiano, Montanaldo, Monteleto, Montelovesco, Monteluiano, Morena, Murcie, Nerbisci, Nogna, Padule, Padule-San Marco, Palazzaccio, Petazzano, Petroia, Pian Grande, Piccola Piaggiola, Pieve di Agnano, Pisciano, Raggioli, Ritirata, Salia, Salia Parrocchia, San Bartolomeo, San Bartolomeo di Burano, San Benedetto Vecchio, San Cristoforo Basso, San Marco, San Martino in Colle, Santa Cristina, Santa Margherita di Burano, Sant’Ubaldo, Scritto, Semonte, Semonte - Casamorcia, Semonte Castello, Serrabrunamonti, Sorbo, Spaccio Monteluiano, Spada, Stazione di Camporeggiano, Stazione di Padule, Torre Calzolari, Torre dell’Olmo, Valdichiascio, Vallingegno, Venata, Vignoli, Villamagna und Zangolo.

Die Nachbargemeinden sind Cagli (PU), Cantiano (PU), Costacciaro, Fossato di Vico, Gualdo Tadino, Perugia, Pietralunga, Scheggia e Pascelupo, Sigillo, Umbertide und Valfabbrica.

Geschichte[Bearbeiten]

Iguvium war ein bedeutendes Zentrum der Umbrer an einer wichtigen Straße vom Tyrrhenischen Meer zur Adria über den Pass von Scheggia. Bereits in vorrömischer Zeit prägte Iguvium eigene Münzen mit den Aufschriften IKVVINI und IKVVINS. Wohl aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. stammen die ältesten der sieben Bronzetafeln (Iguvinische Tafeln), deren religiöse Vorschriften zu den wichtigsten Zeugnissen für die umbrische Sprache gehören.

Ab 268 v. Chr. gehörte Iguvium als civitas foederata („verbündete Stadt“) zum römischen Einflussbereich und diente den Römern 167 v. Chr. als Verbannungsort für den illyrischen König Genthios. Nach dem Bundesgenossenkrieg wurden die Einwohner römische Bürger; die Stadt gehörte fortan als Municipium zur Tribus (Stimmbezirk) Clustumina. Iguvium wurde zu Beginn des Bürgerkrieg 49 v. Chr. von den Truppen Gaius Iulius Caesars eingenommen.[4] Zur Zeit des Augustus wurde die Stadt von der Spitze des Monte Ingino nach unten an dessen Abhänge verlegt. Während der römischen Kaiserzeit verlor Iguvium an Bedeutung, weil die Via Flaminia die Stadt nur in einigen Meilen Entfernung passierte. An archäologischen Überresten sind ein Theater aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. erhalten, ferner Reste von Häusern, Brennöfen und Gräber. Im heutigen Ortsteil Monteleto am Rand des antiken Territoriums der Stadt befand sich ein großer Tempel.

Iguvium war ein Stützpunkt auf dem byzantinischen Korridor, der Rom und Ravenna verband. Im Mittelalter war Gubbio vom Anfang des 12. bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts selbständig. Das heutige Zentrum ist mittelalterlich und von engen Straßen und gotischen Bauten geprägt. Herausragendes Bauwerk ist der Palazzo dei Consoli, in dem die Iguvinischen Tafeln aufbewahrt sind.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Gubbio zum Schauplatz eines Massakers der deutschen Wehrmacht. Soldaten der 114. Jägerdivision erschossen als Vergeltungsmaßnahme für einen Partisanenangriff am 22. Juni 1944 40 Einwohner des Ortes.

Der Roman Reise im Mondlicht von Antal Szerb handelt zum Teil in Gubbio.

Architektur[Bearbeiten]

Die Städte Umbriens liegen meistens auf Berghängen und die zeitgenössischen Architekten konnten damit ganz gut umgehen. Aber was Gubbio hier bietet, das ist auch für diese Verhältnisse außergewöhnlich.

Palazzo dei Consoli (Priorenpalast)[Bearbeiten]

Auf halber Höhe des Berges liegt der Priorenpalast, dem man von weitem nicht ansieht, in welch extremer Hanglage er errichtet wurde. Er ist buchstäblich zum größten Teil „in die Luft hinein“ gebaut worden. Dieser Priorenpalast von Gubbio wird in der Literatur als einer der bedeutendsten mittelalterlichen Kommunalpaläste und die ganze Form als eine der kühnsten städtebaulichen Unternehmungen des italienischen Mittelalters gewertet. Der Palazzo dei Consoli wurde im Jahr 1332 höchstwahrscheinlich von dem Stadtarchitekten Matteo di Giovannello, kurz Gattapone genannt, erbaut, der entweder aus Gubbio selbst oder aus Urbino stammte.

In diesem Konsulnpalast besteht das riesige Untergeschoss aus einem einzigen Raum, dem Großen Saal, in dem Ratsversammlungen und Volksanhörungen stattfanden. In dem Geschoss darüber ist ein kleines Museum untergebracht.

Umgebung[Bearbeiten]

Gegenüber dem Konsuln-Palast steht auf der anderen Platzseite der Palazzo Pretorio, ebenfalls von Gattapone geplant, aber nicht vollendet. Hier ist heute das Rathaus untergebracht.

Die Straßenseite des Platzes zeigt einige Adelshäuser, die durch das Zusammenbinden vorher autonomer Häuser entstanden sind. An den Dächern kann man sehen, dass es ursprünglich separate Bauwerke waren. Die Fassaden sind dann vereinheitlicht worden, besonders durch die davor gesetzte Kolossalordnung in den oberen Geschossen. Seit dem 15. Jahrhundert hat sich in Gubbio wenig verändert und dank des harten Kalkgesteins auch gut erhalten.

Dom[Bearbeiten]

Die Piazza della Signoria ist nicht die höchste Stelle Gubbios. Noch höher liegt der Dom, der ähnlich mit Substruktionen abgestützt werden musste und den man durch enge, malerische Gassen erreicht. Die Fassade des Domes aus dem ausgehenden 13. Jahrhundert blickt auf einen winzigen Platz, der ebenso stark geneigt ist wie der Weg, den man zu ihm hochgehen muss. Der Innenraum ist ebenfalls von der starken Hanglage bestimmt. Er ist einschiffig und zur Stabilisierung des Gebäudes war der Einbau von Schwibbögen notwendig statt der üblichen Gliederung.

Feste[Bearbeiten]

Corsa dei Ceri
  • Am 15. Mai findet alljährlich die Corsa dei Ceri, ein Fest zu Ehren des Patrons der Stadt, des Heiligen Ubald von Gubbio (* ca. 1080/1085 in Gubbio; † 16. Mai 1160 Gubbio) statt. Dabei tragen drei Mannschaften, alle in historischer Kleidung, jeweils eine fünf Meter hohe und 400 Kilogramm schwere Statue (eine des heiligen Ubaldo, eine des Heiligen Antonius und eine des Heiligen Georg) auf den Monte Ingino zur Basilika des Heiligen Ubald, dies möglichst schnell - der Gewinner steht allerdings vorher schon fest: die Mannschaft, die die Statue des Sant’Ubaldo trägt, muss gewinnen, weil dieser ja der Patron der Stadt ist.
  • Am letzten Sonntag im Mai gibt es den Palio della Balestra, eine folkloristische Veranstaltung mit mittelalterlichen Kostümen, Armbrustschießen und Fahnenschwenkern.

Kreide-Tertiär-Grenze[Bearbeiten]

International berühmt in der Wissenschaft wurde Gubbio durch die Iridium-Anomalie an der Kreide-Tertiär-Grenze in Gesteinen bei Gubbio durch Vater Luis Walter Alvarez und Sohn Walter Alvarez, die unter Geologen und Paläontologen eine weltweite Diskussion auslöste. In weiterer Folge der Alvarez-Theorie, die heute weitgehend anerkannt ist, ist die Todesursache der Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag im heutigen Golf von Mexiko (Yucatán) zu erklären. Die erhöhte Konzentration von Iridium aus dem Meteoriten wurde von den beiden Wissenschaftlern 1980 in den Gesteinen bei Gubbio zum ersten Mal nachgewiesen.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Partnerstädte von Gubbio sind[5]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Gubbio geboren[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Lawrence Richardson: Iguvium (Gubbio) Umbria, Italy. In: Richard Stillwell u. a. (Hrsg.): The Princeton Encyclopedia of Classical Sites. Princeton University Press, Princeton, N.J. 1976, ISBN 0-691-03542-3.
  • Giovanni Uggeri: Iguvium. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 5, Metzler, Stuttgart 1998, ISBN 3-476-01475-4.
  • Caroline Malone, Simon Stoddart: Territory, time and State. The archaeological development of the Gubbio Basin, Cambridge University Press, 1994.
  • Rosella Vantaggi: Gubbio. Arte – storia – folklore. Terni, Narni 1986
  • Klaus Zimmermanns: Umbrien. DuMont, Köln 1987, ISBN 3-7701-1684-4, S. 31, Abb. 1-4, Farbtafel 1 (Kunst-Reiseführer)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gubbio – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2012.
  2. Dante, Commedia, Purgatorium, XI, v. 80: l'onor d'Agobbio, d.i. Anfang 14. Jhd, uva. uvm.
  3. Giovanni Villani, Nuova Cronica, X/226: Per la qual cosa i Perugini, e Agobbini, e Orbitani, e Sanesi, e Bolognesi, (...), d.i. 14. Jhd.
  4. Caesar, de bello civili 1, 12, 1.
  5. Comuni dell’Umbria